Lightroom Presets: Unverzichtbar oder Quatsch?

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lightroom presets

Lightroom-Presets – auch Vorgaben genannt – versprechen den perfekten Look auf einen Klick. Ob sie dir wirklich Arbeit sparen oder heimlich Zeit fressen, hängt von einer einzigen Voraussetzung ab. Die schauen wir uns hier ehrlich an.

Was ist ein Lightroom-Preset – und was bringt es?

Lightroom-Preset-Auswahl im Entwickeln-Modul
Schon mit Lightroom werden einige Presets mitgeliefert.

Ein Lightroom-Preset (deutsch: Vorgabe) ist ein gespeicherter Satz von Reglereinstellungen, den du mit einem einzigen Klick auf ein Foto überträgst. Statt jedes Bild von Hand zu entwickeln, wendest du so eine einmal gefundene Bearbeitung – deine eigene oder eine gekaufte – auf beliebig viele weitere Fotos an. Innerhalb von Lightroom speicherst du dir jede Reglerstellung als Vorgabe ab und rufst sie später bei einem ähnlichen Foto wieder auf. Solche Presets kannst du außerdem kaufen oder kostenlos aus dem Netz laden – eine schnelle Suche fördert Millionen davon zutage.

Das Problem mit gekauften Presets

Ob kostenlos oder kostenpflichtig – jeder Anbieter zeigt dir Beispielfotos, auf die sein Preset angewendet wurde, und die Ergebnisse sehen oft beeindruckend aus. Schnell denkst du: „Das will ich auch.“ Doch dann kommt die Enttäuschung, wenn das Preset bei deinen eigenen Fotos gar nicht so wirkt. Der Grund, den dir keiner der Anbieter verrät: Ein Preset liefert nur dann das Ergebnis aus dem Beispielbild, wenn dein Foto dem Beispiel ähnelt – in Helligkeit, Tonwerten, Bildaufbau. Ist dein Bild deutlich heller, dunkler oder anders aufgebaut, fällt auch die Wirkung deutlich anders aus. Das kann ganz schön frustrieren, ich weiß.

Warum ich selbst keine Presets mehr suche

Als ich die Möglichkeiten von Lightroom vor Jahren für mich entdeckte, war ich auch versessen auf Presets. Schon nach wenigen Tagen merkte ich, dass genau das beschriebene Problem eintrat – also besorgte ich mir noch mehr Vorgaben, in der Hoffnung, für jeden Fall gerüstet zu sein. Das Gegenteil geschah: Ich hatte irgendwann so viele Presets auf dem Rechner, dass ich bei jedem Foto Hunderte durchprobierte, bis vielleicht eines passte. Auf die Suche nach dem richtigen Preset habe ich am Ende unendlich viel Zeit verloren. Die Erkenntnis daraus: Presets sparen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen wirklich Arbeit.

Die bessere Alternative: die Regler selbst nutzen

Reglerbereich im Entwickeln-Modul von Lightroom
Nicht nur die Grundeinstellungen, wirklich alle Regler kannst du als Vorgabe speichern.

Statt lange nach dem passenden Preset zu suchen, habe ich mir angewöhnt, die Regler in Lightroom gleich selbst zu bedienen. Schon mit den Grundeinstellungen holst du aus fast jedem Foto sehr viel heraus; die wenigen weiteren Regler perfektionieren das Ergebnis. Ja, das dauert am Anfang ein paar Sekunden länger als ein Klick auf ein Preset. Doch die Sicherheit im Umgang mit den Reglern spart dir auf Dauer so viel Zeit, dass sich der Einstieg um ein Vielfaches auszahlt. Wie du diese Grundeinstellungen der Reihe nach setzt, zeige ich dir Schritt für Schritt in den Lightroom-Grundeinstellungen.

Im folgenden Video siehst du, dass das kein Profi-Privileg ist: Ich spreche mit der erfahrenen Hochzeitsfotografin Doris Tews, und auch sie arbeitet nicht mit Presets, sondern setzt ihre Einstellungen in Sekunden von Hand. Wir konzentrieren uns auf wenige Arbeitsschritte und zeigen, dass ein natürliches Foto keine Presets braucht – und trotzdem schnell fertig ist.

