Warum du dein Bild nicht klar siehst – und wie du deine Fotos beurteilen kannst

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Fotos beurteilen: Warum Distanz wichtiger ist als Talent.

Manchmal schicken mir Teilnehmer Fotos, die sie über alles lieben. Sie schreiben dazu:
„Ich weiß, technisch ist es nicht perfekt, aber ich fühle dieses Bild.“

Und meistens stimmt das sogar. Sie fühlen etwas. Aber das Bild zeigt etwas anderes!

Einmal schrieb mir Anna: „Ich war so berührt, als ich das Foto gesehen habe – und dann sagst du, es wirkt unruhig.“
Ich kannte diesen Satz schon, hundertmal hatte ich ihn gehört. Nicht, weil Annas Gefühl falsch war – sondern weil es ein universelles Phänomen ist: Wir Fotografen sehen nicht das Foto. Wir sehen den Moment, in dem wir es gemacht haben.

Warum du dein Bild nicht siehst, sondern erinnerst

Wenn du fotografierst, bringst du immer mehr in ein Bild hinein, als darauf zu sehen ist – den Wind in der Location, den Geruch, das Licht, die Situation, manchmal auch den Menschen neben dir.
All das steckt in dir und klebt an dem Foto.

Du glaubst, du siehst das Bild – aber in Wahrheit siehst du die Erinnerung daran.

Und deshalb hast du diesen Moment, in dem du am nächsten Tag auf dein Foto schaust und plötzlich merkst:
Gestern war das magisch. Heute wirkt es unentschieden …

In Wirklichkeit hat sich das Bild nicht verändert – du hast dich verändert:
Ein bisschen Distanz hat den Nebel gelichtet.

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Bild von Kerstin Riemer auf Pixabay

Der innere Nebel

Zwischen dir und deinem Bild liegt etwas Unsichtbares.
Es ist kein Schleier aus Rauch oder Emotion, sondern aus Nähe.
Je näher du dran bist, desto weniger siehst du.

Ich merke das in jeder Bildbesprechung der Workclass.
Ein Teilnehmer zeigt ein Foto – liebevoll komponiert, klar gegliedert – und ich frage:
„Was wolltest du zeigen?“
Dann sagt er: „Na, die Ruhe des Sees.“

Aber das Bild zeigt Boote, Menschen, Spiegelungen, ein wolkenvolles Himmelmeer – alles gleichzeitig.
Die Ruhe war in ihm, nicht im Bild!

Wenn du den Moment noch fühlst, siehst du nicht, was dein Foto zeigt.

Erst wenn der Moment verblasst, erkennst du, was wirklich geblieben ist.

Klar, solche Momente lassen niemenden kalt. Aber beim Betrachten des Fotos lässt nur Distanz dich klar sehen. Image by an pham dinh from Pixabay

Fotos beurteilen: Wie Distanz entsteht

Ich rate meinen Teilnehmern oft, ihre Bilder nicht sofort zu bewerten.
Leg sie zur Seite, geh spazieren, fotografiere weiter.
Wenn du am nächsten Tag zurückkommst, siehst du sie mit anderen Augen.

So ein zweiter Blick ist gnadenlos ehrlich – aber auch unglaublich lehrreich.

Einmal schickte mir Martin ein Bild, das er am Vorabend im Fotoclub stolz präsentiert hatte: eine Frau im Gegenlicht, Silhouette, goldener Abend. Er bekam auch von mir ein Feedback zu diesem Foto.
Ein paar Tage später schrieb er: „Ich glaube, du hattest in deinem Feedback recht – sie verliert sich im Hintergrund.“
So war es: Der Zauber des Moments war weg, aber das Sehen war nun da.

Distanz ist kein Misstrauen gegenüber deiner Intuition.
Sie ist ihr Korrektiv.

Der blinde Fleck der Erfahrung

Viele glauben, Routine mache besser.
Das stimmt – aber nur bei der Technik (s. DeepDive vom Oktober) und gestalterisch nur bis zu einem gewissen Punkt.
Danach macht sie blind.

Wer lange fotografiert, hat sein inneres Raster: Lieblingsfarben, typische Ausschnitte, vertraute Brennweiten.
Das sind sichere Wege, aber sie engen auch den Blick ein.

