Dieser Essay für Hobbyfotografen fragt, warum heute überall Bilder entstehen, aber echte Fotografie oft unsichtbarer wird — zwischen Reisegruppen, Klischeebildern, Handyfotos und Promptografie.
Mit Kamera im Reisebus plötzlich ein Fremdkörper
Andy hat mir neulich eine Mail geschrieben, die mich seither nicht loslässt. Er ist Teilnehmer meines Lightroom-Kurses und im Juni mit seiner Frau durch Kalifornien gereist — eine dieser großen Rundreisen, die du dir nur einmal im Leben leistest: Grand Canyon, Yosemite, Bryce Canyon, Las Vegas, San Francisco, Los Angeles. Genau die Art von Strecke, bei der Hobbyfotografen schon vor dem Abflug die Speicherkarten jubeln hören.
Andy hatte seine Nikon Z5 dabei, eine Z50 als Backup für seine Frau, ein Weitwinkel, ein Reisezoom und eine lichtstarke Festbrennweite für die Nächte. Dazu einen klaren Plan und die stille Hoffnung, unterwegs ein paar Gleichgesinnte zu treffen. Leute, die nicht nur gucken, sondern sehen. Leute, die an solchen Orten nicht bloß Beweisbilder machen, sondern versuchen, sich einen eigenen Blick abzuringen.
Was Andy stattdessen fand, war ein Reisebus mit 42 Leuten und vier Kameras. Eine davon eher aus Versehen gekauft, weil Amazon gesagt hatte, das Ding sei gut; der Besitzer machte dann doch lieber Handyfotos, die würden „schöner“.
Ansonsten: Handys, Selfies, Zehn-Minuten-Fotostopps. Schnell raus, schnell gucken, schnell zeigen, schnell wieder einsteigen. Und mittendrin Andy mit seiner „großen“ Kamera, der sich vorkam wie ein Außerirdischer.
Er war fast jedes Mal der Letzte am Bus, sehr zum Missfallen der Reiseleitung. Stativ aufbauen, Langzeitbelichtung am Wasserfall, einen Moment länger warten, bis das Licht kippt? Vergiss es. Die Gruppe wollte das Insta-Selfie und dann weiter.
Und dann passierte etwas Kurioses. Andy wurde ständig gefragt, ob er Profifotograf sei — wegen seiner „professionellen Kamera“. Sorry, aber die Z5 ist keine Kamera, die automatisch aus ihrem Besitzer einen Profi macht. Die Frage zielte also gar nicht auf das Gerät. Sie zielte darauf, dass Andy der Einzige war, der sich überhaupt noch Mühe gab.
Wer heute still vor einem Motiv steht, das Licht prüft und eine Weile wartet, bevor er auslöst, wirkt offenbar schon wie ein Experte. Selbst wenn er, wie Andy im Vergleich zu echten Profis, gar keiner ist.
Einen Lichtblick gab es für Andy doch noch: eine junge Frau mit einer Canon EOS und einer beachtlichen Objektivauswahl, die sich sichtbar Gedanken um Perspektive und Bildgestaltung machte. Aber sie blieb für sich. Sie hängte sich nicht an die Gruppe, machte ihr eigenes Ding, trat aus dem Strom raus, sobald es ging.
Ja, auch das gehört zu diesem Befund: Wer in solchen Kontexten ernsthaft fotografieren will, separiert sich fast zwangsläufig. Nicht, weil er sich für etwas Besseres hielte. Sondern weil er an Bildern schlicht etwas anderes will als die meisten anderen.
Andy beendete seine Mail mit einer Frage, die sich nach all dem fast von selbst stellt: Sind wir Hobbyfotografen eine aussterbende Spezies?
Bilder besitzen, Bilder machen, fotografieren
Ich habe lange überlegt. Und ich glaube, die Antwort ist: Nein. Aber die Frage ist trotzdem die richtige, nur nicht ganz richtig gestellt. Hobbyfotografen sterben nicht aus. Aber sie werden unsichtbar in einer Welt, in der fast alle Bilder machen und immer weniger wirklich fotografieren.
Um zu verstehen, was das heißt, muss du drei Dinge auseinanderhalten, die im Alltag gern verschwimmen.
Ein Bild zu besitzen ist nicht dasselbe, wie ein Bild gemacht zu haben. Und ein Bild gemacht zu haben ist noch nicht dasselbe wie fotografiert zu haben.
Besitzen ist das Ergebnis. Machen ist der Auslösevorgang. Fotografieren ist die Entscheidung davor. Drei Ebenen, die nur in der Wahrnehmung zusammenfallen, nicht in der Sache. Je ernster du diese Ebenen nimmst, desto klarer wird, warum Andy sich im Bus wie auf dem falschen Planeten fühlte.
Denn heute geht es den Menschen auffallend oft nur noch ums Besitzen. Um das sichtbare „Ich war da„. Um Erinnerungsmarker, Statusbilder, kleine Trophäen eines Erlebnisses. Um etwas, das daheim eine Reaktion auslöst. „Boah, da wird mein Kollege aber Augen machen“ — diesen Satz, so Andy, habe er auf der Reise regelrecht als Refrain gehört. Das Bild war nicht das Ziel. Das Bild war nur ein Mitbringsel.
Dagegen ist erstmal wenig einzuwenden. Ein Erinnerungsbild ist ein legitimes Bild. Ein Selfie kann einem persönlich mehr bedeuten als das formal schönste Landschaftsfoto. Nur sollte man es begrifflich nicht mit Fotografie verwechseln.
Denn Fotografie beginnt eine Etage tiefer — dort, wo jemand vor dem Auslösen innehält und fragt: Worum geht es in diesem Bild eigentlich? Was trägt es? Was darf fehlen? Was ist Hauptsache, was nur Kulisse?
Genau daran scheitern die meisten Bilder. Nicht an der Kamera. Nicht am Objektiv. Nicht am fehlenden Wissen über Blende und Belichtungszeit. Sondern daran, dass niemand diese kleinen Fragen vorher beantwortet hat.
Nach vielen Jahren als Fototrainer kann ich das inzwischen ziemlich zuverlässig vorhersagen. Wer zu mir in den Kurs kommt, bringt fast immer genug Technik mit. Was oft fehlt, ist etwas anderes: die Gewohnheit, vor dem Auslösen zu wählen.
Motive toll zu finden, können alle. Etwas daraus zu machen, ist eine andere Disziplin.
Warum große Orte so oft kleine Bildideen hervorbringen
An berühmten Orten wird dieses Problem übrigens nicht kleiner, sondern größer. Das klingt paradox. Grand Canyon, Yosemite, Bryce Canyon — diese Namen tragen schon Pathos in sich, müssten eigentlich automatisch für starke Bilder sorgen. Tun sie aber nicht. Große Motive liefern noch keine starken Bilder. Sie liefern Material. Und je berühmter ein Ort ist, desto mehr fertige Bildideen bringt er gleich mit.
