Die leuchtenden Streifen, die Autos bei Nacht über die Straße ziehen, sehen spektakulär aus – und sind erstaunlich einfach zu fotografieren. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du Lichtspuren aufnimmst, aus welchen vier Komponenten du sie zusammensetzt und was mit dem Smartphone geht.
Lichtspuren fotografieren – so geht’s in Kurzform
Stell die Kamera auf ein Stativ, wähle ISO 100 und eine kleine Blende (um f/16), und belichte mehrere Sekunden bis Minuten lang. Am besten gelingt das zur blauen Stunde oder in der Stadt mit viel Umgebungslicht. Über die Zeitautomatik findest du die passende Blende, dann wechselst du in den Modus M und stellst die Belichtungszeit für die gewünschte Spurlänge selbst ein. Die Details gehen wir jetzt durch.
Warum das Auto verschwindet und nur das Licht bleibt

Das Prinzip ist simpel: Die hellen Scheinwerfer bannen sich als Spur aufs Bild, das Auto selbst verschwindet. Denn es gibt kaum eigenes Licht ab und ist nie lange genug an einer Stelle, um sichtbar zu werden – im Gegensatz zu den Häusern am Straßenrand. Das gilt für jede bewegte Lichtquelle: Autos, Radfahrer, Züge, Schiffe, Flugzeuge oder eine durch den Raum getragene Lampe.
Diesen Artikel habe ich meinem eBook über Nachtfotografie entnommen – darin findest du das ganze Thema ausführlich: Nachtfotografie – perfekte Nachtaufnahmen.
Die richtige Belichtung – vier Komponenten
Zur blauen Stunde oder im hellen Stadtraum kommst du meist mit der Automatik aus. Starte mit der Zeitautomatik (so wählst du die Blende vor), schalte die ISO-Automatik aus und stell ISO 100 fest ein. „Richtig“ belichten heißt hier mehr als nur die Gesamthelligkeit – du legst auch die Größe und die Länge der Lichtspuren fest. Das geht über vier Komponenten.
Komponente 1: Die Blende (Größe der Lichtquelle)
Hier musst du umdenken: Die Blende bestimmt nicht nur die Schärfentiefe, sondern auch die Dicke der Lichtspuren. Bei Blende 16 hat eine einzelne Spur die optimale Stärke – weder mager noch überstrahlt.


Je weiter du öffnest, desto mehr überstrahlen die Spuren; je weiter du schließt, desto dünner werden sie. Einen festen Richtwert gibt es nicht – dein Geschmack entscheidet. Taste dich mit der Zeitautomatik über ein paar Probefotos an die passende Blende heran und beurteile sie stark vergrößert im Display. Hast du die richtige Blende, behältst du sie bei.
Komponente 2: Die Belichtungszeit (Länge der Spur)
Die Länge der Spur regelst du über die Belichtungszeit: Verdoppelst du die Zeit, verdoppelt sich die Spurlänge; halbierst du sie, wird die Spur halb so lang. Wechsle dafür in den Modus M, übernimm die ermittelte Blende und stell die Belichtungszeit so ein, wie dir die Spurlänge gefällt – dann ein Probefoto.


Komponente 3: Der ISO-Wert (Umgebungslicht)
ISO 100 bleibt meist stehen – im hellen Stadtraum und zur blauen Stunde ist genug Umgebungslicht da, du arbeitest nur mit Blende und Zeit. Auf dem Land mit wenig Licht kommt kaum Umgebung mit aufs Bild; willst du den Lichtschein einer Stadt am Horizont heller, erhöhst du den ISO-Wert (doppelter ISO = doppelt so hell wiedergegebenes Umgebungslicht).


Komponente 4: Anzahl und Geschwindigkeit der Autos
Auch die Autos selbst formen das Bild. Je mehr über dieselbe Straße fahren, desto mehr Spuren überlagern sich – im Feierabendverkehr werden es schnell zu viele. Spät und auf dem Land ist weniger los; dann kannst du extrem lange belichten und bekommst trotzdem nur wenige Spuren (mit Glück sogar Sternspuren).


