
Welcher ND-Filter ist der richtige für dich?
Wenn du nur einen Graufilter kaufst, nimm einen x64 – das ist die goldene Mitte. Willst du für alles vorbereitet sein, deckst du mit der Kombination x8, x64 und x500 praktisch jede Situation ab. Alle Zwischenwerte holst du dir über ISO und Blende. Worauf du beim Kauf sonst noch achtest – Durchmesser, Bauhöhe, Glasqualität, fest oder variabel – steht gleich darunter.
Was macht ein ND-Filter überhaupt?
Ein Graufilter ist wie eine Sonnenbrille für die Kamera: Er ist dunkelgrau, lässt weniger Licht durch und verlängert dadurch – bei unveränderter Blende und ISO – die Belichtungszeit. So sind selbst bei Sonnenschein Belichtungszeiten von mehreren Sekunden möglich, bei Bewölkung oder Dämmerung sogar mehrere Minuten. Genau das lässt Bewegungen weich verwischen, während alles Unbewegte scharf bleibt. Der Graufilter ist deshalb einer von nur zwei Filtern, deren Wirkung sich nicht in der Bildbearbeitung nachbauen lässt – der andere ist der Polfilter.
Die 4 Kaufkriterien im Überblick
- Filterdurchmesser & Fassung – muss aufs Objektiv passen; Messing schlägt Alu.
- Bauhöhe – fürs Weitwinkel eine flache Slim-Fassung.
- Optische Qualität & Vergütung – gutes Glas, mehrschichtvergütet.
- Fester Faktor oder variabel – fürs Foto fest, für Video variabel.
Diese vier Punkte schauen wir uns jetzt der Reihe nach an – damit du am Ende nicht nur weißt, was du kaufst, sondern auch warum.
Kriterium 1: Filterdurchmesser und Fassungsmaterial
Wie eine Hose muss auch ein Filter passen. Filter gibt es in verschiedenen Durchmessern, und der Filter muss auf dein Objektiv passen. Den nötigen Durchmesser findest du auf dem Objektiv: ein Kreis mit einem Strich hindurch (⌀), daneben der Wert in Millimetern. Genau diesen Durchmesser kaufst du.
Willst du denselben Filter auf mehreren Objektiven nutzen, kauf ihn für das Objektiv mit dem größten Durchmesser – auf die kleineren adaptierst du ihn mit preiswerten Reduzierringen.
Messing oder Alu?
Klassisch werden Fassungen aus Messing gefertigt: besonders formstabil und maßhaltig, und das Glas sitzt spannungsfrei. Der für dich wichtigste Vorteil: Messing schneidet kein neues Gewinde in dein Objektiv, falls du den Filter mal schräg ansetzt. Lass dich nicht vom geringeren Gewicht des Alus locken – die paar Gramm machen es nicht. Mein Tipp: Achte auf eine Messingfassung. Steht nichts dabei oder ist der Filter auffällig günstig, ist meist Alu verbaut.
Kriterium 2: Die Bauhöhe (Slim-Fassung)
Erinnerst du dich, als Kind durch eine leere Papprolle geschaut zu haben? Das Bild wurde rund, und du sahst nur einen Ausschnitt. Ähnlich wirkt die Bauhöhe eines Filters: Steht er weit vom Objektiv ab, kann er am Weitwinkel die Bildecken abdunkeln.
Deshalb gibt es flach gebaute Slim-Fassungen. Setzt du den Filter an einem Weitwinkel- oder Superweitwinkel-Objektiv ein, achte auf eine Slim-Fassung, damit die Ecken nicht schwarz werden. Weißt du noch nicht, an welchen Objektiven der Filter später landet, nimm im Zweifel die Slim-Fassung – den kleinen Mehrpreis ist sie wert. Bei längeren Brennweiten reichen auch die normal hohen, etwas günstigeren Fassungen.
Kriterium 3: Optische Qualität und Vergütung
Das wohl wichtigste Kriterium beim Filterkauf ist die optische Qualität – das Glas und seine Vergütung (das Coating). Du steckst den Filter ja vor deine teure Optik; schlechtes Glas wirkt dann wie eine ungeputzte Brille vor der Kamera.