Du kommst dort nicht neutral an. Du kommst beladen an. Mit Filmbildern, Postkarten, Instagram-Reels, Werbeplakaten, Kalenderblättern, Screensavern — dem ganzen visuellen Schaum, der sich über Jahrzehnte auf einen Ort gelegt hat. Du schaust nicht auf die Wirklichkeit. Du schaust durch einen Stapel fremder Bilder hindurch.
Klischeebilder entstehen dort, wo der Ort für dich denkt
Und genau so entstehen Klischeebilder. Klischee heißt dabei nicht „oft gemacht“. Ein Motiv kann schon tausendmal fotografiert worden sein und in deinem Bild trotzdem neu wirken. Klischee heißt: Der Ort hat die Bildidee ersetzt. Du fotografierst nicht mehr, was du siehst, sondern was man an diesem Ort eben fotografiert. Das Bild ist technisch womöglich perfekt. Aber es behauptet nichts. Fünf Minuten später hast du es vergessen.
Große Reiseziele sind deshalb Klischeemaschinen. Nicht, weil die Orte schwach wären, sondern weil sie so stark sind, dass viele ihnen die ganze Arbeit überlassen.

Warum Reisegruppen fast immer gegen Fotografie arbeiten
Dazu kommt ein zweiter Faktor, den Andys Mail ungewollt besonders deutlich zeichnet: die Logik der Reisegruppe.
Reisegruppen sind fast immer gegen Fotografie gebaut, nicht absichtlich, aber strukturell. Eine Reisegruppe will Taktung. Sie will, dass 42 Menschen in einem begrenzten Zeitfenster ungefähr dasselbe erleben, ohne dass das Organisatorische kollabiert. Also: Haltepunkte, Zeitfenster, Ansagen, Sammelbewegungen, Fotostopps, wieder rein in den Bus. Aus organisatorischer Sicht völlig sinnvoll. Aus fotografischer Sicht eher unerquicklich.
Denn Fotografie braucht das Gegenteil von Taktung. Sie braucht Zeit, Abweichung, den unnötigen Schritt nach links, das Innehalten, das fünfminütige Nichtstun, während die anderen längst wieder sitzen. Sie braucht das Stativ, das sich nicht in zehn Minuten aufbauen, ausrichten und wieder einpacken lässt. Sie braucht die Freiheit, einen vermeintlich großen Anblick links liegen zu lassen und stattdessen auf eine unscheinbare Konstellation aus Licht, Fläche und Richtung zu reagieren.
Wer so denkt, wird in einer Reisegruppe zwangsläufig zum Störenfried. Nicht moralisch, sondern funktional. Du brauchst länger. Du kommst später. Du willst nicht „auch mal eben ein Foto machen“. Du willst in Ruhe prüfen, ob dort überhaupt ein Bild ist.
Kein Wunder, dass die besten Bilder von Andys Reise nicht an den Fotostopps entstanden, sondern in den freien Stunden — in Los Angeles, in San Francisco, in Las Vegas. Dort, wo plötzlich keine 41 anderen Menschen mit ihrem Tagesplan neben ihm standen. Dort, wo er nicht sofort liefern musste. Dort, wo er aus dem touristischen Strom heraustreten konnte. Dort beginnt oft erst das eigentliche Fotografieren.
Das Handy ist nicht das Problem
An dieser Stelle wird gerne das Handy zum Hauptschuldigen erklärt. Das halte ich für zu billig.
Das Handy ist nicht das Problem. Mit einem Handy kannst du sehr wohl aufmerksam fotografieren. Mit einer großen Systemkamera lassen sich jedoch genauso gedankenlos Bilder produzieren.
Andys Reisegruppe war dafür ein Mikrokosmos: Ein Mann hatte sich eigens eine Sony Alpha 6300 gekauft, benutzte dann aber doch das Handy — weil die Bilder damit „schöner“ wurden. Eine „richtige“ Kamera allein macht niemanden zum Fotografen. Und umgekehrt macht das Handy niemanden automatisch zum Nicht-Fotografen.
Trotzdem hat das Handy etwas verändert. Nicht, weil es schlechtere Bilder produziert, sondern weil es bestimmte Haltungen belohnt. Es belohnt Schnelligkeit, Menge, Sofortkontrolle, Teilbarkeit. Es belohnt Bilder, die schon im Moment ihrer Entstehung an ihre spätere Zirkulation denken. In einer Kultur, in der Bilder weniger Erinnerungen als soziale Signale sind, ist das Handy das perfekte Werkzeug. Es hat die Fotografie nicht zerstört, aber es hat eine Tendenz massiv verstärkt: weg vom bildnerischen Erarbeiten, hin zur permanenten, nebenher laufenden Bildproduktion.
Andy hat dafür in seiner Mail eine Szene beschrieben, die ich seitdem im Kopf behalten habe. Eine Frau steht im fahrenden Bus am Fenster und fotografiert begeistert einen Wasserfall im Yosemite-Nationalpark.
Jeder Auslöser wurde von Lauten begleitet, irgendwo zwischen Verzückung und audiogestützter Selbstbestätigung: „Ohhjaa, perfekt, booahh, wie toll.“ Eine Szene wie aus einem Sketch.
Andy war auf die Ergebnisse dieses „Fotogasmus“ gespannt und warf beim Vorbeigehen einen Blick aufs Display: verwischt, schief, verwackelt. Fünf Minuten später hält der Bus am selben Wasserfall. Jetzt könnte sie aussteigen, schauen, den Standort wählen, den Moment prüfen, das Motiv wirklich aufnehmen. Aber das Handy bleibt in der Tasche…
In diesem kleinen Detail steckt mehr Wahrheit, als vielen lieb sein dürfte. Die Begeisterung im Bus galt nicht dem Bild. Sie galt dem Kick des Bildermachens. Dem Moment des Nehmens. Nicht der Form, nicht der Entscheidung, nicht dem späteren Foto. Es ging um Reiz. Nicht um Fotografie.
Das ist hart formuliert. Aber es beschreibt etwas, das wir alle gelegentlich tun: Erlebnisintensität mit Bildqualität verwechseln. Etwas fühlt sich groß an, also muss doch auch das Bild groß sein. Etwas wirkt überwältigend, also wird das Foto schon von alleine gelingen. Etwas war emotional stark, also erscheint jede Aufnahme davon automatisch bedeutungsvoll. Leider stimmt das nicht.
Fotografie beginnt nicht beim Staunen. Fotografie beginnt dort, wo du dem Staunen eine Form gibst.
Diese Form darf schlicht sein, unspektakulär, sogar beiläufig. Aber sie braucht Entscheidung. Ohne Entscheidung bleibt vom Eindruck nur ein Beweisrest … eine Datei, ein visuelles Souvenir, ein kleiner Marker für die eigene Biografie. Auch das kann seinen Wert haben. Nur ist es etwas anderes als ein bewusst gestaltetes Bild.
