Nachts scharfstellen, wenn der Autofokus streikt – wie das geht, erkläre ich dir hier am Beispiel der Feuerwerkfotografie. Als Grundlage solltest du vorher meinen Artikel über den Autofokus gelesen haben.
Warum die Kamera nachts nicht scharf stellt
Hast du schon mal versucht, bei Nacht zu fotografieren? Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat deine Kamera gestreikt: Sie hat keinen Punkt gefunden, auf den sie scharfstellen kann – und dann macht sie nichts. Genauso geht es ihr beim Feuerwerk. Der Autofokus braucht einen kontrastreichen Punkt, auf den er sich „einhaken“ kann. Da das Feuerwerk aber nur zeitweise sichtbar ist und dazwischen nur der schwarze Nachthimmel da ist, findet er diesen Punkt im entscheidenden Moment nicht. Schlimmer noch: Jede Kamera braucht eine kurze Zeit zum Scharfstellen – die du beim kurzen Aufleuchten der Rakete schlicht nicht hast.

Nachts scharfstellen: so geht’s in 3 Schritten
Die Lösung heißt Ersatz-Entfernungsmessung: Du nutzt den Autofokus ein einziges Mal auf einen festen Bezugspunkt und schaltest ihn dann ab. Der Ablauf:
- Standpunkt und Bildausschnitt wählen, dann mit dem Autofokus auf einen festen Punkt scharfstellen, der genauso weit weg ist wie später das Feuerwerk.
- Autofokus abschalten – und am Objektiv ab jetzt nichts mehr verändern.
- Blende 11 (an Crop-Sensoren Blende 8) als Sicherheitsnetz einstellen.
Schritt 1: Auf einen festen Bezugspunkt scharfstellen
Platziere den Autofokuspunkt dort, wo die Raketen vom Boden abgefeuert werden, und stell auf diesen Punkt scharf. Du misst die Entfernung also ersatzweise am Boden – in genau der Entfernung, in der später das Feuerwerk explodieren wird. Denn die Raketen entfalten sich meist direkt über ihrem Abschusspunkt.
Schritt 2: Autofokus abschalten
Jetzt schaltest du den Autofokus ab. Das ist der entscheidende Schritt: Solange du am Objektiv nichts mehr veränderst, bleibt die einmal gemessene Entfernung erhalten – und das Feuerwerk ist zuverlässig scharf.
Schritt 3: Blende 11 als Sicherheitsnetz
Sollte eine Rakete doch einmal auf dich zu oder von dir weg abgefeuert werden, ändert sich die Entfernung leicht. Dann fängt die Schärfentiefe von Blende 11 das ab, sodass trotzdem alles scharf bleibt. Kameras mit kleineren Sensoren haben oft nur bis Blende 8 – das reicht hier genauso, weil der kleinere Sensor von Haus aus mehr Schärfentiefe mitbringt. Blende 11 (bzw. 8) ist damit die optimale Blende fürs Feuerwerk.

Ausschnitt ändern, ohne die Schärfe zu verlieren
Ein wichtiger Punkt: Sobald du zoomst, verstellt sich bei den meisten Objektiven gleichzeitig die Scharfstellung. Wenn du also nach den ersten Raketen den Ausschnitt ändern willst, schalte den Autofokus kurz wieder an, stell schnell auf den Abschusspunkt scharf und deaktiviere ihn danach sofort wieder. So behältst du die Schärfe.
Noch ein Schalter: Bildstabilisator am Stativ aus
Wenn du schon am Schalter für den Autofokus bist, kontrollier direkt den darunter: den für den Bildstabilisator. Den schaltest du unbedingt ab, sobald die Kamera auf dem Stativ steht. Auf dem Stativ kann er sonst selbst feine Unschärfen erzeugen, statt sie zu verhindern.
Auf welche Motive du das überträgst
Diese Arbeitsweise funktioniert überall dort, wo der Autofokus keinen Halt findet. Übertrage sie auf:
- Nachtfotos im urbanen Raum
- Polarlichter und Lichtspuren
- Gewitterfotografie
- Astrofotografie: Mond, Sternenhimmel, Milchstraße
- alle kontrastarmen Motive, die ein Autofokuspunkt nicht erfassen kann
Sach wat! Wenn du dich beim Thema Nacht jetzt richtig sicher fühlen willst, ist der nächste logische Schritt der Artikel zu den richtigen Einstellungen für die Nachtfotografie – dort bekommst du das passende Fundament zu dieser Scharfstell-Technik. Diesen Tipp und viele weitere findest du übrigens auch in meinem eBook über Nachtfotografie.