Das Glas
Die besten Hersteller verwenden Schott-Glas von exzellenter Qualität. Leider wird die Glassorte oft verschwiegen – dann helfen dir bekannte Marken und der Preis als Anhaltspunkt. Ein Filter für wenige Euro kann schlicht nicht aus hochwertigem Glas bestehen.
Die Vergütung
Jedes Mal, wenn Licht von Luft in Glas und wieder hinaus tritt, entstehen Spiegelungen – und damit Qualitätsverluste. Eine Vergütung hält die gering. Dafür dampft der Hersteller im Vakuum mehrere extrem dünne Schichten aufs Glas (Multi Coating, MC); das sorgt für klare, kontrastreiche Fotos fast ohne Spiegelungen. Bessere Hersteller setzen zusätzlich eine kratzfeste, oft schmutz- und wasserabweisende Schicht obendrauf (Multi Resistant Coating, MRC, teils mit dem Zusatz „nano“). So übernimmt der Filter nebenbei eine Schutzfunktion fürs Objektiv – meine Empfehlung.
Vorsicht bei Billigware: Oft ist nur die Vorderseite vergütet. Da aber auch der Sensor Licht zurückwirft, entstehen ohne Rückseiten-Vergütung Geisterbilder. Manchmal ist die „Vergütung“ auch nur aufgesprüht oder lackiert – nach der ersten Reinigung ist sie weg. Das willst du nicht.
Kriterium 4: Fester Faktor oder variabel?
Du kaufst Graufilter entweder in festen Stärken – oder einen, dessen Stärke sich variabel einstellen lässt. Beginnen wir mit den festen.
Filter mit festem Verlängerungsfaktor
Mit jeder Stufe verdoppelt sich die Belichtungszeit. Es gibt die Faktoren x2, x4, x8, x16, x32, x64, x128, x250, x500 und x1000. Ein Rechenbeispiel: An einem grauen Wintertag bekommst du mit Blende 22 und ISO 100 schnell 1 Sekunde Belichtungszeit. Mit einem x64 werden daraus 64 Sekunden, mit einem x1000 sogar fast 17 Minuten. Steht die Kamera dabei auf dem Stativ, bleibt alles Unbewegte scharf, während sich Bewegung über die lange Zeit weich verwischt.
Stärken und ihre Bezeichnungen
Verwirrend ist nur: Jeder Hersteller bezeichnet seine Filter anders. Drei Angaben sind üblich – und meinen am Beispiel „achtfache Belichtungszeit“ alle dasselbe:
| Bezeichnung | Logik | Beispiel = x8 (achtfach) |
|---|---|---|
| ND (Neutraldichte) | in 0,3er-Schritten (0,3 bis 3,0) | ND 0,9 |
| Verlängerungsfaktor | direkt als „mal“-Wert | x8 |
| Blenden | so viel Zeit, wie n Blendenstufen schließen entspräche | +3 Blenden |
Jede Stärke zu besitzen ist unnötig. Für alle Eventualitäten reicht die Kombination x8, x64 und x500; willst du nur einen, nimm den x64 als goldene Mitte. Die Zwischenwerte holst du dir über ISO und Blende.
Variable Graufilter

Ein variabler Graufilter vereint mehrere Stärken in einer Fassung: Du drehst am vorderen Ring, der Filter wird dunkler, und du siehst im Sucher direkt, welche Belichtungszeit du bekommst. Meist deckt er 5–6 Blenden ab und erlaubt sogar Zwischenwerte, die es als feste Filter gar nicht gibt. Klingt erst mal ideal.
Der Haken: An Weitwinkeln funktioniert er nicht. Dort treten Abdunklungen und Farbverschiebungen auf, die sich kaum noch sinnvoll bearbeiten lassen – ein variabler Filter besteht nämlich aus zwei Polfiltern. Für Videografen ist er trotzdem perfekt, weil beim Filmen feste Belichtungszeiten vorgegeben sind. Für die Fotografie rate ich dir dagegen zum festen Verlängerungsfaktor – Graufilter setzt du als Fotograf meist weitwinklig und mit viel Schärfentiefe ein, also genau dort, wo der variable schwächelt.
Meine Marken-Empfehlung
Ich empfehle nur die Hersteller – die genaue Ausführung (Größe, Stärke, Fassung, Vergütung) wählst du anhand der vier Kriterien oben. Spar dabei nicht an der falschen Stelle: Ein Billigfilter verschlechtert die Qualität auch eines guten Objektivs, und selbst am Kitobjektiv willst du dir das nicht antun.
