Was hat das Fotografieren von Robben mit Pferden zu tun? Als Eadweard Muybridge vor fast 150 Jahren darüber grübelte, ob ein Pferd im Galopp eine Phase hat, in der alle vier Beine in der Luft sind, ahnte er nicht, dass ich Jahre später auf Helgoland an ihn denken würde. Denn auch Robbenbabys können – fototechnisch gesehen – fliegen. Schau dir nur das erste Bild weiter unten an.

Robben fotografieren – worauf es ankommt
Bevor du den Reisebericht liest, hier das Praktische gebündelt – damit du weißt, worauf es bei Robbenfotos ankommt.
Beste Zeit: Robbenbabys von Oktober bis Januar
Die Kegelrobben auf Helgoland bekommen ihre Jungen ausgerechnet im Winter – von Oktober bis Januar. Wenn du Robbenbabys mit ihrem hellen Fell fotografieren willst, ist das dein Zeitfenster. Du brauchst also warme Kleidung und musst mit Kälte, Wind und kurzen Tagen rechnen.
Brennweite und Technik
Weil du Abstand halten musst (dazu gleich mehr), brauchst du ein Teleobjektiv. Ich habe alle Robben mit einem Telezoom bis 600 mm fotografiert – an einer APS-C-Kamera entspricht das durch den Crop-Faktor von 1,5 sogar rund 900 mm Kleinbild. Bei dieser Brennweite geht nichts ohne ein stabiles Stativ. Als Einstellung haben sich Blende 8 und 1/1000 Sekunde bewährt: genug Schärfentiefe für das ganze Tier, kurz genug, um Bewegung einzufrieren.
Abstand und Naturschutz
Robben sind das größte freilebende Raubtier Deutschlands – mit scharfen Zähnen und Krallen. Die Helgoländer Naturschützer empfehlen mindestens 30 Meter Abstand. Halte dich daran, auch den Tieren zuliebe. Manchmal merkst du erst aus der Nähe, dass der vermeintliche Stein am Wegrand ein Robbenbaby ist – dann gilt: ruhig zurückziehen. Genau dafür brauchst du das lange Tele. Vor Ort hilft dir der Verein Jordsand mit Tipps weiter.
Wetter und Licht
Das schönste Licht bekommst du am späten Nachmittag: Die tiefstehende Sonne sorgt für warmes Streiflicht, in dem die Tiere und ihr Fell plastisch wirken. Und weil Nordseewetter selten mitspielt, gehört ein Regenschutz für die Kamera ins Gepäck. Moderne Kameras vertragen etwas Nässe, aber stundenlange Beregnung ist keiner Technik zuträglich.
Mein Wochenende auf Helgoland – der Reisebericht
Tag 1 – Ankunft und erstes Licht
An einem ersten Januar-Wochenende war ich mit ein paar Verrückten auf Helgoland, Robben fotografieren – mitten im Winter. Bei diesem Thema hast du keine Wahl: Robbenbabys kommen nun mal von Oktober bis Januar zur Welt. Als der Wecker um 5:30 Uhr klingelte, fragte ich mich kurz, worauf ich mich da eingelassen hatte. Aber die Aussicht, mein Supertele auszuführen, war zu reizvoll.

Nach Frühstück, dreistündiger Autofahrt und zweieinhalb Stunden Überfahrt erwartete uns bestes Wetter auf Deutschlands einziger Hochseeinsel – Kaiserwetter bei echten −3 Grad. Also schnell ins Hotel, richtig warme Sachen an, die Kameras geschultert und ab auf die Düne, den Sandstrand auf der vorgelagerten Insel. Mit einem kleinen Boot setzten wir über, zehn Minuten Fußweg – und dann lagen sie vor uns: Robben in allen Größen und Altersstufen, am Strand und in den Wellen.

