Nachtfotografie – was ist das überhaupt? Welche Motive gibt es? Und gibt es einen wirklich guten Grund, nachts mit der Kamera rauszugehen? Ja, den gibt es. Dieser Artikel ist der Einstieg in meine ganze Nachtfotografie-Serie: Hier bekommst du den Überblick über die Motive, von hier führt dich jeder Block in den passenden Detailartikel.
Was macht die Nachtfotografie so besonders?
Nachtfotografie gelingt wie kaum ein anderes Genre nur mit einem besonders hohen Maß an Überwindung. Aber dafür wirst du belohnt: Die Fotos, die nachts entstehen, wirken auf jeden Betrachter geheimnisvoll und faszinierend. Woran liegt das?
Kennst du den Satz „Nachts sind alle Katzen grau“? Der kommt nicht von ungefähr: Bei besonders wenig Licht schalten unsere Augen auf eine Art Restlichtverstärkung um. Dabei sehen wir dann fast nur noch in Schwarz-Weiß.
Kameras hingegen erfassen die Farben in der Nacht genauso wie am Tag. Dadurch wirken Fotos häufig viel gesättigter, als wir es selbst mit unseren Augen gesehen haben. Dazu kommen die verschiedenen Farbstiche des Kunstlichts: Jede Lichtquelle hat ihre eigene Farbtemperatur – von grünlichen Neonröhren über gelbes Halogenlicht bis zu LEDs mit Farbwechslern.
Hast du dich schon einmal an der Nachtfotografie versucht? Wenn ja, hattest du am Anfang wahrscheinlich ziemlich zu kämpfen. Die richtige Belichtung zu finden, die passende Farbabstimmung und eine gehörige Portion Motivation, nachts rauszugehen, sind die Hauptprobleme.

Bei der Motivation kann ich dir nicht helfen, doch die technischen und gestalterischen Probleme schaffen wir mit dieser Artikelserie aus der Welt. Zuerst aber ein kleiner Überblick, welche Motive du nachts überhaupt fotografieren kannst – und welche davon fast magisch wirken.
Nachtfotografie: die Motive und Ideen
Nicht jedes Motiv eignet sich, nachts fotografiert zu werden. Doch die, die ich dir jetzt empfehle, haben es wirklich in sich:
Stadtlandschaften
Da wären zuerst die Motive im urbanen Raum. In der Stadt ist es nachts vergleichsweise hell – deshalb hast du hier die wenigsten Probleme, tolle Nachtfotos zu machen. Außerdem bieten dir die vielen verschiedenen Lichtquellen interessante Farbspiele. Aus punktförmigen Lichtern lassen sich mit der richtigen Blende sogar Blendensterne als Sterneffekt gestalten.
Es gibt meist auch keine großen, ausgedehnten schwarzen Bereiche, die dich vor Schwierigkeiten stellen. Stattdessen ist alles recht gut ausgeleuchtet, was ein problemloses Fotografieren ermöglicht. Ein paar Beispiele:


Lichtspuren von Autos und Co.
Ebenfalls häufig in Städten anzutreffen sind die Lichtspuren von Autos. Aber auch eine Straße auf dem Land kannst du dafür nutzen. Wenn du weißt, wie es geht, ist es ganz einfach, diese Spuren auf ein Foto zu bekommen – wie das genau funktioniert, zeige ich dir im Detailartikel Lichtspuren fotografieren.
Besonders interessant sind Lichtspuren, die zwischendurch unterbrochen sind: Die Blinker von Autos oder ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht sorgen für ganz andere Spuren als die normalen Scheinwerfer. Radfahrer hinterlassen lustig-zackelige Linien, weil sie ständig das Gleichgewicht halten und kleine Lenkbewegungen machen. Und besonders schön sind die Lichtspuren von Schiffen.



Lichtmalerei
Mit den Lichtspuren sind wir ganz nah an der Lichtmalerei. Dabei geht es um Fotos, bei denen du selbst bestimmst, welche Lichtspuren aufgenommen werden.
Egal, ob du mit einer Taschenlampe, Lichterketten, Wunderkerzen oder anderen Lichtquellen „malst“: Du selbst sorgst für die Spuren, was dir viele Gestaltungsmöglichkeiten gibt und dem Betrachter ein großes Aha entlockt. Dabei liegt alles in deiner Hand – du kannst abstrakte Spuren malen oder einzelne Wörter schreiben. Wenn du es besonders anspruchsvoll magst, schreibst du deiner Liebsten ein Liebesgedicht in den Abendhimmel. Oder du brennst ein Kilo Stahlwolle ab: extrem experimentell, ein klein wenig gefährlich – aber die Ergebnisse lohnen den Aufwand. Irgendwo zwischen Lichtspuren und Lichtmalerei liegen auch Fotos von Fahrgeschäften auf der Kirmes.


