Welche Kamera fürs Porträt? Die kurze Antwort
Für Porträts willst du eine Kamera mit einem möglichst großen Sensor – am besten Vollformat oder APS-C. Je größer der Sensor, desto leichter stellst du dein Modell vor einem unscharf verschwimmenden Hintergrund frei – und genau dieser weiche Hintergrund macht den Porträt-Look aus. Es geht dabei nicht um „die beste“ Kamera, sondern um die passende. Warum der Sensor den Unterschied macht, erkläre ich dir jetzt.
Warum der Sensor über das Freistellen entscheidet
Du besitzt sicher schon eine Kamera. Trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick darauf, was die Wahl der Kamera in der Porträtfotografie wirklich bewirkt – denn hier macht ein Detail den entscheidenden Unterschied: die Größe des Sensors.
Grundsätzlich gibt es vier Arten von Kameras: die Vollformat, die APS-C-Kamera, die 4/3-Zoll (auch FourThirds oder MicroFourThirds genannt) und die große Klasse der Kompaktkameras. Schon an der Gehäusegröße kannst du die Sensorgröße grob abschätzen.
Solange du ganz allgemein fotografierst, kommst du mit praktisch jeder dieser Kameras zurecht. Sobald du dich aber auf Porträts konzentrierst, sind nur noch einige davon wirklich empfehlenswert. Der Grund ist immer derselbe: Kameras mit einem großen Sensor ermöglichen eine besonders geringe Schärfentiefe, kleinere Sensoren bringen von Haus aus mehr Schärfentiefe mit.
- Geringe Schärfentiefe heißt: Nur dein Hauptmotiv ist scharf, der Hintergrund verschwimmt – und zwar umso stärker, je weiter er entfernt ist. Genau das gelingt mit einem großen Sensor ganz leicht.
- Große Schärfentiefe heißt: Ein größerer Bereich ist scharf, auch Details im Hintergrund bleiben erkennbar. Das bringen kleine Sensoren von Haus aus mit – dafür gelingt ihnen der weiche, freigestellte Hintergrund kaum.
In der Porträtfotografie willst du das Gesicht deines Gegenübers herausarbeiten und vom Hintergrund lösen. Dafür ist eine geringe Schärfentiefe perfekt – und das spricht für einen großen Sensor.

Die vier Kameraarten im Porträt-Check
Schauen wir uns die vier Kameraarten der Reihe nach an und klopfen sie auf ihre Eignung fürs Porträt ab – von der größten bis zur kleinsten Sensorfläche.
Vollformat – die Porträtspezialistin
Die Vollformat hat einen Sensor, der genauso groß ist wie früher Negative und Dias: 24 × 36 mm. Das ist unter den gängigen Kameras der größte Sensor – und damit die geringste Schärfentiefe. Für Porträts ist sie deshalb die absolute Empfehlung; Porträt-, Hochzeits- und Babyfotografen weltweit setzen auf sie.
Die Haken: Vollformat-Kameras sind groß, schwer und vergleichsweise teuer, und auch die passenden Objektive haben ihren Preis. Dafür bekommst du ein Profiwerkzeug, mit dem das Freistellen vor unscharfem Hintergrund mühelos gelingt. Den Vorteil der geringen Schärfentiefe erkaufst du dir aber mit dem Gegenteil dort, wo du viel Schärfentiefe brauchst: In der Landschaftsfotografie musst du mit der Vollformat weit abblenden – und landest bei wenig Licht schnell beim Stativ.
APS-C – die eierlegende Wollmilchsau
Die APS-C-Kamera bietet für deutlich weniger Geld die Möglichkeit, sehr gute Porträts zu machen. Ihr Sensor misst rund 23 × 15 mm und liefert damit etwas mehr Schärfentiefe als die Vollformat. Mit einem lichtstarken Porträtobjektiv stellst du dein Modell aber auch hier schön frei.
