Der Kontrastumfang ist der Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle in deinem Bild. Ist er zu hoch – etwa bei praller Sonne –, kann deine Kamera ihn nicht mehr vollständig wiedergeben: Die Lichter fressen aus oder die Schatten saufen ab. Die gute Nachricht: Du bekommst hohe Kontraste schon vor der Aufnahme in den Griff – mit einer Kamerafunktion, die je nach Hersteller ADL, DRO oder Belichtungsoptimierung heißt. Wie das geht, zeige ich dir hier Schritt für Schritt.
Was Kontrastumfang im Foto bedeutet

Bei trübem Licht – etwa Nebel – ist der Kontrastumfang sehr gering. Das wirkt zunächst flau und langweilig, ist aber kein Problem: In der Bildbearbeitung kannst du den Kontrast leicht steigern. Was dagegen in keiner Software funktioniert, ist das nachträgliche Abschwächen zu hoher Kontraste. Deshalb willst du zu hohe Kontraste schon vor der Aufnahme vermeiden.
Sobald die Sonne brennt, sieht es anders aus. Stell dir eine dunkle Gasse in Italien vor, ganz im Schatten – und darüber ein kleines weißes Wölkchen am Himmel. Deine Augen gleichen diesen riesigen Helligkeitsunterschied mühelos aus, deine Kamera nicht so ohne Weiteres. Wie viel Kontrast eine Kamera überhaupt wiedergeben kann (ihr Dynamikumfang), ist von Modell zu Modell verschieden – und hängt durchaus auch vom Preis ab.
Warum hohe Kontraste zum Problem werden
Ist der Kontrast des Motivs höher, als deine Kamera wiedergeben kann, werden Teile des Bildes nicht mehr durchgezeichnet – das heißt, in diesen Bereichen fehlen die Details. Bei einem sehr kontrastreichen Motiv musst du dich dann entscheiden:

Sind dir die Lichter wichtig (weiße Wolken, eine Waldlichtung, ein Hochzeitskleid), belichtest du etwas dunkler, damit die hellen Stellen voll durchgezeichnet bleiben – dann saufen aber die Schatten ab.

Sind dir die Schatten wichtig, belichtest du etwas heller – dann fressen die Lichter aus. Ausgefressene Lichter sind genauso unschön wie abgesoffene Schatten, und mit der manuellen Belichtungskorrektur kannst du immer nur das eine oder das andere retten, nie beides. Zu analogen Zeiten musste ich genau diese Entscheidung hinnehmen. Heute nicht mehr.
Die Lösung: automatische Kontrastanpassung in der Kamera
Seit vielen Jahren steckt in praktisch jeder Digitalkamera eine automatische Kontrastanpassung – eine Funktion, die deine Fotos nach meiner langjährigen Erfahrung deutlich besser macht. Sie passt den Kontrast schon vor der Aufnahme an das an, was dein Sensor wiedergeben kann. So kommen ausgewogene Bilder in die Bildbearbeitung, statt dass du dort mit ausgefressenen Lichtern oder abgesoffenen Schatten kämpfst. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist diese Funktion an deiner Kamera bereits voreingestellt.
So heißt die Funktion bei deiner Marke
- Nikon: ADL (Active D-Lighting)
- Sony: DRO (Dynamikbereich-Optimierung)
- Canon: automatische Belichtungsoptimierung
- Andere Hersteller: meist iDynamic oder etwas mit Dynamik bzw. Kontrast im Namen. Findest du im Menü eine solche Funktion, ist es fast sicher diese – im Zweifel in der Bedienungsanleitung nachsehen.

Richtig einstellen: Automatik vor Stufen
Du stellst die Funktion über das Menü ein, bei vielen Kameras auch schneller über das Schnellmenü (Nikon i-Taste, Canon Q-Taste, Sony Fn-Taste). Am besten wählst du die Automatik: Dann passt die Kamera den Kontrast für jedes Motiv selbst an – einschalten und vergessen. Gibt es nur feste Stufen (niedrig, mittel, stark), nimm Standard bzw. Mittel; das müsstest du sonst pro Motiv beurteilen, und das willst du dir im Alltag nicht antun.
