Reflektor und Diffusor

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Ein Reflektor wirft vorhandenes Licht in die Schatten zurück und hellt sie auf; ein Diffusor sitzt zwischen Lichtquelle und Modell und macht hartes Licht weich. Beide sind die einfachsten und günstigsten Werkzeuge, um in der Porträtfotografie das Licht zu formen – ganz ohne zusätzliche Lampe. Der Reflektor ergänzt Licht, wo es fehlt; der Diffusor nimmt Härte raus, wo zu viel davon ist. (Den Diffusor findest du englisch oft als „diffuser“.) Wann du was brauchst und welche Lösung sich lohnt, gehen wir jetzt durch.

Der Reflektor

Einen Reflektor setzt du ein, wenn Teile von Gesicht oder Körper zu wenig Licht abbekommen. Die Handhabung ist denkbar einfach: Du reflektierst Licht in die schattigen Bereiche, bis dir die Aufhellung gefällt. Damit ist der Reflektor leichter und präziser zu steuern als eine zweite Lichtquelle wie ein Aufsteckblitz. Schauen wir uns die Varianten von günstig bis professionell an.

Do-it-yourself: Styropor & Co.

Selbstgebauter Reflektor aus einer weißen Styroporplatte
Eine simple Styroporplatte aus dem Baumarkt – der beste DIY-Reflektor.

Im Prinzip eignet sich jede lichtreflektierende, farbneutrale Fläche: ein weißes Laken auf einem Holzrahmen, weißer Tonkarton aus dem Bastelbedarf – manchmal reicht sogar ein weißes Hemd am Fotografen. Mit Abstand am besten sind aber Styroporplatten aus dem Baumarkt: groß genug, schön plan, spottbillig und langlebig. Die dickeren Varianten stellst du sogar frei hin (Vorsicht bei Windzug). Weil die Platten starr sind, leuchten sie gleichmäßig aus und vermeiden Hotspots – ungleichmäßig helle Stellen, die das Licht fleckig machen. Der einzige Nachteil: Sie sind sperrig und lassen sich nicht zusammenfalten, du brauchst also ein Auto.

Günstige 5-in-1-Reflektoren

Für wenig Geld bekommst du einen 5-in-1-Reflektor: vier Oberflächen (weiß, silber, gold, schwarz) plus ein Diffusor, alles faltbar auf kleines Packmaß. Der Haken: Die Bespannung ist etwas „schwabbelig“, lässt sich nicht einfach anlehnen und neigt dadurch zu Hotspots, wenn du nicht aufpasst. Etwas teurere Sets mit Handgriff sind deutlich stabiler – du hältst den Reflektor einhändig und bedienst mit der anderen Hand die Kamera. Auch sie biegen sich waagerecht noch leicht durch, sind aber ein guter, günstiger Kompromiss.

Welche Farbe wofür?

OberflächeWirkung & Einsatz
WeißReflektiert neutral ohne Farbstich – perfekt für fast alles.
SilberWie weiß, aber viel heller. Nicht nah am Modell (Blendgefahr); gut, um aus der Entfernung Licht in tiefe Schatten zu werfen.
GoldStarker Goldstich. Nur gleichmäßig und ohne weit entfernte Hintergründe einsetzen (die werden sonst bläulich). Brauchst du selten.
SchwarzHält Licht ab, um auf einer Seite einen dunkleren Schatten zu setzen.
ZebraGold und Silber im feinen Zickzack: helles, leicht warmes Licht – gut in kühlen Situationen (Schatten, Dämmerung, Blaue Stunde), ohne zu stark goldzustichen.

Den mitgelieferten Diffusor kannst du übrigens auch als weißen Reflektor nutzen – seine eigentliche Aufgabe folgt weiter unten.

High-End: California Sunbounce

Großer planer Profi-Reflektor von California Sunbounce im Einsatz
Ein Profi-Reflektor: so leicht wie Styropor, dabei stabil und bretteben.