- B+W – aus dem Hause Schneider-Kreuznach, über hundert Jahre Erfahrung in der Optik. Besonders empfehlenswert sind die Filter mit MRC-Nano-Beschichtung.
- Heliopan – bayerischer Hersteller, lange am Markt. Bietet bis ND 0,6 eine MRC-Beschichtung (dort SH-PMC genannt), ab ND 1,2 bewusst ohne Vergütung – eine Frage des Konzepts, nicht zwingend schlechter.
- Hoya – guter Hersteller aus Fernost mit langer Erfahrung; ohne Lotus-Effekt-Vergütung.
- Haida – die günstigere Option. Achte hier besonders aufs Fassungsmaterial (oft Alu) und setz den Filter beim Aufschrauben sorgfältig an, damit er nicht verkantet.
Sicherheitshinweis
Auch der stärkste Graufilter schützt deine Augen nicht, wenn du damit direkt in die Sonne blickst. Dafür gibt es spezielle Solarfilterfolie – schau niemals ungeschützt durch einen ND-Filter in die Sonne.
So setzt du den Graufilter richtig ein
Du weißt jetzt, welchen Graufilter du brauchst. Wie du ihn in der Praxis einsetzt und damit saubere Langzeitbelichtungen hinbekommst, liest du im nächsten Schritt: So setzt du den Graufilter richtig ein.
Oder du lernst es direkt am Stück – im Onlinekurs „Fotografieren mit Graufilter“ zeige ich dir den kompletten Ablauf.


Hallo Karsten,
dein Artikel kommt wie gerufen für mich, da ich schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken spiele, mir Graufilter zuzulegen. Du hast alles so super erklärt, dass ich gleich nächste Woche losziehe, um mir einen zu kaufen. Ich teile dir dann meine Erfahrungen mit.
Viele Grüße
Bärbel
Haha, ja dann loooos! 😉
Hallo Karsten,
super erklärt, vielen Dank dafür!!
Viele Grüße
Brigitte
Danke 🙂
Super, vielen Dank! Endlich eine Hilfe und gefühlt hätte ich ohnehin B+W genommen. Habe jedoch von Rottönung gelesen, kannst Du das bestätigen?
Liebe Grüße und Danke,
Gabi
Nö, keine Probleme damit. 🙂
Ein wie auch immer gearteter Farbstich kann in wenigen Sekunden in einer Bildbearbeitung entfernt werden.
Bessere als die von B+W gibt es m.E. nach nicht!
Rollei hat neue auf dem Markt, auf der Messe gesehen, kanndt Du die beurteilen? ?
Wenn sie weiterhin Fassungen aus Alu herstellen, sind sie für mich weiterhin unkaufbar.
Die neuen sind aus Titan und sollen besonders stabil bei Hitze und Kälte sein; besser als Messing?
Kann ich nicht sagen.
Hallo Karsten,
super Artikel. Jetzt bitte nochmal, mit Grauverlaufsfiltern. Den Graufiltersatz habe ich, aber wie geht es z.B. bei einem Sonnenuntergang? Da muss ich doch nur den Himmel abdunkeln und nicht den Boden (das Meer, oder was auch immer)
Gruß Birgit
Danke, Birgit. 🙂
Der Grauverlauffilter ist heute nicht mehr nötig – voll oldschool. Einfach in Lightroom einen Verlauf aufziehen und abdunkeln. 🙂 Flexibler, leichter zu tragen, immer dabei! 😉
Hallo Karsten,
ich bekomme ja aktuell den Einsteigerkurs per Mail von dir und bin dann hier auf der Seite auf den Artikel mit den Graufiltern gestoßen. Interessant fand ich vor allem den Teil mit den Farbverschiebungen an variablen Graufiltern bei Weitwinkelobjektiven. Denn genau diesen Effekt habe ich auch bei mir festgestellt und konnte mir diesen bisher nicht erklären. Zudem konnte ich bisher auf keiner Webseite (und es waren durchaus einige) diese Info nachlesen. Bis jetzt dachte ich immer das es am Filter liegt und ich einen anderen Filter benötige. Dabei war es sozusagen nur das „falsche“ Objektiv für diese Art Filter. Man lernt halt wirklich nie aus 😉
Grüße Frank
Du kannst alt werden, wie eine Kuh, du lernst immer was dazu!
