Gerade mit lichtstarken Porträt-Objektiven ist die Schärfentiefe so gering, dass schon wenige Zentimeter über scharf oder unscharf entscheiden. Dann reicht es nicht mehr, der Kamera zu überlassen, wo sie fokussiert.
Die Kurzfassung: Schalte die automatische Messfeldwahl ab, nutz ein Autofokus-Einzelfeld und stell damit auf die Nasenwurzel deines Modells scharf (den Punkt zwischen den Augen). So liegt die Schärfe genau dort, wo sie hingehört – von der Nasenspitze bis knapp hinter die Augen. Warum die Nasenwurzel und nicht das Auge, und wie du das sauber umsetzt, erkläre ich dir jetzt in drei Methoden.
Zuerst: die automatische Messfeldwahl abschalten
Die meisten Kameras kommen mit aktivierter automatischer Autofokus-Messfeldwahl: Die Kamera entscheidet selbst, worauf sie scharfstellt. Woher soll sie aber wissen, wo genau du die Schärfe haben willst? Schalte die automatische Messfeldwahl daher ab und stell auf ein Einzelfeld um (in der Regel zunächst das mittlere, das du verschieben kannst). Wie das an deiner Kamera geht, steht in der Bedienungsanleitung. Diese Umstellung lohnt sich übrigens für jede Art von Fotografie, nicht nur fürs Porträt.

Methode 1: Quick’n’Dirty (Fokus und Schwenk)
Diese Methode kennst du wahrscheinlich schon aus anderen Bereichen. Sie ist schnell – fürs Porträt aber nur eingeschränkt geeignet. So funktioniert sie:
- Wähl das mittlere Autofokusfeld.
- Stell auf das Gesicht des Modells scharf und halte den Auslöser halb gedrückt, um die Schärfe zu speichern (alternativ über die AF-Taste).
- Verschwenk die Kamera, bis der Kopf nicht mehr in der Mitte liegt, und löse aus.
Das Schärfentiefe-Problem

Genau das ist der Haken: Durch das Verschwenken wandert die Schärfeebene nach hinten. Bei der großen Schärfentiefe der Landschaftsfotografie ist das egal – beim Porträt mit seiner geringen Schärfentiefe wird so der Hinterkopf scharf und das Gesicht nicht. Für Porträts taugt diese Methode allein also nicht. Vergiss sie trotzdem nicht ganz: In Methode 3 perfektioniert sie das Ergebnis.
Methode 2: Einzelfeld auf die Nasenwurzel
Die präziseste Methode nutzt das Autofokus-Einzelfeld, ohne danach zu verschwenken – so bleibt die Schärfe genau auf dem Gesicht. So gehst du vor:
- Ausschnitt festlegen: Richte die Kamera so aus, dass das Modell genau dort sitzt, wo es später im Bild stehen soll (gestalterisch oft nicht in der Mitte). Ab jetzt bewegst du die Kamera nicht mehr.
- AF-Feld verschieben: Beweg den einzelnen Autofokus-Punkt im Sucher auf das Gesicht – über die Multifunktionstasten oder das Einstellrad (siehe Bedienungsanleitung).
- Scharfstellen und auslösen: Halb durchdrücken für die Schärfe, ganz durchdrücken fürs Foto.
Wohin genau? Auf die Nasenwurzel
„Aufs Gesicht“ ist zu ungenau, denn auch das Gesicht hat Tiefe: Die Nasenspitze liegt der Kamera am nächsten, die Augen am weitesten weg. Damit alles von der Nasenspitze bis knapp hinter die Augen scharf wird, stellst du weder auf die Nasenspitze noch auf die Augen scharf, sondern genau dazwischen – auf die Nasenwurzel, den obersten Punkt der Nase zwischen den Augen. Wähl das Autofokus-Feld, das ihr am nächsten liegt. Diese Routine – Ausschnitt wählen, Feld auf die Nasenwurzel, scharfstellen, auslösen – wendest du bei jedem einzelnen Porträt an.