Von California Sunbounce gibt es besondere Reflektoren: so leicht wie Styropor, trotzdem stabil, perfekt plan und faltbar. Der Haken ist der Preis – solchen Leistungsumfang gibt es nicht zum Schleuderpreis. Das mittlere Mini-Kit (rund 90 × 125 cm) hat die ideale Größe, um es einhändig zu bedienen: kein Assistent nötig, kein lahmer Arm. Mit einem Flash-Bracket lässt sich sogar ein Aufsteckblitz hineinstrahlen – eine mobile Softbox. Willst du ein ganzes Modell oder eine kleine Gruppe ausleuchten, brauchst du die großen Varianten (bis etwa 180 × 245 cm); die bleiben trotz Größe brettflach und hotspotfrei, brauchen aber helfende Hände – und kippen bei Wind leicht weg.

Der Diffusor

Ein Diffusor macht das Licht weich: Du vergrößerst die Leuchtfläche im Verhältnis zum Modell, und große Leuchtflächen erzeugen weiches Licht. Direktes Sonnenlicht ist dagegen – trotz seiner Kraft – eine kleine Leuchtfläche und wirft harte Schatten, die im Porträt selten gut aussehen. Deshalb ist bewölkter Himmel fürs Porträt ideal. Musst du in der prallen Mittagssonne fotografieren (als Hochzeitsfotograf hast du die Wahl oft nicht), hältst du einen Diffusor zwischen Sonne und Modell – das wirkt wie ein heller, bewölkter Himmel.

DIY-Diffusor

Zum Basteln reicht ein altes weißes Bettlaken, auf einen leichten Rahmen aus Dachlatten getackert. Das hältst du über dein Modell – fertig. Achte nur aufs Gewicht: Ein Diffusor muss leicht sein, sonst hast du nach zwei Minuten lahme Arme und er bleibt liegen.

Diffusoren zum Kaufen

Der einfachste Einstieg ist der Diffusor aus dem 5-in-1-Set: Hier stört die schwabbelige Bauart kaum, und du bekommst für kleines Geld eine brauchbare Lösung. Nachteil: Die meisten Sets sind mit rund einem Meter recht klein, und bei den größeren kommt die Schwabbeligkeit zurück. Stabiler, besser zu halten und windunempfindlicher sind die Sun-Swatter von California Sunbounce – in mehreren Größen vom Einzelporträt bis zur Gruppe und in verschiedenen Bespannungsstärken. Je nach Bespannung schluckt sie 1/5, 1/3, 2/3 oder 3/3 Blenden Licht; so steuerst du die Weichheit gezielt. Bist du unsicher, nimm 2/3 für den universellen Einsatz.

Handling im Wind

Ein praktischer Tipp für die Person, die den Diffusor hält: Sorgt dafür, dass der Wind von hinten kommt. Dann streicht er am Diffusor entlang, und das Halten gelingt mühelos. Gegen den Wind gerichtet, wird selbst eine leichte Brise zum Kampf und reißt dir die Fläche aus der Hand. Eine Gürtelhalterung nimmt zusätzlich Last vom Arm.

Weiterlernen

Das Equipment formt das Licht – aber wann du weiches oder gerichtetes Licht willst, entscheidest du. Genau dieses bewusste Lesen und Gestalten von Licht ist der Schritt vom Einkaufen zum Fotografieren. Wie du dahin kommst, zeige ich dir unter Bewusst fotografieren. Denn das Foto macht am Ende der Fotograf – die Kamera hält es nur fest.

Den ausführlichen Umgang mit Reflektor und Diffusor beschreibe ich in meinem eBook über Porträtfotografie.

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Karsten
Ich bin Karsten Kettermann, Fotograf und Fototrainer. Mir geht es selten um den nächsten Technik-Tipp, eher um die Fragen dahinter: Was macht ein Bild stark? Welche Entscheidung triffst du, bevor du auslöst? Ob du gerade in die Fotografie einsteigst oder seit Jahren fotografierst und immer wieder an die gleichen Grenzen stößt — ich helfe dir, bewusster zu sehen und klarer zu entscheiden. Ich bin Dipl.-Designer (FH), habe 9 Fachbücher über Fotografie und Bildbearbeitung geschrieben und lehre schon über 30 Jahre Fotografie.
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4 Kommentare
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eva.s

Karsten auch dieser Artikel ist wie viele andere Artiekl von Dir Gold wert. Du denkst an alles, sogar wie der Assi dem Wind trotzt 🙂 Lieben Dank für Deine Informationen.

Brigitte Hermes

Hallo Karsten,
ich kann mich der Evi nur anschließen. Du findest immer für deine Erklärungen und
Informationen die richtigen und verständlichen Worte. ?