Perfekt belichten 1 / 5: Grundlagen der Belichtungszeit

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belichtungszeit

Was ist die Belichtungszeit?

Die Belichtungszeit ist die Zeitspanne, in der Licht auf den Sensor (oder den Film) fällt – also wie lange die Kamera das „Fenster“ für die Aufnahme offen hält. Eine kurze Belichtungszeit wie 1/250 Sekunde friert Bewegung ein, eine lange wie 2 Sekunden lässt Bewegung weich verwischen und lässt mehr Licht herein. Zusammen mit Blende und ISO bestimmt sie, wie hell dein Foto wird. Wie deine Kamera die richtige Belichtungszeit findet, erkläre ich dir gleich mit einem ganz alltäglichen Bild.

Sonnenaufgang über der Halde der ehemaligen Zeche Heinrich Robert
Sonnenaufgang auf der 50 m hohen Halde der ehemaligen Zeche Heinrich Robert – der Ort, an dem diese Serie entstand.

Perfekt belichten – worum es in dieser Serie geht

Perfekt belichten heißt: Ein Foto ist genau so hell, wie es sein soll – nicht zu hell, nicht zu dunkel. Mit Über- und Unterbelichtungen verschenkst du Potenzial, denn nur ein gut belichtetes Foto liefert beim Weiterverarbeiten, etwa in Lightroom, ein wirklich gutes Ergebnis. In dieser fünfteiligen Serie geht es um genau diese Technik – damit das Belichten irgendwann sitzt und du dich beim Fotografieren auf das Bild konzentrieren kannst.

Die Serie „Perfekt belichten“ (5 Teile):
Dreifachvergleich desselben Förderturms: unterbelichtet, korrekt belichtet, überbelichtet
Derselbe Förderturm in der Blauen Stunde: links unterbelichtet, rechts überbelichtet, in der Mitte korrekt – nur die Mitte gibt die trübe Stimmung wieder.

Wie die Kamera die Belichtung findet – das Messbecher-Beispiel

Die Kamera muss ja irgendwie wissen, welche Belichtungszeit sie einstellen soll – abhängig davon, wie hell es gerade ist. Die Blende lasse ich hier bewusst außen vor: Sie steuert die Schärfentiefe und ist von dir bereits festgelegt. Den Rest regelt die Kamera über die Belichtungszeit. Wie sie das macht, wird mit einem Messbecher sofort anschaulich.

Küchen-Messbecher als Analogie für die korrekte Belichtung
Ein ganz normaler Küchen-Messbecher – das beste Bild für die Belichtung.

Stell dir vor, du hältst einen Liter-Messbecher unter den Wasserhahn. Drehst du voll auf, ist der Becher in Sekunden voll, weil ein dicker Strahl ihn schnell füllt. Drehst du den Hahn fast zu, sodass nur ein dünner Strahl läuft, dauert es deutlich länger, bis der Liter erreicht ist. Genau dieses Bild brauchst du für die drei wichtigsten Begriffe.

Blende, Belichtungszeit und korrekte Belichtung

Die Dicke des Wasserstrahls ist die Blende – die Öffnung im Objektiv, die du weiter öffnen oder schließen kannst, nur dass wir mit Licht statt Wasser arbeiten. Die Zeit, bis der Liter voll ist, nennen wir Fotografen die Belichtungszeit: Bei weit geöffneter Blende wird sie kurz, bei geschlossener Blende lang. Und der volle Liter selbst entspricht der korrekten Belichtung – einem richtig belichteten Foto. Dafür sorgt die Automatik deiner Kamera: Sie macht den Liter voll. In etwa 90 % der Fälle gelingt ihr das gut; für die restlichen 10 % brauchst du das Zusatzwissen aus dieser Serie. Bleibt die Frage, woher die Kamera überhaupt weiß, dass genau ein Liter voll werden soll.

Das Neutralgrau

Fläche im 50-prozentigen Neutralgrau
Das Neutralgrau – genau die Mitte zwischen Schwarz und Weiß.

Die Hersteller müssen der Kamera mitgeben, wie viel Licht ein „voller Liter“ ist. Geeinigt haben sie sich auf das Neutralgrau: ein 50-prozentiges Grau, genau die Mitte zwischen Schwarz und Weiß. Kameras sind darauf geeicht und steuern jedes Motiv im Durchschnitt dorthin. Das heißt nicht, dass alle Fotos grau werden – stell dir nur kurz vor, unsere Welt wäre schwarz-weiß: Dann sorgt die Kamera dafür, dass jedes Foto im Durchschnitt neutralgrau wird. Was das bedeutet, zeigt das „durchschnittliche Motiv“.

