„He, du! Möchtest du ein schönes Foto kaufen?“ – so ungefähr würde es klingen, wenn Schlemihl, der dubiose Verkäufer im Trenchcoat aus der Sesamstraße, sich an der Fotografie versuchte. Und genau hier ist Schluss: Ein gutes Foto kannst du nicht kaufen. Das musst du machen – selbst. Und dazu gehört vor allem eines: Überwindung.
Die besten Fotos entstehen, wenn du bereit bist, sie zu machen
Du brauchst eine Kamera, du brauchst Equipment, und du musst das Fotografieren gelernt haben. Aber das alles ist nichts wert, wenn du es nicht einsetzt. Also: Mach dir die Knie dreckig, sprich Leute an, die im Weg stehen, kletter auf Bäume, leg dich ins nasse Gras, steh morgens um vier auf, verzichte auch mal aufs pünktliche Abendessen. Überwinde dich, geh raus und fotografiere.

Andere Wege, andere Zeiten – dafür außergewöhnliche Bilder
Es braucht Überwindung, stundenlang auf der Suche nach einem Motiv herumzulaufen – und noch mehr, wenn du dreimal in Folge nichts findest. Normale, nicht fotografierende Leute machen das nicht. Aber genau darin liegt der Schlüssel: Gehst du zur gleichen Zeit an die gleichen Plätze wie alle anderen, bekommst du auch die gleichen Fotos. Beschreitest du andere Wege zu anderen Zeiten, gehst du manchmal trotz allem Aufwand leer aus. Manchmal aber entsteht das eine besondere Bild. Je öfter du es tust, desto mehr außergewöhnliche Fotos sammeln sich auf deiner Festplatte – Fotos, die kein anderer hat.
Probieren geht über Studieren
Mein Vorschlag: Verbring deine Abende nicht vor dem Computer, um dir das Fotografieren „anzulesen“. Interessiert dich ein Thema, dann recherchier kurz, lies, wie es geht – und probier es dann draußen aus. Du hast es übrigens gut: Ich musste das alles noch auf teurem Filmmaterial lernen und mir jede Einstellung aufschreiben.
Erst beim Fotografieren merkst du, ob das gerade Gelesene funktioniert – niemals durch Weiterlesen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Es ist wie beim Schwimmenlernen: Lies die 50 besten Bücher darüber, wie du Schwimmen lernst – kannst du es danach? Nein. Ins Wasser zu gehen ist eben etwas ganz anderes: Armzug, Beinschlag, Armzug, Beinschlag. Du verstehst.
Gute Fotos sind eine Überwindungsprämie.
Unter den Klassikern der besten Tipps für gute Fotos steht dieser Satz ganz oben – und danach kommt erst einmal lange nichts.

Ich verrate dir ein Geheimnis: Als Kind und Jugendlicher war ich unheimlich schüchtern. In den ersten fünf Jahren meiner Fotografie habe ich mir ständig Gedanken gemacht, was andere wohl über mich denken – wenn ich wieder in wildesten Verrenkungen die Positionen wechselte, nachts am Ostseestrand fotografierte oder mich vor einer Theaterbühne herumdrückte.
Sollte dich das auch hemmen, hör meinen Rat: Mach dir nicht zu viele Gedanken darüber. Es ist nicht wichtig, was andere über dich denken. Und wenn du ehrlich bist, geht es dich auch gar nichts an.
Und jetzt: raus – oder einen Schritt bewusster
Am liebsten würde ich dir jetzt sagen: Hör auf zu lesen, schnapp dir die Kamera und geh raus. Genau das ist der Kern. Und wenn du schon regelmäßig rausgehst, ist der nächste Schritt, dieses Rausgehen bewusster zu nutzen – also zu gestalten, statt nur auszulösen. Wie das geht, liest du unter Bewusst fotografieren.
Wofür brauchst du beim Fotografieren die meiste Überwindung? Schreib es gern in die Kommentare – vielleicht habe ich einen Tipp für dein Überwindungsproblem.