Inzwischen gibt es wieder Kegelrobben-Generationen, die keine Angst mehr vor Menschen haben. Sie liegen mit großen Kulleraugen am Strand und winken manchmal mit der Flosse. So putzig das aussieht – das Winken heißt: „Geh weg und lass mich in Ruhe.“ Also haben wir die empfohlenen 30 Meter Mindestabstand gehalten. Die untergehende Sonne lieferte wunderbar warmes Streiflicht, und in 90 Minuten entstanden großartige Fotos:







Um 16:00 Uhr nahmen wir die letzte Überfahrt zurück auf die Hauptinsel und fingen noch einen grandiosen Sonnenuntergang ein. Für solche Bilder musst du nicht in die Karibik – das geht auch an der Nordsee. Danach forderten Kälte, Seeluft und Anreise ihren Tribut: Tiefschlaf bei Matratzenkontakt.
Tag 2 – Regen, Wind und trotzdem Bilder
So verwöhnt vom Vortag träumten wir von einem ebenso schönen Samstag. Es kam anders: Aus dem angekündigten gelegentlichen Nieselregen wurde ein permanenter, gewürzt mit sechs bis sieben Windstärken. Aber wenn du schon mal da bist, fotografierst du auch – Ehrensache. Also rüber auf die Düne und alles aufgenommen, was die Natur hergab: Robben, Dünenimpressionen, Seevögel und maritime Motive. Bei dauerhaftem Regen ging das nur mit einem Regenschutz für die Kamera, etwas umständlich, aber machbar.

Die Jungtiere tragen zuerst ein sehr helles Fell, das nach etwa fünf Wochen durch ein dunkleres ersetzt wird. Und Mutti hat immer alles im Blick: Erst, als ich lange genug unschuldig zurückgeschaut hatte, wurde das Kleine ins Wasser beordert.






Ein großer Dank geht an die Mitarbeiter des Vereins Jordsand: Ich habe sie einfach angesprochen und nach Infos gefragt – beste Tipps, wo das jüngste Jungtier und die letzte trächtige Kegelrobbe zu finden waren. Einer hat bei Windstärke 7 und Dauerniesel mit bester Laune noch Wissen rausgehauen, als wir schon auf dem Rückweg zur Fähre waren. Da hörst du einfach zu.
Auf der Rückfahrt am Nachmittag ließ der Regen nach, und ein weiterer schöner Sonnenuntergang versüßte uns den Inselrundgang. Diesmal blieb mir nur das Handy – als wir losgingen, war es so trüb, dass wir die Kameras im Hotel gelassen hatten. Aber wie ich immer sage: Der Fotograf macht das Bild, nicht die Kamera.

Tag 3 – maritime Motive im Hafen
Am dritten Tag ging es nicht mehr zu den Robben: Die Fähre zurück legte schon um 13 Uhr ab, da lohnte die hektische Übersetzfahrt zur Düne nicht. Stattdessen haben wir maritime Motive im Hafen fotografiert – mit dem richtigen Ausschnitt hat auch das winterliche Helgoland viel zu bieten.






Mein Equipment für Robben und Tele
Womit war ich unterwegs? Neben dem Standard (Fotorucksack, Akkus, Speicherkarten) waren ein paar Dinge entscheidend:
- Kamera: eine APS-C-Kamera. Ihr Sensor verlängert die Brennweite des Objektivs um das 1,5-Fache – ideal für alles, was weit entfernt ist.
- Objektiv: ein Telezoom bis 600 mm. Am Crop sind das rund 900 mm (600 × 1,5). Fast alle Robbenfotos entstanden mit Blende 8 und 1/1000 Sekunde.
- Stativ: Bei 900 mm Brennweite geht nichts ohne Stativ – leicht, klein und trotzdem stabil, dazu ein fluidgedämpfter Videokopf zum sauberen Mitziehen.
- Regenschutz: Ich habe einen langen Teleobjektiv-Regenschutz bis über die Kamera gezogen – so hatte ich direkten Zugriff und musste nicht durch Plastik schauen.
Du siehst: Die Technik hilft, aber den Unterschied macht, wie bewusst du sie einsetzt – Abstand, Licht, Moment. Wenn du genau diesen Blick weiterentwickeln willst, ist Bewusst fotografieren dein nächster Schritt.

