Wie dir hohe ISO-Werte den ..sch retten (Teil 2)

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Im ersten Teil dieser Serie habe ich gezeigt: Bildrauschen durch hohe ISO-Werte ist kein echtes Problem – jedenfalls nicht, solange du deine Bilder im Internet zeigst. Bleibt die Frage, die viele beschäftigt: Was passiert, wenn du deine Fotos ausdruckst oder im Labor Abzüge machen lässt? Genau das habe ich getestet – mit echten Abzügen in den Größen 10×15 bis 60×90 cm.

Was ist Bildrauschen – und was hat ISO damit zu tun?

Bildrauschen kurz erklärt

Bildrauschen ist eine feine, unerwünschte Körnung aus Helligkeits- und Farbpunkten im Foto – am stärksten in dunklen Flächen. Es entsteht vor allem dann, wenn du bei wenig Licht und mit hohen ISO-Werten fotografierst. Bei viel Licht – also tagsüber – fällt es dagegen kaum ins Gewicht.

Warum hohe ISO rauscht

ISO funktioniert über Verstärkung: Der Sensor gibt ein elektrisches Signal ab, das ein Verstärker so weit anhebt, bis das Bild hell genug ist. Das ist wie bei der HiFi-Anlage – nur dass du das Rauschen in der Fotografie nicht hörst, sondern siehst. Bei ISO 3200 belichtest du den Sensor nur mit rund 1/32 des Lichts, das er bei ISO 100 bekäme. Dieses wenige Licht muss kräftig verstärkt werden – und mit dem Signal wird eben auch das Rauschen mitverstärkt. Je weniger Licht, desto mehr Verstärkung, desto mehr Rauschen.

Der Drucktest: die Voraussetzungen

Düstere Morgendämmerung in Reykjavik, mit ISO 3200 bei sehr wenig Licht fotografiert
ISO 3200: Um 8:13 Uhr ist es in Reykjavik noch düster – ideal für den Bildrauschen-Test.

Ich habe den Test bewusst so gewählt, dass das Rauschen maximal zum Tragen kommt:

  • Das Foto ist mit ISO 3200 entstanden, früh morgens in der Dämmerung bei sehr wenig Licht – die Kamera musste das Signal also stark verstärken.
  • Der Kontrast zwischen den hell erleuchteten Fenstern und den tiefen Schatten am Zaun ist extrem hoch – das fordert jede Kamera.
  • Verwendet habe ich eine mittlerweile in die Jahre gekommene Nikon D800; aktuelle Kameras rauschen heute noch weniger.
  • Die kamerainterne Entrauschung (für lange Belichtungszeiten und hohe ISO) habe ich ausgeschaltet – das ist immer das Erste, was ich an einer Kamera einstelle. Auch in Lightroom habe ich nicht entrauscht.

In der 1:1-Ansicht ist das Rauschen entsprechend deutlich zu sehen:

100-Prozent-Ausschnitt des Testfotos mit deutlich sichtbarem Bildrauschen
Der 100-%-Ausschnitt aus demselben Testfoto.

Der Drucktest: die Ergebnisse

So viel Rauschen am Bildschirm in der 1:1-Ansicht – und wie sehen die echten Abzüge aus? Im Video gehe ich die Größen von 10×15 bis 60×90 cm durch und zeige dir, ob das Rauschen im Druck wirklich stört:

Fazit: wann Bildrauschen wirklich stört

Das Ergebnis ist eindeutig: Selbst bei diesem extrem schwierigen Motiv fällt das Rauschen im Abzug kaum ins Gewicht – genau wie bei der Präsentation im Internet. Bildrauschen ist also viel seltener der Qualitätskiller, für den es gehalten wird. Nutz deshalb ruhig hohe ISO-Werte, wenn das Licht knapp ist, statt verwackelte oder zu dunkle Fotos in Kauf zu nehmen. Bildrauschen taugt selten als Ausrede für ein schlechtes Foto.

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22 Kommentare
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Mathias

Hallo Karsten, sehr informativer Beitrag zum Bildrauschen mit einer super Erklärung, die einem die Angst vor dem Bildrauschen nehmen kann.
Persönliche Erfahrungen kann ich hier an dieser Stelle im Moment nicht einbringen, nur soviel, dass nach dieser Erklärung das Bildrauschen mich nicht mehr verängstigen kann. Im Zweifelsfall würde ich ja sowieso etwas Bildrauschen zu lassen, als auf das Foto zu verzichten.
Sehr interessant fand ich den Vergleich mit den unterschiedlichen Bildformaten und die Erklärung zu unserer menschlichen Betrachtungsweise.

Tom

Hallo Karsten,
wie immer gut erlärt und mit dem Video über Auge und Ohr direkt in den Kopf so prägt sich wichtiges ein 🙂 Die technischen Vorausetzungen für ein Foto werden oft total überbewertet. Was nützt mir ein Foto das ich aus Angst vor Rauschen nicht gemacht habe ?