Hallo Karsten, du hast mich mit dem Fotio Virus angesteckt und ich habe fast immer meine Kamera dabei. Ich lese nicht mehr“wild“ rum, ich suche mir ein Thema und lege los. Nur leider habe ich momentan meist nur die Wahl zwischen Regentropfen oder Schnee. Kann nur noch besser werden.
Danke für deine Unterstützung.
Ganz liebe Grüße
Conny
Recht so, recht so!!! 😉
Das Wetter wird besser, bestimmt! 🙂 Weitermachen! 🙂
Hallo Kartsen,
ich fühle mich da sehr angesprochen und müsste mich viel öfter überwinden aber ich habe auch schon schöne Überwindungsprämien.
Zum Beispiel letztes Jahr im Herbst früh morgens um 6:00 Uhr im Wildpark Vosswinkel bei strahlendem Sonnenaufgang im Herbstwald mit Stativ und 600er Tele auf dem Rücken gannz alleine in dem riesigen Park sehr schöne Aufnahmen vom röhrenden Hirsch gemacht 🙂
Ich denke immer an deine Anweisungen Fotokurs „nun Thomas knie dich doch mal hin, beweg dich mal “ genau das ist es 🙂
Ich wünsche euch ebenfalls schöne Überwindungsprämien.
Gruss
Thomas
Hi Tom, ein gutes Beispiel. Mach weiter so!!! 🙂
Hallo Karsten, es hat mich Überwindung gekostet, mit dem Stativ „herumzulaufen“. Aber siehe da – beim Park-Leuchten in der GRUGA war ich nicht allein! Vielleicht hat es mir geholfen, dass viele andere genau so farbige Fotos im Dunkeln machen wollten!? Ich habe beobachtet, teilweise geschmunzelt und auch nachgemacht. Und so sind einige wirklich tolle Fotos entstanden! Vielen Dank für deine Tipps und Anregungen. LG Bärbel
Hi Bärbel, ich schreibe das ja nicht umsonst – sonder aus eigener, oft leidvoller Erfahrung. Schön, wenn es bei dir geklappt hat. 🙂
Hallo Karsten
Wie oben schon geschrieben ist auf Deutsch gesagt im moment scheiß Wetter! Dann kommt bei mir und bestimmt bei vielen anderen Hobbiefotografen dazu daß Sie sich wegen ihrer Krankheit besonders aufpassen müssen damit wier uns nicht Erkälten. Das schänkt viel ein und heist dann lieber im warmen bleiben.Ich mach deshalb oft auch Bilder aus dem Fenster oder vom Balkon wenns gerade passt.
Gruß Michael
Ach komm, Michael, dein Immunsystem will trainiert werden. 😉
Aber ich gebe dir recht: Derzeit sind in unserem Lande nicht allzu viele schöne Motive zu finden. Allzu grau-braun ist alles.
Aber vielleicht ist es genau das, was besonders klasse aussieht, wenn man es zum Thema macht…
Versuch’s mal! 🙂
Lieber Karsten, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen: die Überwindung … DIE ÜÜBERWIIINDUNG …
Ja, ich arbeite daran 😉
Super, Sabine!!! 🙂
ich kann mich nur anschliessen man muss sich nur überwinden . gestern war wieder so ein tag wollte gerne zum eishockey .mein innere schweinehund sagte nein heute werden keine fotos gemacht.. schade
Lebt der immer noch?? Ich dachte, der ist ausgestorben! 🙂
Hallo Karsten. Ja das wetter wird nun herrlich, gerade viel Sonnenschein und wärmer. Ich muss mir ehrlich gesagt, noch eine Kamera besorgen und dann geht’s los! Ich hab auch schon eine Bekannte motiviert, die gerne mitmachen will! Ja und der Sommer wird ja auch viel unter dem Motto „Los geht’s mit der Kamera“ stehen. Danke und bis bald! Patricia
Schön, läuft doch! 🙂
Hast du schon meine kostenlose „Kaufberatung Kamera“ entdeckt?
Ich hab gar nicht gedacht, dass das Thema Überwindung ein so gemeinsames ist !?!
So ein Austausch tut gut.
