Hobbyfotograf – eine Bezeichnung, auf die du stolz sein kannst

34
589
Hobbyfotograf

Heute schrieb mir Wolfgang wegen einer E-Mail, die ich verschickt hatte. Es ging um ein Wort, das viele Fotografen unterschiedlich hören: Hobbyfotograf.

Wolfgang schrieb sinngemäß, die Bezeichnung wirke auf ihn wenig wertschätzend. Natürlich gebe es Unterschiede zu professionell tätigen Fotografen, aber der Begriff sage wenig über Anspruch, Tiefe oder Ernsthaftigkeit aus. Ich solle meine potenziellen Kunden doch einfach Fotografen nennen.

Danke, Wolfgang, dein Einwand ist sehr wertvoll. Nicht, weil er eine Wortklauberei wäre, sondern weil er zeigt, wie schnell aus einer Bezeichnung eine Rangordnung wird. Sprache sortiert. Ein Begriff kann jemanden größer machen. Oder kleiner. Er kann Türen öffnen. Oder auch eine ganze Personenngruppe in eine Schublade schieben.

Genau deshalb lohnt es sich, diese Zeilen zu schreiben.

Je länger ich über Wolfgangs Einwand nachdenke, desto klarer wird mir: Das Problem liegt für mich nicht im Begriff „Hobbyfotograf“. Das Problem liegt in dem, was viele inzwischen in diesen Begriff hineinlegen.

Wenn „Hobbyfotograf“ bedeutet: jemand, der nur ein bisschen herumknipst, ohne Anspruch, ohne Tiefe, ohne Ernsthaftigkeit, dann wäre ich auch ungerne ein Hobbyfotograf.

Aber so verstehe ich ihn nicht!

Für mich steckt in diesem Wort etwas anderes. Ein Hobbyfotograf ist für mich kein Fotograf zweiter Klasse. Er ist jemand, der fotografiert, ohne dass ein Kunde ihn dazu zwingt. Ohne dass ein Auftrag wartet. Ohne dass am Ende zwingend eine Rechnung geschrieben werden muss.

Er fotografiert, weil ihn Fotografie nicht loslässt!

Vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Wertschätzung.

(Das Bild oben ist von Heiko Stein auf Pixabay)

Die falsche Gleichung

Das Missverständnis beginnt in vielen Köpfen mit einer schlichten Gleichung:

Profi = gut.
Hobbyfotograf = weniger gut.

Diese Gleichung ist bequem. Aber sie ist falsch.

Ein Profi ist nach meiner Ansicht zunächst einmal jemand, der mit Fotografie Geld verdient. Mehr sagt der Begriff nicht. Er sagt nichts darüber aus, ob jemand gut sieht, klug gestaltet, sauber auswählt, eigenständig denkt oder mit seinen Bildern etwas zu sagen hat.

Es gibt hervorragende Berufsfotografen. Menschen, die unter schwierigen Bedingungen zuverlässig starke Bilder liefern. Viele von ihnen arbeiten aus derselben Zuwendung zur Fotografie, aus der auch ernsthafte Hobbyfotografen arbeiten. Der Beruf ist dann eine konsequente Entscheidung, mit dem zu leben, was einen ohnehin nicht loslässt.

Aber der Begriff Profi allein ist kein Qualitätssiegel. Ein Berufsfotograf kann brillant sein. Er kann aber auch routiniert, angepasst, beliebig oder müde arbeiten. Genauso kann ein Hobbyfotograf oberflächlich knipsen oder seit dreißig Jahren fotografieren, Fotobücher studieren, Ausstellungen besuchen, Serien entwickeln, Bildideen verwerfen und neu ansetzen.

Die entscheidende Frage ist nicht: Verdient jemand Geld mit Fotografie?

Die entscheidende Frage ist: Wie arbeitet jemand mit Fotografie?

Schaut er genau hin? Trifft er Entscheidungen? Lässt er etwas weg? Bleibt er an einem Motiv dran? Prüft er seine Bilder kritisch? Entwickelt er mit der Zeit einen eigenen Blick?

Das sind Qualitätsfragen. Ob am Ende eine Rechnung geschrieben wird, ist dagegen erst einmal eine wirtschaftliche Frage.

Die eigentliche Verwechslung

Vielleicht liegt genau hier die ganze Verwechslung.

