Bist du ein Strobist – oder willst du einer werden? Dann bekommst du hier eine Orientierung, welches Equipment du fürs entfesselte Blitzen brauchst und worauf es bei der Auswahl ankommt.
Strobist: Was ist das?

Ein Strobist ist ein Fotograf, der mit einem entfesselten Blitz arbeitet – also mit einem Blitz, der nicht auf der Kamera sitzt, sondern frei daneben steht. Das gibt dir die Möglichkeit, das Licht aus verschiedenen Richtungen auf dein Motiv fallen zu lassen.
Warum das ein Gewinn ist: Sitzt der Blitz auf der Kamera, bekommst du immer ein flaches, frontales Licht, das dein Motiv kaum vom Hintergrund abhebt – und oft sichtbare, harte Schatten wirft. Sobald der Blitz seitlich steht, wird das Licht plastisch und dein Motiv tritt hervor. Wie Blitzlicht grundsätzlich funktioniert und wann es sich lohnt, liest du übrigens in Fotografieren mit Blitz?!.
Blitz entfesseln: Welche Komponenten du brauchst

Normalerweise sitzt der Blitz im Blitzschuh deiner Kamera – diese Verbindung funktioniert immer. Sobald du den Blitz abnimmst, brauchst du vier Dinge:
- eine Verbindung zwischen Kamera und Blitz, damit er im richtigen Moment auslöst,
- ein Stativ, das den Blitz hält, damit du ihn nicht in der Hand halten musst,
- eine Halterung, die den Blitz sicher auf dem Stativ aufnimmt, und
- einen Lichtformer – Softbox, Schirm oder Diffusor –, der das Licht weicher macht.
Dass du ein Blitzgerät besitzt, setze ich dabei voraus. Wie du mit dieser Lichtlösung in der Porträtfotografie zu guten Ergebnissen kommst, vertiefe ich in meinem eBook „Porträtfotografie“.
Equipment für Strobisten
Stativ & Befestigung
Für die meisten Situationen reicht ein einfaches Lampenstativ (etwa von Walimex), das den Blitz auf rund ein bis zweieinhalb Meter Höhe bringt und einen gängigen 1/4- oder 3/8-Zoll-Anschluss für die Softbox besitzt. Willst du den Blitz tiefer ansetzen, hilft ein kleineres Tisch- oder Bodenstativ.
Flexibler bist du mit einer Klemme (Super Clamp): Damit befestigst du den Blitz in beliebiger Höhe am großen Stativ oder an einem festen Gegenstand vor Ort – praktisch, wenn du nicht überall ein Stativ aufstellen kannst. Setzt du dabei eine Softbox ein, brauchst du zusätzlich einen 1/4-3/8-Zoll-Zapfen, den du in die Klemme steckst.
Ein Wort zur Standfestigkeit: Sobald du im Freien und bei Wind arbeitest, kippt ein leichter Aufbau schnell um – vor allem mit großem Lichtformer. Beschwere das Stativ dann unbedingt, etwa mit Sandsäcken. Als Minimalist tun es auch Jutetaschen, die du vor Ort mit Sand oder Steinen füllst.
Lichtformer: Softbox oder Schirm
Eine Softbox liefert weiches, gerichtetes Licht und ist mein Favorit. Achte auf eine robuste Bauweise: Ich nutze seit Jahren eine faltbare Softbox der Marke Firefly, weil ihre Blitzaufnahme aus Metall ist. Bei einem früheren Modell aus Kunststoff hatte ich eine Videoleuchte hineingestellt, die etwas zu heiß wurde – der Kunststoff schmolz. Seitdem vertraue ich nur noch auf Metallhalterungen. Softboxen gibt es rund und rechteckig in verschiedenen Größen; was passt, hängt von deinem Motiv und davon ab, wie transportabel es sein soll.
Die günstigere Alternative ist ein Durchlichtschirm: Er macht das Licht ebenfalls schön weich, und je größer er ist, desto weicher. Große Schirme bieten enorm viel Fläche, fangen aber auch jeden Windstoß – hier sind die genannten Sandsäcke Pflicht. Befestige den Schirm an einem stabilen Schirmhalter aus Metall (die Kunststoffversionen taugen wenig) und richte den Blitz so aus, dass er den Schirm vollständig ausleuchtet.
Funk- und andere Auslöser
Jetzt kommt der knifflige Teil: den entfesselten Blitz auslösen. Hier kann ich nur allgemeine Empfehlungen geben – du musst prüfen, was zu deinem Blitzgerät und Budget passt. Grundprinzip: Kamera und ihr Blitz sind der „Master“, der entfernt stehende Blitz der „Slave“. Nur mit den richtigen Einstellungen entsteht eine zuverlässige Verbindung. Drei Wege:
- Kabellos über den eingebauten Blitz der Kamera: Vor allem höherwertige Kameras können einen kompatiblen Blitz so steuern. Im Menü unter den Blitzoptionen stellst du die Kamera als Master und den Aufsteckblitz als Slave – je nach Einstellung manuell oder per TTL.
