Schärfentiefenrechner

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schaerfentiefenrechner

Du willst wissen, wie viel von deinem Bild scharf wird – und das vorher abschätzen oder ausrechnen können? Genau darum geht es hier. Ich zeige dir zuerst, welche vier Faktoren die Schärfentiefe steuern, gebe dir dann eine Faustregel-Tabelle zum schnellen Abschätzen an die Hand und am Schluss den Weg, die Schärfentiefe exakt zu berechnen.

Schärfentiefe – was sie steuert

Die Schärfentiefe ist der Bereich vor und hinter deinem Fokuspunkt, der scharf abgebildet wird. Eine geringe Schärfentiefe stellt das Motiv vor unscharfem Hintergrund frei; eine große Schärfentiefe lässt alles von vorne bis hinten scharf werden. In erster Linie stellst du sie über die Blende ein – aber drei weitere Faktoren reden mit.

Vergleich geringe und große Schärfentiefe am selben Motiv
Links eine geringe, rechts eine große Schärfentiefe – über die Blende stellst du ein, was du willst.

Die vier Faktoren, die die Schärfentiefe beeinflussen

Alle vier Faktoren wirken jeweils bei ansonsten unveränderten Werten – wenn du also einen änderst und die anderen drei gleich lässt.

Blende

Die Blende ist deine Haupt-Stellschraube: Je weiter du abblendest (großer Blendenwert wie f/11 oder f/16), desto größer die Schärfentiefe. Eine weit geöffnete Blende (kleiner Wert wie f/2,8) ergibt eine geringe Schärfentiefe und einen unscharfen Hintergrund.

Abstand

Je näher du an dein Motiv herangehst, desto geringer wird die Schärfentiefe. Die folgende Serie zeigt es – scharfgestellt wurde jeweils auf das kleine Pflänzchen in der Mauer:

Nahaufnahme mit sehr geringer Schärfentiefe von rund zehn Zentimetern
Ganz nah dran: Die Schärfentiefe beträgt nur knapp 10 cm.
Dasselbe Motiv aus mittlerem Abstand mit etwa 30 cm Schärfentiefe
Zwei Schritte weiter weg: rund 30 cm Schärfentiefe.
Dasselbe Motiv aus größerem Abstand mit knapp einem Meter Schärfentiefe
Noch zwei Schritte weiter: schon ein knapper Meter Schärfentiefe.

Das erklärt, warum Makrofotografen es schwer haben: immer nah dran, kaum Schärfentiefe – also stark abblenden, lange Belichtungszeiten, Stativpflicht. Falls du eins suchst: meine Stativ-Empfehlung.

Brennweite

Ein Weitwinkel produziert deutlich mehr Schärfentiefe als eine längere Brennweite. Willst du alles von vorne bis hinten scharf, schaffst du das nur mit dem Weitwinkel; ein Tele liefert weniger Schärfentiefe und schön unscharfe Hintergründe. Im Vergleich unten – bei gleicher Blende, gleichem Abstand und Sensor – ist mit dem Weitwinkel alles scharf, mit dem Tele nur die rostige Skulptur.

Weitwinkel und Tele im Schärfentiefe-Vergleich bei gleichen übrigen Werten
Weitwinkel (mehr Schärfentiefe) und Tele (weniger) im direkten Vergleich.

Sensorgröße

Je kleiner der Sensor, desto größer die Schärfentiefe. Kleine Kompaktkamera-Sensoren liefern viel Schärfentiefe – ideal für Landschaft und Makro. Große Sensoren (etwa Vollformat) stellen dagegen leicht frei – beliebt in der People-Fotografie, weil der unscharfe Hintergrund den Blick aufs Motiv lenkt. Die Abbildung zeigt es bei sonst gleichen Werten (Blende, kleinbild-äquivalente Brennweite, Abstand): oben Kompaktkamera (alles scharf), Mitte APS-C, unten Vollformat (Schärfe endet direkt hinter der Blüte).

Schärfentiefe-Vergleich von Kompaktkamera, APS-C und Vollformat übereinander
Von oben nach unten kleiner werdende Schärfentiefe: Kompaktkamera, APS-C, Vollformat.

Kurz-Hinweis: Beugung und förderliche Blende

Blendest du sehr weit ab (an APS-C etwa über f/16), nimmt die Gesamtschärfe durch Beugung wieder ab – mehr Schärfentiefe, aber insgesamt unschärfer. Die förderliche Blende ist die kleinste Blende, bei der die Beugung noch nicht stört; sie liegt je nach Kamera oft um f/8 bis f/11. Blende also nur so weit ab, wie du die Schärfentiefe wirklich brauchst.

Schärfentiefe selbst abschätzen – die Tabelle

Für den Alltag musst du nichts rechnen – diese Faustregel-Tabelle reicht zum Abschätzen (Richtungen, keine exakten Werte):

FaktorMehr SchärfentiefeWeniger Schärfentiefe
Blendeweit abgeblendet (z. B. f/11–16)weit geöffnet (z. B. f/2,8)
Abstand zum Motivgroß (weiter weg)klein (nah dran)
Brennweitekurz (Weitwinkel)lang (Tele)
Sensorgrößeklein (Kompakt / MFT)groß (Vollformat)

Merke dir die Richtung: Willst du mehr Schärfentiefe (Landschaft), gehst du in jeder Zeile nach links – abblenden, Abstand vergrößern, Weitwinkel nehmen. Willst du freistellen (Porträt), gehst du nach rechts.

