Perfekt belichten 5 / 5: Kontrast beherrschen und NIE wieder lausige Fotos!

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Kontrast beherrschen
Flaue Kontrast sind unsexy, aber erstmal kein Problem.

Der Kontrastumfang ist der Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle in deinem Bild. Ist er zu hoch – etwa bei praller Sonne –, kann deine Kamera ihn nicht mehr vollständig wiedergeben: Die Lichter fressen aus oder die Schatten saufen ab. Die gute Nachricht: Du bekommst hohe Kontraste schon vor der Aufnahme in den Griff – mit einer Kamerafunktion, die je nach Hersteller ADL, DRO oder Belichtungsoptimierung heißt. Wie das geht, zeige ich dir hier Schritt für Schritt.

Was Kontrastumfang im Foto bedeutet

Neblige Landschaft mit sehr geringem Kontrastumfang
Bei Nebel ist der Kontrastumfang gering – flau, aber technisch unproblematisch.

Bei trübem Licht – etwa Nebel – ist der Kontrastumfang sehr gering. Das wirkt zunächst flau und langweilig, ist aber kein Problem: In der Bildbearbeitung kannst du den Kontrast leicht steigern. Was dagegen in keiner Software funktioniert, ist das nachträgliche Abschwächen zu hoher Kontraste. Deshalb willst du zu hohe Kontraste schon vor der Aufnahme vermeiden.

Sobald die Sonne brennt, sieht es anders aus. Stell dir eine dunkle Gasse in Italien vor, ganz im Schatten – und darüber ein kleines weißes Wölkchen am Himmel. Deine Augen gleichen diesen riesigen Helligkeitsunterschied mühelos aus, deine Kamera nicht so ohne Weiteres. Wie viel Kontrast eine Kamera überhaupt wiedergeben kann (ihr Dynamikumfang), ist von Modell zu Modell verschieden – und hängt durchaus auch vom Preis ab.

Warum hohe Kontraste zum Problem werden

Ist der Kontrast des Motivs höher, als deine Kamera wiedergeben kann, werden Teile des Bildes nicht mehr durchgezeichnet – das heißt, in diesen Bereichen fehlen die Details. Bei einem sehr kontrastreichen Motiv musst du dich dann entscheiden:

Beispiel mit gut durchgezeichneten Lichtern, aber abgesoffenen Schatten
Auf die Lichter belichtet: Die helle Lichtung ist voll durchgezeichnet, dafür saufen die Schatten ins Schwarz ab.

Sind dir die Lichter wichtig (weiße Wolken, eine Waldlichtung, ein Hochzeitskleid), belichtest du etwas dunkler, damit die hellen Stellen voll durchgezeichnet bleiben – dann saufen aber die Schatten ab.

Beispiel mit gut durchgezeichneten Schatten, aber ausgefressenen Lichtern
Auf die Schatten belichtet: Jetzt sind die dunklen Bereiche durchgezeichnet, dafür sind die Lichter ausgefressen.

Sind dir die Schatten wichtig, belichtest du etwas heller – dann fressen die Lichter aus. Ausgefressene Lichter sind genauso unschön wie abgesoffene Schatten, und mit der manuellen Belichtungskorrektur kannst du immer nur das eine oder das andere retten, nie beides. Zu analogen Zeiten musste ich genau diese Entscheidung hinnehmen. Heute nicht mehr.

Die Lösung: automatische Kontrastanpassung in der Kamera

Seit vielen Jahren steckt in praktisch jeder Digitalkamera eine automatische Kontrastanpassung – eine Funktion, die deine Fotos nach meiner langjährigen Erfahrung deutlich besser macht. Sie passt den Kontrast schon vor der Aufnahme an das an, was dein Sensor wiedergeben kann. So kommen ausgewogene Bilder in die Bildbearbeitung, statt dass du dort mit ausgefressenen Lichtern oder abgesoffenen Schatten kämpfst. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist diese Funktion an deiner Kamera bereits voreingestellt.