Was die Kamera dabei intern macht
Kurz hinter den Vorhang geschaut: Eine Überbelichtung ist für Kameras besonders schlimm, mit Unterbelichtung kommen sie viel besser zurecht – deshalb belichtest du im Zweifel lieber etwas dunkler. Genau das nutzt die automatische Kontrastanpassung: Sie belichtet das Foto so weit dunkler, dass die hellsten Stellen voll durchgezeichnet bleiben, und hellt anschließend in der Kamera gezielt nur die Schatten so weit auf, dass auch sie ins Histogramm passen. So liegen Lichter und Schatten am Ende beide im darstellbaren Bereich deines Sensors.

Fazit: ein Schalter, den du nie wieder anfassen musst
Kontraste zu beherrschen ist also kein Hexenwerk: Schalte die automatische Kontrastanpassung ein, am besten auf Automatik, und lass sie dauerhaft an. Ich mache es genauso – alle Fotos, die du von mir in diesem Blog siehst, sind so entstanden. Damit passt der Kontrast deines Motivs immer zu deinem Sensor, und du arbeitest in der Bildbearbeitung von einer optimalen Grundlage aus.
Solche Einstellungen einmal zu finden und dann zu vergessen, ist genau das, was den Unterschied macht, wenn du deine Kamera wirklich sicher bedienen willst. Den kompletten Überblick dafür gibt dir Stufe 1: deine Kamera verstehen.
Übrigens gibt es zu diesem Thema noch einen Nachtrag mit weiteren Praxis-Details.
Serie „Perfekt belichten“ (5 Teile)
- Teil 1: Grundlagen der Belichtungszeit
- Teil 2: Belichtungsmessung
- Teil 3: die richtige Kamera-Automatik
- Teil 4: manuelle Belichtungskorrektur
- Teil 5: Kontrast beherrschen (dieser Artikel)
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Im Moment vor dem Auslösen bleibt selten Zeit, einen Artikel nachzulesen. Deshalb passt die Kamera-Entscheidungskarte auf ein Blatt: vorn fünf Entscheidungen in fester Reihenfolge, hinten eine ruhige Fehlersuche für den Fall, dass ein Bild nicht klappt. Danach schreibe ich dir regelmäßig, worauf ich beim Fotografieren achte und wie ich Entscheidungen treffe.

Danke für die umfangreiche Erklärungen! Ich sehe schon, dass ich mich viel mehr mit der Bedienungsanleitung beschäftigen muss 🙂
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
Ja, hier und da gibt es zu lüftende Geheimnisse in Bedienungsanleitungen. 😉
Hallo Karsten hatte mal in einem Buch über die D7 gelesen das man die Tonwert Priorität auf nicht möglich stellen sollte weil sonst der Iso-Bereich erst bei 200 beginnt. Hatte mich mit diesem Punkt bisher noch gar nicht beschäftigt. Werde hier die verschiedenen Einstellungen mal probieren….
DANKE für deine guten Tipps und Erläuterungen…LG Hans
Mach das und berichte! 🙂
Super Tipp..ein sichtbarer Unterschied …Danke und LG Hans
Gerne! 🙂
Hallo Karsten,
Guter Tipp, glaube ich. Aber: für welches Dateiformat gilt er? Bevor ich ins Handbuch schaue, stelle ich die Frage hier, denn die Antwort ist bestimmt auch für andere Fotografen interessant.
Was ich meine, gilt der Tipp für JPG und RAW (NEF etc)?
Könnte ja sein, dass Kameras der neueren Generation auch bei RAW-Bildern von Active D-Lighting profitieren.
Grüße
Reiner
Das funktioniert sowohl beim JPG als auch beim RAW – zumindest bei meinen Nikons. Heute morgen frisch getestet mit einer D5300.