Profi ist eine Erwerbsform. Professionalität ist eine Haltung.

Und diese Haltung kann ein Berufsfotograf haben. Ein Hobbyfotograf aber genauso.

Wer „Hobby“ automatisch für weniger ernst hält, verwechselt Marktwert mit Bedeutung.

Der Profi muss liefern. Der Hobbyfotograf darf suchen.

Auf den ersten Blick wirkt der Profi priviligierter. Er macht doch den ganzen Tag Fotografie. Er hat die (glauben zumindest viele) bessere Ausrüstung. Er lebt mit Bildern.

Aber wer mit Fotografie sein Geld verdient, fotografiert oft für einen Zweck. Für einen Kunden. Für eine Anzeige. Für ein Produkt. Für eine Erwartung, die häufig feststeht, bevor die Kamera überhaupt aus der Tasche kommt.

Damit kommen Zwänge ins Spiel. Das Bild soll gut aussehen, aber nicht zu viel kosten. Individuell wirken, aber nicht riskant. Hochwertig aussehen, aber schnell fertig werden. Auffallen, aber niemanden irritieren.

Das ist keine Abwertung. Gute Berufsfotografen leisten unter diesen Bedingungen Erstaunliches. Aber der Profi ist nicht automatisch der freiere Fotograf.

Er muss liefern.

Der Hobbyfotograf darf fotografieren.

Der Profi fotografiert häufig, weil ein Auftrag es verlangt. Der Hobbyfotograf fotografiert, obwohl niemand etwas von ihm verlangt.

Er darf an einem Motiv scheitern, ohne dass jemand ungeduldig auf die Dateien wartet. Er darf nach Hause kommen und sagen: Heute war nichts dabei. Er darf ein fast gutes Bild löschen, weil es ihn noch nicht überzeugt. Er darf denselben Ort zehnmal besuchen, bis Licht, Wetter, Stimmung und Entscheidung zusammenfallen.

Nicht, weil er mehr Zeit hätte, denn viele Hobbyfotografen haben weniger Zeit als Berufsfotografen, weil sie nebenbei einen anderen Beruf ausüben. Die Freiheit liegt nicht in der Zeit. Sie liegt in der Zweckfreiheit.

Dass für ein Foto Geld bezahlt wird, sagt noch nichts Verlässliches über seine fotografische Tiefe aus. Es zeigt zunächst nur, dass jemand bereit ist, für diese Leistung zu bezahlen.
Umgekehrt gibt es Bilder, die nie verkauft werden und trotzdem mit großer Ernsthaftigkeit entstehen. Der Hobbyfotograf kann sich selbst Fragen stellen, die kein Kunde stellen würde: Warum steht die Figur genau dort? Ist das Motiv stark oder trage ich es nur mit Bearbeitung über die Ziellinie?

An diesen Fragen wird fotografische Ernsthaftigkeit sichtbar. Nicht an der Rechnung.

Damit hier kein Missverständnis entsteht: Es geht mir nicht darum, Berufsfotografen kleiner zu machen.
Es geht mir aber darum, dass Hobbyfotografen sich nicht selbst kleiner zu machen!

Wenn aus freiem Antrieb Tiefe entsteht

Das klingt vielleicht theoretisch. Machen wir es praktisch, schauen wir uns jemanden an, bei dem genau diese Zweckfreiheit sichtbar geworden ist.

Wenn ich über ernsthafte Hobbyfotografie schreibe, denke ich an Hansjürg.

Wir haben uns während meiner Corona-Aktion 2020 kennengelernt. Eine der Aufgaben hieß „Splash“: etwas ins Wasser werfen und das aufspritzende Wasser fotografieren. Eine einfache Übung, eigentlich. Für Hansjürg wurde daraus etwas anderes.

Er hat sich seitdem auf Tropfenfotografie spezialisiert. Hochgeschwindigkeit. Zwei Tropfen, die in der Luft kollidieren und für den Bruchteil einer Sekunde eine Form bilden, die kein Auge je sieht. Er hat sich nicht mit dem Ergebnis einer Übung zufriedengegeben, sondern ist tiefer gegangen. Dann noch tiefer. Heute entwickelt er einen eigenen Tropfen-Controller, schreibt die passende Software dazu und bietet Zubehör für andere Tropfenfotografen an. Er stellt aus. Er wird in der Presse erwähnt.