Du könntest nun einwenden: War das jemals anders? Haben Hobbyfotografen nicht immer schon gedankenlos Bilder produziert, schon mit der Kleinbildkamera und dem Polaroid? Ja, natürlich. Die Vergangenheit war keine Kathedrale der Bildmeister. Und umgekehrt ist die Idee, Bilder nicht einfach nur zu finden, sondern gezielt herzustellen, aber auch kein Kind des Smartphones.
Denk an Bernd und Hilla Bechers Wassertürme, aufgenommen über Jahrzehnte, immer das gleiche Motiv, immer dieselbe Systematik. Das Bild war nicht der glückliche Moment, sondern das Ergebnis eines Programms. Denk an Cindy Sherman, die sich seit den späten Siebzigern in immer neue Rollen inszeniert, die es ohne ihre Kamera gar nicht gäbe. Denk an Richard Prince Serie Cowboys, der Werbefotografien einfach abfotografiert und als eigene Kunst ausgestellt hat.
Bildproduktion als reflektierte Strategie ist alt. Was neu ist, ist nicht das Prinzip, sondern die Reichweite.
Was früher in Galerien und Katalogen als bewusste künstlerische Geste verhandelt wurde, ist heute Alltagspraxis am Busfenster. Demokratisiert, beschleunigt, banalisiert, entgrenzt. Bilder entstehen nicht mehr, wenn jemand etwas bildwürdig findet, sondern einfach, weil Bildermachen zum Grundrauschen unseres Alltags gehört.
Promptografie ist nicht Fotografie – sondern Bilderzeugung
Und damit landet man fast zwangsläufig beim vorläufigen Endpunkt dieser Entwicklung: Promptografie. Das meint die Bilderzeugung durch einen Prompt mit Hilfe einer KI, statt einer Kamera. Den Begriff lieferte Boris Eldagsen, der mit einem KI-generierten Bild einen Fotowettbewerb gewann und den Preis zurückgab. Hier die Geschichte.
Keine billige Empörung an dieser Stelle. Promptografie ist real, sie wird bleiben, sie kann ästhetisch interessant sein, sie kann ein eigenes Bildfeld werden. Aber sie ist eben nicht Fotografie. Mit ihr löst sich das Bild noch einen Schritt weiter von allem, was Fotografie je ausgemacht hat: kein Standort, kein Licht vor Ort, kein Warten, kein tatsächlicher Moment, keine Wirklichkeit, die Widerstand leistet, kein Motiv, das sich deiner Kontrolle entzieht. Stattdessen Beschreibung, Variation, Auswahl, Ergebnis.
Das ist Bilderzeugung. Aber es ist nicht fotografieren.
Wenn du diese ganze Linie zurückverfolgst, ergibt sich ein fast zu sauberes Bild. Zuerst wurde das Bild vom langsamen Prozess gelöst. Dann vom materiellen Aufwand. Dann vom Ort. Dann vom Moment. Und inzwischen teilweise sogar von der Wirklichkeit selbst.
Was bleibt dann noch spezifisch fotografisch?
Vielleicht genau das, was in solchen Zeiten wieder kostbar wird: dass du irgendwo bist. Dass du auf etwas reagierst, das nicht dir gehorcht. Dass du mit Licht umgehen musst, wie es gerade ist. Dass du mit Raum umgehen musst, wie er gerade gebaut ist. Dass du entscheidest, obwohl du nicht alles kontrollierst. Dass du etwas aus der Wirklichkeit heraus entwickelst, statt nur ein fertiges Resultat zu erzeugen.
Hobbyfotografen sterben nicht aus. Aber sie werden unsichtbar
Genau deshalb glaube ich nicht, dass Hobbyfotografen aussterben. Aber sie verändern ihre gesellschaftliche Sichtbarkeit.
Unsichtbarer wird nicht der Mensch, sondern seine Art zu fotografieren, weil um uns herum eine gigantische Bildermaschinerie tobt, in der pausenlos Aufnahmen, Varianten, Posts, Prompts, Stories, Reels und Belege zirkulieren.
In der konkreten Situation selbst fällt der Mensch oft sogar besonders auf. Andy mit seiner Kamera im Reisebus ist dafür das beste Beispiel. Sichtbar ist er also durchaus. Unsichtbarer wird etwas anderes: die Vorstellung, dass Fotografieren mehr sein könnte als schnelles Haben, Zeigen und Weiterziehen.
Aber Langsamkeit ist hier kein Defizit. Sie ist ein Indikator. Ein Hinweis darauf, dass jemand etwas bewahrt, das im allgemeinen Bilderrauschen leicht verloren geht.
Aufmerksamkeit.
Unterscheidung.
Geduld.
Priorisierung.
Formbewusstsein.
Die Fähigkeit, nicht alles zu nehmen, nur weil es da ist.
Und vielleicht wird ernsthafte Hobbyfotografie genau deshalb gerade wichtiger. Nicht als Nostalgie, nicht als Abgrenzungsritual gegen Handys und Selfies, nicht als Fetisch der „echten“ Kamera. Sondern als Gegenmodell zu einer Kultur, in der Bilder immer leichter entstehen, aber immer seltener geklärt wird, warum dieses eine Bild überhaupt existieren soll.
In meinen Kursen sitzen regelmäßig Hobbyfotografen, die technisch längst alles wissen und trotzdem mit ihren Bildern unzufrieden sind. Nicht, weil ihnen das Handwerk fehlt. Sondern weil ihnen die Verlässlichkeit in der Entscheidung fehlt. Weil sie spüren, dass sie eher reagieren als entscheiden.
Weil Fotografieren auf Autopilot fast immer nur zu durchschnittlichen Bildern führt. Weil sie merken, dass spektakuläre Motive nicht automatisch tragfähige Bilder ergeben. Weil sie ahnen, dass zwischen „ich habe ein Foto gemacht“ und „ich habe ein Bild gefunden“ mehr liegt als ein besseres Objektiv.
Genau dort wird Fotografie wieder interessant. Nicht im Produzieren, sondern im Auswählen. Nicht im schnellen Haben, sondern im bewussten Weglassen. Nicht in der Zahl der Dateien, sondern in der Tragfähigkeit dessen, was am Ende übrig bleibt.
Vielleicht sind Hobbyfotografen also keine aussterbende Spezies.
Vielleicht sind sie einfach die, die sich dem allgemeinen Bilderlärm noch nicht ergeben haben.
Jetzt interessiert mich deine Sicht.
Kennst du dieses Gefühl auch?
Dass um dich herum pausenlos Bilder entstehen, aber nur wenige wirklich fotografieren?
Kamst du dir mit Kamera auf Reisen, in Gruppen oder im Alltag auch schon vor wie ein Fremdkörper?
Dann schreib es in die Kommentare.
Erzähl von deinen Beobachtungen, deinen Reibungen, deinen kuriosen Erlebnissen und gern auch von Punkten, an denen du mir widersprechen würdest.
Ich glaube, in diesem Thema steckt mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Genau deshalb will ich die Diskussion dazu öffnen.

Genau so ist es!
Ich will versuchen einer zu sein, der sich dem allgemeinen Bilderlärm nicht ergibt.