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Gute Gestaltung braucht mehr, als nur eine gute Kamere. Bild von Warren Griffiths auf Pixabay

In den 29 Jahren, die ich Fotokurse gebe, sah ich oft, dass Fortgeschrittene viel schwerer loslassen als Anfänger.
Sie wissen, wie man ein gutes Bild macht – und gerade das steht ihnen im Weg.

Eines Tages im Workshop sagte ich zu Jens: „Mach dasselbe im Hochformat.“ Ich zeigte ihm genau, wie.

Am nächsten Tag bekam ich eine E-Mail mit dem neuen Bild: „Jetzt verstehe ich, warum du das wolltest. Plötzlich habe ich nicht mehr so viel Hintergrund drauf – und das Bild ist viel stärker geworden!“

Das war kein Zufall.
Das war Klarheit, die durch Distanz entstanden ist.

Fotos beurteilen: Warum Feedback wie frische Luft wirkt

Der einfachste Weg, den inneren Nebel zu lichten, ist Feedback.
Echte Rückmeldung, nicht der unnütze Applausismus in den sogenannten sozialen Medien.

In der Workclass beginnen unsere gemeinsamen Bildbesprechungen manchmal mit meiner Frage: „Was seht ihr zuerst?“
Ein Teilnehmer sagt dann: „Den hellen Fleck links unten.“
Und der Fotograf starrt auf sein Bild und sagt: „Den hab ich gar nicht gesehen.“ – und ärgert sich!

Das ist der Moment, in dem wirkliches Sehen passiert.

Feedback ist keine Bewertung.
Es ist Sauerstoff.
Es bringt Frische in dein eigenes Denken, weil du dich durch die Augen anderer siehst.

Wenn zehn Menschen dieselben Fotos beurteilen, entsteht etwas, das du allein nie erreichen würdest: ein kollektiver Blick.
Und der ist immer schärfer als deiner.

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Mit etwas Distanz siehst du auch solche stark emotional ansprechende Fotos viel differenzierter und kannst Fehler selbst entdecken. Bild von Ingo Jakubke auf Pixabay

Fazit – Der Weg aus dem Nebel

Klarheit in der Bildgestaltung beginnt nicht bei der Komposition, sondern bei der Fähigkeit, dich selbst zurückzunehmen.

Solange du mitten im Moment stehst – mit all den Gerüchen, Geräuschen, Erinnerungen –, bleibt dein Blick vernebelt. Erst wenn du heraustrittst, erkennst du, was wirklich im Bild geschieht.

Distanz ist keine Entfremdung. Sie ist der Moment, in dem du dein eigenes Sehen beginnst zu verstehen.

Doch Distanz allein reicht nicht aus. Du musst auch wissen, was du mit ihr anfängst.

Was als Nächstes kommt

Im nächsten Artikel dieser Serie geht es darum, wie du auch in komplexen, lauten Szenen Klarheit bewahrst –
also dort, wo Reduktion nicht möglich ist.

Und wenn du bis hierher gespürt hast, dass du anders als bisher deine Fotos beurteilen willst,
dann ist der DeepDive im November die natürliche Fortsetzung.

Dort geht es nicht mehr um Distanz, sondern um das aktive Gestalten von Klarheit –
um den Moment, in dem du sie bewusst erzeugst.

Kein Druck, kein Zwang.
Nur der nächste Schritt, wenn du fühlst, dass du ihn gehen willst.

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Erich Nemeth

Hallo Karsten,

bisher war ich überwiegend im Bereich People- und Eventfotografie unterwegs und habe mir damit ein Zubrot verdient.
Aktuell bin ich dabei mich in den Bereich Street- und Landschaftsfotografie reinzufuchsen.
was mir dabei in der Tat schon aufgefallen ist. Wähle ich Bilder zur Optimierung zeitnah nach der Aufnahme aus, stelle ich mir bei erneuter Betrachtung nach ein paar Tagen die Frage: Warum hast du das gewählt? Da fehlt doch das, was du vermitteln wolltest.
Somit gibt es bei mir nun eine Erstbetrachtung und mit etwas zeitlichem Abstand, den zweiten Blick zur finalen Auswahl.

Johannes

Hallo Karsten
Danke für den Tipp nach dem Fotografieren die Bilder später anzusehen. Ich dachte schon, ich wäre sonderbar, weil ich es oft so mache.

