Du willst die Milchstraße fotografieren? Dann bekommst du hier die komplette Anleitung – von der Vorbereitung über die exakten Kameraeinstellungen (mit Tabellen) bis zu der Frage, warum dein erstes Foto erst mal enttäuschend aussieht.
Was du brauchst: die Voraussetzungen
Bevor es um die Kamera geht, müssen ein paar Dinge stimmen – ohne sie hilft dir die beste Einstellung nichts:
- Eine wirklich dunkle Location – möglichst weit weg von Städten und Straßenlicht. Je dunkler der Himmel (Stichwort Dark-Sky-Gebiete), desto mehr siehst du.
- Das richtige Zeitfenster: die 4–5 Tage rund um den Neumond im Sommer. Dann ist es am dunkelsten, und du fotografierst Richtung Zentrum der Milchstraße.
- Klare Sicht – ein wolkenfreier Himmel.
- Ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (Anfangsblende f/2.8 oder besser) an einer Kamera, die bei hohen ISO-Werten noch brauchbar bleibt.
- Ein stabiles Stativ auf festem Untergrund.
- Ein Fernauslöser oder Intervalltimer, damit du die Kamera beim Auslösen nicht verwackelst.
Die richtigen Kameraeinstellungen für die Milchstraße
Jetzt zum Kern. Stell die Kamera auf den manuellen Modus (M) und arbeite dich an diesen drei Werten entlang: Blende, ISO und Belichtungszeit.
Blende und ISO
Du öffnest die Blende so weit, wie dein Objektiv es zulässt, und gleichst die Helligkeit über den ISO-Wert aus. Die Faustregel: je weiter die Blende geschlossen, desto höher der nötige ISO – und desto mehr rauscht es.
| Anfangsblende deines Objektivs | ISO-Bereich |
|---|---|
| f/2.8 (lichtstarke Festbrennweite oder Zoom) | ISO 800–1600 |
| f/5.6 (Zoom, das erst hier lichtstark ist) | ISO 1600–3200 |
| weiter geschlossen | ab ISO 3200 (rauscht dann deutlich) |
Belichtungszeit: die 500er- und 300er-Regel
Die Belichtungszeit liegt grob zwischen 2 und 30 Sekunden – aber sie darf nicht beliebig lang sein. Wird sie zu lang, wandern die Sterne durch die Erddrehung und werden zu kleinen Strichen statt Punkten. Die maximal mögliche Zeit berechnest du so:
- Vollformat: 500 ÷ Brennweite = maximale Belichtungszeit in Sekunden
- APS-C: 300 ÷ Brennweite = maximale Belichtungszeit in Sekunden
| Brennweite | max. Zeit Vollformat (500÷f) | max. Zeit APS-C (300÷f) |
|---|---|---|
| 14 mm | ca. 35 s | ca. 21 s |
| 20 mm | 25 s | 15 s |
| 24 mm | ca. 20 s | ca. 12 s |
| 35 mm | ca. 14 s | ca. 8 s |
Ein Beispiel: An einer APS-C-Kamera mit 20 mm Brennweite rechnest du 300 ÷ 20 = 15 Sekunden. Das ist die längste Belichtung, die noch punktförmige Sterne liefert. Nutzt du länger, bekommst du Sternspuren.
Kamera-Setup: die letzten Handgriffe
- Fotografiere im RAW-Format – die Bearbeitung später lebt davon.
- Stell den Weißabgleich auf Tageslicht (nicht Automatik).
- Schalte die automatische Rauschreduzierung (für hohe ISO und lange Belichtung) ab.
- Schalte den Bildstabilisator aus – auf dem Stativ stört er nur.
Das Ergebnis sieht erst mal enttäuschend aus

Überrascht? Hättest du gedacht, dass ein Foto der Milchstraße direkt aus der Kamera so flau aussieht? Die knackigen Kontraste, die satten Farben, das Atemberaubende, das du aus solchen Bildern kennst – wo ist das hin? Ganz einfach: Es ist noch nicht da. Genau das entsteht erst in der Bildbearbeitung.