Auf seiner Website stellt er sich mit einem einzigen Satz vor: „Mein Name ist Hansjürg Jenzer. Ich bin Hobbyfotograf mit dem Spezialgebiet Tropfenfotografie, Splash, Highspeedfotografie.“

Er nennt sich selbst Hobbyfotograf. Obwohl er ein Gebiet technisch und gestalterisch durchdrungen hat, in dem die meisten Berufsfotografen – auch ich – nicht mithalten könnten. Obwohl er eigene Produkte entwickelt. Obwohl seine Bilder in Ausstellungen hängen.

Natürlich verschwimmen bei so einem Beispiel die Grenzen. Wenn jemand Produkte entwickelt, ausstellt und sichtbar wird, nähert er sich beruflichen Strukturen an. Aber gerade das macht das Beispiel interessant: Der Ursprung dieser Tiefe lag nicht in einem Auftrag. Er lag in einer freiwilligen Beschäftigung, die immer weitergewachsen ist.

Hansjürgs Selbstbezeichnung ist deshalb kein Understatement. Sie ist eine präzise Beschreibung seiner Arbeit: Diese Fotos hier ist aus freien Stücken gewachsen.

„Hobby“ als zweckfreie Ernsthaftigkeit

„Das ist doch nur ein Hobby.“

Dieser Satz klingt harmlos. Aber in ihm steckt eine deutliche Abwertung. „Nur“ Hobby klingt wie: nicht Beruf, nicht wirtschaftlich notwendig, nicht existenziell, nicht wichtig genug. Als wäre eine Tätigkeit erst dann ernst zu nehmen, wenn sie Geld einbringt.

Das ist eine merkwürdige Abwertung …

Viele Dinge, die ein Leben reich machen, entstehen nicht aus wirtschaftlichem Zwang. Jemand spielt Musik, obwohl kein Konzertsaal wartet. Jemand schreibt, gärtnert, forscht, kocht oder fotografiert, ohne daraus ein Geschäftsmodell zu machen. Und trotzdem kann all das ernsthaft sein. Vielleicht sogar gerade deshalb.

Entscheidend ist nicht, ob Geld fließt. Entscheidend ist, ob Aufmerksamkeit fließt.

Der Amateur war einmal ein Liebhaber

Dazu passt ein verwandtes Wort, das noch stärker beschädigt ist: Amateur.

Heute meint „amateurhaft“ meistens: schlecht gemacht, unbeholfen, nicht ernst zu nehmen. Der ursprüngliche Kern ist schöner: Der Amateur, französisch, vom lateinischen amator, bedeutet Liebhaber. Einer, den eine Sache macht, ohne dass zuerst ein Auftrag, ein Markt oder ein Honorar dahinterstehen muss.

Damit bekommt das Wort plötzlich eine ganz andere Würde, oder?!

Denn in diesem alten Sinn steckt genau das, was viele ernsthafte Hobbyfotografen antreibt: Zuwendung zur Sache. Interesse. Neugier. Hartnäckigkeit. Der Wunsch, ein Bild nicht nur zu machen, sondern es wahrhaft zu gestalten.

Natürlich schützt Liebe zur Fotografie nicht vor schlechten Bildern. Begeisterung ersetzt kein Können. Hingabe ersetzt keine klare Bildentscheidung. Aber ohne innere Beteiligung wird Fotografie schnell leer und dann bleibt nur Oberfläche, Routine und klischehafte Wiederholung übrig.

Deshalb ist der Amateur im ursprünglichen Sinn nicht der schlechtere Fotograf.

Er ist jemand, bei dem die Fotografie aus einer anderen Quelle genährt wird.

Der Hobbyfotograf ist nicht der unfertige Profi

Es gibt noch eine andere Vorstellung, mit der wir aufräumen sollten: die stille Annahme, Fotografie verlaufe als Treppe nach oben: Anfänger → Hobbyfotograf → Profi. Als wäre der Beruf die natürliche Krönung, und alles davor nur eine Vorstufe.

Das stimmt nicht!