Die etwas größere Schärfentiefe ist sogar ein Vorteil, sobald du sie brauchst – etwa in der Landschaft oder bei Nahaufnahmen. Deshalb nenne ich die APS-C gern die eierlegende Wollmilchsau: Mit ihr fotografierst du praktisch alles, nur fürs Porträt solltest du ihr ein spezielles Objektiv gönnen. Solltest du noch gar keine Kamera besitzen – die APS-C wäre meine Empfehlung.
Micro-Four-Thirds (4/3-Zoll) – kompakt, aber mehr Schärfentiefe
Den nächstkleineren Sensor haben die 4/3-Zoll-Kameras (auch FourThirds oder MicroFourThirds). Mit rund 17 × 13 mm bringen sie noch mehr Schärfentiefe mit – fürs Freistellen also etwas weniger ideal. Dafür bekommst du fast immer sehr kompakte, leichte und schicke Kameras, die du wirklich überallhin mitnimmst.
Porträtieren kannst du mit ihnen natürlich auch. Willst du aber denselben weichen Hintergrund wie mit Vollformat oder APS-C, musst du für ein entsprechend lichtstarkes Porträtobjektiv tief in die Tasche greifen.
Kompakt- und Bridgekameras – für Schnappschüsse
Die kleinen Kompaktkameras kennst du – manche passen fast in die Hemdtasche. Bei ihnen kannst du das Objektiv nicht wechseln, du lebst mit dem fest verbauten. Wegen des ebenfalls kleinen Sensors zähle ich auch die Bridgekameras zu dieser Gattung. Sie haben die kleinsten Sensoren und damit von Haus aus die größte Schärfentiefe – ideal für Makro und Landschaft.
Fürs Porträt sind sie jedoch denkbar ungeeignet. Klar kannst du auch damit Menschen fotografieren, aber ein Gesicht vor unscharfem Hintergrund herauszuarbeiten gelingt kaum – meist wird der Hintergrund einfach mit scharf. Für Schnappschüsse sind Kompakte gut, für emotional ansprechende Porträts eher nicht.
Brennweite & Objektiv fürs Porträt
Die Kamera ist nur die eine Hälfte. Die andere ist das Objektiv – und gerade fürs Porträt ist es fast wichtiger als das Gehäuse. Die Kit- bzw. Universalzooms, die den Kameras oft beiliegen, eignen sich dafür nur bedingt: Ihnen fehlt die Lichtstärke für den richtig weichen Hintergrund, und im Weitwinkel verzerren sie aus zu kurzem Abstand die Gesichtszüge.
Die Faustregel: eine lichtstarke Festbrennweite im leichten Telebereich – am Vollformat etwa 85 mm, an APS-C 50 mm, an MFT 42 mm, mit einer Anfangsblende von f/1.8 oder lichtstärker. Welche Brennweite und welches Objektiv konkret zu deiner Kamera passen, habe ich dir ausführlich aufgeschrieben: Das optimale Porträt-Objektiv.
Kameraeinstellungen fürs Porträt
Egal welche Kamera du hast – der Hebel für den Porträt-Look ist die Blende. Eine weit geöffnete Blende (also eine kleine Blendenzahl wie f/1.8 oder f/2.8) erzeugt die geringe Schärfentiefe, die den Hintergrund weichzeichnet. Am einfachsten stellst du das über die Zeitautomatik (A bzw. Av) ein: Du gibst die Blende vor, die Kamera kümmert sich um die Belichtungszeit.
Zwei Dinge solltest du dabei im Blick behalten. Erstens den Fokus: Bei so wenig Schärfentiefe muss das Auge sitzen – nutz ein einzelnes Autofokusfeld und leg es auf das Auge, nicht einfach auf die Bildmitte. Zweitens den Abstand: Geh nicht zu nah heran, sonst wirkt die Nase überproportional groß. Mehr willst du fürs erste gar nicht einstellen – große Blende, Fokus aufs Auge, passender Abstand.