Wann Presets wirklich sinnvoll sind

Haben Presets also gar keine Berechtigung? Doch – nur eben nicht als Ersatz für die eigene Bildentwicklung. Es gibt drei Fälle, in denen sie dir echte Arbeit abnehmen:

  1. Wiederkehrende Arbeitsschritte automatisieren – etwa Objektivkorrekturen, eine Grund-Entrauschung oder die Kamerakalibrierung. Das sind immer gleiche Handgriffe, die ein Preset zuverlässig übernimmt.
  2. Immer sehr ähnliche Fotos – wenn deine Bilder aus Motiv, Licht und Aufbau stets vergleichbar sind, passt eine einmal gefundene Vorgabe verlässlich.
  3. Zum Lernen und Analysieren – wende ein Preset auf ein unbearbeitetes Foto an und schau, welcher Regler was verändert. So ziehst du Rückschlüsse für deine eigene Bearbeitung.

Gerade der dritte Punkt ist der eigentliche Wert: Ein Preset ist ein guter Lehrer, aber ein schlechter Autopilot. Wer versteht, was die Regler tun, braucht die Vorgaben irgendwann nur noch als Abkürzung – nicht als Krücke.

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22 Kommentare
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Udo Endruscheit

Kann ich nur bestätigen. Selbst bei den mitgelieferten Presets von Lightroom kann man ins Schleudern kommen. Eine Unzahl von Presets kann doch nur für Leute gut sein, die gar keine Vorstellung haben, wie ihr Bild aussehen soll und mehr oder weniger nur rumprobieren.

Bei dem Produktlink aus dem Artikel sind Bildbeispiele zu sehen, bei denen ich das „After“-Bild für eine fürchterliche Verschlimmbesserung halte. Beste Beispiele für die fehlende Vorstellung vom fertigen Bild.

Ich nutze Lightroom seit etwa fünf Jahren, seit einiger Zeit in Verbindung mit Photoshop CC. Ausschließlich „manuell“. Ich bin bisher noch nicht auf die Idee gekommen, mir weitere Presets zuzulegen.

Ich glaube, Presets richten sich an Leute, denen die Disziplin und die Überlegung für einen wirklichen Workflow fehlt. Nur dann kann ich mir eine gute Freeware aussuchen und muss nicht mit Lightroom arbeiten.

Danke für die tollen Lightroom-Beiträge!

Helmut Voß

Danke Kasten für den Betrag,
grundsätzlich stimme ich euch zu! Was ich aber gerne mache ist ein Preset aufzurufen an meine Bedürfnisse anzupassen und dann als neues Preset abzuspeichern, klar wird auch dieses nicht immer auf alle meine Fotos passen aber eben besser zu meinem Stil und mit ein paar kleinen Änderungen z.B . bei der Belichtung ist dann doch einiges an Zeit gespart grad wann es um Farblooks geht!
LG bis bald
Vossi

Rainer Stang

100% Zustimmung. Wieviel Zeit habe ich investiert um festzustellen das es „zu Fuß“ besser, individueller und schneller geht.
Und Hand aufs Herz. Der überwiegende Teil meiner Bilder optimiere ich mit vielleicht 6-7 Einstellungen.
Und diese ganz besonderen Bilder, an denen ich mich auch wirklich gerne lange aufhalte……
Da hilft mir ein Preset eh nicht.
Nach ganz viel probieren habe ich also 90% aller Presets wieder herunter geschmissen, da sie mich nur ablenken.

Also, Daumen hoch für das Thema und den Bericht.
Gruß
Rainer

Thomas Riedel

Hallo Karsten – wieder ein klasse Beitrag. Als ich ihn gelesen habe, musste ich ein wenig schmunzeln – hatte ich mir anfangs doch auch jede Menge Presets besorgt und viel Zeit damit verbracht. Kostenlose Presets und auch kostenpflichtige. Ich habe sie zwar immer noch in meinem Lightroom und dort natürlich auch in Gruppen geordnet, allerdings empfinde ich sie ebenfalls inzwischen nur noch als „Anregung“/Inspiration. Die meisten benutze ich gar nicht mehr –

Es gibt allerdings noch ein Thema von Presets, ( habe ich auch in dem Video zufällig gesehen ) was ich gerne einsetze. Ich sehe das für mich aber nur als einen ersten Schritt – letztendlich gestaltet und entwickle ich mir die Bilder so, wie ich sie persönlich sehe.