Ich merke allzu oft, wie schwer das ist.
Hallo Lumixknipser,
das ist eine gute Idee, auch wenn es schwierig ist – aber das macht es doch auch interessant, oder?! 🙂
Dranbleiben!
Ich kann die von Andy beschriebene Situation nur bestätigen!
Reisegruppen sind einfach nicht sonderlich geeignet wenn man gute Fotos machen möchte. Meistens fehlt entweder die Zeit oder man hat einen langen Arm vor der Linse, weil jemand unbedingt ein Selfie am Ausichtspunkt machen muß. Da wird die Position und der Gesichtsausdruch zigmal kontrolliert bis endlich das „perfekte“ Bild zustande gekommen ist. So läuft die Zeit davon…
Es gibt nicht viele Menschen die verstehen, warum man sich mit einem Fotoapparat bewaffnet, wo es doch mit dem Handy so einfach ist, Bilder zu schießen. Oder man glaubt, diejenigen, die eine Kamera benutzen müssen doch Profis sein :.)
So erlebte ich in unserem letzten Urlaub folgendes:
Ich hatte in Japan einen Schrein fotografiert. Mich bat eine Frau, ein Bild von ihr und ihrem Mann vor diesem Schrein zu machen. Ich könne das, weil ich doch schließlich Profi wäre – schön wär´s . Das hatten dann andere aus ihrer Gruppe und so war ich eine ganze Weile damit beschäftigt, Handyfotos zu machen. Na, so lernt man Leute kennen… Lustig!
Herzliche Grüße
Karin
Hallo Karin,
ja, solche Situationen kenne ich auch! Ich wehre das aber immer ab, eben weil es dann oft auch ausartet. Immerhin bin ich an dem Ort, um selbst Fotos zu machen…
Aber das muss man sich auch trauen wollen. Allzu leicht wirst du dann als Eigenbrötler abgestempelt. Aber da lebe ich dann gerne nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, …“
Man muss ich halt entscheiden, wie immer! 🙂
Hallo Karsten, der Artikel ist wirklich so treffend.
Wenn wir mit Freunden oder Familie unterwegs sind habe ich ja auch gerne eine Kamera dabei und werde oft bei sog. Klischee Motiven gefragt warum ausgerechnet ich mit meiner sog. „Profiausrüstung“ an diesem Ort nicht fotografiere. Die Antwort lautet, weil sich mir nichts anbietet. Dann verschwinde ich auch gerne für einige Zeit, um andere Perspektiven oder Lichtsituationen zu finden und bin meistens diejenige auf die man warten muss und eigentlich war ich noch gar nicht fertig. Ich höre dann oft von Personen, die sich dafür interessieren was ich fotografiert habe….„ach echt? Das habe ich gar nicht gesehen…“
Deshalb ziehe ich auch am liebsten alleine los wenn ich bewusst fotografieren möchte oder ich liebe unsere Workclass on Tour. Wir besuchen zwar auch größere Städte, aber verbleiben teilweise einen halben Tag in einem kleineren Umkreis, damit man Motive findet, die sich anbieten und man bewusst fotografiert.
Danke für diesen Artikel.
Liebe Grüße. Katja.
Hallo Katja,
aber gerne doch. 🙂 Danke für deinen Kommentar.
Das „… habe ich gar nicht gesehen…“ erlebe ich auch immer wieder. Wie schade ist es doch, dass so viele gerade auf Reisen gar nicht diese hohe „Erlebnisqualität“ haben, wie wir Fotografen, oder?!
Aber das gibt es zu Genüge ja auch im Alltag: Viele Menschen laufen zwar mit offenen Augen durch die Gegend, damit sie nicht über Parkbänke o.ä. stolpern. Würden sie zusätzlich noch das Hirn zur qualitativen Verarbeitung der optischen Eindrücke hin zu visuellem Genuss einschalten … an wieviel mehr könnten sie sich erfreuen?
Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Vermeide den Autopiloten für dein Leben, so oft wie möglich. Fotografieren hilft dabei!
Hallo Karsten,
Andy hat schon recht und ich komme mir oft auch wie ein Aussenseiter vor mit einer Kamera. Ich war mal mit einer Busreise Gruppe in Italien am Lago Maggiore und wirklich man hat da keine Zeit um schöne Motive zu finden, die besten Bilder entstanden da in der Freizeit, wo wir selbst unterwegs waren.
Auf der anderen Seite findet man auch schöne Motive zuhause. Ich Wohne in einer Hausgemeinschaft und wir gehen regelmäßig spazieren, hier rennen die meist durch die Natur ohne ein Auge dafür zu haben. z.B. habe ich da mal ein Grashüpfer in einer Mohnblume fotografiert, war Zufall, die anderen hatten dies garnicht gesehen und dann haben sie es mit dem Handy auch fotografiert und dass Tierchen blieb brav sitzen. Nun ist dies Bild einer Handyfotografin voller Stolz als Profilbild in WhatsApp, aber ehrlich, sie hätte dieses Motiv nie im Leben gesehen und von alleine Fotografiert. Mit dem Handy entstehen meist nur hochkant Landschaftsfotos, oder zum x-ten Mal ein Bild vom schönen Essen in einem Lokal.
Uups, dies war nun aber viel geschrieben.
Viele Grüße
Hans
Hallo Hans,
der lange Text stört gar nicht! 🙂
Was du aber beschreibst, scheint ja kein Einzelfall zu sein, zumindest bist du – lies mal die anderen Kommentare – hier in bester Gesellschaft!
Ja, es ist schade, dass Menschen heute so „blind“ durch die gegend laufen. Aber sieh es mal so: Du wurdest zum Trendsetter! Nur weil du besser wahrnimmst als andere – wenn das kein Ansporn ist, diesen Weg weiterzugehen??! 😉
Ich wünsche weiter viel Spaß dabei!
Ja, das erlebte ich auch so ähnlich. Ich begab mich auf eine Schiffsreise in den Orient. Im Hafen von Bord gehen, eine gebuchte Tour mitmachen, die einen an interessante Orte bringt, schwer bepackt mit Kamera, Objektiven und Stativ. Das stimmt, man sieht etwas, aber fotografisch bringt das nichts. So habe ich mich denn von der Gruppe entfernt und habe die Sehenswürdigkeit erkundet und Motive gesucht, die nicht auf jedem Allerweltsfoto zu sehen sind. Dabei habe ich die Zeig vergessen und zudem wusste ich plötzlich nicht mehr, wo der Tourbus auf die Gruppe wartete. Mit Verspätung habe ich doch noch zurückgefunden. Der Guide war schon in heller Aufregung und die Gruppe ungeduldig und bereit für die nächste Sehenswürdigkeit.
Nun, auf der Suche nach dem guten Bild ziehe ich eigentlich immer gerne allein los, ohne hoch getakteten Zeitplan. Da habe ich Zeit und Musse, mich auf meine Fotografie zu konzentrieren.