Fazit: nicht die beste Kamera, die passende

Du siehst: Es gibt nicht „die perfekte Kamera“, sondern für verschiedene Aufgaben verschiedene passende Kameras. Fürs Porträt zählt vor allem ein großer Sensor – Vollformat oder APS-C. Wenn du schon eine kleinere Kamera hast, ist das kein Grund zum Hadern: Mit dem richtigen Objektiv und etwas Bewusstsein für Blende und Abstand holst du auch daraus schöne Porträts.
Mehr zur Porträtfotografie
- Porträtfotografie lernen: der größte Fehler
- Das optimale Porträt-Objektiv
- Kaufberatung: Porträt-Objektiv
- Porträtfotografie: Kamera-Empfehlungen
- Autofokus bei Porträts
- Brennweitenvergleich: die Wirkung der Brennweite
- Brennweite und Abstand
- Rechtliches: der TfP-Vertrag


Vielen Dank für den wirklich informativen Artikel! Freue mich schon auf den nächsten Beitrag ?
Gerne Alex! 🙂
Danke Karsten für den tollen Beitrag! Hat Spaß gemacht zu lesen! Da hab ich ja Glück gehabt die richtigen Kameratypen zu besitzen!?
LG
Helmut
Na super! 🙂
Hast Du die X1D vergessen?
LG
Hmmmm, Rolf. Wass mache ich mit diesem Kommentar??! 🙂
Regt es dich auf, dass ich einige Kameras hier verlinkt habe, die ohne Objektiv deutlich über 1000 € kosten? Es gibt solche Leser …
Oder wolltest du mich ernsthaft darauf aufmerksam machen, dass das eine wirklich gute Porträtkamera ist? Je größer das Sensorformat, umso geringer die Schärfentiefe – da wäre die Hasselblad X1D wahrhaft weit vorne…
Ich weiß es nicht, kann da nur raten. Warum ich aber eine 13000 €-Kamera hier nicht aufführe ist ganz einfach die Tatsache, dass meine Leser üblicherweise
Wer solch spezielle Fotos macht, dass er diese Kamera dafür braucht (!!!), würde meinen Newsletter nicht abonnieren! 🙂
der Karsten
Hallo Karsten!
Nein, es regt mich gar nicht auf und über den Preis brauchen wir nicht „schreiben“ – viel zu teuer im Vergleich zu den Vollformatkameras!!! Aber die X1D in der Hand zu halten, die Menueführung, die Dynamik und Qualität sind einfach grandios und deshalb wäre sie vielleicht erwähnenswert – genau wie die Fuji GFX.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend!
LG Rolf
Was soll ich sagen: Wenn du dafür mehr bekommst, „darf“ solch eine Kamera ja auch mehr kosten! Ob dieses Mehr allerdings den ca. 10-fachen Preis rechtfertigt, ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss, oder?
Naja, so haben wir sie hier auf der Seite und jeder mag das für sich entscheiden…! 🙂
Was allerdings noch zu sagen wäre ist, dass mit einer Mittelformat bei gleicher Blende noch geringere Schärfentiefen zu realisieren sind, als mit einer Vollformat. Das kann unter Umständen mal sinnvoll sein, vor allem, wenn du ausschließlich Porträts machst.
Willst du aber mal viel Schärfentiefe erreichen, ist sie eher nicht besonders gut geeignet – das schafft jede kleinsensorige Kamera ganz einfach. Die Mittelformat musst du dafür deutlich stärker abblenden, benötigst daher sehr viel Licht – oder ganz schnell mal ein Stativ.
Nimmst du nicht die Billigste, ist die Bildqualität einer Kamera mit kleinem Sensor im direkten Vergleich durchaus ähnlich – vor allem, wenn du nicht für großformatige Ausstellungsstücke fotografierst.
