
Beim Fußballtraining meines Sohnes lief ein Spieler einmal mit Vollgas auf das eigene Tor zu und schoss – zum Glück daneben. Die Regeln kannte er genau, er hatte nur kurz den Überblick verloren. Genau das erlebe ich in meinen Fotokursen oft: Teilnehmer „spielen“ an ihrer Kamera herum, um sie kennenzulernen – und verlieren dabei den Überblick.
Dabei brauchst du beides: die Regeln und die Übersicht. Und Übersicht heißt hier: strukturiert vorgehen, statt wahllos Knöpfe zu drücken. Wie das geht, zeige ich dir in diesem Beitrag.
Was ist eine Kamerafunktion?
Bevor es ans Testen geht, kurz zur Einordnung: Eine Kamerafunktion ist eine einzelne Einstellung, mit der du das Bild beeinflusst. Die wichtigsten lassen sich gut voneinander trennen:
- Belichtung – gesteuert über Blende, Belichtungszeit und ISO. Die Blende bestimmt zusätzlich die Schärfentiefe, die Belichtungszeit das Einfrieren oder Verwischen von Bewegung.
- Weißabgleich – sorgt für stimmige Farben unter unterschiedlichem Licht.
- Fokus – legt fest, welcher Teil des Motivs scharf abgebildet wird.
Jede dieser Funktionen wirkt für sich – und genau deshalb kannst du jede einzeln und gezielt untersuchen. Das ist der Schlüssel, um wirklich zu verstehen, was sie tut.
Die eine Regel: eine Funktion isoliert, alles andere konstant
Nur wenn du eine Funktion deiner Kamera völlig isoliert von anderen Einflussfaktoren testest, kommst du zu klaren Ergebnissen.
Das ist der ganze Trick. Sobald sich zwei Dinge gleichzeitig ändern, weißt du am Ende nicht mehr, welche Einstellung welchen Effekt hatte – und der Test ist wertlos. Halte also alles fest, bis auf die eine Funktion, die du gerade verstehen willst. An zwei Beispielen wird das schnell klar.
Beispiel Weißabgleich
Der Weißabgleich verhindert Farbstiche, die durch unterschiedliche Beleuchtung entstehen. Sonnenlicht ist für die Kamera ein sehr weißes Licht, bei starker Bewölkung überwiegen Blautöne, und unter Glühlampen- oder Halogenlicht wirkt alles gelblich-orange. Richtig eingestellt, gleicht der Weißabgleich das aus. Üblicherweise empfehle ich die Automatik – bei modernen Kameras sorgt sie in der Regel für völlig akzeptable Farben.

Besonders leicht hat es der Weißabgleich, wenn nur eine Lichtart die Szene beleuchtet. Bei Mischlicht ist die Kamera dagegen manchmal irritiert und wählt den falschen Wert – dann hilfst du manuell nach. Um die Wirkung der verschiedenen Einstellungen zu sehen, gehst du so vor:
So testest du den Weißabgleich Schritt für Schritt
- Stell die Kamera auf ein Stativ, damit der Bildausschnitt gleich bleibt.
- Sorge für konstante Beleuchtung – das ist hier der entscheidende Punkt.
- Schalte den Weißabgleich zügig durch die verschiedenen Einstellungen und fotografiere jede einmal.
- Arbeite dabei schnell: Schiebt sich zwischendurch eine Wolke vor die Sonne, ändert sich das Licht – und dein Test ist für die Tonne.
Beispiel Schärfentiefe (Blende)
Die Schärfentiefe ist für viele Einsteiger ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei wird sie klar, sobald du die Blende – die für die Schärfentiefe verantwortlich ist – systematisch durchtestest. Wichtig sind hier zwei weitere Einflussfaktoren, die du konstant halten musst: die Scharfstellung und die Brennweite.

So testest du die Blende Schritt für Schritt
- Stell die Kamera auf ein Stativ.