Mehr aus der Nachtfotografie-Reihe
- Nachtfotografie: Überblick & Motive
- Nachtfotografie: die richtigen Einstellungen
- Blendensterne & Sterneffekt
- Lichtspuren fotografieren
- Feuerwerk fotografieren
- Polarlichter: wann & wo
- Polarlichter in Deutschland
- Sternschnuppen fotografieren
- Milchstraße fotografieren
- Milchstraße: Bildbearbeitung
- Gewitter-Blitze fotografieren
- Zubehör für die Nachtfotografie
- Nachtfotografie: Leser-Ergebnisse
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Im Moment vor dem Auslösen bleibt selten Zeit, einen Artikel nachzulesen. Deshalb passt die Kamera-Entscheidungskarte auf ein Blatt: vorn fünf Entscheidungen in fester Reihenfolge, hinten eine ruhige Fehlersuche für den Fall, dass ein Bild nicht klappt. Danach schreibe ich dir regelmäßig, worauf ich beim Fotografieren achte und wie ich Entscheidungen treffe.

Wenn man den Abschußort nicht sieht – kann man auch einfach unendlich oder kurz davor einstellen?
Grüße
Unendlich könnte zu weit entfernt sein.
Such dir einen Baum in der Nähe des Abschussorts, nimm die Wiese drumherum oder was auch immer.
Es darf auch ein Haus sein, das im Zweifel sogar hinter dir steht, aber bitte im gleichen Abstand wie das Feuerwerk: Dreh die Kamera zu diesem Haus, dann stellst du mit AF darauf scharf. Danach schaltest du den AF wieder ab und drehst die Kamera zurück auf das Feuerwerk. Fertig!
Hauptsache, der Abstand ist gleich, dann kannst du auf wirklich alles scharfstellen. 🙂
O.K. danke, das ist auch eine Idee! Mit AF scharf stellen und dann abschalten ist eine super gute Idee….
Schönes Wochenende und Grüße
Gell??! 🙂
Bei meiner Lumix FZ 200 ist bei f8 schluss! aber Du meinst die Blend f11, wie mach ich es dan bei meiner Kamera einstellung am besten
Wenn du keine f 11 hast, nimmst du halt die f 8.
Kleinsensorige Kameras haben oft keine f 11, da das zu Beugungsunschärfen führen kann. Danke für den Hinweis. Ich habe das oben im Text ergänzt.
Danke Karsten, das hat ja meinen fotografischen Verstand wieder aufgebaut. Ich habe das vorher auch noch nicht so gesehen, dass man das so festhalten kann. Es missglückte mir beim Feuerwerk immer und ich habe mich geärgert, dass ich das nicht besser wusste!!!
Das sind total tolle Aufnahmen von Dir. Ich möchte mich für Dein Buch „Nachtfotografie“ jetzt schon anmelden und es auch hiermit bestellen. Danke Dir für den tollen Blog sagt herzlichst Irene.
Gern geschehen. 🙂
Buchbestellung vorgemerkt.
Leider bin ich zurzeit nicht Zuhause, da wüsste ich was Nachts zu Fotografieren ist. Hier muss ich mich erst Umschauen,und was auch Nachts hell genug ist. Mit dem Feuerwerk ist es leider auch vorbei, außer man findet bei Stadtfesten eins. Aber das mit dem AF-Punkt auf die Erde und dann hochfahren muss echt Mal ausprobieren. Vielen dank, Michael
Gerne doch! 🙂
Das funktioniert aber doch auch nur dann, wenn man weit genug vom Feuerwerk entfernt ist (so dass der Abstand KameraAbschussort in etwa KameraFeuerwerk beträgt). Mir fällt da als konkretes Gegenbeispiel das „Saarspektakel“ am ersten Wochenende im August eines jeden Jahres in Saarbrücken ein. Dort finden die Festivitäten entlang des Saarufers statt und das Feuerwerk wird immer von einer schwimmenden Plattform von der Mitte der Saar (an der Stelle Gesamtbreite des Flusses etwa 50m) abgefeuert. Da das Feuerwerk aber sicherlich mehr als 25m hoch gefeuert wird passt die Ersatzmessung dann nicht – und wenn man nicht weiß wie hoch das Feuerwerk geschossen wird, kann man auch nur raten, worauf man alternativ Fokussieren soll.
Was macht man denn in solchen Fällen?
Doch, das funktioniert genau so, wie beschrieben. Hier nochmal das Zitat von oben, auif das es ankommt:
Auf dein Beispiel bezogen:
Überzeugt? Wenn nicht, rechne es mit diesem Schärfentiefenrechner selbst nach.
Doch, bin überzeugt. Ich hatte beim Verfassen meines Kommentars nicht mehr an die erwähnte Blende 11 gedacht… Das ist, wenn man nur ein Gedächtnis von 12 bis Mittag hat. 😀
Ach komm, kann ja mal passieren. 😉
Ist es ratsam den gefunden Fokuspunkt dann „einzuloggen“ mit AF Lock.
Gruß Marcus
Jein! 🙂
Ich bleibe mal beim Beispiel der Feuerwerk-Fotos:
Das hätte den Vorteil, dass sich der AF-Punkt nicht mehr verstellt und du immer auf der gleichen Stelle scharfstellst. So weit so gut. Was aber, wenn du den Ausschnitt veränderst und vergisst, die Sperre aufzuheben?? Dann stellt die Kamera irgendwo scharf.
