Ein Fotomodel – hast du dich schon einmal gefragt, was es eigentlich denkt? Wenn dich nicht nur die Pose interessiert, sondern eine echte Zusammenarbeit auf Augenhöhe, dann entscheidet genau diese Zusammenarbeit darüber, ob dein Porträt funktioniert. In diesem Beitrag zeige ich dir, worauf es vor, während und nach dem Shooting ankommt – und am Ende kommt Model Chrisa selbst zu Wort.

Warum die Zusammenarbeit mit dem Model über dein Bild entscheidet
Machen wir Fotografen uns nichts vor: In der Porträtfotografie ist das Model oft der einzige Inhalt deines Bildes. Technik, Licht und Bildaufbau sind wichtig – aber wenn das Model nicht mitgeht, hast du ein großes Problem. Denn anders als alle übrigen Faktoren siehst du es dem Bild sofort an, wenn die Zusammenarbeit nicht stimmt: an einer verkrampften Haltung, einem unsicheren Blick, einem aufgesetzten Lächeln.
Ein Shooting kannst du mit einem einzigen unbedachten Spruch, einer übergriffigen Berührung oder unbeholfenem Verhalten kippen lassen. Auch vor und nach dem Shooting gibt es Punkte, die Models wichtig sind – und die ein Shooting sprengen oder erst gar nicht zustande kommen lassen. Die gute Nachricht: Nach meiner Erfahrung nennen Models fast immer dieselben Dinge, die sie stören oder sich wünschen. Wenn du sie kennst, ist viel gewonnen.
Vor dem Shooting – wie du ein Model richtig ansprichst
Die Zusammenarbeit beginnt nicht am Set, sondern bei der ersten Nachricht. Sprich konkret an, was du vorhast: deine Bildidee, den Stil, Ort und ungefähre Dauer, und ob es ein TFP-Shooting (Bilder gegen Zeit) oder ein bezahltes Shooting ist. Zeig dein Portfolio, damit das Model einschätzen kann, mit wem es zu tun hat. Kläre vorab, wie die Bilder später genutzt werden. Je klarer und verlässlicher du auftrittst, desto eher entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist die Grundlage für gute Porträts.
Was bei der Ansprache ein No-go ist
Vermeide zweideutige oder anzügliche Nachrichten, vage Versprechen und jede Form von Druck. Ein anonymes Massenanschreiben ohne Bezug zur Person wirkt genauso abschreckend wie unklare Konditionen oder ein fehlendes Portfolio. Wer sich übergangen oder unwohl fühlt, sagt entweder ab – oder kommt verschlossen zum Termin. Beides kostet dich dein Bild.
Während des Shootings – führen, ohne zu drücken
Am Set ist deine wichtigste Aufgabe, dem Model Sicherheit zu geben. Gib klare, ruhige Ansagen und sag, was du sehen willst – aber sag auch, wenn etwas gut aussieht. Models stehen vor der Kamera und sehen das Ergebnis nicht; dein Feedback ist ihre einzige Rückmeldung. Plane Pausen ein, zeig zwischendurch ein gelungenes Bild, und nimm das Model so mit. Eine Begleitperson ist völlig in Ordnung. Und: Fass niemanden ungefragt an – wenn du eine Haltung korrigieren willst, beschreib sie oder mach sie vor.
Typische Fehler, die das Shooting kippen
Der häufigste Fehler ist Schweigen: Wer minutenlang wortlos auslöst, lässt das Model im Unklaren, ob es etwas falsch macht – und es verkrampft. Genauso schädlich sind abfällige Sprüche, Hektik, übergriffiges Verhalten und fehlende Absprachen über Posen, Outfits oder Grenzen. Respektiere ein „Nein“ sofort. Ein Shooting ist Teamarbeit, kein Kommandoton.