- Stelle einmalig scharf und schalte den Autofokus danach ab – so bleibt die Scharfstellung als Einflussfaktor außen vor. (Tipp: Stell auf etwa 1,50 m scharf, nicht ganz vorn und nicht ganz hinten – das gibt über die verschiedenen Blenden die anschaulichsten Ergebnisse.)
- Ändere die Brennweite während des Tests auf keinen Fall – auch sie beeinflusst die Schärfentiefe.
- Schalte nun nur die Blende durch und fotografiere jede Stufe. So siehst du ausschließlich, was die Blende mit der Schärfentiefe macht.
Aus „Spielen“ wird Lernen
Du merkst: Mit etwas Planung wird aus dem „Herumspielen“ eine ernsthafte Testerei. Und nur wenn du systematisch vorgehst, erzielst du Ergebnisse, die du auf andere Situationen übertragen kannst. Genau das ist der Unterschied zwischen Spielen und Verstehen.
Wenn du nicht nur einzelne Funktionen austesten, sondern deine Kamera von Grund auf sicher beherrschen willst, ist Kamera verstehen der nächste Schritt – dort fügen sich die einzelnen Funktionen zu einem Ganzen zusammen.
Danke, als Einsteigerin habe ich das Thema Weißabgleich immer der Automatik überlassen. Da ich meistens im AV-Modus fotografiere hab ich probiert und gemacht, versucht auch die Iso auszureizen und auch probiert, was die Automatik sagt, nein es sah nicht wirklich gut aus. Das Thema Weißabgleich liegt so nah und für mich als Anfängerin doch so fern.
Deshalb noch mal Danke
Schön, wenn ich dir helfen konnte. 🙂
erst einmal vielen Dank für deine mails, ich habe sie vorerst mal alle gespeichert und werde mich beim nächsten freien Zeitfenster durch boxen 😉
aber was ich bisher gelesen habe ist sehr informativ,
ähm, du hast recht ….. jedem Künstler gebührt ein riesiges Lob…
und das möchte ich dir jetzt aussprechen… natürlich mit meinem bezauberndem Lächeln 🙂
LG
Heike
Handgeklapper ist immer toll! Danke! 🙂
Das mit dem Weissabgleich werde ich demnächst auf jeden Fall versuchen.
Das Gute liegt manchmal so nah.
Vielen Dank!!!
Frohe Weihnachten wünscht PerLe
Das kannst du auch auf JEDES andere Thema übertragen“! 🙂
Vielen Dank für diese Erläuterungen. Diese helfen mir natürlich richtig gut weiter. Ich habe auch schon viel mit den Einstellungen des Weißabgleichs ausprobiert.
Dazu habe ich auch schon einige Ergebnisse erzielt, welche man sich auch gerne auf meiner Bilderseite: anschauen kann. Auf dieser Seite dann im Ordner „Lightroom“ sind einige Bilder zu sehen. Gerade bei den Domes habe ich das mal gemacht. Schön zu sehen bei den bläulichen Domes, wo eigentlich das Licht der LED`s weiß ist.
Das mit der Tiefenschärfe werde ich dann auch noch mal probieren.
DANKE nochmals dafür. Es sind sehr nützliche Sachen dabei, die Einem doch gut weiterhelfen.
Schöne Fotos, Daniel. 🙂
Und schön, wenn ich helfen konnte, mach weiter so! 🙂
Vielen Dank Karsten für deine informativen Mails!
Fotografiere erst seit ca. einem Jahr intensiver mit einer Spiegelreflex.
Bin also noch Anfängerin. Da freue ich mich über die vielen Infos natürlich sehr.
Meist nutze ich den AV, TV oder M-Modus.
Das mit dem Weißabgleich habe ich immer auf Automatik stehen.
Werde das jetzt aber mal testen.
Vielen Dank nochmals für all die tollen Tipps 🙂
LG Jessca
Wichtig ist halt, dass du systematisch vorgehst und immer nur eine Option veränderst. Dann siehst du auch die Unterschiede. 🙂
Ute
Danke für deine gute Erklärung mit dem Weißabgleich.Das werde ich jetzt auch einmal probieren.
Das mach mal, Ute. Und berichte über deine Erfahrungen! 🙂