Der Profi ist keine höhere Stufe fotografischer Entwicklung. Er ist eine berufliche Abzweigung. Viele Hobbyfotografen wollen gar keine Berufsfotografen werden. Sie wollen bessere Bilder machen. Das ist ein anderes Ziel. Und es ist nicht kleiner oder weniger wichtig.

Hobbyfotografie ist kein Vorstadium professioneller Fotografie. Sie ist eine eigenständige Form fotografischer Praxis. Mit eigenen Freiheiten. Mit eigenen Maßstäben. Und ja, auch mit eigener Tiefe.

Warum „Fotograf“ allein das Problem nicht löst

Wolfgangs Vorschlag klingt zunächst naheliegend: Nenn deine Kunden doch einfach Fotografen.

Das wirkt großzügiger. Weniger sortierend. Und je nach Zusammenhang ist dieser Begriff auch richtig. Wer fotografiert, ist Fotograf.

Trotzdem löst das mein Problem nicht vollständig. Für meine Arbeit als Fototrainer ist die Unterscheidung wichtig. Ich unterrichte keine Agenturabteilungen, die Bildmaterial für Kampagnen produzieren. Ich bilde keine Pressefotografen aus.
Ich arbeite mit Menschen, die Fotografie aus eigenem Antrieb betreiben. Sie haben oft klasse Kameras. Sie investieren Zeit. Sie stehen früh auf, weil das Licht besser sein könnte. Sie ärgern sich über Bilder, die fast funktionieren. Sie wollen verstehen, warum manche Fotos tragen und andere nur nett aussehen.

Für diese Gruppe ist „Hobbyfotograf“ viel passender als „Fotograf“. Das Wort ist genauer. Der Begriff beschreibt eine besondere Ausgangslage: Fotografie ohne Verwertungsdruck, aber mit Anspruch. Ohne Kundenauftrag, aber mit innerer Beteiligung.

Ich gebe zu: Ich verwende den Begriff anders, als ihn die meisten hören. Aber wenn ein Wort falsch verstanden wird, gibt es zwei Möglichkeiten. Du kannst es vermeiden. Oder du kannst es neu füllen.

Ich entscheide mich lieber für die zweite Möglichkeit.

Hobbyfotografie im Bilderlärm

Wir leben in einer Zeit, in der dauernd Bilder entstehen. Sie werden gemacht, gepostet, generiert, geteilt, optimiert und nach wenigen Sekunden wieder vergessen. Das einzelne Foto hat es in dieser Umgebung schwer, überhaupt noch als Bild wahrgenommen zu werden.

Gerade deshalb finde ich ernsthafte Hobbyfotografie interessant. Sie muss keinen Kanal füttern. Sie muss keinen Algorithmus bedienen. Sie muss nicht jeden Tag etwas veröffentlichen, nur damit irgendwo Aktivität sichtbar bleibt.

Der Hobbyfotograf darf langsamer sein. Er darf ein Bild liegen lassen. Er darf prüfen, ob es das Auge des Betrachters lange satt macht oder nur ein schneller Snack ist. Er darf aus hundert Aufnahmen nicht die lauteste wählen, sondern die stimmigste.

Vielleicht ist das heute fast schon eine Gegenbewegung: nicht noch mehr Bilderlärm, sondern mehr Aufmerksamkeit. Nicht mehr Tempo, sondern mehr Entscheidung.

Die eigentliche Wertschätzung

Wenn ich das Wort „Hobbyfotograf“ vermeide, behandle ich es so, als wäre daran etwas Minderwertiges. Genau dadurch bestätige ich die Abwertung, gegen die ich mich eigentlich wehren will. Aber vielleicht ist genau das der falsche Weg. Nicht der Hobbyfotograf braucht einen besseren Namen. Der Begriff braucht eine bessere Lesart.

Warum eigentlich?

Warum sollte ein Mensch weniger ernsthaft fotografieren, nur weil niemand ihn dafür bezahlt? Warum sollte ein Bild weniger zählen, nur weil kein Kunde es bestellt hat? Warum sollte ein fotografischer Weg kleiner sein, nur weil er nicht in ein Geschäftsmodell eingebaut ist?

Ich glaube, das Gegenteil stimmt.