Hallo Karsten, ich besitze zwei der Kameras, die der Kategorie Eierlegene Wollmilchsau zugeordnet werden können, die Sony Alpha 200 und 77 II. Mit den Ergebnissen bin ich soweit auch zufrieden. Mehr als die Kamera fehlen mir für die Porträtfotografie die Modelle. Ich würde an sich schon mehr ausprobieren wollen. Im Moment bewege ich mich daher im Gebiet der Tier- und Landschaftsfotografie. Ich glaube Fragen würden auch erst wieder beim Ausprobieren aufkommen. Ich freue mich trotzdem über jeden deiner Artikel und sauge soviel wie möglich an Wisssem auf. Gruß Mathias
Ja, die Sache mit den Modellen…
Gut, dass ich da was in Planung habe! 😉
Hallo Karsten, bis mit meiner Canon 700 D zufrieden. Mit dem 28-135 Objektiv kann man gute Porträts machen. Leider ist es nicht ganz so lichtstark.
Die größte Überwindung ist sicherlich das Model. Am Anfang sollte man wohl mit der Familie üben, aber auch da sollten die Ergebnisse stimmen.
Wie setzt man also die Personen am Besten in Szene? Diese und ähnliche Lösungen würden mich interessieren.
LG, Sandro
Ja, auch eine 700D ist gut geeignet. Aber mit einem Festbrennweitenobjektiv geht es noch besser. Darauf komme ich nächste Woche. 🙂
Und mit den Modellen… warte mal ab! 😉
Hallo Karsten,
vielen Dank für den interessanten und informativen Beitrag. Ich habe eine Canon 5D Mark III und versuche mich gerade mit dem Thema zu befassen.
Dabei interessieren mich als Porträtneuling noch folgende Fragen:
Objektive
Einsatz von Blitzlicht-worauf muss man achten
Hintergrund bei Gesichtporträts
Beste Grüße
Andreas
Danke für die Info! 🙂
Dann warte mal auf die nächsten Newsletter. 🙂
Hallo Karsten, sehr informativer Beitrag, ich habe eine etwas ältere Nikon D5100, also APS-c-Format, bin jedoch ganz zufrieden damit. Ich überlege, mir ein passendes Portrait-Objektiv zuzulegen, bin mir hier jedoch relativ unsicher. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Artikel drüber, aber viellt. kannst du mir schon vorab eine kurze Einschätzung zu einer Festbrennweite geben, das würde mein Budget nicht ganz so sehr belasten….?
Hey Nicole, vielen Dank! 🙂
Die 5000er-Serie von Nikon ist Bombe! Die 5100 hatte ich auch mal. 🙂
Wenn du so gar nicht warten kannst bis nächste Woche: Hier ist ne Kaufberatung 50 mm Objektiv für als Porträtobjektiv nutzbare Festbrennweiten für deine Kamera. 🙂
Hallo Karsten,
ich habe die Nikon D 5100 und D 7100 und dazu ein lichtstarkes 50 mm Objektiv, ebenfalls von Nikon.
Mich würden auch Hintergründe für die Portraitfotografie interessieren.
Gruß
Bernd
Bernd, dann hast du doch alles, was du dafür brauchst! 🙂
Bald kommt mehr dazu! 🙂
Hallo Karsten.
Zunächst bedanke ich mich für den hilfreichen und ausführlichen Beitrag, bin zufällig auf deine Seite gestoßen und werde mir vornehmen weitere Artikel durchzulesen.
Nun zu meiner Person: Ich hatte bis jetzt aus zeitlichen und finanziellen Gründen noch nie eine „professionelle Kamera“. Fotografieren tue ich generell nur mit meinem iPhone X, allerdings habe ich schon vor Jahren das Bedürfnis und den Wünsch nach einer besseren und professionelleren Kamera. Nun ist es Zeit, mir endlich mal eine teure, preiswerte Kamera zu kaufen, die meinen Bedürfnissen entspricht. Fotografieren will ich hobbmäßig Personen, Momente von Reisen und bestimmte Gegenstände.
Ich bin wie Du schon merkst ein Amateur und bin bereit ca. 800 für die Kamera inkl. Objektive auszugeben. Gibt es eine Kamera und für meinen Zweck entsprechendes Objektiv, welches du mir empfehlen würdest? Ich denke schon seit Tagen an die Sony Alpha 6000 mit dem Festbrennweite Objektiv 50 mm, F1.8. Hast du Erfahrungen hiermit und würdest du es empfehlen?