Das durchschnittliche Motiv

In Bedienungsanleitungen ist oft von „durchschnittlichen Motiven“ die Rede. Anfangs konnte ich mir darunter gar nichts vorstellen. Dabei ist es einfach: Ein durchschnittliches Motiv ist eines, dessen durchschnittliche Helligkeit dem Neutralgrau entspricht.

Landschaftsmotiv mit hellen, mittleren und dunklen Bildanteilen als Beispiel für ein durchschnittliches Motiv
Ein durchschnittliches Motiv: helle, mittlere und dunkle Bereiche gemischt.

Stell dir vor, dieses Foto läge als noch flüssige Farbe vor dir und du verstreichst sie mit der Hand vollständig: Helle, mittlere und dunkle Bereiche vermischen sich zu einem mittleren Helligkeitswert – einem Neutralgrau. (Weil das Motiv viel Grün enthält, käme genau genommen ein Grünton heraus; lässt du die Farbe weg, bleibt eine neutralgraue Fläche.) Dieses Verschmieren habe ich digital für dich erledigt:

Vergleich: links der verrührte Mischton des Motivs, rechts ein reines Neutralgrau
Links der „verrührte“ Mischton des Motivs, rechts das reine Neutralgrau.

Kneifst du die Augen ganz stark zusammen, bis alles unscharf wird, sehen beide Flächen gleich hell aus. Damit hast du den Beweis: Bei der Helligkeit macht die Kamera jedes Motiv neutralgrau.

Was das für deine Fotopraxis bedeutet

  1. Solange du durchschnittliche Motive fotografierst, gelingt die Belichtungsmessung mit der Automatik völlig problemlos.
  2. Übers Jahr werden so rund 90 % aller Fotos korrekt belichtet – in Mitteleuropa ist unsere Umwelt angenehm durchschnittlich. Voraussetzung ist die richtige Art der Belichtungsmessung (Teil 2).
  3. Nur bei extrem hellen oder dunklen Motiven liegt die Messung daneben. Dann helfen Bildkontrolle und die manuelle Belichtungskorrektur (Teil 4).

Helle Motive (Schneelandschaft, weiße Kirchenmauer, High-Key) werden ohne Korrektur neutralgrau – also zu dunkel; hier hellst du fast immer auf. Dunkle Motive (schwarzer Hund auf Lavastrand, der Rappe vor dunklem Wald) werden ohne Korrektur zu hell. In beiden Fällen gleichst du die Belichtung gezielt aus, statt der Automatik blind zu vertrauen.

Dein nächster Schritt

Jetzt weißt du, was die Belichtungszeit ist und wie deine Kamera die Belichtung findet. Im zweiten Teil der Serie geht es weiter mit den Belichtungsmessarten. Und wenn du deine Kamera insgesamt sicherer beherrschen willst – Belichtung, Blende, Automatik im Zusammenspiel –, hilft dir mein Angebot, deine Kamera wirklich zu verstehen.

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39 Kommentare
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Sven der Schrökliche

Hab grad voll gespannt deinen Artikel gelesen….und die ganze Zeit gesucht, wo es weiter geht….ja sind BlogTEILE! Hab nach oben gescrollt und gemerkt….boaaaah hat der Kettermann viel geschrieben und du hast das alles voll spannend gelesen!! Und genau DA liegt des Pudels Kern: Der Karsten erklärt Dinge total einfach aber auch super spannend….so inhalierst du quasi seine Infos! Klasse mein Lieber!!! Mach weiter so!! Und viele liebe Grüße so wie eine erholsame Weihnachtszeit aus Oberfranken – Sven, der Schrökliche! 🙂

Bärbel

Hallo Karsten,

mal wieder ein sehr guter und spannender Artikel. Habe nur leider momentan nicht so viel Zeit, das alles zu verinnerlichen. Weihnachtsstress usw. Bin sehr gespannt auf deinen nächsten Blog in 2017. Bis dahin wünsche ich dir noch einen stressfreien Endspurt bis zum Weihnachtsfest und guten Rutsch.