Ein Hobbyfotograf widmet sich einer Sache, obwohl kein äußerer Druck ihn dazu zwingt. Er bleibt an Bildern dran, obwohl kein Auftrag offen ist. Er investiert Zeit, Geld, Energie und manchmal auch Nerven, ohne dass am Ende zwingend eine Belohnung winkt.

Das ist kein Mangel. Das ist eine starke Form von Zuwendung!

Das Fazit

Also, Wolfgang: Ich nehme deinen Einwand ernst. Aber ich komme zu einem anderen Ergebnis:

Ich möchte den Begriff „Hobbyfotograf“ nicht aus meinem Wortschatz streichen. Ich möchte ihn zurückholen. Weg von der abgewerten Bedeutung. Weg vom müden „nur Hobby“. Weg von der falschen Vorstellung, dass fotografische Ernsthaftigkeit erst dort beginnt, wo Geld fließt.

Und das solltest du, lieber Wolfgang und du, lieber Leser, auch tun!

Profi beschreibt nur die Erwerbsform.
Hobby erinnert an den Eigenantrieb.

Der Hobbyfotograf fotografiert, obwohl kein Kunde wartet. Obwohl kein Honorar winkt. Obwohl kein Markt etwas verlangt. Er fotografiert, weil ihm Fotografie etwas bedeutet. Weil ein Motiv nicht loslässt. Weil ein Bild möglich scheint.

Wenn ich von Hobbyfotografen spreche, meine ich das nicht abwertend. Ich meine es präzise.

„Hobbyfotograf“ deshalb kein Wort, das du dir selbst kleinreden musst. Vielleicht ist es einer der letzten Begriffe, in denen noch steckt, dass Fotografie aus echter Zuwendung entstehen kann …


Und jetzt bin ich gespannt, auf welcher Seite du stehst.

Ist „Hobbyfotograf“ für dich ein abwertender Begriff oder ein ziemlich ehrlicher?

Schreib mir in die Kommentare, wie du dich selbst nennen würdest: Hobbyfotograf, Fotograf, Amateur, Bildautor … oder ganz anders?

Und falls dich das Wort „Hobbyfotograf“ stört: Genau das interessiert mich besonders. Denn vielleicht steckt in dieser Irritation mehr über unser aller Verhältnis zur Fotografie, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Lass uns drüber reden!

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
34 Kommentare
Älteste
Neueste
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Alex Schiefermeyer

Hallo Karsten, vielleicht ist der bessere Vergleich Berufsfotograf und Hobbyfotograf. Dies trifft auch deine Schilderungen m. E. sehr gut – der eine macht’s Beruflich, der andere als Hobby. Eine Wertung wie gut jemand hierbei ist sehe ich dabei nicht.

Schon alleine die Begrifflichkeit Fotograf sehe ich als hohe Auszeichnung und Wertschätzung.

BG
Alex

Jochen

Also ich sehe mich als Hobbyfotograf. Ich mache es als Hobby und weil es mir Spaß macht, wenn anderen meine Fotos gefallen und sie Freude daran haben. Ich mache fast nur Bilder von Hunden beim Sport.

Wolfgang Kayser

Hallo Karsten,
danke dir für den ausführlichen Text – und auch dafür, dass du meinen Einwand so ernst aufgreifst und weiterdenkst.
Beim Lesen ist mir nochmal klar geworden, wo unser Punkt eigentlich liegt – und der lässt sich wieder gut in deiner Sprache fassen:
Du setzt den Begriff „Hobbyfotograf“ sehr bewusst neu. Für dich ist er klar positiv besetzt, fast schon ein Qualitätsmerkmal über die Haltung zur Fotografie.
Meine ursprüngliche Lesart war eine andere. Ich habe den Begriff in dem gelesen, was er im allgemeinen Sprachgebrauch oft transportiert – und genau daraus kam mein Einwand.
Im Alltag ist „Hobby“ ja häufig (wenn auch unausgesprochen) mit einer gewissen Abwertung verbunden – im Sinne von „nicht ganz so ernsthaft“ oder „eine Stufe darunter“. Auch wenn das so nicht im Begriff selbst steckt, prägt genau diese Verwendung die erste Lesart.
Das Spannende ist für mich:
Dein Text zeigt sehr gut, was du mit dem Begriff meinst. Gleichzeitig zeigt mein erster Impuls ziemlich genau, wie er ohne diese Einordnung gelesen werden kann.
In diesem Sinn bestätigt dein Blogbeitrag eigentlich genau meinen Punkt:
Die Setzung ist klar gemeint, aber die Lesart kann ohne Kontext in eine andere Richtung gehen.
Ich finde es absolut schlüssig, dass du den Begriff bewusst „zurückholen“ willst – gerade so, wie du ihn hier herleitest.
Für mich war es eher eine Rückmeldung aus der ersten, ungeführten Lesart.
Und vielleicht ist genau das der interessante Teil daran:
Dass zwischen gemeinter Setzung und gelesener Bedeutung manchmal ein kleiner Versatz entsteht – selbst bei eigentlich klar gedachten Begriffen.
Unabhängig davon: in der Tiefe, wie du den Begriff hier beschreibst, gehe ich inhaltlich mit.
Beste Grüsse
Wolfgang