Oft würde ich dann noch einmal losziehen und nocheinmal alles neu aufnehmen. Leider klappt das nicht oft. Also bleibe ich dran den Moment zu nutzen und zu üben. üben, das was mein Bild ist mit der Kamera einzufangen.

viele Grüße
Johannes

Thomas Riedel

Distanz hört sich aber auch nach Abgeklärtheit an. Nach Routine. Nach einer bestimmten Vorgehensweise, damit „man das Bild im Kasten hat“. In DEM Moment, wo der Fotograf sein Foto komponiert und entdeckt hat, da ist SEIN Moment. Er kann seine Geschichte dazu erzählen und so versuchen, den Betrachter in seinen Bann zu ziehen und ihn an dem gefühlten Moment teilhaben lassen. Klar erreicht man ein besseres Nachvollziehen, wenn man bestimmte Regeln beachtet, aber ich finde, man sollte auch nicht starr daran festhalten. Da fallen mir Reels in social media ein: Mit Musik unterlegt, können sie eine Stimmung den Betrachter viel besser nachvollziehen lassen ( allerdings kann man mit Musik auch bestimmte Stimmungen erzeugen wollen – man denke an Filmmusik ) und so gehört eine Geschichte in Textform für Bilder auch dazu, um den Betrachter das Erlebte nachvollziehen zu lassen. Dieser „7 Sekunden“ Spruch ist ja ganz nett, aber wenn ich will, – behaupte ich mal kühn – kann ich auch so ziemlich jedes preisgekrönte Foto ohne weitere Informationen zu haben, zerlegen. Zum Beispiel: Ich habe gegoogelt „ preisgekrönte Fotos, Kinder, Krieg“. Die Ergebnisse habe ich dann nach Bildern sortiert und bin dann auf den Link gegangen https://www.slavistik.uni-muenchen.de/aktuelles/archiv/fotoausstellung/index.html. Das Kind mit den zusammengekniffenen Augen. – Wenn ich nicht nach den Worten gegoogelt und den unter dem Bild stehenden Text hätte übersetzen lassen – dann könnte das auch ein Bild eines Mädchens sein, das gerade etwas Saures gegessen hat und dann das Gesicht zusammengezogen hat.
Also ich halte Distanz in einem gewissen Rahmen für sinnvoll, aber man sollte es damit auch nicht übertreiben.

Ingo Krehl

Interessante Gedanken.
Meine Sicht dazu.
Es ist ein Unterschied ob Du ein Bild für dich machst – das Bild und Deine Erinnerung, da gehört die Nähe dazu.
Wenn Du ein Bild für andere machst ist ein distanzierter Blick sehr hilfreich wirklich zu zeigen was Du vermitteln willst und weg lässt was die Aufmerksamkeit des Betrachters ablenkt. Das Bild soll es zeigen, nicht die Erklärung (mündlich oder als Bildunterschrift). Bei solchen Bilder kann auch zu wenig auf dem Bild sein, dann fehlt der Kontext – wie bei dem Bild im Link.
Oder man macht Bedeutungsoffene Bilder (Die eine Geschichte „erzählen“.) die die Phantasie des Betrachter anregen sollen.

Ingo Krehl

Ja, für Bilder von einer Podiumsdiskussion braucht man eine nüchtern Distanz. Da geht es um Schnelligkeit, da müssen die Bilder für die Presse am nächsten Morgen da sein!
Da muss man schnell aussortieren können, Typische Bilder finden, Interaktionen bei denen keiner einen unvorteilhaften Gesichtsausdruck hat, technische Qualität checken, beschneiden, verschlagworten, Bildunterschrift drunter, fertig und abschicken.
Ja, es ist ein eher technisches, seelenloses vorgehen, zu den Bildern habe ich auch keine besondere Beziehung. Die Bilder sind bestimmt nicht preisverdächtig! Ein Fotograf sagte mal zu mir: Es gibt gute Bilder, Bilder die man verkaufen kann und Bilder die gelöscht werden. Für solche Zwecke reicht eine „Verkaufsqualität“.