Hallo Karsten erstmal ich denke das neue Jahr ist noch nicht so alt Frohes neues Jahr für dich und deiner Familie. Deine fliegenden Robben sind super und es hat bestimmt viel Spaß gemacht. Danke mach weiter so bin gespannt auf dein nächsten Workshop.
Bis dann
Dir und den deinen auch alles Gute! Ja, hat mächtig Spaß gemacht. 🙂
Man braucht so wenig, um zu wissen, dass man lebt: Einen schweren Kamerarucksack auf dem Rücken, eisigen Wind von der Seite und den Auslöser unter’m Zeigefinger. 😉
Supppiiiiii,
Was soll man zu diesem irre tollen Bericht und den wundervollen Bildern noch sagen .
Schweigen gucken und genießen !
Jetzt Jucken einem die Finger das auch als Laie mal zu probieren.
Super mach weiter sooo.
Für so einen Bericht verzichte ich gerne mal auf einen Newsletter !
Danke dafür !
Ich danke! 🙂
Tolle Bilder, 2018 überleg ich mir echt!
Ich würd mich freuen, wenn du mitkommst! 🙂
Hallo Karsten. Ich habe mir dein Buch gekauft. Fotoschule kompakt. Bin begeistert.
Die Fotos schaue ich mir morgen an.
Danke, da habe ich auch lange dran geschrieben. 🙂
Hallo Karsten, wir haben wohl auf Helgoland nebeneinander Robben fotografiert!!! ☺☺ Ich war nämlich auch dort am letzten Wochenende. Einige Bilder von mir kannst Du auf meiner Facebookseite under „Bjanaceno“ finden. Ich habe noch gar nicht alle gesichtet. An dem Nieselregensamstag habe ich dich einige Male gesehen. Aber nicht erkannt, du fielst mir ins Auge wegen deines unspektakulären Objektivschutzes. ? Am Samstag haben wir am frühen Nachmittag die Düne verlassen, dafür sind wir am Sonntag morgen noch einmal dorthin. Bis Mittag, weil ja um 13.00 das Schiff zurück fuhr nach Cuxhaven.
Manchmal ist die Welt doch ziemlich klein…..???
Herzliche Grüße
Monika
Die Welt ist wirklich klein. 🙂
Ja, vielleicht sollte ich meinen Namen überall draufdrucken und mir meine Kamera von einer an meinen Lippen hängenden Entourage hinterhertragen lassen. Dann weiß auch jeder, dass ich da bin …. 😉
…
Ach neeee, so bin ich doch nicht! Lieber unspektakulär und dafür gute Fotos. 🙂
Hallo Karsten !!!
Supersuper tolle Robbenfotos, ich bin überwältigt, (nicht nur von diesen). Danke !!!!!!!
Ich überlege es mir, 2018 beim nächsten Helgoland-Trip dabei zu sein.
Liebe Grüße
Barbara
Danke, Barbara. Komm mal mit, ist wirklich klasse! 🙂
Halo Karsten,
grade vor eim paar Minuten habe ich im Fernsehen einen Beitrag über Helgoland und ein paar Robbenfotografen gesehen und dachte sofort das würde ich auch gerne machen.
Da komms du mit deinem Nesletter und diesen schönen Bildern um die Ecke.
Na wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist 🙂
Ich denke mal über eine Anmeldung nach.
Wenn du diese Jahr noch etwas ähnliches anzubieten hast, lass es mich wissen.
Viele Grüße von Tom
und möge das Licht mit dir sein 🙂
Wo du doch alles fotografierst, wäre das ne gute Idee! 😉
Moin Karsten,
Super tolle Fotos , die du uns mitgebracht hast. Ich bin hellauf begeistert. Vor 2 Jahren war ich im Januar auf Helgoland um die Robben zu fotografieren. Leider war nicht nur das Wetter schlecht, ich hatte 2 Tage große Probleme von der Überfahrt. Aber bis 2018 ist ja noch lange hin und vielleicht kann man ja den Flieger nehmen. Ich überlege es mir noch.
Viele Grüße
Bärbel
Also wir hatten fast nichts an Wackelei auf der Hin- und Rückfahrt. Die MS Helgoland ist ein ganz modernes Schiff mit Stabilisatoren, da merkst du kaum was…