Schön, wenn dir der Artikel geholfen hat. 🙂
Hallo Karsten,
ich kann ebenso bestätigen dass das Haida Pro Slim II Set absolut tauglich ist für den Preis !
ND8, ND64 und ND1000 im Stack. Einige Dinge die zu erwähnen wären :
1. Sie sind aus Alu gefertigt
2. Die Vergütung ist nur auf der Vorderseite, aber Ghosting bis dato noch nicht festgestellt.
Zum Einsatz kommen die auf einem
-Canon EF 85mm 1:1.2 L II USM mit Reduzierring
-Canon EF 35mm 1:2 IS USM mit Reduzierring
-Sigma 70-200 mm F2,8 EX DG OS HSM-Objektiv
mit einer Canon EOS 5D Mark III(Vollformat) sowie auf dem Backup-Body Canon EOS 7D Mark II(APS-C)
Probleme siehst du auch immer erst, wenn du die Gerätschaften an ihre Grenzen führst. Vielleicht warst du da noch nicht?! 🙂
Theoretisch ist eine Vergütung auf der Rückseite auch nicht nötig. Wenn es aber grenzwertig wird, kann es dann doch zu Problemen führen.
Ich bleibe bei meinen Empfehlungen.
Und pass beim Einschrauben auf, dass du nicht verkantest. Wäre schade um das 85er. 😉
Darum ja auch die Reduzierringe, den Tipp habe ich selbst in nem Fotoladen bekommen.
Die Reduzierringe sind aus Kunststoff, daher würde höchstens der Reduzierring kaputt gehen.
Die 2,40 Euro kann ich dann verkraften 😉
Ok, das ist ne Idee. 🙂
Hallo Karsten,
schön das Du noch lebst. Das letzte Mal dass ich per mail etwas von Dir vernahm war am 30.07.17 [FotoKKK] Grundlagen der Fotografie, E-Mail-Kurs 10/10. Danach habe ich leider Deine wöchentlichen „Gratis Fotografie-Newsletter“ nicht mehr erhalten, hatte Dich auf einer größeren Reise vermutet.
Deine Kolumne zum Graufilter kommt für mich wie gerufen. Natürlich habe ich schon über einen Graufilter nachgedacht und überlegt mir einen zu kaufen. Aber wie Du ganz allgemein richtig erkannt hast, auch ich gehöre zu denen, die es bei einem Kaufversuch beließen und sich mit Grausen abgewandt haben. Nicht unbedingt weil zu kompliziert aber doch für mich zu zeitaufwändig, um eine aussagekräftige Internetrecherche durchzuführen. Aus diesem Grund bin ich von Deinem Bericht sehr angetan und werde mir nun einen 64er von B+W, wo auch mein Pol-Filter her ist, kaufen, Adapter habe ich schon. ein XS wird es wohl nicht werden, erstens macht es, glaube ich, bei einem Adapter keinen Sinn, zweitens hatte ich einen XS-Polfilter von B+W der im Nikon 1 – 55 Objektivgewinde klapperte.
Hey Bruno! 🙂
Nö, ich war hier und fleißig, hatte aber etwas Sommerpause eingelegt – am 14.7. 🙂 Ist also normal, wenn du einige zeit nix bekommen hast.
Schön, wenn dir der Artikel weiterhilft.
Dass ein Filter im Gewinde klappert, höre ich zm ersten Mal. Evtl solltest du mal bei B+W nachfragen, ich bin mir fast sicher, die helfen weiter! Ansonsten sind die nämlich eigentlich legendär, was die Passgenauigkeit anbetrifft. Noch nie Schwierigkeiten gehabt!! 🙂
der Karsten
Hallo Karsten,
alles wunderbar erklärt ! Danke für die Tipps und Empfehlungen.
Immer gerne! 🙂
Hallo Karsten,
wieder ein toller Bericht von dir. Danke dafür.
Ich habe auch diverse ND-Filter in verschiedenen Durchmessern. Keine Ahnung aus welchem Material die Ringe sind.
Bisher habe ich noch keinen verkantet aufgesetzt. Die Qualität ist top und die Bilder ebenfalls.