Ingo Krehl

Danke für den erhellenden Artikel.
Im Kundenbereich einer großen Firma habe ich eine Bild gesehen bei dem auf dem Oberarm einer Frau blaue Flecken waren – nein es waren keine blauen Flecken, es waren Objekte in der Vordergrundunschärfe!
Ja, beim fotografieren kann man so etwas übersehen.
Jetzt verstehe ich, der Fotograf war „blind“.
Kann mir vorstellen, dass es ein aufwendiges Shooting war und er ganz stolz auf die tolle Vordergrundunschärfe war und überhaupt ein klasse Bild. Doch gerade diese eigene emotionale Begeisterung hat ihn „bild“ gemacht. Hätte er genügend Distanz zu dem Bild gehabt, hätte er die blauen Flecken leicht sehen und entfernen können.

Volker

Hallo Karsten,
warum lese ich nicht jeden Artikel: Ich bin lesefaul. Artikel mit vielen Umschreibungen werden mir schnell langweilig. Artikel mit kurzen knackigen Aussagen und Beispielsfotos mag ich.
Jetzt zu dem aktuellen Artikel. Du hast Recht, keine Eile bei der Fotobearbeitung.
Auf einer Reise werde ich keine Fotos bearbeiten, sondern erst zuhause. Fotos, die vor Ort entstanden, bearbeite ich nur bis zum psd-Format. Dann, eine Nacht schlafen und neu beurteilen bzw. bearbeiten. Erst dann entsteht ein jpg-Format.
LG Volker

Christian Krämer

Hallo Karsten,

guter und für mich hilfreicher Artikel, wie alle Blogbeiträge die ich bisher von Dir gelesen habe.

Ich denke, dass man immer abwägen muss, für was ein Foto gedacht ist.
Wenn ein Foto einen anderen Stellenwert einnehmen soll als Erinnerungsfotos, persönliche Fotos, Social Media oder wenn es schnell gehen muss usw. … ist Distanz wirklich hilfreich.

In der Workclass hast Du das auch schon thematisiert und in diesem Blogbeitrag gut beschrieben. Das ist für mich sehr hilfreich.

Man schaut ein Foto, meiner Erfahrung nach, jeden Tag und nach einer gewissen Distanz mit anderen Augen an.

Ich freue mich auf weitere Blogbeiträge von Dir!

Viele Grüße und weiter so…

Christian

Alessandra

Hallo Karsten

Natürlich kenne ich das auch!

Spannender Artikel übrigens.

„Wenn du den Moment noch fühlst, siehst du nicht, was dein Foto zeigt“.
Deshalb habe ich mir schon sehr schnell daran gewöhnt, die Bilder im Normalfall erst Tage danach anzuschauen. Die gefühlte Magie ist doch meistens bereits verflogen oder ich spüre sie nicht mehr. Wohl deshalb lösche ich so viele Fotos danach? Das finde ich allerdings sehr deprimierend und ich wünschte, dass es nicht so wäre.
Eigentlich war mir bis jetzt noch gar nicht bewusst, dass es an die „verblasste Magie“ liegen könnte. Nämlich, dass dies der Grund sein könnte, dass ich so viele Bilder Tage später lösche. Weil sie einfach nichts-sagend sind.
Tja… danke für die Erklärung.
Bin aber doch nicht schlauer geworden.
Hast du ein Patentrezept? Nämlich, diese gewisse Distanz bereits beim Fotografieren aufrechtzuerhalten? Und nicht erst danach, wenn die Bilder bereits im Kasten sind? Wieviel Frust würde man sich doch sparen!
Freche Frage ich weiss… aber ein Versuch wert! 🙂

Liebe Grüsse aus Costa Rica

Alessandra

Wini

Hallo Karsten,
nachdem ich deinen Artikel und viele Kommentare der Fotografen gelesen bin ich um mindestens eine Erkenntnis klüger geworden: Der 2. Blick. Was wollte ich zeigen, was ist zu sehen? Ich forste jetzt meinen Fotobestand durch, werfe den 2. Blick drauf und stelle fest, dass viele Fotos immer wieder das Gleiche zeigen: Sonnenuntergang, Strand, Wald, Wiese, Landschaft ….. Oft sind sie beliebig und austauschbar. Für mich geht es jetzt erst mal ans Aufräumen. Dabei soll es aber nicht bleiben. Was mir fehlt ist diese Distanz beim Fotografieren. Ein Motiv berührt mich und wird fest gehalten. 3 Tage später ist das Motiv Schnee von gestern. Es stellt sich für mich die Frage, wie ich bereits beim Fotografieren distanziert sehen kann!?
Herzliche Grüße
Wini