- Per Kabel: Spezielle TTL-Kabel verbinden Kamera und Blitz zuverlässig, fesseln dich aber wieder ans Kabel – unpraktisch.
- Funk-Fernauslöser: die zuverlässigste Lösung – oft durch Wände und über große Entfernungen. Lass die kabellosen Infrarot-Auslöser links liegen, sie sind bei Tageslicht oft unbrauchbar. Prüfe, ob der Funkauslöser zu Kamera und Blitz passt, und entscheide dich zwischen TTL (einfacher, aber ungenauer) und manuell (genauer, aber umständlicher).
Geheimtipp: Videoleuchte statt Blitz
Beim Einstieg ins entfesselte Blitzen stößt du im Netz auf unzählige Berichte über unzuverlässige Auslöser: Master und Slave verstehen sich nicht, es wird nicht ausgelöst. Mach es dir leichter und nutze eine Videoleuchte mit Blitzschuh-Anschluss – sie passt in dieselben Halterungen wie ein Aufsteckblitz und hat als Dauerlicht klare Vorteile:
- Die Kamera stellt leicht scharf, weil das Motiv durchgehend beleuchtet ist – mit Blitzlicht ist das manchmal heikel.
- Du siehst das Licht in Echtzeit und kannst es dimmen, bis es zur Umgebung passt – kein Raten wie beim Blitz, und mehrere Lampen lassen sich einfach aufeinander abstimmen.
- Die Farbtemperatur lässt sich über Filter anpassen, und die größere Leuchtfläche wirkt oft schon ohne Softbox weich.
Der Kompromiss: Eine Videoleuchte ist weniger hell als ein Blitz, du wirst also etwas höhere ISO-Werte einsetzen. Für den Einstieg spart sie dir trotzdem viel Gefummel.

Weiterlesen: meine Blitz- und Porträt-Serie
Blitz-Serie
- Die Kunst des Aufhellblitzens
- Fotografieren mit Blitz?!
- Bouncer fürs Blitzgerät
- Strobist: entfesseltes Blitzen (dieser Beitrag)
Porträtfotografie
- Porträtfotografie lernen: der größte Fehler
- Foto-Posen: typische Fehler
- Das optimale Porträt-Objektiv
- Kaufberatung: Porträt-Objektiv
- Porträt-Kamera: welches Sensorformat
- Porträtfotografie: Kamera-Empfehlungen
- Autofokus bei Porträts
- Studioleuchte
- Reflektor und Diffusor
- Rechtliches: der TfP-Vertrag

Hallo,
ja ich bin ein Strobist!
Mit den Dauerlicht habe ich aber noch keine Erfahrung gemacht. Ich setze die Lichtquelle gerne Hochfrontal mit einen Galgen ein, was bedeutet das die Modelle meistens in Richtung Blitz schauen. Mich würde interessieren, wie die Modelle (Personen) reagieren wenn es langsam dunkel wird und von den Dauerlicht geblendet werden? Das sehe ich zur Zeit als großen Nachteil des Dauerlicht.
Und ein Blitz blendet nicht?! 😉
Ne, mal im Ernst: Wenn du das Licht hochfrontal einsetzt, schaut das Modell doch gar nicht hinein. Das sollte also nicht stören.:-)
Die Beispielfotos (Model im blau-schwarzen Dress) sind nicht so recht überzeugend.
Verkrampftes Posing, Gesicht total überbelichtet 😉
Wenn DAS alles ist, was dich stört, ist ja alles in Ordnung. 😉
Das soll kein Beispielfoto sein, in dem ich zeige, was ich kann. Das ist vielmehr ein Making-of, das Strobistenequipment im Einsatz zeigt. Insofern ist das keine endgültige Pose und die Belichtung spielt für diesen Zweck keine Rolle.
Magst du mal deine Fotos zeigen?? Ich freue mich auf einen Link, der zu erstklassigen Aufnahmen führt …
Ich muss mein Permanent Make up bei den Kunden fotografieren. Was verwende ich da ? Habe jetzt einen Ringblitz. Entweder zu hell oder zu dunkel die Bilder:-(
Die Technik scheint nicht das Problem zu sein. Wenn deine Fotos zu hell oder zu dunkel werden, solltest du mal in einem guten Fotokurs lernen, wie du das vermeidest. Schau mal, so solltest du mit der Fotografie beginnen.
Hallo Karsten,
ich habe eine Nikon D5100 und einen Rollei 56 F Aufsteckblitz mit TTL steuerung.
Ich habe das Problem das die Bilder im M Modus unterbelichtet sind. Ich fotografiere eine Person im Wohnzimmer bei schlechten Lichtverhältnissen.