So heißt die Funktion bei deiner Marke

  • Nikon: ADL (Active D-Lighting)
  • Sony: DRO (Dynamikbereich-Optimierung)
  • Canon: automatische Belichtungsoptimierung
  • Andere Hersteller: meist iDynamic oder etwas mit Dynamik bzw. Kontrast im Namen. Findest du im Menü eine solche Funktion, ist es fast sicher diese – im Zweifel in der Bedienungsanleitung nachsehen.
Kameramenü mit der ADL-Funktion auf Automatik gestellt
Bei Nikon stellst du ADL auf Automatik – einmal eingestellt, läuft es im Hintergrund mit.

Richtig einstellen: Automatik vor Stufen

Du stellst die Funktion über das Menü ein, bei vielen Kameras auch schneller über das Schnellmenü (Nikon i-Taste, Canon Q-Taste, Sony Fn-Taste). Am besten wählst du die Automatik: Dann passt die Kamera den Kontrast für jedes Motiv selbst an – einschalten und vergessen. Gibt es nur feste Stufen (niedrig, mittel, stark), nimm Standard bzw. Mittel; das müsstest du sonst pro Motiv beurteilen, und das willst du dir im Alltag nicht antun.

Was die Kamera dabei intern macht

Kurz hinter den Vorhang geschaut: Eine Überbelichtung ist für Kameras besonders schlimm, mit Unterbelichtung kommen sie viel besser zurecht – deshalb belichtest du im Zweifel lieber etwas dunkler. Genau das nutzt die automatische Kontrastanpassung: Sie belichtet das Foto so weit dunkler, dass die hellsten Stellen voll durchgezeichnet bleiben, und hellt anschließend in der Kamera gezielt nur die Schatten so weit auf, dass auch sie ins Histogramm passen. So liegen Lichter und Schatten am Ende beide im darstellbaren Bereich deines Sensors.

Absichtlich um zwei Blenden unterbelichtetes Foto mit erhaltener Durchzeichnung
Absichtlich um zwei Blenden unterbelichtet – und trotzdem ist noch alles „drin“. (50 mm an Vollformat, Blende 2, 1/100 s, ISO 200.)

Fazit: ein Schalter, den du nie wieder anfassen musst

Kontraste zu beherrschen ist also kein Hexenwerk: Schalte die automatische Kontrastanpassung ein, am besten auf Automatik, und lass sie dauerhaft an. Ich mache es genauso – alle Fotos, die du von mir in diesem Blog siehst, sind so entstanden. Damit passt der Kontrast deines Motivs immer zu deinem Sensor, und du arbeitest in der Bildbearbeitung von einer optimalen Grundlage aus.

Solche Einstellungen einmal zu finden und dann zu vergessen, ist genau das, was den Unterschied macht, wenn du deine Kamera wirklich sicher bedienen willst. Den kompletten Überblick dafür gibt dir Stufe 1: deine Kamera verstehen.

Übrigens gibt es zu diesem Thema noch einen Nachtrag mit weiteren Praxis-Details.

Serie „Perfekt belichten“ (5 Teile)

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25 Kommentare
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Elke

Danke für die umfangreiche Erklärungen! Ich sehe schon, dass ich mich viel mehr mit der Bedienungsanleitung beschäftigen muss 🙂

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

Hans Lehmer

Hallo Karsten hatte mal in einem Buch über die D7 gelesen das man die Tonwert Priorität auf nicht möglich stellen sollte weil sonst der Iso-Bereich erst bei 200 beginnt. Hatte mich mit diesem Punkt bisher noch gar nicht beschäftigt. Werde hier die verschiedenen Einstellungen mal probieren….
DANKE für deine guten Tipps und Erläuterungen…LG Hans

Hans

Super Tipp..ein sichtbarer Unterschied …Danke und LG Hans

Reiner Oswald

Hallo Karsten,

Guter Tipp, glaube ich. Aber: für welches Dateiformat gilt er? Bevor ich ins Handbuch schaue, stelle ich die Frage hier, denn die Antwort ist bestimmt auch für andere Fotografen interessant.
Was ich meine, gilt der Tipp für JPG und RAW (NEF etc)?
Könnte ja sein, dass Kameras der neueren Generation auch bei RAW-Bildern von Active D-Lighting profitieren.