Wie du aus dieser flauen Aufnahme das eindrucksvolle Bild herausarbeitest, zeige ich dir Schritt für Schritt im Video-Tutorial Milchstraße: die Bildbearbeitung. Das ist dein nächster Schritt.
Dieses Rezept findest du ausführlicher und mit vielen Zusatzinfos in meinem eBook über Nachtfotografie.
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Im Moment vor dem Auslösen bleibt selten Zeit, einen Artikel nachzulesen. Deshalb passt die Kamera-Entscheidungskarte auf ein Blatt: vorn fünf Entscheidungen in fester Reihenfolge, hinten eine ruhige Fehlersuche für den Fall, dass ein Bild nicht klappt. Danach schreibe ich dir regelmäßig, worauf ich beim Fotografieren achte und wie ich Entscheidungen treffe.

Jetzt braucht man entsprechende Nächte, um dieses super klingende Rezept auszuprobeiren!
Grüße
Dann mach mal! 🙂
Hallo Karsten
Deine Beiträge sind immer super gut.
Bei der Milchstraßenfotografie kommt es wirklich
auf eine gute Bearbeitung an. Da ist mein Schwachpunkt.
Ich habe auch schon letztes Jahr paar Versuche gemacht
und bin auch voll zu frieden.Wie kann ich es dir zeigen?
Werner
Dankeschön! 🙂
Schick mir ne Email an info@fotokurs.org, dann sehe ich sie mir gerne an. 🙂
Ob ich mal dazu komme die Michstraße zu Fottografrieren weis ich nicht.Aber wie man da ran geht weis ich jetzt.Dankeschön Michael
Gerne. Versuchs mal, ist ja nicht unmöglich. 🙂
Hallo Karsten, neben Feuerwerk und Nordlichtern finde ich die Astrophotographie auch sehr spannend. In der Nähe von Heidelberg ist die Milchstraße angeblich sehr gut zu sehen. Klar wenn wir mal ein bisschen häufiger einen wolkenlosen Himmel hätten wäre das auch hilfreich. Hilfreich auch Dein Rezept habe es schon ausgedruckt. Die Formel ist Klasse. Demnächst fahre ich wieder Richtung Süden meine Mutter wohnt in Freiburg.
Werde wenn möglich, Wolken!!, eine Nacht bei Heidelberg einplanen.
Aber mit dem Wissen durch einen Artikel könnte es vielleicht klappen.
Auf jeden Fall danke für die Tipps, Gundela
Um konkreter zu wissen, wo du hinfahren solltest, schau mal auf diese Lichtverschmutzungs-Karte. Da findest du ein dunkles Plätzchen! 🙂
Das Hineinmogeln der Michstraße in irgendwelche Landschaftsfotos nimmt immer mehr überhand. Und so viele Leute merken das noch nicht mal, dass das Bild ein Fake ist, weil man am hellen Abendhimmel niemals so viele Sterne geschweige denn die Milchstraße sehen kann. Ich hoffe, dieser Artikel motiviert weniger zum Nachmachen und mehr zum kritischen Hinterfragen von aufgehübschten Bildern.
Was soll ich sagen: Darum schreibe ich ja hier und nenne die Dinge beim Namen! 🙂
Wo ist denn das hier abgebildete „voll langweilige“ Foto gemacht worden und wann?
Das Foto habe ich nicht selbst gemacht, du kannst es hier kostenlos herunterladen.
Die Frage nach dem wo kann ich leider nicht beantworten, es ist aber im September 2014 gemacht worden.
Jetzt fragst du dich, warum ich kein eigenes verwendet habe, oder? Ganz einfach: Bücherschreiben dauert mitunter sehr lange. In dieser Zeit kann ich anderweitig kein Geld verdienen, um meine Familie zu ernähren. Und reich wirst du durch Bücher nicht!
Und so greife ich daher oft viel schneller auf die Fotos solche Onlineportale zu, als in meinem eigenen Archiv langwierig nach einem solchen Fotos zu fahnden oder sie gar erst noch scannen zu müssen (falls ich sie analog fotografiert hatte). In der Summe über die vielen Fotos in einem Buch macht das ganz schön viel Zeit aus.