Manuela

„Hobbyfotograf“ klingt halt oft nach: nett beschäftigt.

Ich sage deshalb lieber „Hobbyfotograf mit professionellem Anspruch“.

Denn nur weil jemand Rechnungen schreibt, entstehen noch keine besseren Bilder.

Und nur weil keiner bezahlt, heisst das nicht, dass weniger gedacht, gesehen oder gearbeitet wird.

Am Ende ist „Profi“ eine Einnahmequelle – Anspruch ist eine Entscheidung.

Detlev

Ich sehe mich auch als Hobbyfotograf, bei mir ist Profi wer das als Beruf gelernt hat und damit sein Geld verdient. Das heißt nicht, dass er automatisch besser ist. Ich finde die Bezeichnung Hobbyfotograf nicht abwertend oder dass der andere es besser kann.
Lg
Detlev

Gabriella

Ein Hobby ist eine Aktivität, die man ja gerne macht und sich damit auch intensiver auseinandersetzt, sei dies Fotografieren, Fussballspielen, Handarbeiten machen, Wandern usw.
Für mich ist der Begriff „Hobbyfotograf*in“ somit positiv besetzt, wie Karsten in seinem Artikel gut beschreibt. Und auch den Unterschied zu einem Profi-Fotograf klar erläutert.

Thomas

Moin Karsten, das ist eine interessante Diskussion. Also, ich fühl mich geehrt, wenn ich als Hobbyfotograf bezeichnet werde und das Stadium des „Knipsers“ verlassen habe. Der Profi ist für mich immer noch der, der das von Pike auf als Beruf gelernt oder studiert hat und ja er muss nicht unbedingt besser sein, als ein Hobbyfotograf. Das hat auch nicht unbedingt was mit Geldverdienen zu tun. Ich habe in der Familie selbst ein Beispiel was sich mit ein paar YouTube Videos in Anführungszeichen ein bisschen was angeeignet hat, hat sich selbstständig gemacht und ist heute Hochzeitsfotografin und hat ihr auskommen. Prima! Wenn wir aber über so manche Details sprechen wie Linienführung, Perspektiven Lichtinseln etc. dann sehe ich schon so manches Fragezeichen auf der anderen Seite.
Danke für diesen Beitrag!
Viele Grüße, Thomas

Heiko

Hallo Karsten,
vielen Dank für Verwendung meines Bildes in diesem Kontext, deinen Kommentar dazu auf Pixabay und deine Sichtweise zu diesem Thema hier in deinem Blogbeitrag, die ich sehr treffend und stimmig finde.
Liebe Grüße
Heiko

Ruth

Hallo Karsten,
ich habe kein Problem damit, als Hobbyfotografin dazustehen, im Gegenteil. Mein Hobby macht mir so viel Spaß, ich bin fast jeden Vormittag damit unterwegs und komme oftmals ohne ein Foto nach Hause, was nicht stört, dann habe ich vielleicht andere schöne Beobachtungen gemacht oder mich nur über das Wetter, den Himmel etc. gefreut.
Und wenn ich nach Stunden dann meinen Lieblingsvogel vor die Kamera bekomme, dann schlägt mein Herz höher und damit ist mein Hobby 100fach belohnt.
Es braucht auch sonst niemand gutzuheißen. Wenn ich ab und an positive Kommentar in der FC erhalte, dann ist das Dank genug.
Ich liebe mein Hobby.
LG Ruth