Noch ein Gedanke zum Stichwort «Hobbyfotograf». Ja ich betreibe die Fotografie als Hobby, als etwas das mir grosse Freude macht und ich mich intensiv damit auseinandersetze und mich stetig weiterentwickeln will (danke an die Workclass). Ich habe für mein Tun schon professionelle Ansprüche oder vielleicht den Anspruch die Fotografie als Kunsthandwerk zu sehen. Aber nicht als Sache, mit der ich meinen Lebensunterhalt verdiene, also nicht als Profi.
Hallo Wolfgang,
danke für die Geschichte Aber ist ja noch alles gut, wenn du das Schiff nicht verpasst hast! 😉
Was deine Gedanken zum Profi/Hobbyisten-Verhältnis angeht: Als Hobbyist kannst du Zeit und Geld einsetzen, um auf das Niveau zu kommen, das du anstrebst. Du tust das ja alles nur für dich bzw. für die Sache an sich. Und wenn man ehrgeizig ist, kannst du es ganz schön weit bringen.
Als Profi unterliegst du leider reichlich Zwängen: Direktkunden, die selbst keine Ahnung haben, was sie eigentlich wollen, und das sollst du dann erraten. Werbeagenturen, die dir das Motiv auf den Sucher malen, und hinterher so genau soll es dann aussehen – egal, wie die Wirklichkeit vor der Linse ausschaut. Kunden, die nur eine Stunde deiner Zeit zahlen wollen, obwohl du weißt und erläutert hast, dass es drei Stunden dauert. Ich könnte so weiterschreiben bis morgen früh …
Wenn du mich fragst: Bleib bei deinem Plan, er ist gesund, erfüllend und sehr sinnvoll. Und ich wette, mancher Profi würde sich freuen, wenn er auch so agieren könnte. Also: Weitermachen! 🙂
Hier kann ich Katja nur bestätigen.
Wir haben jedes Jahr ein Familientreffen in einer anderen Stadt und jedesmal mit mir der gleiche Ablauf. Ich will fotografieren die anderen weiter. Stadtführungen sind ein Ärgerniss für mich. Keine Zeit. Wenn ich später allein losziehe sehe viele verrückte oder seltsame Motive. Das macht dann Spass.
Hallo Manfred,
so ist das leider bei jedem, den ich kenne: Die Familie will nicht immer so, wie wir. Da hilft es nichts: Familie und Kamera strikt trennen und später nochmal losziehen bzw. um einen Tag verlängern.
Alles andere frustriert – entweder dich oder die Familie. Ist ja auch doof, oder?!
Der Beitrag bringt es eigentlich genau auf den Punkt. Leider sind gute Fotos heutzutage nicht mehr viel wert. Auch das Posten auf Social Media, z.B. Instagram, erzeugt keine Sichtbarkeit mehr.
Dazu kommt dann noch die zunehmenden negativen Erfahrung mit Handyknipsern. Man baut in Ruhe sein Kameraequipment auf, steht eigentlich schon abseits der Menschenmasse und die stellen sich dann gezielt, davor, um schnell ihr Foto zu machen. Dazu kommen dann zwischendurch noch die Granaten, die mir erklären wollen, dass ihr Smartphone deutlich bessere Bilder macht als meine Kamera. Manchen habe ich dann auch mal die Ergebnisse auf der Kamera gezeigt, da wurde dann schnell die Meinung geändert.
Mit Reisegruppen bin ich sowieso nie unterwegs, weil ich sowieso weiß, dass es Fotospots gibt, wo ich auch gerne Mal längere Zeit stehe und auf den perfekten Lichtmoment warte.
Aber insgesamt ist es eigentlich schade, dass die Fotografie soviel an Wert verliert. Außer in speziellen Fotogruppen, z.B. bei Facebook, erreicht man kaum noch Menschen mit den Fotos.
Ich lasse mich davon aber nicht beirren, und mache meine Fotografie weiter, auch wenn ich mir wünsche, einfach sichtbarer für andere Menschen damit zu werden.
Hallo Dominic,
ja, das ist leider traurige Wahrheit.
Aber warum bestellst du jemandes anderen Acker? Instagram und Facebook sind Plattformen, die dir nicht gehören. Eine eigene Website dagegen schon. Oder die Ausstellung vor Ort? Da gibt es immer noch genügend Bedarf und Interesse, bei guten Fotos mit Inhalt ohnehin! Hast du darüber schon mal nachgedacht?
Wie ich immer sage: Fotos müssen von der Festplatte runter und ab ins echte Leben!
Darüber nachgedacht habe ich schon, aber der erste Schritt in die Richtung fehlt noch.
Na dann: Ran! 🙂
„Wenn einer eine Reise macht, kann er was erzählen“ (??) oder
„Die grösste Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“ (Kurt Tucholsky)
Reisegruppen und Fotografieren (mit einer KAMERA) passt einfach nicht zusammen. Dazu braucht es nicht mal 42 Leute im Bus. Da genügen schon 3 in einem Auto mit Fahrer. Ein Pärchen, der „Fotograf“ und der Chauffeur mit Terminplan und dem eben bewältigten Stau im Kopf. Das Problem wird sichtbar.
Zudem möchte der „Fotograf“ doch die noch nie gesehene Umgebung, ob Yellowstone oder New York, auch noch geniessen und einfach anschauen können.
Ansonsten kommt er nach Hause mit einer handvoll toller Fotografien, hat aber eigentlich nichts „gesehen“.
Eigentlich geht Foto-Reisen nur so: Einmal hinreisen zum schauen und geniessen mit gelegentlichen Handy Beweisfotos und dann nocheinmal hin mit Zeit, Geduld und klaren Vorstellungen. Wenn’s Regnet, dann entstehen dann trotzdem tolle Bilder.
Aber wer hat heutzutage die Zeit und die Mittel dazu.
Wer jedoch die Mittel hat, soll sich die Zeit dafür nehmen.😁
Liebe Grüsse
Hansjürg
Hallo Hansjürg,
dass du das Wort „Kamera“ jetzt schon so groß schreiben musst … Was werden wir erst in 10 oder 20 Jahren erleben? Ich finde es spannend, diese Kommentare dann nochmal rauszukramen. Ich mach mir mal nen Kalendereintrag. 😉
Dein System, Reisen und Fotografieren zu trennen, klingt klasse. Aber ich gebe zu, das wird wahrscheinlich wirklich nicht so gangbar sein. Schade eigentlich … :-/
Die bisherigen Kommentare kann ich voll und ganz unterschreiben. Mir geht es genauso.
Viele können nicht verstehen, warum ich auf einer gemeinsamen Tour meine schwere Kamera km-lang mitschleppe. Es gibt doch das Handy. Aber wenn ich dann mal meine Fotos zeige ist das Staunen oft groß. „Wo hast du das denn gesehen?, ist mir gar nicht aufgefallen…“
Ich freue mich über jedes Detail in der Natur, dass ich dann gerne in Szene setze. Da nehme ich auch das Gewicht der Kamera in Kauf und dass ich oft das Schlusslicht der Wandergruppe bin. Handy-Fotos sind für mich keine Option.