Hallo Karsten.
Zunächst bedanke ich mich für den hilfreichen und ausführlichen Beitrag, bin zufällig auf deine Seite gestoßen und werde mir vornehmen weitere Artikel durchzulesen.
Nun zu meiner Person: Ich hatte bis jetzt aus zeitlichen und finanziellen Gründen noch nie eine „professionelle Kamera“. Fotografieren tue ich generell nur mit meinem iPhone X, allerdings habe ich schon vor Jahren das Bedürfnis und den Wünsch nach einer besseren und professionelleren Kamera. Nun ist es Zeit, mir endlich mal eine teure, preiswerte Kamera zu kaufen, die meinen Bedürfnissen entspericht. Fotografieren will ich hobbmäßig Personen, Momente von Reisen und bestimmte Gegenstände.
Ich bin wie Du schon merkst ein Amateur und bin bereit ca. 800 für die Kamera inkl. Objektive auszugeben. Gibt es eine Kamera und für meinen Zweck entsprechendes Objektiv, welches du mir empfehlen würdest? Ich denke schon seit Tagen an die Sony Alpha 6000 mit dem Festbrennweite Objektiv 50 mm, F1.8. Hast du Erfahrungen hiermit und würdest du es empfehlen?
Hallo Milan,
bei dem, was du damit machen willst, ist eine APS-C mit einer lichtstarken Festbrennweite nicht verkehrt. Insofern ginge die Sony schon…
Aber: Ich finde das Hineinschauen in einen elektronischen Sucher gerade bei Porträts nicht besonders sexy. Du schaust dann nicht in ein Gesicht, sondern auf einen Monitor. Das hat – meiner bescheidenen Meinung nach – gravierende Auswirkungen darauf, wie du mit dem porträtierten Menschen arbeitest.
Ich empfehle daher eine APS-C mit einem optischen Sucher. Da befindet sich nichts zwischen deinem AUge und dem des Porträtierten, was dich ungleich direkter mit ihm umgehen lässt.
Wie wäre es also mit dieser Nikon D5600 (https://amzn.to/2m9YZXz) mit Kitobjektiv für die Reisen und dem 1,8/50 mm für die Porträts (https://amzn.to/2utgKou)? Preislich bist du da auch voll im Rahmen.
Nicht, dass du denkst, ich würde Wssser predigen und Wein trinken: Die 5000er-Serie von Nikon ist seit langem für beste Qualität gerühmt. Ich selbst besitze die 5300, die derzeit meine am meisten eingesetzte Kamera ist.
Mach was draus. 🙂
Hallo Karsten,
ich bin etwas überrascht, dass Kompaktkameras perfekt geeignet sind für die Makro- und Landschaftsfotografie, und aufgrund Ihres kleinen Sensors einen Vorteil gegenüber zB Vollformat-Kameras haben sollen. Ich bin mit meiner 5DIV regemlässig in der Natur unterwegs und bevorzuge Sie ohne Zögern meiner älteren Nikon 1AW1, obwohl diese einen kleineren Sensor hat als die Canon. Warum? Weil ich deutlich mehr Pixel-Auflösung bei der Vollformat-Kamera habe. Die fehlende Tiefenschärfe ist für mich bei Landschaftsaufnahmen nicht relevant, da die Objekte, die ich ablichte (Berge, Täler, Wälder) aufgrund ihrer Entfernung zu meiner Kamera und meinen Objektiven nicht rein spielt. Weiterhin habe ich bei der DSLR Filter, die ich verwenden kann, die es für zB Kompaktkameras oder die Nikon 1 nicht bekomme (Pol-Filter, zB). In Dunkelheit oder bei Sonnenunter/-aufgang kann ich mit der Lichtstärke der DSLR immer noch perfekte Bilder machen, während die kleinere Kamera im Bildrauschen unter geht.
