Warum dir der Okularverschluss – ein kleines Stück Plastik – deine Fotos retten kann, erfährst du in diesem Beitrag. Im Video zeige ich dir das Teil und seinen Einsatz direkt an der Kamera:
Was ist der Okularverschluss (Okularabdeckung)?
Kurz erklärt: Das Okular ist die Linse, durch die du blickst, wenn du dein Motiv im Sucher anschaust – beide Begriffe meinen dasselbe Bauteil. Der Okularverschluss, auch Okularabdeckung genannt, ist ein kleines Stück Kunststoff, das du auf diesen Sucher setzt, um ihn lichtdicht zu verschließen. Bei vielen Kameras liegt es lose im Karton; bei professionellen Modellen schwenkst du es per kleinem Hebel von innen in den Sucher. Seine einzige Aufgabe: zu verhindern, dass von hinten Licht durch den Sucher in die Kamera fällt.
Warum das ein Problem sein kann, wird klar, sobald du bei wenig Licht arbeitest – also genau dann, wenn du den Okularverschluss am dringendsten brauchst.
Das Problem mit dem Okular – Lichteinfall bei Nacht und Graufilter
Licht fällt auf zwei Wegen in die Kamera: durch das Objektiv und durch den Sucher. Steht die Kamera auf dem Stativ, schaust du während der Belichtung meist nicht durch den Sucher – er liegt frei. Von hinten einfallendes Licht gelangt dann am Spiegel vorbei (der für die Aufnahme zwar hochgeklappt ist, aber nicht hundertprozentig dicht anliegt) auf den Sensor – und erzeugt eine Fehlbelichtung. Besonders in zwei Situationen wird das zum Ärgernis:
Nachtaufnahmen
Bei Nacht reicht schon eine Lichtquelle hinter der Kamera: ein vorbeifahrender Autoscheinwerfer, eine Straßenlaterne – oder deine eigene Taschenlampe, mit der du hinter der Kamera hantierst (was du bei Langzeitbelichtungen ohnehin lassen solltest). Strahlt dieses Licht ins offene Okular, landet es als Schleier auf dem Bild.
Graufilter und Langzeitbelichtung
Beim Fotografieren mit Graufilter verlängerst du die Belichtungszeit künstlich – und arbeitest dabei meist bei Tageslicht. Der Filter dunkelt nur das Licht durchs Objektiv ab, durch den Sucher kommt es völlig ungehindert und oft viel stärker herein. Je stärker der Graufilter, desto länger die Belichtung und desto deutlicher der Lichteinfall. Beim Graufilter kommst du um den Okularverschluss deshalb kaum herum.

Die Lösung: den Okularverschluss richtig einsetzen
Die Lösung ist denkbar einfach – du nutzt den Okularverschluss. Hier die Praxisanleitung Schritt für Schritt:
- Die Kamera steht auf dem Stativ, der Bildstabilisator ist abgeschaltet, alle Hebel sind fest angezogen, damit nichts mehr wackelt.
- Stell den Bildausschnitt am Zoom so ein, dass alles drauf ist, was du möchtest.
- Wähle einen einzelnen AF-Punkt aus, damit die Kamera genau dort scharf stellt, wo du es willst.
- Stell die Blende auf die gewünschte Schärfentiefe ein. Die Belichtungszeit überlässt du der Automatik oder stellst sie manuell ein.
- Setze jetzt den Okularverschluss auf oder klappe ihn in den Sucher – je nachdem, wie das bei deiner Kamera funktioniert.
- Mach dein Foto. Jetzt kannst du sicher sein, dass während der Belichtung kein unerwünschtes Licht in die Kamera fällt.
Alternativen ohne Okularverschluss
Nachts muss es nicht zwingend der Okularverschluss sein. Oft reicht es, die Kamera in deinen Körperschatten zu stellen und das Licht einer Straßenlaterne so fernzuhalten. Oder du legst ein dunkles Stück Stoff – eine Mütze, einen Schal – über den Sucher. Beim Graufilter am hellen Tag ist der Lichteinfall dagegen so kräftig, dass der richtige Okularverschluss klar die sicherere Wahl ist.
Eine kleine Geschichte habe ich noch für dich: Letztens habe ich den Okularverschluss in einem Nachtfotografie-Workshop vorgestellt. Da sagte der Thomas: „Ach, dafür ist dat Dingen! Das lag im Kamerakarton, ich wusste nicht, wofür das ist, und hab es direkt in die Tonne gekloppt!“ Thooooomaas …
Okularverschluss nachkaufen
Keine Sorge, falls deiner schon in der Tonne gelandet ist: Die Teile lassen sich nachkaufen. Welcher passt, hängt von deinem Kameramodell und der Form des Suchers ab – bei Nikon heißt das eckige Modell zum Beispiel DK-5. Such am besten direkt nach der „Okularabdeckung“ für dein konkretes Kameramodell, dann bekommst du das passende Teil.
So ein Detail wie der Okularverschluss zeigt: Oft entscheiden die kleinen Dinge darüber, ob eine Aufnahme gelingt. Wenn du deine Kamera von Grund auf sicher beherrschen willst – Belichtungszeit, Blende und ISO bewusst steuern statt zu raten –, findest du in Kamera verstehen den passenden Einstieg.