Es kann natürlich sein, dass deutlich ältere Kameras oder Marken das so nicht umsetzen. Ein kurzer Test mit 2 Fotos und Vergleich der Histogramme sollte da Klarheit bringen.
Zur Verdeutlichung habe ich einen weiteren Artikel geschrieben.
Hallo, anscheinend wirkt sich die Optimierung komischerweise bei einer Sony a 7r ii nicht auf die RAW Datei aus. Egal ob Dynamic Range Optimization oder HDR (hier werden ja 3 Bilder mit Bracketing geschossen) ausgewählt ist.
Seltsam, dass Sony ausgerechnet hier anders aufgestellt ist.
Karsten, wie würdest Du dann den Kontrast bei der Sony beherrschen?
Schöne Artikelserie auf jeden Fall!
Lies auf der Seite meine Antwort zum Kommentar von Reiner Oswald. Und lies den dort verlinkten Artikel.
Ich würde den gleichen Test machen, den ich verlinkt habe. Dann würde ich genau sehen, was an der Sony passiert.
Sony baut keine schlechten Kameras, ging aber immer schon in vielerlei Hinsicht andere Wege. Wundert mich, dass dich das wundert. 😉
Hallo, ich muss einen Widerspruch einlegen und hoffe, Du kannst ihn auflösen. Laut verschiedener Infos im Netz wirkt sich die Optimierung des Dynamikumfanges nicht auf die RAW Datei aus. Lediglich auf das Thumbbild. Und die RAW Datei wird tendenziell etwas dunkler belichtet. Aber wenn ich die Datei auf dem Rechner habe, sehe ich nichts mehr von der Optimierung. Das ist wohl doch eher für jpeg gedacht.
Grüße Mathias
Nö, du musst nicht widersprechen. 🙂
Lies nur den Nachtrag, den ich unten auf der Seite (über dem blauen Newsletterblock) verlinkt habe.
Ok, zweimal Danke für Deine Antwort!
Ich finde alle fünf Artikel sehr hilfreich. Die Technik ist so leichter verständlich.
Danke, Hermannn. 🙂
Hallo, auch der letzte Teil ist wieder prima erklärt. Meine Kamera ist mehr als zehn Jahre alt, und hat ein prima Standardprogramm mit dem ich sehr zufrieden bin. Vielen Dank für diesen Artikel, ich freue mich immer aufs neue. Gruß Michael
Dann hat deine Kamera wohl keine automatische Kontrastanpassung. Aber wenn du zufrieden bist … 🙂
Hallo Karsten. Sehr gut erklärt :-). Ich habe natürlich sofort in meiner Kamera (Sony alpha 68) nach gesehen. Die Funktion heißt hier zwar anders, aber sie ist aktiviert. Und das ist ja das Entscheidene. Du bist ja nun mit Teil 5 am Ende dieser Reihe angekommen. Wird es noch weitere Artikel geben? Ich glaube, dass wir alle hier es sehr begrüßen würden.
LG
Jörg
Danke, Jörg.
Natürlich werde ich weiter viele tolle Tipps raushauen. 🙂
Hast du konkrete Fragen? Ich bin immer interessiert, was meine Leser umtreibt. Dann sende mir deine Frage per EMail, vielleicht wird ja ein neuer Beitrag daraus. 🙂
Ich habe selten in so kurzer Zeit so viel gelernt! Bin wirklich einen ganzen Schritt weiter, vielen Dank dafür ?
Hab ich gerne gemacht! 🙂
Guten Abend,
leider werden nur die gewöhnlichen Bilder besprochen. Zu dem dunstigen Eingangsbild werden leider keine Hinweise gegeben, wie man den Kontrast vor der Aufnahme verbessern kann. Und mit Software kann ich das auch, dazu benötige ich keine Hilfe. Nehme ich aber meine F3, FE, FA oder FM2 was dann?