Gruß und einen schönen Sonntag
Bernd
Ja, es kann ja auch funktionieren, wenn man beim Draufschrauben etwas auf das Gewinde achtet. Bei deinem Job bist du das ja auch gewohnt.;-)
Danke für deinen Artikel, gut erklärt. Ich habe zum Schutz immer einen Skylight Filter auf dem Objektiv.
Wenn der gut ist, hat das ja auch Vorteile. Wenn nicht …
Hallo Karsten,
nichts ist verwirrender als die Angaben der ND Filter. Für meine Zeitraffer-Videos verwendete ich ND x1000 Filter, d.h. 1 sec entspricht 10 sec. Verlängerung. Der ND x400 brachte mir für 1 sec = 9 sec Verlängerung und der ND x64 brachte mir bei 1 sec 6 sec Verlängerung.
Wieso heißt der ND 64 auch 1,8, seltsam!
ND x1000 17 min, da wäre ich bei meinen Zeitraffervideos alt geworden, bei ND x1000 ist 1 sec gleich 10 sec..
Josef
Haya schreibt:
The NDx400 has a 9-stop light reduction equal to a ND optical density of approx. 2.7.
Hallo Josef!
Frage mich nicht, wieso man so unterschiedliche Werte verwendet. Aber was es jeweils heißt, habe ich im Artikel ja erklärt. 🙂
Aber bringst du da vielleicht was durcheinander? Wenn du einen x1000 verwendest, dann wird die Belichtungszeit tatsächlich vertausendfacht. Hast du gemessen eine Sekunde und rechnest mal 1000, dann sind das 1000 Sekunden, als 16,66 Minuten.
Analog gilt das auch für andere Verlängerungsfaktoren.
Was immer du da für Werte angibst – so kann es nicht gewesen sein. Zumindest nicht, wenn deine Aufnahmen korrekt belichtet sein sollen.
Hallo Karsten,
ich wollte vorhin die Geschichte mit dem ND 1000 mit der Kamera klären, leider waren die Lichtverhältnisse gerade nicht geeignet.
Dass sich die Belichtungszeit mit dem ND 1000 um das 10 fache verlängert, findest Du in diesem Video von gwegner (von dem ich mein ganzes Wissen zur Zeitrafferfotografie habe).
https://gwegner.de/fotoschnack/folge-01-langzeitbelichtung-mit-dem-graufilter/
Leider ist es 13 min lang, es genügt, wenn Du bei min. 5 beginnst.
Hallo Josef,
sowohl der Paddy als auch ich haben Recht:
Ich behaupte, beim ND x1000 musst du die Belichtungszeit vertausendfachen.
Paddy sagt in dem Video, dass du die Belichtungszeit 10 mal verdoppelt musst. Er sagt nicht, dass du die Belichtungszeit mal 10 rechnen sollst!!!
Ein Beispiel, der Vereinfachung wegen rechne ich mit 1 Sekunde, ok?
Nach deiner Rechnung: 1 Sekunde x 10 = 10 Sekunden Belichtungszeit.
Nach meiner Rechnung: 1 Sekunde x Verlängerungsfaktor 1000 = 1000 Sekunden Belichtungszeit.
Nach Paddys Rechnung: 1 Sekunde x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 x 2 = 1024 Sekunden Belichtungszeit.
Rundungsfehler sind drin, aber wenn du über 1000 Sekunden Belichtungszeit belichtest, sind 24 Sekunden Abweichung kaum sichtbar (2,3 %). Die Abweichung nach deiner Rechnung beträgt 980 Sekunden (=98%!!!) – und die siehst du im Bild anhand einer massiven Unterbelichtung.
Paddy und ich haben also beide auf unterschiedliche Weise das Gleiche gesagt. Du hast es nur nicht so verstanden.
Daher nutze ich die Rechnung mit dem Verlängerungsfaktor sehr viel lieber, weil die Verdopplungsrechnerei umständlicher und auch fehlerträchtiger ist: Schnell hast du einmal ein „x 2“ vergessen und riskierst so eine Fehlbelichtung.
Vielleicht willst du das ja in Zukunft auch tun. 🙂
der Karsten
Hallo Karsten,
schon beim Frühstück schrieb ich heute auf einen Zettel 1/25s – 1/13 usw und zu meinem Erstaunen kam ich wie Paddy tatsächlich auf 30s! Vorsichtshalber wiederholte ich die Geschichte mit 1sec und kam auch hier auf 1000 sec!