Ich wünsch dir allzeit gutes Licht – aber nicht durch das Okular. Jetzt bist du dran: Hast du deinen Okularverschluss noch? Wusstest du, wofür er da ist? Hattest du schon mal einen Lichteinfall? Erzähl es mir in den Kommentaren.
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Bei mir lag dat Dingen ebenfalls im Kamerakarton. War aber nicht so vorschnell, hab´s beiseite gelegt und dann im Handbuch einen entsprechenden Hinweis gefunden. Bei Stativaufnahmen kommt dat Dingen bei mir ständig vors Okular. Hört sich so an als wenn ich sehr viel fotografiere, ist aber nicht so. Hab` mir lediglich den Hinweis im Handbuch zu Herzen genommen. Ich hoffe die Leser Deines NL akzeptieren Deinen Tipp auch, sodass Du keine Spritprobleme bekommst.
Gruß aus HH
Hey Bruno,
DU hast ja schonmal einen guten Anfang gemacht mit diesem Kommentar. 🙂
Vielen Dank für den Hinweis .
Ich lese ungern in Handbüchern und habe mich immer gefragt, wofür dieses Teil ist.
Wer lesen kann, ist echt im Vorteil oder hat deine Newsletter abonniert??
Viele Grüße Annett
Genau so, Annett! 🙂
Hallo Karsten !
Danke für diese tolle Info. Habe leider nur Okularverschlüsse für Nikon im Internet gefunden. Meine Frage: Passen sie auch auf eine Canaon ????
Danke für deinen Tipp und weiterhin viel Freude an deiner Arbeit.
Liebe Grüße
Barbara !
Hey Barbara,
du hast Recht, die gibt es von Canon nur als Original-Ersatzteil.
Aber hier habe ich eine Bastelanleitung für Canon Okularabdeckung gefunden, vielleicht ist das ja ne gute Alternative?!
Hallo, ich habe keinen Okularverschluss. Bis jetzt habe ich noch keine ungewünschtes Licht bemerkt. Muß mich das nächste Mal drauf konzentrieren. Danke für die Vorschläge.
Wenn ich mich recht erinnere, hast du aber auch keine DSLR, Michael. Oder?
Da muss ich auch mal auf die Suche gehen …
Ich habe schon viele Nachtaufnahmen gemacht ohne diese Abdeckung. Aber ich werde sie mal benutzen und schauen, ob es einen Unterschied macht.
Wahrscheinlich hatte ich bisher einfach Glück, dass kein weiteres Licht eingefallen ist.
So wird es gewesen sein, Martina. Nachts kann das auch ohne funktionieren, wenn du aufpasst und wenn hinter der Kamera keine Laternen stehen. 🙂
Hallo Karsten,
danke für den Tipp! Bei meiner Vorgängerkamera der Nikon hatte ich dieses Teilchen mit dabei. Aber ehrlich, ich habe nicht gewusst, wofür man es benötigt. Ich habe es aber auch bislang noch nicht vermisst. Für meine jetzige Kamera, eine Systemkamera benötige ich es nicht!?
Habe mal recherchiert, aber nichts gefunden.
Dir weiterhin viel Erfolg bei deinem Buch mit viel positiver Inspiration,
mit besten Grüßen aus Witten,
Rita
Wenn deine Kamera keinen Spiegel hat, brauchst du dir darüber keine Gedanken zu machen. Die meisten Systemkameras sind da also außen vor. 🙂
Doch, habe ich eine DSLR. Allerdings hatte Sie schon ein paar Jahre auf dem Hügel. Eine a700
Oha, dann habe ich dich verwechselt… sorry.
Hallo Karsten,
das Thema interessiert mich auch sehr. Habe bereits ein bisschen Erfahrung mit Nachfotografie machen können.
Habe aber bisher nicht einmal den Spiegel hochgeklappt geschweige denn das Okular abgedeckt. Stabi war abgeschaltet und die Rauschunterdrückung war ebenso eliminiert.
Ich hatte das bisher noch nie auf dem „Schirm“. Die Bildergebnisse waren bisher m.E. ohne Tadel, wobei ich jetzt leider nicht beurteilen kann wie es denn geworden wäre, wenn ich die Regel eingehalten hätte.
Hatte u.a.versucht im Vordergrund (ein Gebäude) zu focussieren, was bei der Dunkelheit nicht gelang.
Thema Sternenhimmel und Nordlicht-Fotografie würde mich brennend interessieren.
VG, Monika
Ja, das ist das Problem: Wenn das durch Nutzung des Okularverschlusses bessere Foto nicht neben deinem liegt, siehst du den Unterschied nicht und kannst gar nicht wissen, dass du etwas hättest besser machen können.
Ist aber auch egal, du kannst es eh nicht mehr ändern. Also für die Zukunft merken und dann anwenden! 🙂
Hallo Karsten,
das ist wohl war! Werde es natürlich jetzt beherzigen und daran denken.
Freue mich schon auf die „besseren“ Ergebnisse. Danke!