Ich gebe jetzt seit über 20 Jahren Fotokurse und habe einigen 1000 Menschen das Fotografieren beigebracht. Da kannst du dir vorstellen, dass ich einen ganz guten Einblick darin habe, welche Probleme die meisten Hobbyfotografen quälen… Außerdem war ich ja selbst mal einer! Aber es freut mich sehr, auch dich damit erreicht zu haben! 😉
Ja, die Motivation ist immer so ein Problem, außerdem kommt dann beim Hobbyfotografen noch die Arbeit dazu, die eigentlich immer dann zuschlägt, wenn gerade tolles Wetter ist und man eigentlich gern eine Fototour oder ähnliches machen würde.
Oder nach einem langen Dienst kommt man nach Hause und ist zu müde, um noch los zu ziehen, oder, oder oder…
Sich ein Thema zu setzen ist mit Sicherheit eine gute Idee, manchmal ergibt sich das Thema aus dem geplanten Ziel (oder umgekehrt^^), so kann man sich überlegen, mal den nächstgelegenen Zoo zu besuchen, um ein paar Tierportraits zu schießen, oder an einen Strand oder Fluß/Bach, um Langzeitbelichtungen zu machen, im Park kann man seine Kinder oder den Partner portraitieren, oder dazu in ein Studio gehen (es gibt ja auch Mietstudios), oder man zieht einfach mit Kamera und verschiedenem Zubehör ziellos durch die Gegend und hält Ausschau nach geeigneten Motiven.
Vielleicht kann man sich mit Freunden verabreden und einen Fotowalk machen, das motiviert auch und man hat Leute zum direkten Ideenaustausch – coole Sache, sowas.
Hey Martin,
jaja, die liebe Arbeit… 🙂
Aber wofür arbeitest du?? Ich hoffe doch, um dir ein Leben zu ermöglichen, das es wert ist, gelebt zu werden. Und wenn die Fotografie dazu gehören soll…
Aber du hast doch schon passende Ansätze. Du musst es nur tun!
Viel Spaß dabei! 🙂
Richtig , richtig toller Artikel . Da habe ich mich wiedererkannt. Ich habe mir nämlich auch sehr lange Gedanken darüber gemacht, was andere wohl beim fotografieren über mich denken.
Und ich habe mich gefragt , ob es wohl nur mir so geht ?
Schön zu wissen , dass dem nicht so ist.
Toll Karsten – weitet so ! 🙂
Wird gemacht! 🙂
So dann werde ich auch mal was schreiben über …die Überwindungsprämie….
Kurz vor meinen Urlaub noch zufällig den Karsten getroffen. Ich brauchte noch Graufilter in drei Dichten. Was kannst du mir empfehlen?
Sagte mir der liebe Karsten „Kaufe die von B+W!“
Ich: „Lieber Karsten … die sind ganz schön teuer.“
Karsten: „Rede nicht – kauf sie.“ Der Mann scheint mich schon gut zu kennen. 😉
Also kaufte ich sie mir, ich muss sagen wieder ein guter Tipp vom Karsten. Gute Verarbeitung, passt alles – super.
Dann gab er mir noch einen Tipp für meinem Urlaub: Früh aufstehen!
Erzählte mir was von blauer Stunde, da kann man gute Fotos machen.
Im Urlaub früh auf stehen? Warum das? Ok, wenn er meint…
Der Urlaub war schon gut über eine Woche alt, ich fotografiere schön in der Mittagssonne. Die Bilder? Naja … könnten besser sein!
Wie bekomme ich bessere Fotos? Ja, da war doch noch Karstens Rat mit der blauen Stunde.
Ich zur meiner Frau. Ja sie war auch mit im Urlaub am Bodensee und der Rheinfall von Schaffhausen ca. 50 km von uns entfernt.
„Schatz, ich steh morgen früh um 4 Uhr auf und fahre zu den Wasserfällen!“
Was sagte Meine?? „Du bist verrückt, was willst du so früh da??“
Ich: „Die blaue Stunde ist da, da kann man – ich glaube – gute Fotos machen sagt der Meister Kettermann.“
Sie: „Du und der Kettermann! Mach was du willst ich schlafe schön aus.“
Also ich die 50 km gefahrenen siehe da: Ich war ganz alleine da – nur die Wasserfälle und ich.