Aber Fliegen geht natürlich auch – wenn das weniger wackelt … 😉
Hallo Karsten,
supertolle Bilder hast du da gemacht auf Helgoland. Auf deinen Workshop würde ich gerne mitkommen, im Januar 2018. Leider haben wir aber immer am ersten Wochenende des neuen Jahres unsere Hausausstellung.
Gibt es eine Alternative ?
Deine Berichte und Newsletter sind einsame Spitze. Macht iimmer sehr viel Spaß das zu lesen.
Gruß aus der schönen Pfalz
Bernd
Hallo Bernd,
vielen Dank für’s Lob! 🙂
Der Termin für 2018 steht, einige Plätze sind bereits gebucht. Ich werde das also nicht mehr ändern.
Für 2019 habe ich deinen Messetermin im Kopf, ok?
der Karsten
Danke Karsten,
wenn du 2019 eine Woche später nach Helgoland gehst bin ich dabei.
Gruß
Bernd
Noch später wird eher schwierig, dann sind die Robbenbabies schon alle wieder weg. Wir waren dieses Jahr schon echt spät, weil die Robben 2016 deutlich früher kamen, als in den Jahren davor.
Hallo, einen super klasse Kurzurlaub. Und auch super Klasse Bilder an einem Wochenende. Kann man nicht besser machen. Gruß Michael
Danke, das war es wirklich! 🙂
Hallo Karsten,
von den Fotos bin schwer beeindruckt. Bin wirklich überwältigt.
Bin froh, daß Du am auch erwähnt hast, mit welchem Equipment Du ausgestattet warst.
Du erwähnst u.a. einen Videokopf für das Togopod Max II.
Könntest Du mir einen empfehlen der das Gewicht (Kamera + 150-600 mm Objektiv) aushält. Habe gesehen daß es da sehr große Preisunterschiede gibt.
Das Interesse an einem solchen Workshop ist bei mir auf jedenfall geweckt und hoffe sehr,
daß ich das auch mal realisieren kann.
Grüße aus Hessen
Monika M.
Dann komm doch beim nächsten Mal mit. 🙂
Ich verwende den Vorgänger von diesem Videokopf. 4 kg Tragkraft reichen für die meisten Kamera/Objektivkombis aus. Habe ich jetzt oben im Beitrag ergänzt.
Hallo Karsten,
zunächst wünsche ich dir auch alles Liebe und Gute für dich und deine Familie für das nicht mehr ganz so frische neue Jahr.
Von deiner Berichterstattung bin ich begeistert und die Fotos sind faszinierend… Super tolles Foto mit der fliegenden Robbe ??
Vor ein paar Jahren in Verbindung mit einem Segeltörn waren wir im Sommer auf Helgoland und durften die Robben bestaunen… Schon toll anzusehen ?
Ich freue mich weiterhin auf deine neuen interessanten Berichterstattungen und begeisternden Fotos!!!
Mit besten Grüßen, Rita
Danke, Rita! 🙂 Ich werde mein Bestes geben.
Wenn auch drei Monate nach Ende des Robbenbaby-Fotoworkshops auf Helgoland die Erinnerungen daran lebendig und frisch sind und diese ein ganz auffälliges und sentimentales Grinsen in’s eigne Gesicht zaubern, dann zeugt das sicherlich sehr davon, dass hier Besonderes passiert ist 🙂 Für mich war der Fotoworkshop jedenfalls in jeglicher Hinsicht bestens: von der Vorbesprechung bzw. der technischen Planung bis hin zum Etablieren eines „Gruppen-Familien-Feelings“ – hier wird nicht nur technisch auf schönem Niveau gefachsimpelt, sondern es „menschelt“ auch sonst sehr – keine Selbstverständlichkeit in der heutigen, doch auch schon mal gerne sehr trockenen, nüchternen und humorsparsamen Zeit. Ich bzw. wir werden gerne wieder buchen – für uns war es eine sehr schöne und unvergessliche Zeit im hohen Norden mit Herrn Kettermann und Co!
Hey Stefan, vielen Dank für die warmen Worte! 🙂 Habe ich doch gerne gemacht! 🙂