Die Geschwindigkeit wirkt mit: Bewegt sich eine Lichtquelle langsam, nimmt die Kamera pro Meter mehr Licht auf – sie überstrahlt eher. Das berücksichtigst du bei Blende und Belichtungszeit.
Lichtform, -platzierung und -farbe
Front- und Rückscheinwerfer kennt jeder. Spannender wird es bei Fahrzeugen mit ungewöhnlichen Lichtern: Lkw mit bunten Positionslichtern oben am Aufbau, Busse mit Innenraumbeleuchtung, Geländewagen mit Zusatzscheinwerfern – sie alle ziehen andere Spuren in zusätzlichen Ebenen. Halt gezielt danach Ausschau.

Lichtspuren mit dem Smartphone fotografieren
Geht das auch mit dem Handy? In Grenzen ja. Moderne Smartphones haben einen Nacht- oder Pro-Modus, mit dem auch Lichtspuren gelingen. Wichtig ist eine feste Auflage oder ein kleines Stativ – auch das Handy verwackelt bei langer Belichtung. Im Pro-Modus stellst du eine möglichst lange Belichtungszeit und einen niedrigen ISO-Wert ein; manche Nacht-Modi rechnen mehrere Aufnahmen automatisch zusammen. Die Grenzen: Die Belichtungszeit ist oft auf wenige Sekunden gedeckelt und die Blende fest – für sehr lange, gestochene Spuren bleibt die Kamera mit Stativ überlegen.
Lichtspuren sind kein Hexenwerk
Du kennst jetzt die vier Zutaten – Blende, Belichtungszeit, ISO und die Autos. Auf jedes Motiv tastest du dich über ein paar Probefotos neu heran, weil jede Lichtquelle anders geformt, hell und schnell ist. Dafür belohnt dich das Thema mit unzähligen Möglichkeiten. Lichtspuren sind übrigens nur ein Baustein der Nachtfotografie – den kompletten Überblick mit allen Motiven und Folgethemen findest du hier: Nachtfotografie – Überblick und Motive.
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…mal wieder ein super Artikel, vielen Dank! Das macht mich schon lange an und nun werde ich gleich mal die ersten „lauen“ Fruehlingsnaechte ausnutzen!
Gruss Patrick
Ich danke. 🙂
Ja, probier das mal aus und berichte – bin gespannt! 🙂
Hallo Karsten, vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel.
Ich war am vergangenen Wochenende auf einem Workshop zu genau diesem Thema und ich war sehr enttäuscht.
Nach deiner Anleitung werde ich es jetzt auf eigene Faust probieren und bin sicher, es gibt vorzeigbare Ergebnisse.
Gruss Aline
Mach mal und berichte! 🙂
Habe ich letztlich schon mal gehört, dass da wer unterwegs ist, der das Thema anbietet, es aber nicht wirklich gut rüberbringt … Schade sowas!
Hallo Karsten,
ich habe schon einmal versucht bei uns Lichtspuren aufzunehmen. Mir ist es auch so ergangen wie dir. Die Autofahrer stiegen in die Bremsen, als sie mein Stativ am Straßenrand sahen. Dein Artikel war für mich sehr lehrreich. Ich interessiere mich , was die Nachtfotografie angeht, besonders für gute Lichtspuren. Muss allerdings noch etwas üben.
Viele Grüße
Bärbel
Ja, die Übung wird es bringen! 🙂
Hallo Karsten,
habe deinen Artikel gelesen und finde „Wow“??Super beschrieben,gut verständlich.
Ich freue mich schon auf’s ausprobieren?
Liebe Grüße,Andrea
Danke Andrea, dann probier mal aus und berichte! 🙂
Hallo Karsten,
sollte man bei der Nachtfotografie grundsätzlich auf eine Streulichtblende verzichten?