Ich lasse mir jetzt regelmäßig von meinen guten Fotos Ausdrucke in 30x40cm machen. Teilweise kommen sie an die Wand, jeden Monat werden 2 in einen internen Fotowettbewerb im Fotoclub abgegeben wo man sich die Kritik anhören muss . In 3 Wochen muss ich meine ersten abgeben.

Danke für den Newsletter
Gruss
Tom

Conny Herzfeldt

Hallo Karsten,
mal wieder ein super informativer Artikel von dir.
Danke dafür.
Ich, als Neuling, sauge alle Informationen auf und versuche, deine Anregungen umzusetzen.
Jetzt werde ich mich mal trauen, Bilder bei unzureichenden Lichtverhältnissen zu machen, ich bin gespannt, was dabei rauskommt.
Machst du diese Bilder mit Stativ oder reicht die Belichtungszeit „aus der Hand“?
Liebe Grüße
Conny

Michael

Hallo, war wieder ein interessanter Beitrag. Leider hab ich im Moment keine eigenne Bilder mit hohem ISO. Deshalb auch keine eigene Erfahrungen bei diesem Thema. Grüße Michael

Jennifer

Hallo Karsten,

vielen Dank für diese tollen Infos und den Vergleich. Es freut mich wirklich sehr, dass ich mir nicht ganz so viele Gedanken machen muss und in Zukunft mit mehr Selbstbewusstsein an die Sache herangehen kann und weniger Angst haben muss, dass ein evtl. Rauschen den Kunden stört bzw. ich in einem solchen Fall dann weiß, wie ich argumentieren kann. LG, Jennifer

Jochen

Tolle Erklärung !!!
DANKE dafür.

Sabine Eller

Hallo Karsten,
habe gerade den Video über das Bildrauschen gesehen und bin ganz erstaunt! Wollte zwei Leinwände entsorgen, da die Fotos mir unscharf und rauschig vorkamen. Erstaunlicherweise nur mir!!! Selbst andere ‚Fotografen‘ hatten kein Problem damit. Erst als ich Sie darauf hingewiesen habe, fingen sie an zu suchen (Lupe?). Nun bleiben sie hängen wie sie sind!!!
Danke für diesen weiteren tollen Tipp!
Schönen Abend und bis bald!
Liebe Grüße
Sabine

Christiane

Danke Karsten. Die Sache mit dem Betrachtungsabstand ist doch sicherlich auch vergleichbar mit den abnehmenden Bildauflösungen bei zunehmender Größe der zu druckenden Fläche. Die Herangehensweise, die technischen Fehlerchen nicht über den Spaßfaktor zu stellen, finde ich klasse.

Sonja Mosch

Karsten, was soll ich sagen … Scheisse! – bist Du gut!!!
Die „Bildrauschenphobie“ ist Geschichte!
Ich freue mich auf weitere Erkenntnisse!
Vielen Dank für Deine Artikel
Liebe Grüße
Sonja

lena

Hallo,

ich verstehe die Einstellung vieler Leute hier gerade nicht?! Weil jemand sagt dass ihr Rauschen nicht schlimm finden müsst ( keine Angst davor haben müsst…:) ) empfindet ihr es auf einmal als gut?!

Ich persönlich finde Rauschen einfach super nervig und sehr unästhetisch. Ich mag auch kein Korn oder Artefakte o.ä. . ( Das ist meine persönliche Meinung dazu )
Vorallem bei Portraits, empfinde ich es als sehr störend.

Für mich muss ein perfektes Bild einen absolut „cleanen-look“ haben, ohne störendes Gegrissel. In natura sehe ich meine Welt auch nicht verrauscht ( ja der ein oder andere schon, je nach Pegel 🙂 )

Was allerdings korrekt ist, dass man es nur bei starker Vergrößerung wirklich wahrnimmt, oder halt bei größeren Drucken.

Nichtsdestotrotz, verzichte ich eher auf ein Bild, als eine Einschränkung ( in meinem Fall das Rauschen ) hinnehmen zu müssen. Das betrifft allerdings nur geplante perfekte Bilder.
Bei Schnappschüssen interessiert es mich weniger.

Aber wie immer im Leben ist dies einfach Geschmacksache und mir persönlich schmeckt Rauschen gar nicht. ( insofern es deutlich wird im Bild )

Viele Grüße

Thomas

Hallo Karsten, ich war wohl bis jetzt auch eher der, der mit der Lupe nach Fehlern sucht…Ende ab sofort. Und du hast noch was angeregt, das mit dem verrotten auf der Festplatte. Hast völlig recht damit, ab sofort werd ich mir auch mal ein paar schöne Bilder ausdrucken lassen. Da finden sich bestimmt noch einige, die ich ohne jegliche Kenntnisse gemacht habe aber sehenswert sind.
Gruß Thomas