Hallo Moni,
so Sätze wie deinen letzten feiert das Fotografie-Universum – weitermachen! 🙂
Hallo, ja, das Gefühl kenne ich, habe Ähnliches erlebt, bei einer Busreise in die Toskana. Die Veranstalterin hat ihren Ehemann auf mich abgestellt, der mich beobachtete und tunlichst darauf bedacht war, meine anderen Wege oder Positionen zu begrenzen, um ja die vorgesehenen Stopps einzuhalten. Ich war ständig der Letzte beim Einsteigen.
Bei einer anderen Reise an die Ostsee wartete ich abseits des Weges auf die passende Lichtstimmung. Ein kleines Mädchen an Vaters Hand entdeckte mich, sagte erstaunt zum Vater: „Schau mal, da ist einer mit einem richtigen Fotoapparat.“
Aber es geht auch anders: Bei einer Busreise zu einem Stauwerk in Österreich hielt der Busfahrer an einem großen Wasserfall, neben der Strecke, den ich nun fotografieren konnte. Die anderen Reisegäste bat er, nicht auszusteigen, denn für die Handys war die Entfernung viel zu weit. Als Dank gabs am Abend ein großes Bier, extra für ihn.
Hallo Hans-Jürgen,
Sachen gibt’s Da stimmt es mal wieder: Wenn einer eine Reise tut …
Faszinierend, was für Geschichten da zusammenkommen. Danke für deine! 🙂
Hallo Karsten,
wir Hobbyfotografen sterben nicht aus, wenn wir uns auf das besinnen was wir können: Fotos bewusst gestalten damit diese mehr als nur einen Klick überleben.
Wir sind als Hobbyfotografen nicht gezwungen, den Hype im Internet mitzumachen, der eh nur für den Augenblick da ist.
Gruß Robert
Hallo Robert,
so ist es, dem habe ich nichts hinzuzufügen. 🙂
Hallo zusammen, das deckt sich mit meiner eigenen Beobachtung. Vorangestellt: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat — so halte ich es auch.
Im Alltag habe ich meist das Handy dabei, gerade seit wir einen Welpen haben, denn da zählt oft Schnelligkeit mehr als Bildqualität. Gibt es aber etwas Besonderes zu fotografieren, kommt die Fototasche mit — maximal drei Objektive, das ist für mich die optimale Balance. Wenn ich gezielt nach Motiven unterwegs bin und die Bilder auch vernünftig nachbearbeiten möchte, ist die Kamera ohnehin gesetzt.
Den Rückgang der klassischen Hobbyfotografie sehe ich auch, aber ich glaube, er hat einen einfachen Grund: Weil fast jedes Smartphone eine Kamera hat, fangen Menschen auf Reisen ganz selbstverständlich an zu fotografieren — etwas, das viele in der Vor-Smartphone-Zeit schlicht nicht getan hätten. Ob diese Menschen die Fotografie je erlernt hätten, nur um ihre Reisen festzuhalten, bezweifle ich. Der Zugang war früher schlicht zu kompliziert — und viele wären gar nicht erst damit angefangen.
Hallo Manfred,
vielen Dank für deine Zeilen. Ein interessanter, neuer Aspekt.
Ich bekomme tatsächlich in der letzten Zeit immer mal wieder E-Mails, die ungefähr so anfangen: „Ich fotografiere ja schon lange mit dem Handy, aber jetzt reicht mir die Bildqualität nicht mehr.“
Vielleicht ist das Handy tatsächlich die „Einstiegsdroge“, die dafür sorgt, dass wir immer wieder neue „Junkies“ in der Fotografie begrüßen dürfen … 😉
Denn eines ist doch klar: Hat es dich erstmal gepackt, geht es nicht mehr ohne Kamera, oder?!
Wer erinnert sich noch an M42 und den externen Belichtungsmesser ‚Gossen Sixtomat‘? Damit habe ich Anfang der sechziger Jahre von meinem Vater das Fotografieren mit einer Spiegelreflexkamera gelernt. Da weißt du, wie lange du für eine Aufnahme brauchtest. Aber schon kurze Zeit später kam Kodak mit der Instamatic auf den Markt. Und noch etwas später gabe es die ersten Einwegkameras. Mit sowas begann das Herumknipsen. Und auch das war nicht das Ende der Hobbyfotografie. Der Unterschied zu früher ist, dass nun wirklich jeder und jede mit einem fotografierfähigen Gerät in der Tasche herumrennt – UND Fotos echt kostenfrei sind.
Vielleicht kann man darüber sinnieren, ob die Anzahl der Hobbyfotografen in diesen Zeiten weniger wird. Ich postuliere mal: Nein. Das ist keine aussterbende Spezies wie vielleicht Briefmarkensammler oder Modelleisenbahnbauer. Sie werden aber im Verhältnis zu allen bildaufnehmenden Menschen ptoportional einfach weniger. Und in einer Reisegruppe fallen sie besonders auf – wegen der hier diskutierten Thematik.
Meine Damen und Herren Leser auf dieser Seite: weiter so und von den Massen von Insta-Knipsern nicht beirren lassen. Immer daran denken: Für was und wen mache ich meine Fotos? Das gestehen wir auch den Insta-Knipsern zu – und machen Reisen besser nicht mit einer Gruppe, wenn es geht.
@Karsten, danke für deine immer wieder erfrischenden Anregungen.
Hallo Winfried,
vielen Dank, immer gerne! 🙂
Und ob ich mich an M42 und einen externen Belichtungsmesser erinnere. Letzterer ist bei mir noch regelmäßig im Einsatz.
Na, wenn Hobbyfotografen nicht bald aussterben, dann kann ich ja noch ein paar Jahre weitermachen – finde ich gut. 🙂
Ansonsten gebe ich dir recht: Wir sind für Reisegruppen einfach nicht kompatibel. Gut, wer’s für sich herausgefunden hat, die anderen können ja hier nachlesen. 😉
Ich stimme den bisherigen Kommentaren voll und ganz zu. Wer mit einer Reisegruppe unterwegs ist, lässt am besten seine Kamera zu Hause und nimmt auch nur sein Handy mit. Ist leichter und man ist hinterher nicht so frustriert.
Viele nehmen an den Touren ja nur teil, damit sie hinterher sagen können „da war ich“. Dann zeigen sie Fotos mit sich allein, den Freunden, nur die Frauen, nur die Männer etc. Meistens kann man die Sehenswürdigkeit gar nicht erkennen, weil die Personen zu groß im Bild sind. Oder die Personen sind so klein, dass dann die Frage kommt“ wo bist du denn auf dem Foto“. Und dann müssen alle ständig dieses V-Zeichen machen.
Reisegruppen kommen für mich nicht mehr in Frage. Es sei denn, es sind spezielle für Fotografen. Solche z. B., wie sie der Karsten auch anbietet. Leider nicht in meiner Gegend.