Nach dem Shooting – was Models wirklich wichtig ist
Nach dem Termin zählt vor allem eines: liefern, was vereinbart wurde. Halte den abgesprochenen Zeitrahmen ein und gib die Bilder in der versprochenen Qualität heraus – nicht nur den Ausschuss, sondern eine faire Auswahl gut bearbeiteter Aufnahmen. Halte dich an das, was ihr zu Nutzungsrechten und Model-Release festgehalten habt. Ein kurzes Dankeschön und Verlässlichkeit sorgen dafür, dass ein Model gern wiederkommt und dich weiterempfiehlt. Gerade bei TFP ist die faire Bildlieferung der Lohn für die gemeinsame Zeit.
Das Interview mit Model Chrisa
Damit du es nicht nur aus Fotografensicht hörst, habe ich mit Model Chrisa gesprochen. Im Interview erzählt sie aus ihrer Perspektive, was sie sich von Fotografen wünscht – und was gar nicht geht:
Dein nächster Schritt
Eine gute Zusammenarbeit ist die halbe Miete – die andere Hälfte ist, dein Bild bewusst zu gestalten, statt es dem Zufall zu überlassen. Wenn du genau dort weiterkommen willst, ist Bewusst fotografieren der passende nächste Schritt.

Ich denke, als Model muss man nicht so aussehen, dass es den allgemeinen Vorstellungen von „Gutaussehen“ entspricht.
Chrisa sieht sehr ansprechend aus. Mir fehlen nur Linien im Gesicht. Auch ganz junge Menschen haben Mimiklinien. Auf den zwei Fotos hier sehe ich ein Püppchen. Ein sehr schönes und ausdruckstarkes Püppchen, aber ein Püppchen. Auf dem Screenshot des Interwies gefällt mir Chrisa 26mal besser.
Was heißt schon „gut aussehen“…????!! Wenn ich morgens in den Spiegel schaue weiß ich, dass Brad Pit wesentlich smarter aussieht. Für meine Frau bin ich trotzdem der schönste Mann der Welt! 😉
Das mit den fehlenden Linien haben wir für das Foto dadurch erreicht, dass Chrisa ihr Gesicht in das Licht der untergehenden Sonne gehalten hat. So werden Falten gleichmäßig ausgeleuchtet und verschwinden weitestgehend. Für dieses Foto war das wichtig! Wäre es das nicht gewesen, hätten weder Chrisa noch ich ein Problem damit gehabt, auch mehr Linien zu zeigen.
Es kommt halt immer darauf an, was du mit dem Foto erreichen willst: Danach wählst du dann dein Modell, das Licht und alle weiteren relavanten Optionen so, dass genau das heraus gearbeitet wird, was du dir vorher vorgestellt hattest.
Hallo,
Erstmal vielen Dank für das Interview, sehr aufschlussreich.
Wie soll ich als Anfänger in der Portraitfotografie an das Model herantreten? Besteht da überhaupt die Möglichkeit eines Engagements wenn ich überhaupt kein Portfolio in der Peoplefotografie habe?
grüße,
Jürgen
Gerne, Jürgen! 🙂
Ohne ein einziges Foto wird es sehr schwierig, an „fremde“ Modelle zu kommen. Du solltest also etwas in Vorleistung gehen, um ersten Modellen zu zeigen, dass du das schonmal gemacht hast.
Dazu gibt es demnächst einen weiteren Beitrag – ist doch klar. 😉
Hey Jürgen …
Habe unter Rüdigers Post ein Text verfasst, der teils deiner Fragen ebenfalls beantwortet .
Falls noch weitere bestehen, lass es mich bitte wissen!
Liebst Chrisa
Hallo Chrisa, hallo Karsten,
danke für Eure Mühe!!
Vieles was Chrisa vor, während und nach einem
Shooting erwartet hätte ich jetzt als selbstverständlich vorausgesetzt, wie Zuverlässigkeit -Getränke je nach Wetterlagen oder auch generell. Es ist bestimmt wichtig eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, damit sich alle Beteiligten wohl fühlen.
Und nachher sollte auch pünktlich abgeliefert werden.
Sorge macht mir eher, wie ich als Anfänger an Modelle komme.