Paddy sagt am Schluß „Ich empfehle Euch einen Graufilter mit 10 Blendenstufen zu nehmen“, und das war die Angabe, die mich irritierte.
Also nix für Ungut, Du hast recht.
Jetzt noch eine andere Frage: ich fotografier seit einigen Wochen analog, 400 ASA Film ist mir manchmal zu hell. Welchen ND Filter brauche ich, um wieder zu 100 ASA zu kommen?
Warum so kompliziert? Nimm doch einfach einen 100er Film…..???!!!
Außerdem könntest du doch einfach kürzer belichten, wenn das Foto zu hell ist…??!?!?!!
Wenn du aber unbedingt dabei bleiben willst, würde ein Filter, der 2 Blenden Licht klaut (also ein x4) passend sein. Das wäre dann aber von hinten durch die Brust ins Auge….!
Warum so kompliziert, nimm doch eine Digitale 😉
Es kann sein, dass ich aus irgendeinem Grund (schlechtes Wetter, Fotografie in Innenräumen, in schlecht beleuchteten Gassen usw.) in meine Olympus OM2 N einen 400 ASA eingelegt habe. Am nächsten Tag ist es dann schön Wetter, die Sonne scheint kräftig und selbst mit Blende 16 und 1/1000 sec ist es noch zu viel Licht. Bei meiner Pentax hab ich 1/4000 und Blende 22, bei der Olympus nicht. Da wäre jetzt ein 100 ASA Film recht – den will ich aber nicht einlegen, weil bei dem 400er noch 18 Aufnahmen draufsind. Und deswegen wäre ein schwacher ND Filter hilfreich – dachte ich mir.
Bei dem Filter kam ich auf das gleiche Resultat, inzwischen traue ich aber meinen eigenen Resultaten nicht mehr.
Großartig, wieviel Geduld Du mit mir hast!
Ja, das ist einer der ganz großen Vorteile der Digicams. Das hat mich auch immer gefuchst, wenn ein hochempfindlicher Film drin lag. 😉
In diesem Fall macht ein Graufilter tatsächlich etwas Sinn. Das hatte ich fast vollständig augeblendet, weil meine Kleinbild-Phase schon urlange her ist. Im Studium haben wir Einzelfilme in der Großbild eingesetzt. Oder den Mittelformat-Film mit seinen 8-16 Aufnahmen. Die waren immer so schnell voll, dass ich in den letzten 20 Jahren dieses Problem nicht mehr hatte. Danke für die Erinnerung! 🙂
Danke für den informativen und verständlichen Artikel! Den Online-Kurs habe ich mir auf meinen Wunschzettel gesetzt 🙂
Gerne, Urs! 🙂
Hallo Karsten,
ich möchte jetzt auch in die Langzeitbelichtung von Landschaften bei Tag einsteigen und bin mir noch nicht sicher, welche ND-Graufilter-Stärken ich mir anschaffen sollte.
Besser gesagt, ich kann die Enpfehlungen der meisten Fotoblogs von Dichte 1.8 = 6 Blenden = Faktor 64 für Wald und Abenddämmerung und Dichte 3.0 = 10 Blenden = Faktor 1000 für helles Tageslicht nicht nachvollziehen, finde das eher zu wenig.
Ich habe nicht die Absicht, mit Blende 11-16 oder gar 22 zu arbeiten wie viele ‚Landschaftsfotografen‘, sondern (bei 16 mm Brennweite an Vollformat) eher mit Blende 8, was bei der kurzen Brennweite für die Schärfentiefe vollkommen ausreicht.
Ich habe ein brachial scharfes Canon 16-35 mm 2.8L III, was die beste Schärfe auch in den Ecken schon bei Blende 5.6 hat.
Sollte ich da nicht lieber eine BD-Filter-Kombi aus Dichte 2.7 = 8 Blenden = Faktor 250 und Dichte 3.9 = 13 Blenden = Faktor 8000 nehmen?
Letzterer Filter bringt dann bei hellem Tageslicht und Blende 8 eine Belichtungszeit von 20 Sekunden, was vollkommen OK ist.
Ich denke an 100×100 mm-Steckfilter von Formatt Hitech Firecrest, wenn nicht sogar in der Ultra-Version. Die gibt es nämlich in den o.g ungeraden Stärken.
Was denkst Du?
