Polarlichter fotografieren: Wann und wo?

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polarlichter fotografieren
Solche gfeinen Strukturen kannst du nur mit vergleichsweise kurzen Belichtungszeiten um 5 Sekunden einfangen.

Bevor du Polarlichter fotografierst, musst du wissen, ob und wo heute überhaupt welche zu sehen sind – und das ist der schwierigere Teil. Für diesen Artikel habe ich Marcel de Bont und Sander Vancanneyt von spaceweatherlive.com interviewt, die genau diese Vorhersage betreiben. Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Planungsfragen.

Ab welchem Kp-Index sind Polarlichter sichtbar?

In Norddeutschland reicht fotografisch ein Kp-Wert von 6, um Polarlichter nachzuweisen – mit bloßem Auge brauchst du etwa Kp 7. Voraussetzung ist eine dunkle Location mit freier Sicht zum nördlichen Horizont. Höhere Kp-Werte verbessern deine Chancen deutlich. Je weiter südlich du bist, desto höher muss der Wert sein; direkt über dem Kopf erscheinen Polarlichter in Deutschland nur bei den stärksten Stürmen, was im Schnitt nur alle paar Jahre vorkommt.

Warum der Kp-Index allein nicht reicht

Der Kp-Index ist für den Einstieg leicht zu verstehen, hat aber einen Haken: Er zeigt vor allem, wie aktiv es in der jüngsten Vergangenheit war – keine Momentan- oder Zukunftswerte. Verlass dich deshalb nicht allein auf ihn, sondern zieh die Echtzeit-Werte des Solarwinds hinzu (dazu gleich).

Grünes Polarlicht über dunkler Landschaft
Vollformat, 21 mm, f/4, 20 s, ISO 1250. (Foto: Noel_Bauza/Pixabay)

Welche Werte du wirklich beachten solltest

Die zuverlässigsten Hinweise liefert der Satellit DSCOVR, der den Solarwind rund 30 bis 60 Minuten misst, bevor er die Erde erreicht. Daraus ergeben sich diese Werte:

Solarwind: Geschwindigkeit und Dichte

Der Solarwind ist ein Strom geladener Teilchen, den die Sonne ständig ausstößt. Normal sind 250 bis 400 km/s; ab 500 km/s gilt der Solarwind als schnell, ab 600 km/s als starker geomagnetischer Sturm (extrem bis zu 1000 km/s). Auch die Dichte – die Teilchenzahl pro Kubikzentimeter – zählt. Für beide gilt: Je höher, desto besser für die Polarlicht-Aktivität.

Der Bz-Wert: negativ ist gut

Der Bz-Wert beschreibt die senkrechte Komponente des interplanetaren Magnetfelds. Entscheidend ist: Er muss negativ (südwärts) sein. Dann kann sich das Magnetfeld der Sonne mit dem der Erde verbinden – wie zwei entgegengesetzte Stabmagnete –, und mehr Teilchen gelangen in unsere Atmosphäre. Ein Bz-Wert unter −10 nT ist ein gutes Zeichen, dass bald ein geomagnetischer Sturm folgt.

Magnetometer (Kiruna)

Magnetometer messen, wie stark das Erdmagnetfeld gestört ist. Für Europa eignet sich das Kiruna-Magnetometer des schwedischen IRF: Je niedriger die X-Komponente, desto gestörter das Feld. Um in Deutschland Polarlichter zu sehen oder zu fotografieren, braucht es schon sehr niedrige Werte von etwa −1300 nT.

Wann und wo schauen?

Richtung, Uhrzeit und Standort

Schau nach Norden: Dort erscheint das Polarlicht über dem Horizont, du brauchst also freie Sicht in diese Richtung. Die beste Zeit ist die magnetische Mitternacht, wenn das Auroraoval am stärksten ist – bei hoher Aktivität klappt es aber auch am frühen Abend oder später in der Nacht. Und ganz wichtig: ein möglichst dunkler Standort fern der Lichtverschmutzung; auch starkes Mondlicht stört. Lichtschwache Polarlichter sind oft nur fotografisch nachweisbar, nicht mit bloßem Auge.