Erhalte ich dadurch weniger Lichteinfall und tue mich schwerer gute Nachtbilder zu bekommen. Habe sie bei mir eigentlich immer draufstecken und bin noch nie auf die Idee gekommen sie abzunehmen in der Dunkelheit 🙂
Gruß Marcus
Nein, warum auch??
Eine Streulichblende ist bei der Nachtfotografie besonders zu enpfehlen, denn starke Lichtquellen (Straßenlaterne, Vollmond usw.) streuen sonst ihr Licht in Richtung Objektiv und können wir Geisterbilder oder Blendenflecken sorgen.
Generell kann man sagen, dass Streulichtblenden für bis zu 30% mehr Brillianz sorgen. Für Laien: Das Bild wird klarer. Du willst also immer deine Streulichtblende auf das Objektiv setzen. Es gibt nach meiner Meinung keinen guten Grund, sie abzunehmen. Außer, du willst das, was sie verhindern, absichtlich erzielen.
Weniger Lichteinfall geht ja nicht: Sie ist ja nicht durch den Sucher zu sehen und wird dadurch auch nicht bildwirksam. Etwas anderes wäre es mit einem eingefärbten Filter, z.B. einem Graufilter: Der nimmt Licht weg, weil er grau ist und dadurch wie eine Sonnenbrille für die Kamera wirkt.
Wieder was gelernt und Unklarheiten beseitigt, vielen Dank Karsten!!
Gruß Marcus
Hallo Karsten,
angeregt durch diesen Artikel, habe ich entschieden, mich mal an die Nachtfotografie zu wagen. Um dabei alles richtig zu machen, kaufte ich mir zuerst einmal dein Buch zu diesem Thema. Heute regnete es den ganzen Tag, was mir reichlich Zeit bescherte, in dem Buch zu lesen. Obwohl ich in der Einführung einiges überfliegen konnte, entdeckte ich doch immer wieder mal interessante Links,Tipps und Ansichten, sodass ich sofort sicher war, das Buch wird noch richtig spannend für mich. Dein Vorschlag im Kapittel „Blaue Stunde“ zur App Sun Surveyor ist super. Ich habe sie sofort installiert und bin begeistert. Also möchte ich mich dafür und für das schöne Buch ganz herzlich bedanken. L.G. Hannelore
Na wunderbar, Hannelore! Schön, dass dir das Buch gefällt! 🙂
Einfach happy, dass ich deine Website gefunden habe. Das Buch über Portraitfotografie habe ich gleich mal gekauft (super geschrieben, Umsetzung folgt bald) und heute Abend gleich mal zur Schnellstraße Boston Turnpike gefahren und von einer Brücke die ersten Erfahrungen mit Lichtspurfotografie gemacht. Hat super geklappt, herzlichen Dank!!!
Na wunderbar! 🙂
Weiter so.
Hallo Karsten, das Thema ist anschaulich erklärt und auf die wesentlichen Aspekte konzentriert. So können Dir auch jene folgen, die erst mit dem Fotografieren bei Nacht beginnen. Vielen Profis/Authoren gelingt eben dieses nicht, Dir schon – Glückwunsch.
Danke, Lupus! 🙂
Hey.
Cooler Artikel. Ich möchte das heute Abend gleich mal probieren.
Klasse Seite und weiter so, ich lege mit bestimmt auch dein Buch zu.
Schöne Zeit und bleibt alle gesund!
Lass dich nicht abhalten. Viel Spaß dabei! 🙂
Bleib du auch gesund.
Super Beitrag, danke für die Tipps! Lese mich gerade in die Thematik Fotografie (und besonders Autofotografie) ein und Lichtspuren sind schon ein interessantes Thema. Ich persönlich finde solche Lichtspuren immer sehr schön. Viele Grüße 🙂