Viele Grüße

Bärbel

Brigitte

Wieder spannend, lehrreich, interessant und ich freue mich schon auf die nächsten….
Einen gemütlichen 4. Advent – eine friedvolle Weihnacht und im neuen Jahr viel Elan weiterhin…mit Grüßen von Brigitte

Wolfgang

da denkt man, dass ist doch ein alter Hut. Aber siehe da – es kommt der Karsten und erzählt dir Sachen die du so noch nicht gehört hast. Vielen Dank für die überaus informativen und durchaus einfach verständlichen Erklärungen.
Ich wünsch Dir ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches 2017

Heike

Danke für diese Serie, ich werde sie sehr interessiert verfolgen denn meine Hauptmotive sind meine Hund, 2 schwarze und ein gelber Labrador. DIese gemeinsam gut auf ein Bild zu bringen ist eine Herausforderung. Das gleiche gilt für die beiden Schwarzen bei schlechten Lichtverhältnissen oder vor dunklem Hntergrund und für die Gelbe z.B. im Schnee.

Gleiches gilt für die Bewegungsbilder meiner drei Mädels.

Ich freue mich auf die nächsten Teile.

Annette

Hi Karsten,

das ist ja mega interessant. Ich freue mich auf den Blog und werde ihn mir sicherlich verinnerlichen. Wenn der Weihnachtsstress mal vorüber ist ……………. obwohl, wo finde ich hier einen Berg :O)), mit dem frühen Aufstehen dagegen habe ich kein Problem.
Danke für die informatieven Artikel, sei gewiss es wird immer gelesen – auch ohne Kommentar. Danke für deine Zeit und Mühe, es macht Spaß deine Arbeit zu verfolgen.
Ich wünsche dir ein schönes und ruhiges Weihnachtsfest und ein tolles, bildreiches Jahr 2017.

Eckard Risto

Hallo Karsten,

vielen Dank für den Beitrag.

Stück für Stück erhält man bessere Fotos.
Viele Grüße
Eckard

Elke Schneider

Hallo Karsten,
wie lange ist es her, dass ich mich bei Deinem Newsletter angemeldet hab weil ich gaaaanz langsam die Fühler nach einer Kamera ausgestreckt hatte? 6 Wochen etwa? Nun, die Kamera zog dann doch schneller ein als eigentlich geplant und die letzten Wochen hab ich mehr mit Dir als mit irgendwem sonst verbracht. 😉 😀 (Bislang erntete ich aber nur ein Seufzen und verdrehte Augen wenn ich nach einem Lightroom-Abend mit Deinem Online-Kurs mit einem Deiner Bücher im Bett lag.)
Ich hab noch längst nicht alles durch geschweige denn verinnerlicht (ist halt auch viel Input). Also ich bin mit viel Elan und Spaß dabei und danke Dir für jeden einzelnen Tipp und Deine tollen Motivations-Fotos.
Ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute im Neuen Jahr!
Liebe Grüße,
Elke.

Katja

Hallo Karsten!
Vielen Dank für deine neue Blogreihe! Teil 1 ist verschlungen und Gott sei dank kam grad Teil 2 – so kann ich gleich weiter lesen! ? Manchmal ist es also gar nicht schlecht, warten zu müssen, bis die Zeit es erlaubt solche Blogreihen zu lesen! Ich verschwinde mal zu Teil 2! Vielen Dank für die tollen und sehr anschaulichen Tipps! Schöne stressfreie Weihnachtstage wünsche ich dir! ???
Viele Grüße, Katja

Marco

Hallo Karsten,

klasse geschrieben deine Erklärung mit dem Wasser. So war es echt gut verständlich.

Auch vielen dank dafür das du mir per Mail ein paar Tipps gegeben hast. Ich werden deinen Blog jetzt immer mal wieder besuchen, da ich diesen echt gut finde.

Danke dir.