Hallo Rolf,
dann komm doch mal wieder auf Heimaturlaub. Hier macht bestimmt keiner ein V-Zeichen, den du fotografierst. Stattdessen ruft er direkt seinen Anwalt an, der dich verklagen soll … oder ähnliches.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte …
Hi Karsten
Ich fühle hier auch mit Andy mit. Und die Aussage: „ich benutze meine ‚grosse‘ Kamera gar nicht mehr, das Handy macht ja genau dieselben Bilder und das erst noch viel schneller und einfacher“ höre ich regelmässig. Ich bin ganz bei dir, dass es heutzutage mehr darum geht, gerade auf Reisen möglichst viel mitzunehmen, möglichst viel zu erleben, um möglichst viel versenden oder in den Status / die Story posten zu können. Manchmal denke ich, es geht mehr darum, zu zeigen wo man ist, wann man tolles erlebt, vielleicht sogar Freunde und Familie daheim ein bisschen neidisch zu machen, als den Moment wirklich zu geniessen. Es geht mehr um Quantität als um Qualität. Es muss schnell gehen, denn man möchte ja möglichst viel von der Reise mitnehmen. Das gilt für Erlebnisse wie für Bilder.
Nachdem ich vor 2 Jahren das erste Mal alleine mit meiner Kamera auf den Azoren war, habe ich für mich das Alleinreisen entdeckt. Denn es ist wie du sagst – als Hobbyfotografin werde ich nicht glücklich in einer Gruppenreise mit 10 minütigen Stops. Alleine kann ich mir Zeit nehmen. Es stört niemanden, wenn ich um 04:00 morgens aufstehe um den Sonnenaufgang einzufangen. Oder 2 Stunden an einem Wasserfall sitze, nicht nur für Langzeitbelichtungen, sondern auch, um die Zeit dort zu geniessen. Alles um mich rum wahr zu nehmen und einfach mal abschalten zu können. Ich habe alle Zeit der Welt, Orte zu erkunden, auf das perfekte Licht zu warten, Spots zu suchen, die mir Bilder ohne andere Touristen darauf ermöglichen, wenn ich das möchte.
Ich war auf Galapagos alleine unterwegs, stand eine Stunde bis zu den Knien ruhig mit der Kamera im Pazifik und habe Blaufusstölpel beobachtet und fotografiert, bis junge, neugierige Seelöwen mutig genug waren, zu mir zu kommen und mich anstupsten. Ein unglaubliches Erlebnis!
So sind bisher einige tolle Bilder und Erinnerungen entstanden und meine nächste Solo-Reise ist bereits gebucht 🙂
Hallo Tinu,
dein Kommentar zeigt sehr deutlich, was auf Reisen oft verloren geht, wenn alles nur noch schnell, bequem und teilbar sein soll: Zeit, Wahrnehmung und wirkliche Präsenz.
Genau deshalb finde ich deinen Unterschied zwischen „möglichst viel mitnehmen“ und „wirklich da sein“ so treffend. Wer nur sammelt, kommt zwar mit vielen meist ittelmäßigen Bildern zurück. Wer sich dagegen Zeit nimmt, erlebt einen Ort anders. Und genau das siehst du den Bildern am Ende häufig an.
Deine Beispiele machen das sehr greifbar. Um 4 Uhr aufstehen, lange an einem Wasserfall bleiben, Orte in Ruhe erkunden, auf Licht warten, Touristen aus dem Bild halten – das ist alles keine Nebensache.
Die Szene auf Galapagos ist dafür ein besonders schönes Beispiel. Eine Stunde still im Wasser zu stehen, zu beobachten, zu warten, bis die Situation sich von selbst öffnet … das ist doch etwas völlig anderes als schnelles Bildermachen, oder?. Solche Erlebnisse kann dir kein Status-Post ersetzen!
Und noch etwas wird in deinem Kommentar sehr klar: Alleinreisen ist für viele Hobbyfotografen gar kein Rückzug, sondern oft erst die Voraussetzung dafür, dass sie wirklich fotografieren können. Nicht, weil Gesellschaft grundsätzlich stört, sondern weil Fotografie Zeit, Offenheit und manchmal auch Stille braucht.
Danke für diesen Kommentar.
der Karsten
Auf einer Busreise ist es wirklich schwierig, ich nehme dann nur meine Olympus mit dem 12-100mm Objektiv, mehr Ausrüstung geht sowieso nicht. Aber auch zu Hause geht man besser alleine oder mit anderen Fotografen zusammen! Von unserem Fotoclub waren wir letztens zu viert mit Kameras und Stativen in der Stadt unterwegs, so kurz vor der blauen Stunde, es war kalt, etwas regnerisch (gab schöne Reflexionen auf dem Pflaster) und in einem Park mit Spielgeräten sprach uns ein Junge an, vielleicht 14-15 Jahre alt, er war mit einem jüngeren dort. Er fand es total „cool“, dass wir bei dem ungemütlichen Wetter mit Kameras unterwegs waren, weil das unser Hobby ist! Wir waren eine Sehenswürdigkeit! Die Kinder haben wir natürlich nicht fotografiert, wir suchten Pfützen!
Hallo Karsten und „alle Fotografen“
ich hatte kürzlich einen Fotokurs zur Langzeitbelichtung. Ca. 6 Stunden am Ammersee – beliebtes Ausflugziel und auch Fotografenziel. Aber selbst in diesem Fotokurs – von einem renomierten Fotografen geführt, ging es im Endeffekt auch nur um DAS Bild, das alle haben wollen – schön langzeitbelichtet, möglichst mit rauschenden Sonnenuntergangsfarben. Ich bin schon von Natur aus nicht für die Gruppe gemacht und deshalb meist Abwegs mit mir alleine auf Bildpirsch gegangen. Auf die Frage warum ich mich nicht den tollen Bildern der anderen anschließe, meinte ich nur, dass ich lieber alleine genießen möchte. Aber anderseits muß man dann wiederum anerkennen, dass Bilder, die nicht dem Ideal der Maßen entsprechen, oder den Vorgaben der Phsychologie und Physiologie des Fotorgrafierens, eben oft nicht als „schön“, oder „fotografisch“ richtig angesehen werden. Ich bin aber immer noch der Meinung, wenn ich zu meinem Bild stehen kann, weil es mir dort gerade so gefällt, und ich meiner Meinung nach, den „richtigen“ Zeitpunkt erwischt habe, muß und kann ich damit leben, dass es vielleicht nicht den Erwartungen der „richtigen“ Fotografie entspricht. Denn nur wenn man auch mal gegen den Strom schwimmt, können sich auch andere Perspektiven ergeben und da ist es doch egal ob man mit Handy oder „richtiger“ Kamera fotografiert.