Schärfentiefe genau berechnen – der Schärfentiefenrechner

Willst du es exakt wissen, rechnest du die Schärfentiefe für deine Einstellungen aus. Dafür gibst du Sensorformat, Brennweite, Blende und Abstand ein und liest unten die Schärfentiefe sowie die hyperfokale Distanz ab. Letztere ist praktisch, wenn du maximale Schärfe von vorne bis hinten willst: Stellst du auf die hyperfokale Distanz scharf, reicht die Schärfe von der Hälfte dieser Distanz bis unendlich.

  1. Wähle dein Aufnahmeformat (Sensorformat – steht im Zweifel in der Bedienungsanleitung).
  2. Gib die Brennweite ein, die du am Zoom abliest.
  3. Gib die Blende ein, die du verwenden willst – oder probiere verschiedene Werte durch.
  4. Stell die Gegenstandsweite (den Abstand zum Motiv) ein.
  5. Lies Schärfentiefe und hyperfokale Distanz ab. Passt das Ergebnis nicht, variiere Blende und Abstand.

Die wichtigste Einstellung: die Schärfeanforderung

Hier legst du fest, für wen das Bild scharf sein soll. Das bestimmt maßgeblich, welche Schärfentiefe der Rechner anzeigt.

Traditionell: Der normale Maßstab für übliche Betrachtungsabstände – am Bildschirm oder als Abzug. Für Freunde, Familie, Kunden oder Ausstellungsbesucher ist das in der Regel die passende Einstellung.

Für Fotografen: Fotografen prüfen Bilder oft deutlich kritischer: bei 100 % am Monitor oder aus sehr geringem Abstand. Dabei wird Unschärfe sichtbar, die normalen Betrachtern kaum auffällt.

Diese Einstellung rechnet deshalb mit einem strengeren Maßstab. Die angezeigte Schärfentiefe fällt entsprechend kleiner aus.

Du kannst den Rechner auch direkt aufrufen: Schärfentiefe-Rechner.

Nächster Schritt

Wer die Schärfentiefe über Blende und Brennweite gezielt steuern will, braucht die Grundlagen der Kamerabedienung sicher im Griff. Genau die bekommst du in Stufe 1: deine Kamera verstehen.

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14 Kommentare
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Nick Krause

Zitat:..Wohl gemerkt, bei ansonsten unveränderten Optionen (also Blende, Brennweite und Abstand waren gleich!)…
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Der Autor hat seine eigene Brennweiten-Definition…

Jockel

„Wohl gemerkt, bei ansonsten unveränderten Optionen (also Blende, Brennweite und Abstand waren gleich!).“

Wie kannst du mit unterschiedlichen Sensorgrößen den (nahezu) selben Bildausschnitt bei allen drei Aufnahmen erzielen, wenn doch Brennweite und Abstand bei allen Motiven gleich waren?

Ich denke, du hast bei zwei Bildern die Position der Kamera verändert, damit der Bildausschnitt der gleiche wie beim ersten ist. Oder eben an der Brennweite gedreht. Damit änderst du natürlich auch die Stärke der Unschärfe.
Hättest du alle Parameter nämlich tatsächlich so gelassen (inklusive des Motivabstandes), hättest du gemerkt, dass der Satz
„Je kleiner der Sensor, umso größer die Schärfentiefe.“
völliger Unsinn ist. Aber das macht nix, denn es ist eines der häufigsten Fehlinformationen zum Thema Fotografie, die man so findet … Berücksichtigt man noch das Auflösungsvermögen des Sensors, ist der Schärfentiefebereich eines größeren Sensors in der Regel sogar größer als der des kleineren …

Ich glaube das ist auch das, was Nick Krause stört, auch wenn sein Kommentar wenig konstruktiv war …

Gruß

Jockel

Hallo nochmal,

„Je kleiner der Sensor, umso größer die Schärfentiefe.“ ist in dem Sinne falsch, als das der Satz das falsche suggeriert. Er behauptet, dass alleine der Austausch des Sensors die Schärfentiefe ändert.
Aber genau das ist ja nicht der Fall. Denn man muss entweder die Brennweite oder den Motivabstand (um den gleichen Bildausschnitt zu erhalten) ändern, damit der Satz zutrifft.
Das ist so als würde man sagen, ein schwarzes Auto heizt sich schneller auf als ein weißes … das stimmt aber erst, wenn man das Auto in die Sonne stellt. Vorher ist weder das eine, noch das andere mehr aufgeheizt.
Was ich damit sagen will: Wenn die Grundparameter geändert werden, vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Der Unschärfeverlauf wird von Brennweite, Blende und Motivabstand bestimmt. Und von mir aus noch von dem Auflösungsvermögen des Sensors (Z-Kreis) … dann hat sogar der kleinere Sensor in der Regel einen größeren Unschärfebereich als der größere, weil der Z-Kreis kleiner ist.
Mindestens eines der Parameter wurde ja offensichtlich im Versuch geändert, somit hinkt der Vergleich.