Besser: Du stellst auf den Punkt scharf, von dem die Raketen abgefeuert werden und schaltest den AF ab. Nun kannst du flexibel auf das Feuerwerk reagieren und jederzeit die Ausrichtung der Kamera auf dem Stativ verändern, bis du Zoomst. Dann musst du, wie oben geschrieben, ohnehin den AF wieder einschalten und alles beginnt von vorne.
Hallo Karsten,
sorry wenn ich Dich auf diesem Weg „nerve“ aber ich verstehe etwas nicht.
Du schreibst immer von „AF abstellen“, aber wie soll ich das verstehen?
Also, ich nutze an meiner Kamera den Autofokus für ein Motiv/eine Situation und die Kamera fokussiert wenn ich den Auslöser halb durchdrücke und meldet mir das positive Ergebnis als grünes Viereck in der Anzeige.
Ok, wie schalte ich jetzt den AF ab (also was muss ich drücken/aktivieren) und was tritt stattdessen in die Fußstapfen des AF??…???
Ich kann doch nur entscheiden zwischen AF, AF Macro, MF??…??…..
Ich steh da echt aufm Schlauch irgendwie.
Hoffe Du kannst etwas Licht ins Dunkel bringen.
Gruß Marcus
Du schreibst es doch selbst:
„MF“ ist die Zauberabkürzung: MF steht für Manueller Fokus. Wenn du MF einschaltest, schaltest du automatisch deinen AF ab! 🙂
Und ZACK – Licht gemacht! 😉
Zack, Licht ist an 🙂
Dann wird der fokussierte Bereich quasi übernommen der zuvor im AF-Modus festgelegt wurde. Wieder was gelernt 🙂
Gruß Marcus
Genau so! 🙂
Bin gerade auf deinen interessanten Beitrag. Das habe ich auch schon ähnlich gemacht, mit dem Scharfstellen. Was für mich jedoch noch nicht ganz klar ist, was mache ich, wenn ich keinen Punkt habe, wo ich so die Schärfe einstellen kann? Zum Beispiel wenn ich am Abend in den Bergen bin und diese Fotografieren will? Ich habe ja nichts Drumherum, was in der gleichen Distanz ist und noch genug beleuchtet, dass ich mit dem Autofokus scharfstellen könnte. Mein Autofokus funktioniert nicht mehr, wenn es zu dunkel ist. Meine Idee wäre die Schärfe tagsüber einzustellen und so vorzubereiten für den Abend/Nacht. Was ist jedoch wenn ich erst am Abend dort ankomme? Wie bringe ich ein scharfes Bild hin? Ich atte s auch mit Autofokus oder mit Unendlich versucht, aber leider klappte dies nicht.
Hallo Annina,
danke für die Frage. 🙂
Es ist sicherlich ne Idee, schon tagsüber scharf zu stellen. Aber dann kannst du ja zwischendurch nicht mehr fotografieren – das wäre ja doof. 🙂
Es gibt aber eine andere Art, das zu lösen:
Stell einfach auf 10 m scharf. Dafür trägst du eine Taschenlampe 10 m von deiner Kamera weg, legst sie auf den Boden, so dass sie in Richtung deiner Kamera leuchtet (aber etwas dran vorbei, nicht direkt auf die Kamera). Mit der Kamera stellst du jetzt per AF auf die Taschenlampe scharf. Stell den Autofokus ab. Das wars. 🙂
Jetzt richtest du deine Kamera zum Motiv aus (die Taschenlampe war ja nur für die Ersatzmessung wichtig).
Den Rest macht dir die Schärfentiefe, denn bei fast allen Kamerasensor-Formaten hast du jetzt bei einer Blende von 5,6 und höheren Blendenwerten (8 – 16) eine immer genügend große Schärfentiefe. Voraussetzung ist allerdings, dass du mit einem Weitwinkel fotografierst!!
Details kannst du hier nachrechnen.
Gut beschriebene Technik, danke für den schönen Beitrag.
Gern geschrieben! 🙂
Hallo Karsten, ja, ist mir bekannt aber noch nie groß angewendet. Dieses Jahr will ich es aber von einen erhöhten Punkt probieren und gern eine 35er oder 50er Festbrennweite mit Stativ und Langzeitbelichtung verwenden. Was wär dafür dein Tip? Ansonsten hab ich bei Nachtfotografie immer eine lichtstarkenTaschenlampe dabei, um den Autofocus ne Hilfe zu geben. Gut, wenn man den AF vom Auslöser entkoppelt hat. Aber das geht auch nur bei Objekten in der Nähe, die dazu noch statisch sind😄.
Gruß Thomas
Einen Tipp? Machs einfach und schau dir an, was dabei herauskommt. Hab aber auf jeden Fall ein Zoom dabei, auch gerne ein längeres, wenn das Feuerwerk allzu klein in Foto wird. Dann kannst du noch schnell umschalten. 😉
Alles klar, danke dir. Bilder folgen dann im Inspi😁