Wie stelle ich es als „Neuling“ ohne Referenzen an an Modelle zu kommen?
Gute Fotos hängen ja nicht nur vom Fotografen ab!
Wie geht Chrisa mit solchen Anfragen um?
Was wird in einem Vertrag festgehalten?
@Chrisa: Ganz tolle Fotos, die Du eingestellt hast!!!
Gruß Rüdiger
Gern geschehen, Rüdiger. 🙂 Schön, wenn das für dich alles klar ist.
Aber du glaubst nicht, wie viele Fotografen da ganz anders drauf sind und Modelle nur als besseren Kleiderständer betrachten.
Zum Thema Verträge gibt es bald ein weiteres Interview.
Hey Rüdiger!
Lieben Dank Dir erstmal ? Weiß es sehr zu schätzen !!
Mich freut’s dass es für dich selbstverständlich ist, davon sollte sich so manch einer in der Umsetzung eine Scheibe von abschneiden?
Zu dem Herantreten an das Model..
..Aller Anfang ist schwer lieber Rüdiger, ob für den Fotografen wie auch das Model.
Jedoch sieht ein erfahrenes Model, ob das Bild nun durch die Person, die vor der Kamera steht nicht zu hundert Prozent ist. Was auch im Auge des Betrachters liegt, oder an der Technik/Ausführung des Fotografen.
Demnach empfehl ich jedem, der noch nichts vorzuweisen hat, sich erstmal in seinem Umfeld ein wenig Sicherheit zu verschaffen, um für den Anfang seine eigene Technik zu finden und zumindest ansatzweise etwas vorweisen zu können …probieren geht über studieren. ?
Des Weiteren sind wir alles Menschen, seinen Standpunkt zu schildern bringt meist sehr viel, mehr als ein „Nein“ kann man nicht bekommen.
Models die dafür kein Verständnis aufbringen und nicht kompentent antworten, sollte man für gewöhnlich ignorieren – die Zusammenarbeit fällt meist gleichermaßen aus.
Leider geht’s bei Tfp, ob Fotograf oder Model, meist um gegenseitiges Erweitern des Portfolios. Falls man sich doch an ein Model mit entsprechenden Referenzen oder Erfahrung wenden mag, gibt es immernoch die Pay Methode.
Erfahrungsgemäß variiert dies je nach Model und Aufnahmebereich zwischen 35 – 150€ Std.
Jedes Model sollte bei Pay Anfragen über Ihre/Seine Leistungen sprechen.
Ich find es zB wichtig, dem Fotografen in gewisser Weise unter die Arme zu greifen.
…das sind nur einige der Punkte auf die man achten kann, wenn eine Anfrage zum Pay-Auftrag raus geht.
Sööö… seehr sehr langer Text?,- hoffe dass ich etwas helfen konnte.
Falls noch Fragen bestehen, immer her damit!!
Liebst Chrisa*
Also das Video hat mir super gefallen. Bis jetzt habe ich ein paar mal von meiner Frau und Freunde Portraitaufnahmen gemacht Im Interview höre ich von Modellverträge. Gibt es da irgendwelche Vordrucke oder Dinge die man da beachten muss. Und sollte man da generell Verträge machen.
Dazu werde ich bald ein Interview veröffentlichen! 🙂
Noch eine Frage wie kriege ich das nur hin, das das Modell vom Ausdruck absolut entspannt ist. Selbst meine Frau braucht da eine gewisse Anlaufzeit, das wird je mehr ich Sie fotografiere immer besser. Die besten Bilder finde ich sind nämlich die, die unbeobachtet entstehen.
Indem das alles ganz entspannt abläuft. Auch wenn du dich mit deinem Modell extra zum Fotografieren verabredest, kannst du das hinbekommen.
Sei nett, plauder ein bisschen und nimm wie nebenher deine Kamera ans Auge. Immer weiter plaudern, so dass das Modell die Kamera darüber vergisst.
Wichtig ist es, ein Thema zu finden, bei dem die Augen deines Modells zu leuchten anfangen. Dann ist das ganz leicht! 😉