So Bo

Ich sehe mich sehr gerne als Hobbyfotograf und erfreuen mich nicht nur selbst an meinen Motiven, sondern andere fühlen sich dadurch auch animiert, sich vom Sofa zu lösen udn die Welt zu entdecken. Es ist mein Hobby, mit meiner Kamera los zu ziehen und auf „Motivjagd“ zu gehen. Deswegen sehe ich mich als Hobbyfotograf. Ich mache es eben nicht beruflich und verdiene auch kein Geld damit. So einfach sehe ich das. Lg Sonja

Andy

Hi Karsten,

ich sehe mich definitiv auch als Hobbyfotograf weil ich damit kein Geld verdiene – und das ist ein total befreiendes Gefühl 🙂 Es sagt für mich nichts zur Qualität aus, ganz im Gegenteil. Ich verstehe aber auch diejenigen, die es anders sehen. Manche Leute definieren damit tatsächlich etwas abwertendes – aber mir war schon immer egal was die anderen Leute denken…

Ein Beispiel zum Thema ist mein Beruf: Früher war das ganze „Computerzeugs“ ein Hobby von mir, welches ich dann aber irgendwann mal zum Beruf gemacht habe. Nun schimpfe ich mich „Informatiker“. Aber besser wurde ich dadurch nicht, da ich als Hobby schon richtig gut darin war und eine Passion dafür entwickelt habe. Allerdings sind auch hier die Leitplanken nun gesteckt – während ich früher Produkte nach belieben kaufen und ausprobieren konnte bin ich nun an Projektvorgaben, Rahmenverträge und Kundenwünsche gebunden. Spaß macht es zwar trotzdem, aber es ist jetzt halt ein „Muss“ und ich kann es mir leider nicht leisten nur zu arbeiten wenn ich Lust darauf habe 😉

Schön übrigens, dass du wieder fleissig bloggst – deine Texte sind immer sehr kurzweilig zu lesen 🙂

Gruß
Andy

Wolfgang G.

Hallo Karsten,
ich bewundere immer wieder, mit welchem Engagement und welcher Akribie du dich mit allen Fragen zur Fotografie auseinandersetzt, auch den vermeintlichen Randthemen, um den Dingen, die du vermitteln willst, auf den Grund zu gehen.
Was die Selbstbezeichnung als Fotograf betrifft, habe auch ich, wie ich zugeben muss, ein gewisses Problem mit dem Begriff „Hobbyfotograf“. Denn nach allgemeinem Sprachgebrauch ist damit im Gegensatz zum „Berufsfotografen“ jemand gemeint, der die Tätigkeit „nur“ als Freizeitbeschäftigung neben seiner Hauptbeschäftigung im Leben ausübt, was irgendwie leicht abwertend klingt. Deinen Ausführungen hierzu stimme ich weitestgehend zu, komme aber für mich zu einer anderen Schlussfolgerung. Deine Haltung, den Begriff als positiv zu verteidigen, finde ich zwar sympathisch, sie beruht aber letztlich auf einer persönlichen Vorliebe. In meinen Ohren besser klingt der Begriff „Amateurfotograf“. Auch wenn „Amateur“ im Allgemeinen mitunter leicht abwertend gebraucht wird, wird in spezifischen Tätigkeitsfeldern, etwa im Sport, genau in deinem Sinne unterschieden zwischen dem „Profi“ und dem „Amateur“, der nicht wegen des Geldes, sondern nur wegen seiner Leidenschaft für die Sache tätig ist.

Herzliche Grüße Wolfgang

Karl-Heinz Kötterheinrich

Hallo Karsten,

Deine Ausführungen finde ich einleuchtend und nachvollziehbar; in diesem Sinne verstehe ich mich auch als Hobbyfotograf. Wenn mich jemand fragt und ernsthaftes Interesse zeigt, erläutere ich auch gerne, was das konkret bedeutet: wie funktioniert z.B. die workclass (Aufgabenstellung, Rückmeldung über Teilnehmer und Fotocoach, meine Lernerfolge); wie, wo, wann finde ich meine Motive; was ist meine Motivation, etc. Diese Erläuterungen sind mir wichtiger als die reine Etikettierung als „Fotograf“, „Fotoamateur“ oder „Fotograf“. Wenn es dann aber gelegentlich hilfreich und den Zugang zu Personen z.B. in der Streetphotographie erleichtert, bin ich dann auch gerne mal „Fotograf“. Kommt aber zur Zeit (noch?) relativ selten vor, da ich durchaus eine gewisse Hemmschwelle verspüre, Menschen im öffentlichen Raum zu fotografieren.