Feuerwerk
Auch das Fotografieren von Feuerwerk ist eine Art Lichtspur. Technisch ist es allerdings etwas ganz anderes: Feuerwerk bekommst du im Gegensatz zu den bisherigen Motiven nur im manuellen Modus erfolgreich aufs Bild. Bei der Nachtfotografie lernst du deine Kamera eben richtig kennen.
Dafür bekommst du tolle Aufnahmen und hältst die atemberaubenden Momente eines gut gemachten Feuerwerks für die Nachwelt fest. Und nicht nur das eigentliche Feuerwerk ist interessant – die Umgebung mit einzubeziehen, ist oft eine sehr gute Idee. Wie du dabei vorgehst, liest du im Detailartikel Feuerwerk fotografieren.



Gewitter und Polarlichter
Auf ganz natürliche Art entstehen Gewitter und Polarlichter. Auch die fotografierst du am besten nachts. Bei beiden stellt dich das Timing vor eine große Aufgabe: Sie treten nur lokal und zeitlich kurz begrenzt auf. Wenn du dann aber vor Ort bist und eines von beiden erlebst, ist es fantastisch, welche Fotos dabei entstehen.
Ich selbst habe mein erstes Polarlicht 2012 fotografiert und mich diebisch gefreut, als mir das gelungen ist. Du kennst mein Motto: „Gute Fotos sind eine Überwindungsprämie!“ Genau das hilft dir beim Fotografieren von Gewittern und Polarlichtern besonders – du musst raus, du musst danach suchen, und dann musst du es tun.
Diese extrem flüchtigen Motive sind sicher am schwierigsten zu fotografieren, denn viele trauen sich vor allem beim Gewitter nachts nicht raus oder sind zu bequem, den passenden Moment zu erwischen. Doch mit etwas Überwindung gelingen sie dir. Wann und wo du Polarlichter erwischst, liest du in Polarlichter fotografieren; für die Jagd auf Gewitter-Blitze gibt es einen eigenen Beitrag.


Astrofotografie
Wenn ich von Astrofotografie spreche, meine ich den gesamten Abendhimmel, den Mond, Sternschnuppen oder die Milchstraße. Alles, was sich nur mit Teleskopen fotografieren lässt, interessiert mich erst einmal gar nicht – ich habe keines.
Wenn ich dir im Rahmen dieser Serie also Astrofotos zeige, werden das niemals einzelne Planeten, Gasnebel, entfernte Galaxien oder andere Deep-Space-Objekte sein. So weit brauchen wir gar nicht in die Tiefen des Weltraums zu schauen: Auch im „Nahbereich“ und in der Gesamtübersicht des Abendhimmels finden wir allerlei Motive, die sich lohnen. Wie du die Milchstraße einfängst, zeige ich dir in Milchstraße fotografieren.



Die Praxis: So geht Nachtfotografie
Jetzt interessiert dich sicher eines: Wie fotografierst du nun praktisch in der Nacht? Den kompletten Ablauf für den Standardworkflow findest du im nächsten Schritt der Serie – die richtigen Einstellungen für die Nachtfotografie. Dort gehe ich Schritt für Schritt durch Belichtung, Schärfe und Aufbau.
Ganz ohne Ausrüstung geht es nicht: Stativ, ein passendes Objektiv, ein Fernauslöser und ein paar weitere Dinge gehören dazu. Welche das genau sind, liest du im Beitrag über das Zubehör – und alle weiteren Themen findest du in der Serienübersicht weiter unten.
Buch zum Thema
Wenn du tiefer einsteigen willst: Zur Nachtfotografie habe ich ein eigenes Buch geschrieben, in dem ich das Thema von Grund auf und mit vielen eigenen Aufnahmen behandle. Du findest es als eBook „Nachtfotografie“.

Die ganze Nachtfotografie-Serie
- Nachtfotografie: Überblick & Motive (dieser Beitrag)
- Nachtfotografie: die richtigen Einstellungen
- Nachts scharfstellen
- Blendensterne & Sterneffekt
- Lichtspuren fotografieren
- Feuerwerk fotografieren
- Polarlichter: wann & wo
- Polarlichter in Deutschland
- Sternschnuppen fotografieren
- Milchstraße fotografieren
- Milchstraße: Bildbearbeitung
- Nach rechts belichten (ETTR)
- Bildrauschen entfernen in Lightroom
- HDR in Lightroom
- Gewitter-Blitze fotografieren
- Zubehör für die Nachtfotografie
- Nachtfotografie: Trondheim
- Nachtfotografie: Leser-Ergebnisse
Bildnachweis
Transparenz ist mir wichtig: Die in diesem Überblick gezeigten Beispielfotos stammen von Pixabay und dürfen dort kostenlos genutzt werden. Ich nenne die Namen der Fotografen trotzdem gern. In der Reihenfolge der Bilder auf dieser Seite: trinhkien91, 1919021, GerdRohsDesign, tpsdave, tpsdave, tpsdave, flohrflohr, Karsten73, skeeze, Erad, Unsplash, Pexels, tpsdave, alsen, Unsplash, skeeze, Unsplash. Beitragsbild: kindgzoreoo.