Viele Grüße Burkhard
Ich denke, du solltest dir erstmal einen Graufilter kaufen! 🙂
Ohne überhaupt mal irgendeinen getestet zu haben, würde ich mir nicht solch starke Werte kaufen.
Könntest ja mit einem 1000er anfangen und damit rumprobieren.
Warum begründe ich später. Vorher finden wir den Knackpunkt in deiner Rechnung:
Superweitwinkel musst du tatsächlich nicht so weit abblenden, um alles von vorne bis hinten scharf zu bekommen – das ist richtig. Es ist auch nicht sinnvoll, weil mit weiter geschlossenen Blenden die Beugungsunschärfen iregndwann sichtbar und die Belichtungszeiten unnötig lang werden. Meiner Erfahrung nach sind Beugungsunschärfen unter normalen Betrachtungsabständen aber erst oberhalb von Blenden 22 der Fall (bei deiner Vollformat).
Was aber, wenn du es nicht immer beim extremsten Weitwinkel nutzt?
Ein Beispiel:
Diese Rechnung kannst du mit jedem Schärfentiefenrechner selbst nachvollziehen!
Deshalb werden Graufilter in 64-fach als guter Einsteiger-Graufilter empfohlen. Kein ernstzunehmender Autor behauptet, dass man damit alles fotografieren könnte. Natürlich sind auch stärkere Filter empfehlenswert, je nachdem, was du vorhast. Wie ich in diesem Artikel schreibe, gilt jedoch nicht immer „möglichst stark ist immer am besten“.
Deine Rechnung funktioniert nur in einem ganz bestimmten Fall, der bei der sinnvollen (!!!) Verwendung von Superweitwinkel-Zoomoptiken eher selten eingesetzt wird. Sinnvoll heißt, dass du – wenn du ein erfahrender Fotograf bist – die extremsten Winkel deiner Optik genau so oft nutzt, wie die anderen Winkel. Über das Jahr gerechnet setzt du also 16 mm mehr oder weniger genau so oft ein, wie 20 mm, 24 mm, 30 mm und 35 mm.
Einen Graufilter dann aber nur für den „seltenen“ Fall kaufen, dass du bei 16 mm fotografierst, wäre nicht optimal.
Verstanden? Oder ist was unklar?
Was den von dir genannten Filter betrift: Ich kenne ihn nicht und kann ihn daher nicht guten Gewissens empfehlen. Ich glaube aber, dass solch ein System nur Sinn macht, wenn du mehrere Objektive nutzen willst, die unterschiedliche Filtergrößen haben. Das sieht mir bei dir nicht so aus …
Ist sicherlich viel tolles Marketinggeschwurbel auf deren Seite, ob die Qualität aber besser ist, als ein guter B&W wage ich zu bezweifeln. Und wenn sie das nicht ist, sind sie einfach nur teuer.
Weil: Du wirst evtl. nicht immer mit genau diesem Objektiv arbeiten.
Danke für den Artikel! Ist zwar schon älter, aber ich versuch’s dennoch mal mit einer Frage dazu 🙂
Kommt man deiner Erfahrung nach bei Weitwinkel-Objektive (Nikon Z 14-30 / 82mm Durchmesser) mit den Slim-Filtern aus oder sollte man die Filter eine „Nummer“ größer nehmen? Also z.B. 95mm ND und Pol-Filter beim 82mm WW-Objektiv.
Ich lese öfters von Vignettierungen aber bin mir nicht sicher ob die ein Slim-Filter ausreichend vermeiden kann.
Danke & LG, Patrick
Und die wird natürlich auch beantwortet. 🙂
Ich habe bisher nie Vignetten mit einer Slim-Fassung gehabt. Dadfür sind die da! 🙂
dankeschön!
Ich werde sicherheitshalber mal einen testen bevor ich viel Geld für ein ganzes Set ausgebe und dann womöglich Probleme habe.
LG, Patrick
Gute Idee!
Hallo Karsten,
vielen Dank für diesen informativen Artikel!
Ich habe nur die Passage nicht verstanden, in der du beschreibst, dass variable ND-Filter nicht für Weitwinkelobjektive passen, aber ideal zum Filmen sind. Gehst du davon aus, dass man ohne Weitwinkelobjektiv filmt? Oder welchen anderen Einfluss könnte das haben?
Viele liebe Grüße Tjark
Hallo Tjark,
sie sind nicht für Weitwinkel gemacht.