Wieder ein guter Tipp!!
Als die Bilder im Kasten sind zurück und mit meiner Liebsten frühstücken. DU glaubst es nicht: Meine Frau war von den Bildern der blaue Stunde sehr angetan!
Sie: „Jaaaa, hat der Ketterman wieder mal Recht gehabt.“
Das war ein kleiner Betrag zu … Überwindungsprämie. 🙂
Ich wollte euch ein Bild zeigen. Geht aber nicht vielleicht kann der Karsten das machen?
Hahaha, super Thorsten, danke. Du hast mir den Tag versüßt!!! Eine wirklich lustige Geschichte.
Ich sag’s doch: Überwinde dich und du machst die besseren Fotos. 🙂
Schick mir das Foto per Email, dann setze ich es gerne hier ein.
Da ist das Foto:

Hallo Karsten, da ich als „Neue“ jetzt auch von Dir lernen möchte, habe ich mich natürlich auch schon sehr viel mit dem fotografieren beschäftigt. Immer wenn ich etwas interessantes sehe, habe ich meinen Fotoapparat gezückt. Für tolle Motive glaube ich, habe ich einen Blick. Es aber dann noch besser zu machen, ist eine Herausforderung. Ich finde es sehr schön, wie es auch anderen Hobbyfotografen geht. Es kostet mich nicht allzu große Überwindung los zu gehen oder zu fahren, denn nur so kann man was erreichen. Ich finde die Kommentare von Dir und den Hobbyfotografen sehr interessant und man kann von jedem Bericht etwas mitnehmen. Ich muß mich leider erst noch durch Deine ganzen „Geheimnisse“ der Fotografie lesen!!! Es sind sehr sehr schöne Aufnahmen und es lohnt sich, daran dann seine Freude zu haben.
Vielen Dank, dass ich dabei sein darf.
LG Irene
Hi Irene und herzlich willkommen.
Dann wünsche ich viel Spaß beim Geheimnisse entdecken. 🙂
Einige Posen kommen mir bekannt vor, habe mich auch schon in den Dreck gelegt. Deine Motivation ist klasse. Tolle Anregungen waren auch dabei. Ich geh dann gleich mal los testen. Und vorallem Geheimnisse entdecken.
Ich wünsche viel Spaß dabei. 🙂
Hallo Karsten. Genau mein Thema. Es gibt viele Projekte, die ich noch machen will. Aber dann ist da der Zeitfaktor, die Unwissenheit, wie man diese Dinge setzen soll und der Gedanke, was andere finden, wenn ich mit Stativ und Kabelauslöser losziehe. Man sollte wirklich darüber stehen, aber ich bin auch eher von der schüchteren Sorte. Allerdings habe ich bei meinem letzten Zoobesuch deinen Tip (unwissend :-)) umgesetzt. Denn ich habe kurz im Internet geforscht, wie man am besten Zoofotos macht und bin dann losgezogen, um im Zoo Duisburg vor allem die Tiger zu fotografieren. Die Ergebnisse sind ganz okay geworden, finde ich.
Zwei Tipps habe ich noch: Erstens auf den Fahrten zum Arbeitsplatz und den Dienstreisen nehme ich die Kamera mit und kann so den Zeitfaktor ein wenig umgehen. Und zweitens habe ich zuhause eine beschreibbare Magnetwand, auf der ich meine geplanten Projekte notiere, sodass ich meine Ideen immer vor Augen habe und sie anschließend nach getaner Arbeit abharken kann.
Noch mal vielen Dank für den Artikel.
LG
Jörg
Jaja, die liebe Zeit… die muss immer herhalten… 🙂
Jörg, die folgenden Zeilen sind nicht an dich persönlich gerichtet, sondern allgemein an alle, die „zu wenig Zeit“ haben:
Nur ein paar Gedanken zum Thema.:-)