Folgende Einstellung:
Mode – M
1/100
ISO 400
WB – Blitz
Knipse ich im Automatik Mode dann schraubt die Automatik auch die ISO (2500!!!) nach oben sodass der Blitz mehr oder weniger nur aufhellt.
Der Blitz sollte doch die Leistung im M Modus hochschrauben, Leistung ist genug vorhanden.
Stelle ich irgendwas verkehrt ein?
VG Rico
Kommt halt darauf an, was du willst! 🙂
Deine Automatik versucht, das Umgebungslicht mit einzubeziehen. Du lässt sie mit den manuellen Einstellungen jedoch gezieltweg. Technisch ist beides möglich.
Hi,
ok, ich möchte im M Modus richtig belichtete Fotos mit dem von mir eingestellten ISO Wert, was muss ich einstellen?
Im Modus M musst du alles selbst einstellen. Stimme also Blende, Belichtungszeit, ISO und Blitzstärke aufeinander ab.
Weil das in einer Automatik einfacher geht, wurden diese erfunden! 🙂
Hallo Karsten,
ganz schlau werde ich aus den Autmatiken nicht. Die Vollautomatik schraubt die ISO sehr hoch. Die Fotos sehen toll aus aber das vorgehen meiner Kamara ist mir nicht klar.
Beschränke ich die ISO auf z.b. 400 und verwende den P, S und A Modus ist das Foto unterbelichtet.
Ich dachte durch TTL meldet die Kamera dem Blitz wie stark er auslösen soll damit das Objekt korrekt beichtet wird. Du verwendest doch eine D5300. Was stellst du ein wenn du z.B. auf einer Familienfeier Fotos schießt?
Wenn die Fotos doch toll aussehen, warum verwendest du diese Einstellung nicht? Ist doch egal, wie deine Kamera das macht. 🙂
Offensichtlich ist ein hoher ISO-Wert von Vorteil und die von dir verwendeten Werte führen ja wohl nicht zum Ziel.
Tatsächlich nutze ich bei solchen Fotos ebenfalls ne Automatik und überlasse das meiste der Kamera. 🙂
Hi, mach ich auch.
Ich habe die Antwort auf meine Frage irgendwo im Netz gefunden. Die älteren Nikon Modellreihen haben die ISO unten gelassen und die Blitzleistung erhöht. Die neueren machen das aus „harmonischen“ Gründen nicht mehr. Das variiert also von Kamera zu Kamera.
Spannendes Thema. ich nutze dazu meine Godox Systemblitze samt Trigger, oft mit einem Diffusor von MagMod oder – wie du es ja auch beschreibst – mein Rotolight Neo 2, das ich im Dauerlichtmodus wie auch als Blitz einsetzen kann!
So kann man das machen! 🙂
Ich möchte gern einfach ein paar Grüße hier lassen!
Ich bin Dustin, 27 Jahre alt, vor einigen Monaten in die Welt der Fotografie eingestiegen und bin am Lesen u d Knipsen, sobald es nur geht. Gerade habe ich unter anderem Ihre Berichte über den Stabi auf Stativen gelesen. Irgendwie kamen mir dabei so viele Namen und Orte bekannt. Da hab ich gelesen, dass Sie auch in Hamm leben. Das freut mich richtig, da ich mich bisher nicht mit den regionalen Profis beschäftigt hatte. Und das alles aus Zufall in den Weiten des Webs 🙂
Vielen Dank für die von Ihnen gewonnenen Erkenntnisse. Momentan zieht mich alles in richtig Natur und Tierfotografie. Ich würde so so so so gern mal aus einem Ansitz heraus fotografieren! Kennen Sie vielleicht eine tolle Location in der Nähe?
Vielleicht sehen wir uns ja mal in einem Ihrer Kurse, sofern Sie auch welche für Leute geben, die sich schon eine Menge an Grundkenntnis angeeignet haben. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund.
Liebe Grüße!
Hallo Dustin,
Karsten und du reicht völlig. 🙂
Nein, in der Nähe Kenne ich keinen Ansitz. Ich war mal in einem in der Nähe von Müritz und habe da stundenlang vergebens rum gesessen. Da habe ich gemerkt, dass das nicht wirklich was für mich ist. 🙂
Wenn du noch viele weitere mögliche Motive entdecken willst, schau dich gern in meinem Kursprogramm um – da findest du sicher etwas Passendes.
Hallo Karsten, zunächst mal wünsche ich ein gutes Neues Jahr!
Die von Dir oben empfohlene Videoleuchte ist mit dem verknüpften Link nicht mehr lieferbar, gibt es da eine Alternative oder Nachfolgemodell?
Herzliche Grüße
Jochen Rössler
Das wünsche ich dir auch, Jochen!
Danke für den Hinweis, ich habe den Nachfolger im Beitrag oben verlinkt.