Natürlich gibt es Filmer, die generell auch mal mit Weitwinkel filmen. Doch dann nutzen sie ebenfalls den variablen Filter nicht.
Wo sie den aber sehr wohl nutzen ist, um bei sehr hellem Licht trotzdem mit offenen Blenden zu filmen. Und dann setzen sie halt längere Brennweiten ein.
Jetzt?
Hallo Karsten,
Da ich beabsichtige, mir als Landschaftsfotograf einen ND-Filter zuzulegen, bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Aber trotz mehrfachen Lesens bin ich noch nicht schlauer geworden, was die Filterwerte anbelangt.
Wie eingangs schon erwähnt bin ich Landschaftsfotograf. Meine Kamera ist aus dem Micro Four Thirds System, welches bekanntlich den größten Schärfebereich zwischen Blende 4 und 8 aufweist. Ab Blende 11 schlägt die Beugungsunschärfe zu.
Wenn ich jetzt einmal Micro Four Thirds dem Vollformat gegenüberstelle so bleibt festzuhalten, daß die Anzahl der verfügbaren Blendenstufen um 2 Blenden geringer ausfällt, wenn es um die Berechnung des Lichts auf dem Fotosensor geht. Daher sollte das Kamerasystem doch auch eine Rolle bei der Auswahl der ND-Filterwerte spielen, oder? Liege ich da falsch wenn ich vermute, daß der Tipp des Fotofachmanns mit einem ND 64 zu beginnen, um vielleicht anschließend noch andere Werte zu erwerben eben nur für das Vollformat gilt? Das wären dann für die Mft-Kamera entsprechend ein N10, den es so wohl nicht zu kaufen gibt. Den N 8 aber schon.
Als Landschaftsfotograf nutze ich hauptsächlich ein Weitwinkelobjektiv mit einer Festbrennweite von 14mm. Das wären dann auf das Kleinbild umgerechnet 28mm. Da ein variabler Filter ausscheidet würde ich mich für einen Festwert entscheiden. Ich habe bis auf ein einziges Objektiv nur Festbrennweiten gekauft, da sie besser zum Kamerasystem passen (Gewicht + Offenblende). Den Zoom machen dann die Füße.
Für die anderen Festbrennweiten (25mm + 45mm) gilt das ebenfalls mit dem Rat, keine variablen Filter zu nehmen?
Das sind zwar beides keine Weitwinkelobjektive, ich habe aber gelesen, daß einige Hersteller von ND-Filtern unter 50mm Brennweite vom Einsatz eines variablen ND-Filters abraten.
Grüße von der französischen Atlantikküste sendet
Frank
Hallo Frank,
du vermischst zwei Themen, die du unabhängig voneinander betrachten solltest:
Die Blende sorgt für die Schärfentiefe, die Stärke des Filters für die Verlängerung der Belichtungszeit.
Beim Fotografieren (also in der Praxis!) ist – nach meiner Erfahrung – die Wahl eines 64-fach Filters als Einstieg sinnvoll. Diese Verlängerung ist lang genug, um viele Motive verwischt wiederzugeben. Aber noch nicht zu lang, um alles nur noch bis hin zur „matschigen Superverwischung“ zu verwischen.
Du hast natürlich recht, dass kleinere Sensoren „lichtstärker“ sind, als das Vollformat. So gesehen müsstest du, wenn du unbedingt mit der MFT ein Foto 100%ig vergleichbar machen willst, wie eines, das mit Vollformat und 64-fach Filter aufgenommen wurde, einen stärkeren Filter an der MFT verwenden. Doch das ist ja eher eine sehr akademische Aufgabe, die hat nix mit der Praxis zu tun.
In der Praxis, entscheidest du, wie viel mal du eine Belichtungszeit verlängern willst. Also 64-fach, 16-fach oder was auch immer.
Daher meine Empfehlung für die „goldene Mitte“, den 64-fach ND-Filter.
Und klar sollte sein: Wenn du flexibel entscheiden willst, musst du mehrere Filter haben. Der 64er ist die Empfehlung für den Einstieg und kleinen Geldbeutel.
Variable ND-Filter kannst du durchaus bei Telebrennweiten einsetzen. Aber wie du schon schreibst, setzt du als Landschaftsfotograf oft Weitwinkel ein …