Ich finde man kann sagen „Eine Kamera mit einem großen Sensor ist besser dafür geeignet, einen größeren Unschärfebereich zu erzeugen (bessere Freistellung). Sie ist deshalb besser dafür geeignet, weil man näher an das Motiv heranrücken kann, damit man zu einem äquivalenten Bildausschnitt eines kleineren Bildsensors kommt. Das Heranrücken an das Motiv führt zwar zum gewünschten Bildausschnitt, ändert aber auch den Unschärfeverlauf.“
Gleiches gilt natürlich umgekehrt für einen kleineren Sensor.
Das klingt vielleicht nicht so kompakt, aber stimmt zumindest.

Das da ein paar Ungenauigkeiten beim Kamera-Setup entstanden sind, finde ich nicht nennenswert …

Jockel

„Wie ich ausführlich dargelegt habe, wurde die Brennweite so angepasst, dass die gleiche kleinbild-äquivalente Brennweit genutzt wird.“

Ja, wie gesagt, Grundparameter verändert = Äpfel vs. Birnen … eine äquivalente Brennweite ist eben nicht die gleiche Brennweite … zwei Personen unterschiedlicher Größe haben auch äquivalent große Hosen an, aber haben eben nicht die gleichen Größen …

„Dadurch habe ich den gleichen Bildausschnitt erreicht.
Unter diesen Voraussetzungen stimmt meine Aussage, dass ein kleinerer Sensor eine größere Schärfentiefe ergibt.“

Korrekt … dann müsste es aber heissen „Je kleiner der Sensor, umso größer die Schärfentiefe, sofern man die verwendete Brennweite ebenfalls gleich mit ändert“. Schraubst du die gleiche Linse vor einen anderen Sensor, stimmt die Aussage einfach nicht mehr, Bildausschnitt hin oder her.

„aber ein kleinbild-äquivalenter Abstand ist mir in all den Jahren nicht untergekommen!“

Mir auch nicht, wer denkt sich denn solche Begriffe aus?

„Weil du ja offensichtlich Fakten ignorierst und auch den Schärfentieferechner nicht ausprobiert hast, lass mich etwas vorschlagen: Bevor du nun noch weitere haarsträubende Behauptungen in die Welt setzt, probiere es doch einfach mal aus! ?“

Okay, dann tipp mal mit:
http://www.erik-krause.de/schaerfe.htm

Format: 35mm
Brennweite: 50mm
Z-Kreis: 0,03
Blende: 8
Gegenstandsweite: 400cm

danach, gleiches Spiel, anderer Sensor (Z-Kreis anpassen nicht vergessen, oder so lassen und staunen, das deine Aussage sogar negiert wird)

Format: APS-C
Brennweite: 50mm
Z-Kreis: 0,03
Blende: 8
Gegenstandsweite: 400cm

Ergebnis bei gleichem Z-Kreis bei beiden Sensoren: 3,54m Schärfebereich … komisch, oder?
Ergebnis bei voreingestelltem Z-Kreis im Rechner: APS-C->2,04m, 35mm->3,54 … wow … APS-C mit weniger Tiefenschärfe als Vollformat? … it’s a kind of magic …

„Nimm dir verschiedene Kameras und fotografiere bis du es beweisen kannst. Dann veröffentliche deine Ergebnisse, nenne die Testbedingungen und zeige das alles in deinen Fotos.“

Ich kann gern zwei Fotos vom Stativ einmal im 35mm und einmal im APS-C Modus runterschießen, ich bezweifle aber, dass dich das überzeugt …

Nick Krause

Was soll man denn aus dem Artikel lernen?
3 verschiedene Bildausschnitte,3 verschiedene Brennweiten, 3 verschiedene Sensoren und die falsche Behauptung,das ein kleinerer Sensor mehr Schärfentiefe bei gleichen Ausgangsbedingungen hätte ( Abstand in cm nicht gegen unendlich gerechnet).

Nick Krause

In der Physik gehört die Schärfentiefe noch heute zur Optik dazu,der einzige Berührungspunkt zur Sensortechnik wäre die Bilddiagonale und damit die Unschärfekreise.Diese wären dann beim kleineren Sensor eigentlich kleiner und somit auch die Schärfentiefe.Ich könnte Dir dazu auch die nötigen Formeln usw. angeben aber ich denke mal das weißt Du schon alles.

Viele grüsse aus dem schönen Bayern

Nick Krause

Für einen solchen Vergleich nehme ich einfach nur meine neue Vollformatkamera,in der kann ich dann den Cropfaktor (APS)einstellen, und erhalte dann genau dasselbe Bild wie mit meiner älteren APS Kamera.Wohlgemerkt bei gleichen Einstellungen und ohne daß ich wie Du behaupten würde,die Schärfentiefe wäre herstellerspezifisch.