Viele Grüße Marco

Hans Jürgen

Hallo Karsten,
ich bin von deinen Artikeln voll begeistert, und komme immer wieder darauf zurück bei dir rein zu schauen.
Natürlich wünscht sich jeder Knipser, einmal fotografieren zu können. Ich denke, mit deiner Hilfe sollte, ja muss es einfach funktionieren.
Gruß Hans Jürgen

Sandra

Tolle Artikel! Darf man irgendwo Bilder reinstellen, um ggfs. zu hören/lesen was man hätte besser machen können? Bin letzte Zeit viel unterwegs, und mir ist noch ncht so ganz klar, was ein perfektes Foto bzw perfekt belichtetetes Foto ausmacht. Ich war gestern unterwegs und hatte durch ein Missgeschick die pralle Sonne hoch oben stehen und keine HIlfsmittel zur Verfügung- Hab mein Bestes gegeben, aber noch mit viel Schatten zu kämpfen

Sandra

Okay , verständlich. Ich lese mir währenddessen nochmal die Blogs durch und nehme auch gerne nochmal Extra Tipps an 🙂

lilli

hallo aus griechenland! hatte schonmal in deinem blog von einem zum anderen thema geswitched und mir jetzt doch vorgenommen, die sache mal peu á peu anzugehen – mein tatendrang ist groß, die zu verfügung stehende zeit klein, aber die ersten versuche mit meiner neuerworbenen kamera haben mich ernüchtert! superwetter, sonnenschein, in verbindung mit der reflektierenden meeresoberfläche jedoch fast ein garant für überbelichtete bilder…- ich fand die meisten zumindest doof, schlicht stimmungslos!! also werd ich mich zähmen und erstmal brav die von dir so herrlich bildhaft dargestellte theorie verinnerlichen. das hast du echt gut drauf, auch ´blonden´ ein aha-erlebnis zu verschaffen 😉 danke für die details, die dich von ´den anderen´ unterscheiden…..

Ursula Gorgels

Hallo Karsten,
ich bin gerade durch den Lightroom Kurs auf diese Serie gestoßen und hab den 1. Teil gerade gelesen. Die Erklärungen (unter Bezug auf Dinge des täglichen Lebens – wie den Meßbecher und das Neutralgrau) sind so gut verständlich, dass mir das Lesen und Verstehen leicht fiel. Wenn Erklärungen eher abstrakt gehalten sind, schweift meine Aufmerksamkeit ab und ich muss manchen Abschnitt nochmal lesen, weil ich zwischendrin den Faden verloren habe. Nicht so bei Dir – vielen Dank. Es ist jetzt schon spät – knapp 01.00 Uhr und morgen ist auch noch ein Tag – ich freu mich auf den nächsten Abschnitt.

Grüße
Ursel

Astrid

ein fettes Dankeschön an Deine Frau 🙂
Ich lerne gerade von der Pike auf die Grundlagen und Begriffe der Fotografie – und muss ziemlich viel nachgoogeln, bis ich es verstehe (jeder lernt und versteht ja anders)
Jetzt verstehe ich endlich besser, was mit diem Grau und so gemeint ist

Stefan Ley

Hallo Karsten,

ich lese diesen Artikel jetzt zum zweiten mal (für Deinen Gruppenkurs „immer die richtige Blende“), trotzdem ist er immer noch interessant und auch spannend zu lesen!

Vor allem fallen einem beim zweiten lesen plötzlich Dinge auf, die man beim ersten mal noch übersehen hat.
Toll, wie Du das alles immer so beschreibst, dass es jeder versteht, egal, welches Vorwissen man hat!

Liebe Grüße
Stefan

Bernd Lindner

Hallo Karsten, wieder ein sehr anschaulicher und verständlicher Artikel von Dir, vielen Dank! Ich glaube auch mit diesem Thema eines meiner Hauptprobleme anzugehen. Freue mich auf Dein Webinar

Christina Duve

Hallo lieber Karsten,
gelesen, gehört und ausprobiert hatte ich das schon mal. Aber mit dem Meßbecher und der Frage, woher weiß die Kamera, dass sie genau 1 Liter voll bekommen muß, da hat es jetzt Klick gemacht. Auch das Vermischen der Farben und die Gegenüberstellung mit dem Neutralgrau ist augenöffnend. Der Trick mit dem Zusammenkneifen der Augen funktioniert tatsächlich! Danke!
Liebe Grüße
Christina

Monika Surrer

Sehr genial erklärt. Auch für Rookies nachvollziehbar, jetzt geht es an die Umsetzung. Fast so genial wie das Bild am Ende des Artikels: zwei überdimensionierte Salz und Pfefferstreuer war mein erster Gedanke.

Martin Braun

ich bin bei der Nutzung von Belichtungs-und Verschlußzeit sehr flexibel und setze Voll,-und Halbautomatik, sowie manuelle Einstellung je nach Aufnahmesituation ein.
Ein spezielles Schema habe ich nicht.

Gruß martin