Und dass nicht mehr alle Bilder, die im Orbit des Internets herumgeistern überhaubt Beachtung finden, ist schon durch die unheimliche Menge der Bilder eine Sache des Gesetzes. Vielleicht gefallen die schnell produzierten Bilder der Handys ja doch einige und wenn es nur Freunde und Bekannten sind. Sehen lernen und still sein, Achtsam sein und Hinschauen und Hinhören sind längst nicht mehr in den Köpfen vieler Menschen verankert. Aber selbst wenn ich noch mit dieser Gabe gesegnet sein sollte, heißt dass immer noch nicht, dass Bilder die ich entstehen lassen würde, auch bei jemanden anderen ankommen würden.
Darum sage ich einfach, lasst sie fotografieren, wie, wo und wann jeder will. Solange jeder das richtige für sich gefunden hat, egal ob mit Handy oder Kamera, solange läuft doch alles.
Grüße eine „Ehemalige“ von dir
Andrea Albert
Hallo Andrea,
ich glaube, das ist eine gesunde Einstellung: Wer will schon Einheitsbrei, wenn er etwas Individuelles haben kann?!
Aber das ist ein wichtiger Punkt: Sobald in einem Kurs oder an einem bekannten Ort stillschweigend nur noch auf „das eine richtige Bild“ zugelaufen wird, verengt sich Fotografie sehr schnell zum Klischee. Dann entstehen zwar oft gefällige Bilder, die aber austauschbar sind.
Ich finde deshalb deinen Gedanken stark, dass du zu deinem Bild stehen willst, weil es für dich in genau diesem Moment richtig war. Darin steckt mehr Fotografie, als viele glauben. Denn ein Bild gewinnt nicht automatisch dadurch an Wert, dass es einem verbreiteten Schönheitsideal entspricht. Es gewinnt erst dann an Gewicht, wenn darin eine Entscheidung – nömlich deine – sichtbar wird.
Natürlich gibt es Sehgewohnheiten. Natürlich gibt es Bilder, die sofort als „schön“ gelesen werden. Aber das heißt noch lange nicht, dass alles andere falsch ist. Es heißt nur, dass vieles Vertraute schneller Zustimmung bekommt. Das ist ein Unterschied.
Dein Satz „nur wenn du auch mal gegen den Strom schwimmst, können sich andere Perspektiven ergeben“ trifft den Kern ziemlich gut. Genau dort beginnt oft das, was ich unter einem eigenen fotografischen Blick verstehe. Nicht als Trotzreaktion, sondern als bewusste Entscheidung. Also weiter so! 🙂
Danke für deinen Kommentar. Darin steckt sehr viel von dem, worum es in der Fotografie aus meiner Sicht eigentlich geht: weniger Nachlaufen, mehr Hinschauen.
der Karsten
Moin,
in einem der Texte stand etwas von einer Gruppe mit 3 Leuten.
Sorry, es gelingt auch einer Person den gemeinsamen z. B. Ausflug zu vermiesen, wenn man seine Kamera nicht nur tragen sondern auch nutzen will. Meine Frau kann das sicherlich bestätigen…
Ich glaube, dass es schon Sinn macht mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein. Zum Beispiel mit einer Fotogruppe oder WCoT!
Und wenn es denn die oben genannte Reisegruppe ist, sollte man es lieber mit dem alten, sehr bekannten römischen Fotografen Seneca halten: Meide die Masse.
Bis bald und danke für den Artikel und die angestossene, äh, Diskussion.
Frank
Hallo Frank,
aber gerne doch.
Und ja, das haben wir jetzt: Als Fotografen die Massen zu meiden, ist die beste Option für klasse Fotos. 🙂
Hoi Karsten
Dein Artikel bestätigt mir mein Gefühl und selber Erlebtes. Wenn ich mit einer Reisegruppe unterwegs bin habe ich keine grossen Ansprüche an meine Fotos. Diese Fotos dienen dann mehr zu meinen Erinnerungen an die Reise. Dabei versuche ich jedoch immer wieder Fotos von Details mit selber getroffenen Entscheidungen zu machen. Das Handy nütze ich auch um Gesehenes und Erlebtes mit meiner Familie, Freunden und Bekannten zu teilen. Dabei versehe ich die Handyfotos mit persönlichen Texten und Informationen. Aus den Reaktionen sehe ich, dass dies (Foto und Text) sehr geschätzt wird.
Es gibt jedoch auch Reisegruppen, wo die meisten Teilnehmenden auch fotografieren wollten (ohne dass es eine spezielle Fotoreise war). Und wir hatten durch die Reiseleitung jeweils genügend Zeit (ab und zu nach einer kurzen Führung) die Umgebung selber zu erkunden. Und damit Zeit sich mit einem Foto und Entscheidungen dazu auseinander zu setzen.
Wenn ich fotografieren möchte, dann bin ich sehr oft alleine unterwegs. Oder dann mit Personen, die das verstehen oder in Foto-Gruppen. Hier kann ich das in der Zwischenzeit Gelernte aus deinen Workclasses und WOT’s umsetzen und/oder üben. Mit genügend Zeit.
Ob mit Reisegruppe oder selber unterwegs, versuche ich mich im Voraus so gut wie möglich vorzubereiten. Dies ermöglicht mir oft, neben dem üblichen Sehenswürdigkeiten-Motiv auch noch Details aufzunehmen.
Für mich gilt auch, dass jeder so fotografieren soll, wie er kann und möchte. Sei dies mit einem Handy oder einer besseren Ausrüstung. Auch mit einem Handy kann man ein gutes und tragendes Bild machen.
Ab und zu dient das Handy dann auch als Einstieg in die Hobby-Fotografie. Wo man mit einer Kamera doch mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat.
Herzliche Grüsse, Gabriella
Hoi Gabriella,
genau diese Unterscheidung finde ich wichtig: Nicht jedes Foto auf einer Reise muss den Anspruch haben, ein ausgearbeitetes fotografisches Bild zu sein. Viele Bilder sind Erinnerungsstücke, Notizen, kleine visuelle Anker. Dafür ist das Handy oft ideal, besonders dann, wenn Foto und persönlicher Text zusammenkommen. Dann geht es weniger um fotografische Vollendung, sondern um das Erlebte zu teilen.
Spannend wird es dort, wo du Zeit hast. Wenn in einer Reisegruppe nach einer Führung Zeit ist, selbst zu schauen, zu wählen und zu entscheiden, verändert sich das Fotografieren. Dann wird aus dem reinen Mitnehmen eines Motivs wieder eine bewusste Auseinandersetzung: Was interessiert mich wirklich? Welches Detail erzählt mehr als die bekannte Sehenswürdigkeit? Was lasse ich bewusst weg?
Dass du dich vorbereitest, finde ich gut und wichtig. Vorbereitung sorgt dafür, dass du vor Ort schneller erkennst, wo neben dem Offensichtlichen noch ein eigenes Bild liegen könnte.
Und ja: Ein gutes, tragendes Bild hängt nicht zuerst am Gerät. Auch mit dem Handy kann ein starkes Bild entstehen. Und mit einer Kamera ein lausigen. Die Kamera erweitert durchaus die Möglichkeiten, aber die eigentliche fotografische Entscheidung beginnt immer vorher: beim Sehen, Auswählen und Verdichten.
Oder?!