Viele Möglichkeiten hat man z.B. bei einer FM2 ja nicht!? An der Blende kann es nicht liegen, daher bleibt nur die Belichtungszeit. Verlängern würde eine Überbelichtung erzeugen, die in der Dunkelkammer korrigiert werden muß. Wäre somit eine Belichtungsverkürzung die einzige Maßnahme?
Hallo Hilmar,
wenn du den Artikel gelesen hast, weißt du ja, dass es mir darum ging, zu hohe Kontraste beherrschbar zu machen. Daher erkläre ich in diesem Beitrag natürlich auch nicht, was bei zu niedrigen Kontrasten zu tun ist.
Die von dir vorgeschlagene Belichtungsverkürzung macht das Bild nur dunkler. Da müssen wir schon etwas weiter in die Trickkiste greifen! 🙂
Tatsächlich hast du bei analogen Kameras gar keine Möglichkeit, irgendetwas VOR der Aufnahme am Kontrast einzustellen.
Allein die Wahl eines mehr oder weniger kontrastreichen Films wäre eine Möglichkeit. Im Farbbereich ergeben Porträtfilme (z.B. Kodak Portra 400) in der Regel deutlich weichere Negative, als härter zeichnende, oft niedrig empfindliche Filme.
Im SW-Bereich gibt es mehr Möglichkeiten, den Film weicher zu bekommen, z.B. unterschwellige Vorbelichtung oder Ausgleichsentwicklung. Auch eine Hold-Entwicklung kann helfen, sogar bei Farbfilmen.
Dadurch alle diese Maßnahmen würden Negative oder Dias etwas mehr oder weniger Kontrast aufweisen. Die Auswirkung würde ich aber als sehr eingeschränkt bezeichnen – vor allem im Vergleich zu digitalen Möglichkeiten.
NACH der Aufnahme sind allerdings weit reichende Möglichkeiten der Kontrastbeeinflussung gegeben. SW-Fotopapiere in verschiedenen Gradationen, Farbpapiere mit unterschiedlichem Kontrast und die Möglichkeiten, mit entsprechender Chemie weiteren Einfluss zu nehmen, kommen da in Frage.
Das ist dir zu aufwendig? Ja, ist es. Aber wenn du analog die Möglichkeiten der digitalen Fotografie nutzbar machen willst, musst du schon etwas mehr tun.
Nicht umsonst hat sich die digitale Fotografie so schnell durchgesetzt. Und nicht umsonst machen heute gute Amateure mit 400-€-Kameras bessere Fotos, als früher der analog arbeitenden Profi mit bestem Equipment und viel Knowhow. So ändern sich halt die Zeiten…. 🙂
Hallo Karsten,
du schreibst und sprichst immer (auch in der Workclass) von der (bei Canon) automatischen Belichtungsoptimierung und wie hilfreich diese sei! Du erwähnst aber nicht, dass diese nur greift, wenn man in JPG fotografiert! Bei RAW-Aufnahmen werden die „Automatiken“ nur als Voreinstellung übernommen, wenn man mit der Canon eigenen Software DPP entwickelt!
PS, Affinity Photo und andere Software berücksicht diese Einstellungen nicht bei RAW-Material und man sieht dann bei der Aufnahme auf dem Kamera-Display eine andere, angepasste Variante als in der Software! Oder liege ich da falsch?
Liebe Grüße – Jürgen
Hallo Jürgen,
wenn es in der Datei gespeichert ist, muss jede Software es auslesen können, auch beim RAW-Format. Ob die Kontrastanpassung aber in die Datei gespeichert wird, hängt vom Hersteller ab. Der legt fest, ob die Kontrastanpassung nur im JPG mitgespeichert wird oder auch beim RAW.
Für Nikon habe ich in diesem Artikel nachgewiesen, dass sie in beide Dateiformate eingespeichert wird.
Ob das nun bei deiner Kamera auch der Fall ist, musst du selbst herausfinden. Verrat mir das Ergebnis!