Hallo Karsten, ein gelungener Einstieg in die Reihe Nachtfotografie. Ich wünschte mir, dass morgen wieder Freitag wär. Bin jetzt schon gespannt auf die Fortsetzung. Und vielleicht komme ich ja mal dazu Einiges auszuprobieren.
Wie immer war der Beitrag leicht verständlich und sehr informativ geschrieben…. einfach weiter so.
LG Mathias
Wird gemacht! Danke. 🙂
Wow – DAS ist MEIN Thema. Damit es bei mir keine „Shit in – shit out“-Fotos mehr gibt ?
Also Lichtspuren, Astrofotografie, Feuerwerk – da habe ich jede Menge Lust drauf und da freue ich mich natürlich auf die nächsten Beiträge von dir. ? Kann da den Mathias gut verstehen
Hoffe, dass ich dass dann auch vernünftig umsetzen kann.
Was mir noch einfällt – habe da leider noch nie von Jemanden eine gescheite Antwort bekommen können: Nachtfotografie – Zum Beispiel das Köln-Foto . Wird bestimmt vom Triangel Köln gemacht worden sein – Da ist aber auch wieder das Problem: Dicke, gebogene Glasscheibe, Lichtquellen aus dem Hintergrund, die sich gerne in der Scheibe spiegeln… – Wie bekommt man das vernünftig hin ?
Vielleicht ein kleines Thema für dein Buch ?
Kann deinen nächsten Beitrag kaum erwarten. Einfach ein grandioses Thema und dann noch ein grandioser Karsten. Top ?
E-mail ist raus ?
Ja, das mit den Glasscheiben ist ein Problem. Werde es als Thema aufnehmen. 🙂
Hallo Karsten, natürlich bin ich an deinen Buch Nachtfotografie interessiert. Bin gerade über dein Buch fotoschule kompakt, habe schon etliches umgesetzt, ist auch sehr verständlich geschrieben
Schön, das alles. 🙂
Ich gebe ja auch mein Bestes in die Bücher. 🙂
Mein Wunschthema! Großartiger Einstieg, der neugierig macht.
Grüße
Ihr habt es so gewünscht: Abstimmung 😉
Der Einstieg ist schon mal sehr gelungen. Macht also Lust auf mehr. Bin mal gespannt wenn es in die Tiefe geht. Habe ja gerade den Nachtfotografie-Kurs mit dir gemacht. War sehr gut. Nur ging die Zeit zu schnell vorbei. Gibt sicher noch das eine oder andere was man noch wissen sollte. Also bis demnächst und immer schön neugierig bleiben.
Gruß Carsten!
Ja, so ist das mit den Workshops: Irgendwann ist die Zeit vorbei. Aber du hast alles gelernt, was es zu lernen gab. Was noch fehlt ist, das alles auf verschiedene Motive anzupassen. Das lernst du aber, wenn du es einfach machst. Also raus mit dir! 🙂
Nachtfotografie war auch mein Wunschthema. Habe schon etliche Versuche gestartet, leider ohne großen Erfolg. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag.
Viele Grüße
Bärbel
Ja dann will ich mal … 🙂
Hallo Karsten, wieder ein prima Thema. Ich glaube bei der Nachtfotografie waren meine ersten Versuche bei den Buckingham Fountain in Chicago. Allerdings ist das schon über dreißig Jahre her und auf Negativfilm gewesen. Ich bin aber noch heute stolz darauf, denn die Bilder hängen noch heute teilweise bei der Verwandtschaft. Bei uns in der Stadt hab ich auch schon Nachtbilder gemacht. Gruss Michael
Danke. 🙂
Hey, was gut war, bleibt gut. 🙂
Hi Karsten, das ist auch mein Favoritenthema, Nachtfotographie finde ich einfach faszinierend und super spannend. Durch die Fotos ist das Interesse noch mehr gewachsen und ich bin schon echt neugierig, was uns alles erwartet. Super! Vielleicht schaffe ich es mal einen solchen Workshop bei dir in Hamm mit zu machen.
Mit besten Grüßen aus Witten ?
Na, sooo weit hast du es ja nicht… 🙂
Im Herbst wird es auch einige in anderen Städten geben, wart’s ab. 😉
Hallo Karsten,
das ist für mich ein interessantes Thema „Nachtfotografie“.
Bin schon auf die nächste Mail gespannt, die ich gleich öffne.
Schöne Grüße,
Sigrid
Und heute kommt schon wieder der neue Newsletter mit dem nächsten Teil über Nachtfotografie! 🙂
Viel Spaß beim Lesen.
Ich freu mich auf die nächsten Erklärungen und Hinweise
Kommen! 🙂