Wini

Nachtrag: Der Kommentar zu Allessandras „frecher“ Frage helfen mir sehr.
Irgendwie lässt mich dieser 2.Blick nicht los. Liegt es vielleicht auch an der technischen, hier digitalen Entwicklung in der Fotografie?
Zu analogen Zeiten bin aus einem 3-wöchigen Urlaub ich mit maximal 10 36er Filmen (eher weniger) wieder nach Hause gefahren. Bei jedem Foto hab ich 3 Mal überlegt, ob ich den Auslöser drücken soll, kontrolliert, ob die Einstellungen passen. Heute bin ich 2 Wochen unterwegs und habe mehr als 1000 Fotos im Kasten. Man drückt vielleicht zu schnell, zu unbedacht auf den Auslöser: Es kostet nicht mehr, ob ich nur 1 Foto oder 20 vom gleichen Motiv mache, es wird schon ein tolles Foto dabei sein; in der Serienbildfunktion hoffe ich, den passenden Moment eingefangen zu haben.
Tja, das wollte ich noch los werden. Die analogen Zeiten hatten auch ihre guten Seiten, oder?
Herzliche Grüße
Wini

Petra

Hallo Karsten.
Danke für den Artikel.

Ich habe schon mal in der InspiClass erwähnt, daß ich sehr viele Bilder weghaue. Oft sehr schnell, manchmal später. Vielleicht könnte es ja auch umgekehrt funktionieren – und beim dritten Blick gefällt es mir doch wieder besser als zuvor? Dann könnte ich manchen Bildern zumindest noch die Chance meines dritten Blickes geben, bevor sie in den Papierkorb wandern. Welches Bild mich wie anspricht hängt doch auch manchmal mit meiner eigenen Stimmung zusammen – ähnlich wie beim Lesen von Gedichten, besonders Kästner, wo ich an manchen Tagen in Tränen und, beim Lesen desselben Gedichtes, an anderen Tagen in Lachen ausbreche… – Also wie stelle ich als Subjekt eine gewisse Objektivität (Distanz) bei der Auswahl meiner Bilder her? Ich bin gespannt auf den den nächsten DeepDive-Kurs 🙂

Sehr viele Bilder werden auch gar nicht erst gemacht, weil ich schon vorher weiß/glaube, das gesehene Gefühl nicht auf ein Foto bannen zu können. Sicher sollte ich es aber zumindest versuchen, wäre ja auch ein Lernprozeß, wenn ich am Ende anhand des Bildes rausfinden kann, woran es denn nun wirklich scheitert (oder möglicherweise letztlich doch geglückt ist)

Ja, häufig komme auch ich bei meinen Fotos nicht auf den Punkt. Ich will auch oft „alles“ zeigen, statt mich nur auf das eigentliche Motiv zu konzentrieren. Ich tue mich schwer, rauszufinden, ob/was dem Motiv drumrum gut tut oder was nicht – den richtigen Ausschnitt zu finden (ach – da, der Baum ist doch schön als Rahmen, und die Blümchen auf der linken Seite – welch ein toller Farbfleck, und die schöne Wolke muß doch unbedingt auch noch mit rauf – und schon ist mein Motiv, der Stapel mit Baumstämmen, überfrachtet, auf den zweiten Blick gesehen)
Oft schneide ich später radikal. Das zeigt mir natürlich auch, daß eigentlich keine Bildidee, sondern „nur“ ein Gefühl da war.
Aber ich merke, daß ich im Prozeß bin. Ich versuche, mich mehr und mehr bewußt auf mein eigentliches Motiv zu fokussieren. Ich mache z. Bsp. erst das Bild mit allem Drumrum, so wie ich es typisch für mich ist, dann noch mal ein „untypisches“ mit mehr Konzentration aufs Hauptmotiv und gehe dann in die Bildkontrolle und vergleiche… Bin manchmal ich da schon erstaunt, wie viel intensiver und aussagekräftiger das andere Bild ist.
Aber es fühlt sich beinah an wie ein Loslassen/Abschied, da ich ja all das Schöne, das ich doch auch noch sehe, „opfern“ muß. Aber das ist ja wohl letztlich Fotografieren…

Es ist ein interessantes und für mich sehr relevantes Thema. Freue mich auf mehr Input beim nächsten „Eintauchen“

So, nu haste auch meine Gedanken dazu 😉
Viele Grüße von Petra