Beste Grüsse
Robert
Hallo Robert,
wie immer im Leben liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Was du schreibst, ist durchaus richtig. Meine Aussage ist aber auch nicht falsch.
Was eine durchgehende Schärfentiefe anbetrifft, ist jede Kompakte einer Vollformat – in Teilbereichen – überlegen: Wo die Kompakte bei f8 alles von vorne bis hinten scharf bekommt, musst du an der Vollformat auf f22 gehen. Bei f22 benötigst du dann 8 x mehr Licht oder drei ISO-Stufen mehr. Mit den entsprechenden Folgen.
Was du schreibst stimmt, weil du unter Landschaftsfotos eher das Erstellen von Ausschnitten mit dem Tele verstehst. Ich hingegen meine darunter eine durchgängige Schärfentiefe von vorne bis hinten. Also zwei völlig unterschiedliche Baustellen.
In diesem Artikel schreibe ich über die Verwendbarkeit der Kompakten in der Porträtfotografie und betone dabei ausschließlich den Aspekt der Schärfentiefe. Da hat sie einfach bessere Karten, was sie aber gleichzeitig für diesen Bereich nicht geeignet macht.
Ich hoffe, so wird es klarer?
der Karsten
Hallo Karsten,
lieben Dank für Deine rasche Antwort – macht Sinn!
Beste Grüsse
Robert
Gerne, Robert! 🙂
Hallo, lieber Karsten,
danke für Deinen Artikel.
Ich bin mit einer D 5300 unterwegs und setzte ein Tamron SP 45 1,8 ein.
Leidlich stelle ich immer wieder fest, dass in geschlossenen Räumen ich nur von Wand zu Wand fotograpieren kann, um gute Potraits zu schießen. Ein Grund warum ich das SP 85 1,8 zurück gesendet habe. Aufgrund des Bildwinkel käme ich doch in dem Setting mit einer Vollformat näher ran oder würdest Du eher auf ein 35mm ausweichen?
Das 45mm ist schon nicht schlecht, bin mir jedoch nicht sicher was sich noch optimieren lässt.
Liebe Grüße, Thorsten
Du hast Probleme mit dem Abstand, das ist es was dir stört, richtig?
Klar, könntest du eine kürzere Brennweite nutzen. Das 35er entspricht ja dem Normalobjektiv. Allerdings hat solche eine Brennweite auch eine andere Bildwirkung, schau mal diesen Brennweitenvergleich. Achte vor allem darauf, was zwischen 35 und 85 mm passiert. Dann bedenke noch, dass diese Werte für das Vollformat gelten, auf deine Kamera sind das umgerechnet 23 bis 56 mm.
Was du nämlich bei deiner Überlegung übersehen hast, ist der Cropfaktor. Mit einer Vollformat kommst du nicht näher heran, denn wenn du den gleichen Bildwinkel deines 45er an einer Vollformat nutzen wolltest, müsstest du ein 67 mm einsetzen (45 mm x Cropfaktor: 1,5 = 67 mm).
Klar?
… danke, lieber Karsten,
von den Veränderungen, aufgrund der Brennweite, habe ich gehört und vergleiche in Videos schon gesehen. So anschaulich jedoch noch nie. Grunsätzlich war ich der Meinung, schon verstanden zuhaben, dass der Crop Faktor nichts mit dem einfallenden Licht in das gewählte Objektiv zu tun hat, sondern dieses nur beschneidet.
Bedeutet dies jedoch, wenn ein 50 mm, dem menschlichen Auge am nächsten kommt und mit einer APS-C dieser natürliche Look nur mit einem 35 mm reproduzierbar ist, dass dieser Look bei einer APS-C nur mit einer Verzerrung möglich wird?
Zu Deinem letzten Absatz, wenn ich meine Familie auf dem Treppenabsatz in der Wohnung fotografieren will, dann würde ich doch beim FX Format nicht zum 67 mm greifen und wieder an der Wand stehen, sondern das 45mm nehmen, den natürlicheren Look erhalten und näher dran sein. Nach meiner Vorstellung müsste dies durch den breiteren Objektivwinkel doch möglich sein oder liege ich hier falsch?