Gruß,

Karl-Heinz

Diana Paukstadt

Hallo Karsten,
mit Interesse habe ich die Blogeinträge gelesen.
Ich habe mich bisher nicht mit den Begrifflichkeiten auseinandergesetzt. Für mich ist das Fotografieren ein Hobby. Es tut meiner Seele gut, weil ich mich darin verliere. In diesen Momenten kann ich alles ausblenden, bin völlig auf die Motive fokussiert. Neben dem stressigem Berufsleben ist das eine sehr schöne Form der Entspannung für mich.
Und nach dem Lesen der Texte bin ich froh Hobbyfotografin zu sein. Ich darf mir die Freiheit nehmen, mich zu verlieren. Berufsfotografen müssen liefern. Und heutzutage ist der Markt hart umkämpft. KI bringt noch andere Ebenen in den beruflichen Kontext. Also ja, ich bin dankbar für die Hobbyfotografie (unabhängig von den Zuschreibungen für die Begrifflichkeiten)!

Herzliche Grüße
Diana

Marc Wayne Schechtel

Danke für deine inspirierenden Gedanken dazu, dass man als Hobbyfotograf nicht nur „Fotograf zweiter Klasse“ ist, sondern die Freiheit hat, ohne Druck und Erwartungen zu gestalten. Besonders dein Punkt, dass Ernsthaftigkeit nicht an der Rechnung, sondern an der Tiefe der Auseinandersetzung mit dem Motiv erkennbar wird, hat mich sehr beeindruckt. Man merkt in jedem Satz deine Leidenschaft für die Fotografie und du schaffst es wirklich gut, den Fokus wieder auf die Freude am eigentlichen Tun zu lenken.

Winfried

Hallo,
Mit dem Begriff „Hobby“ habe ich auch etwas Schwierigkeiten. Das erinnert mich an das Hobby meines Vaters: Briefmarkensammlung. Und das ist bei mir nicht gut besetzt.
Aber ich verstehe den Beitrag so, dass eine Begegnung zwischen Beruf und Hobby/Amateuer auf Augenhöhe möglich ist oder sein soll. Genau das finde ich gut und aus dieser Sicht finde ich den Beitrag auch sehr wichtig. Auf die gegenseitige Wertschätzung der fotografischen Arbeit kommt es an. Es ist nicht wichtig, ob jemand damit ein Einkommen erzielen will. Ich selbst hätte auch nie Lust gehabt, mit der Fotografie mein Geld zu verdienen.
Allerdings stößt mir dann die Unterzeile in der Überschrift dieser Webseite auf.
„Fototipps aus der Schatzkiste des Profis“ – ist es wirklich wichtig, dass die zweifelsohne sehr gut bestückte Schatzkiste von einem „Profi“ ist?? Nur mal als Anregung.
Viele Grüße
Winfried

Schiess

Bravo! Endlich sagt es mal jemand. Wer sich durch das Wort “Hobbyfotograf” beleidigt fühlt, hat vermutlich auch Angst, dass sein Auto an Wert verliert, wenn man es “Privatwagen” statt „Formel-1-Bolide“ nennt.

Der Unterschied ist doch simpel: Der Profi muss liefern, selbst wenn die Tante Emma bei der Hochzeit das Buffet blockiert. Wir Hobbyfotografen hingegen haben den ultimativen Luxus: Wir dürfen die Kamera einfach wegpacken, wenn das Licht mies ist oder das Bier im Biergarten besser aussieht als das Motiv.

Einen Profi zu beneiden ist wie einen Berufskoch zu beneiden: Der steht 12 Stunden in der Hitze und brät Schnitzel im Akkord, während ich zu Hause bei einem Glas Wein entspannt das perfekte Steak zelebriere. Wer ist hier der wahre Genießer?

Ich bleibe ein stolzer Hobbyfotograf und Hobbykoch. Bis dahin: “Gut Licht!“ und en Guete.

Rolf