Grüße
Reiner

Mathias

Hallo, anscheinend wirkt sich die Optimierung komischerweise bei einer Sony a 7r ii nicht auf die RAW Datei aus. Egal ob Dynamic Range Optimization oder HDR (hier werden ja 3 Bilder mit Bracketing geschossen) ausgewählt ist.
Seltsam, dass Sony ausgerechnet hier anders aufgestellt ist.
Karsten, wie würdest Du dann den Kontrast bei der Sony beherrschen?
Schöne Artikelserie auf jeden Fall!

Mathias

Hallo, ich muss einen Widerspruch einlegen und hoffe, Du kannst ihn auflösen. Laut verschiedener Infos im Netz wirkt sich die Optimierung des Dynamikumfanges nicht auf die RAW Datei aus. Lediglich auf das Thumbbild. Und die RAW Datei wird tendenziell etwas dunkler belichtet. Aber wenn ich die Datei auf dem Rechner habe, sehe ich nichts mehr von der Optimierung. Das ist wohl doch eher für jpeg gedacht.
Grüße Mathias

Mathias

Ok, zweimal Danke für Deine Antwort!

Hermann Josef Sons

Ich finde alle fünf Artikel sehr hilfreich. Die Technik ist so leichter verständlich.

Michael Mogus

Hallo, auch der letzte Teil ist wieder prima erklärt. Meine Kamera ist mehr als zehn Jahre alt, und hat ein prima Standardprogramm mit dem ich sehr zufrieden bin. Vielen Dank für diesen Artikel, ich freue mich immer aufs neue. Gruß Michael

Jörg

Hallo Karsten. Sehr gut erklärt :-). Ich habe natürlich sofort in meiner Kamera (Sony alpha 68) nach gesehen. Die Funktion heißt hier zwar anders, aber sie ist aktiviert. Und das ist ja das Entscheidene. Du bist ja nun mit Teil 5 am Ende dieser Reihe angekommen. Wird es noch weitere Artikel geben? Ich glaube, dass wir alle hier es sehr begrüßen würden.

LG
Jörg

Andreas

Ich habe selten in so kurzer Zeit so viel gelernt! Bin wirklich einen ganzen Schritt weiter, vielen Dank dafür ?

Hilmar Klemm

Guten Abend,

leider werden nur die gewöhnlichen Bilder besprochen. Zu dem dunstigen Eingangsbild werden leider keine Hinweise gegeben, wie man den Kontrast vor der Aufnahme verbessern kann. Und mit Software kann ich das auch, dazu benötige ich keine Hilfe. Nehme ich aber meine F3, FE, FA oder FM2 was dann?
Viele Möglichkeiten hat man z.B. bei einer FM2 ja nicht!? An der Blende kann es nicht liegen, daher bleibt nur die Belichtungszeit. Verlängern würde eine Überbelichtung erzeugen, die in der Dunkelkammer korrigiert werden muß. Wäre somit eine Belichtungsverkürzung die einzige Maßnahme?

Jürgen

Hallo Karsten,
du schreibst und sprichst immer (auch in der Workclass) von der (bei Canon) automatischen Belichtungsoptimierung und wie hilfreich diese sei! Du erwähnst aber nicht, dass diese nur greift, wenn man in JPG fotografiert! Bei RAW-Aufnahmen werden die „Automatiken“ nur als Voreinstellung übernommen, wenn man mit der Canon eigenen Software DPP entwickelt!
PS, Affinity Photo und andere Software berücksicht diese Einstellungen nicht bei RAW-Material und man sieht dann bei der Aufnahme auf dem Kamera-Display eine andere, angepasste Variante als in der Software! Oder liege ich da falsch?
Liebe Grüße – Jürgen