Gerne, Thorsten. 🙂
Ein 50 mm kommt dem menschlichen Blickwinkel recht nahe. Es hat sich daher bei einer Vollformat als Normalobjektiv etabliert, obwohl es eigentlich korrekterweise 42 mm sein müssten. Doch der Einfachheit halber bleiben wir bei 50 mm als Normalobjektiv für Vollformat, ok?!
Kleinere Sensoren erreichen den selben Blickwinkel nur mit weitwinkligeren Brennweiten. Beim der APS-C sind es umgerechnet 33 mm (daher nimmt man gerne 35er Brennweiten), bei einer MFT sind es 25 mm.
Verwendest du für jeden Sensor die passende (Normal)Brennweite, sieht das fertige Foto – was den Bildwinkel anbetrifft – bei allen drei Sensorformaten gleich aus!!! Da wird nichts verzerrt. Außerdem machst du mit allen drei Sensoren beim Einsatz der Normalbrennweite aus der gleichen Entfernung das Foto.
Nun schreibst du aber, dass dir dein 45er an der APS-C eigentlich gut gefällt. Dich stört nur, dass du immer Platzprobleme hast, weil du einen gewissen Abstand einhalten musst.
Das 45er gefällt dir ja deshalb so gut, weil es die Gesichter der Personen aus einer gewissen Entfernung aufnimmt. Die Gesichter sehen dann immer gut aus, weil es die Nasen der Porträtierten optisch verkürzt. Das liegt an dem größeren Abstand, den du mit dieser Brennweite einnimmst, der für eine Stauchung der Perspektive führt.
Gehst du jetzt mit einem weitwinkligeren Objektiv (zB 35 mm) an solch ein Porträt, verkürzt du auch den Abstand. Dieses Problem hast du damit also gelöst. Weil du aber näher an den Porträtierten herangehst, wird dessen Nase durch die kürzere Entfernung eben nicht mehr so gestaucht – und sieht daher größer aus.
Schau dir das nochmal beim Brennweitenvergleich an!
Willst du größere Nasen? Dann nutz das Normalobjektiv.
Aber nicht umsonst ist das 85er an einer Vollformat (entspricht dem 50er an der APS-C) DAS Objektiv der Wahl für alle Porträtfotografen weltweit. An meiner Vollformat ist es sogar – ok ich gebe zu ich übertreibe etwas – fast festbetoniert. 🙂
Willst du keine größeren Nasen? Dann bleibe bei deinem 45er und finde Locations, wo du den größeren Abstand zur verfügung hast.
PS: Zum Thema „natürlicherer“ Look
Die Asiaten nennen uns Langnasen. Warum wohl?! 🙂
Also ich kenne niemanden, der bei seinem Porträt darauf besteht, dass die normale Länge seiner Nase auf jeden Fall gezeigt werden muss. 😉
Super Ausführlich! Herzlichen Dank für Deine Geduld und die Klärung meiner Fragen, lieber Karsten. Liebe Grüße vom Bodensee, Thorsten
Immer – wenn es die Zeit erlaubt – gerne! 🙂
auch mit der Sony RX100 konnte ich schon tolle Shootings realisieren.
Natürlich ist da auf einen grossen Abstand zum Hintergrund zu achten, damit eine Freistellung zustande kommt.
Aber der 1 Zoll Sensor verbunden mit der f 2,8 kann da schon was möglich machen.
lg Uli
Klar kann man auch mit einer solchen Kamera Menschen fotografieren. Aber das geht, wie du schon schreibst, eher nur mit Einschränkungen und einer angepassten Arbeitsweise. Damit fehlt ihr die Möglichkeit, möglichst vielfältig und in allen nur erdenklichen Situationen im Bereich Porträt Höchstleistungen zu erbringen. Willst du das, kommst du um eine der vorgestellten Porträt-Kameras nicht herum.