Polarlicht mit feinen, klar gezeichneten Strukturen
Feine Strukturen fängst du nur mit kürzeren Belichtungszeiten um 5 Sekunden ein. (Foto: ColiN00B/Pixabay)

Deutschland oder ab ins Auroraoval?

Das Auroraoval liegt normalerweise über Alaska, Nordkanada, Süd-Grönland, dem Norden Skandinaviens und Nord-Russland – nur bei extremer Aktivität wandert es bis etwa zum 50. Breitengrad nach Süden (Berlin liegt auf dem 52.). Willst du verlässlich Polarlichter sehen, reist du am besten nach Island oder in den Norden Norwegens, Schwedens oder Finnlands. In Deutschland brauchst du dagegen einen echten geomagnetischen Sturm und etwas Glück – wie du deine Chancen hierzulande optimierst, liest du in Polarlichter in Deutschland fotografieren.

Womit fotografieren – die kurze Technik-Antwort

Du brauchst eine manuell bedienbare Kamera auf einem Stativ und eine lange Belichtungszeit – richte sie zum nördlichen Horizont und probier dich an die passende Zeit heran. Kein Blitz: Das Polarlicht ist kilometerweit weg, ein Blitz erreicht es nicht und würde nur den Vordergrund überstrahlen. Eine Garantie gibt es nie – aber mit genügend geomagnetischer Aktivität, einer guten Location und sicherer manueller Kamerabedienung bist du bestens vorbereitet.

Weites Polarlicht über nächtlicher Landschaft mit Langzeitbelichtung
21 mm an Vollformat, f/2,8, 30 s, ISO 2000. (Foto: Noel_Bauza/Pixabay)

Mehr zur Aufnahmetechnik bei Nacht findest du ausführlich in meinem eBook über Nachtfotografie, das ein eigenes Kapitel zum Polarlicht enthält.

So bleibst du informiert

Damit dir kein starker Sturm entgeht, lohnen sich die kostenlosen Alarm-Dienste von spaceweatherlive:

  • Aurora Alarm für Smartphone/Tablet und E-Mail-Benachrichtigung über die Aurora-Alarm-Seite
  • Browser-Push über die rote Alarmglocke unten rechts auf spaceweatherlive.com
  • Außerdem auf X/Twitter, Facebook und YouTube

Der beste Tipp von Marcel und Sander bleibt aber simpel: Geh beim nächsten starken Sturm raus, sei geduldig und probier es. Vielen Dank an die beiden für ihre Einschätzungen und ihre Arbeit an spaceweatherlive.com.

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Karsten Kettermann
Ich bin Karsten Kettermann, Fotograf und Fototrainer. Mir geht es selten um den nächsten Technik-Tipp, eher um die Fragen dahinter: Was macht ein Bild stark? Welche Entscheidung triffst du, bevor du auslöst? Ob du gerade in die Fotografie einsteigst oder seit Jahren fotografierst und immer wieder an die gleichen Grenzen stößt — ich helfe dir, bewusster zu sehen und klarer zu entscheiden. Ich bin Dipl.-Designer (FH), habe 9 Fachbücher über Fotografie und Bildbearbeitung geschrieben und lehre schon über 30 Jahre Fotografie.
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7 Kommentare
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Theresa

Great article guys!

Brigitte

Super! In 2 Wochen fahren wir die Hurtigroute und ich hoffe, wir sehen ein paar dieser grandiosen Schauspiele, da kam der Artikel jetzt genau im richtigen Moment!
Grüße und ein schönes WE

Ute

Hallo Karsten.
Wir sind gerade auf der Nordkapp, ein Schiff der Hurtigrutenflotte. Leider ist das Wetter eher bewölkt, aber wir hoffen natürlich auf dieses Lichtspiel am Himmel.
Drück mal die Daumen.
Viele Grüße von Kirsten, Thomas, Michael und Ute

Bärbel

Ein großartiger Artikel. Wir planen Ende des Jahres eine Reise nach Lappland und hoffen, viele gute Fotos machen zu können. Danke und viele Grüße

Bärbel