Gute Hilfe leisten mir da diverse Videos und Onlinekurse von einem coolen, erfahrenen Typen der schon jede Menge Fotos entwickelt hat und mit super Tips einem hilfreich zur Seite steht ?

Ich finde, jeder sollte seinen eigenen Stil entwickeln – wie ihr schon in dem Video gesagt habt: Man muss da nicht mit jeder Mode mitgehen. Wobei mir bei den Hochzeitsfotos das erste tendenziell vorher besser gefällt. Ist aber nur meine persönliche Meinung.
Das Video bestätigt wieder sehr gut, dass man auch ohne Presets auskommen kann.

Also nochmal schönen Dank für diesen wertvollen Blog und: Weiter machen ?
Stay hungry, stay foolish

Schöne Grüße
Thomas

Uli

Hallo Karsten,
ich möchte keine Fertigprodukt eines anderen Fotografen, sondern ich möchte Wissen und auch verstehen, wie ich zu meinem Wunschergebnis komme. Nur dann kann ich mich auch weiterentwickeln. Da sind deine Videos und Newsletter sicherlich die bessere Alternative.
Gruß
Uli

Uwe

Der Beitrag spricht mir aus der Seele!

Ja, ich habe auch viele, viele Presets. Und ich nutze sie gern mal um mal schnell mit der Maus drüber zu fliegen und im Navigator-Fenster die Preview zu sehen. Man kann sich da durchaus gute Bearbeitungsideen holen.

Ansonsten habe ich eine recht begrenzte Anzahl an Presets, mit denen ich arbeite. Genaugenommen pro Kamera exakt eines: Mein jeweiliges Default-Preset. Die habe ich mir erstellt aufgrund der Parameter, die ich meistens verwende/anwende. Die lasse ich beim Import schon zuweisen und habe damit jeweils eine gute Ausgangsbasis, mit der ich im Allgemeinen schnell zum Ziel komme.

Andrea Spielmann

Hallo Karsten,

genau das brauche ich! Bisher habe ich als blutige Lightroom-Anfängerin alles immer wieder neu und händisch gemacht und gedacht: schön wäre es, das irgendwie zu automatisieren. Wahrscheinlich kommt das in Deinem Kurs auch, Karsten, aber so weit bin ich ja leider noch nicht gekommen. Aber: heute Abend geht es ernsthaft los!!!!

LG, Andrea (die mit dem guten Vorsatz für 2017, LR-Expertin zu werden ;-))

Michal Mogus

Hallo, wieder ein interresanter Artikel, den den ich mir zweimal angeschaut habe. Es ist schon ein großer Unterschied zwischen Vista und Windows Fotogalerie und jetzt mit dem Lenovo Foto Master, mit dem ich mich gerade beschäftige. Dann kommt so ein Beitrag und der ist wieder ganz was anderres. Grüße Michael

jackjones1337

Falls jemand sich interessiert es gibt hier gute Resource mit viele verschiedenen Lightroom presets (http://fixthephoto.com/free-lightroom-presets) Bitte schön 😉

Hans Jürgen Zolnir

Hallo erstmal, alles mal wieder super.
Ich würde gerne wissen kann man mit LR auch seinen eigenen Schatten aus seinem Bild entfernen?

Gruß

Hans Jürgen

Stefan

Ich fotografiere seit ca. 2 Jahren und seit 1,5 nutze ich Lightroom, ich habe die Bilder immer „manuell“ bearbeitet, jetzt hab ich im Sommerurlaub über 1000 Bilder gemacht und obwohl ich nur einen Teil davon bearbeitet habe, hat es einen ganzen Tag gedauert. Jetzt war mein Gedanke ob mir Presets nicht etwas Zeit sparen können und nach dem ich mich jetzt in das Thema eingelesen habe stelle ich fest… nein, ich bleib bei meiner Methode und wenn ich mehrere ähnliche Bilder habe kopiere ich mir die Einstellungen und füge sie bei den anderen ein.