Methode 3: die Profi-Kombi
Manchmal lässt sich das AF-Feld nicht genau genug auf die Nasenwurzel schieben, weil die Felder zu grob verteilt sind. Dann kombinierst du Methode 2 und 1:
- Modell im Ausschnitt platzieren und das AF-Feld wählen, das der Nasenwurzel am nächsten liegt.
- Die Kamera nun nur minimal bewegen, sodass dieses Feld exakt auf der Nasenwurzel liegt, dort scharfstellen und zurückschwenken.
- Auslösen. Weil der Schwenk nur wenige Zentimeter beträgt, verschiebt sich die Schärfeebene praktisch nicht – das Gesicht bleibt sauber scharf.
Anfangs dauert das etwas länger, nach ein, zwei Shootings geht es dir in Fleisch und Blut über – und deine Porträts werden zuverlässig scharf, wo es darauf ankommt.
Und heute? Augen-Autofokus (Eye-AF)
Viele moderne Kameras bieten inzwischen einen Augen-Autofokus (Eye-AF): Sie erkennen das Auge automatisch und stellen darauf scharf – damit nehmen sie dir den mittleren Schritt ab. Das ist praktisch, ersetzt das Verständnis hier aber nicht. Greift der Eye-AF einmal nicht (im Profil, bei wenig Licht, bei verdecktem Gesicht) oder willst du die Schärfe bewusst auf die Nasenwurzel statt aufs Auge legen, machst du es manuell wie oben beschrieben. Wer versteht, wohin die Schärfe gehört, ist der Automatik immer einen Schritt voraus.
Scharfe Fotos sind aber nur ein Baustein. Wenn du deine Kamera grundsätzlich sicherer beherrschen willst – Blende, ISO, Belichtung und Fokus im Zusammenspiel –, ist Kamera verstehen dein nächster Schritt.
Mehr zur Porträtfotografie
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Die ersten beden Vorgehensweisen kannte ich und habe sie mir auch schon antrainiert, allerdings die dritte und letzte Vorgehensweise, die Kombination der beiden ersten, war mir neu und werde ich in Zukunft versuchen anzuwenden.
Viele Grüße und Danke für deine wöchentlichen Tipps
Raimund
Na wunderbar! Ich wünsche viel Erfolg damit. 🙂
Hallo Karsten, ich danke dir für die vielen hilfreichen Tipps. Ich werde mich jetzt noch intensiver mit der Portrait Fotografie auseinander setzen und hoffentlich durch deine super verständlichen Ratschläge schärfere und schönere Bilder zustande bringen. Mach bitte weiter so….so haben wir alle mehr Spaß an unserem Hobby.
Ich will mein Bestes dafür geben! 🙂
Hallo Karsten,
Deine Worte bringen es auf den Punkt, das versteht bestimmt jeder!
Ob es auch jeder anwendet? Nun, das muss jeder für sich entscheiden, ich werde es tun!
Danke
Viele Grüße
Rüdiger
Danke, Rüdiger! 🙂
Ja, nur Taten bringen Erfolge!
Hallo Karsten,
danke für diesen Artikel. Ich habe immer verschwenckt. Darum ist halt das eine oder andere Bild nichts geworden. Wenn ich jetzt wieder Zeit zum fotografieren bekomme werde ich Dein Rat befolgen.
Danke und schönes Wochenende.
Gruß
Stefan
Ja, es reicht halt nicht aus, immer die unscharfen zu löschen. Ist immer gut, warum sowas passiert. 🙂
Vielen Dank für die Tipps zum Autofocus Feld, jetzt ist mir klar wieso die Schärfe manchmal nicht stimmt wenn ich das mittlere Feld mit Kameraschwenk und halb Gedrücktem Auslöser fotografiere.
Danke auch das Du mich auch im Newsletter behältst obwohl ich krankheitsbedingt länger Nichten newsletter geöffnet hatte.
Hans, das mache ich doch gerne! 🙂 Kann ja immer mal was sein, das einen hindert, sowas zu öffnen.
Ich bekomme nur ein Problem, wenn allzu oft nicht geöffnet wird:
Stell dir vor, ich hätte 500 Empfänger in meiner Liste, die ihre Emailadresse bei Anbietern wie Web.de, Gmail, T-Online oder GMX haben. Davon öffnen regelmäßig 100 meinen Newsletter nicht (klicken also nichtmal im Posteingang drauf um zu sehen, um was es geht).
Dann gehen diese Anbieter irgendwann hin und packen in Zukunft meine Newsletter in den Spam – und zwar nicht nur bei diesem 100, sondern in vorauseilendem Gehorsam bei allem 500 Empfängern!!!
Das will ich natürlich vermeiden und habe deshalb letzte Woche einige Empfänger angeschrieben. Denn ich will keine Karteileichen. Wer mir aber, so wie du, wenigstens auf meine Erinnerungsemail geantwortet hat, bleibt natürlich drin. 🙂
Wie schon geschrieben: Es kann ja immer mal was sein… 🙂
Wieder ein super Artikel, Karsten!
Wenn ich deine Erklärungen gelesen habe, habe ich meistens den Gedanken: „Ist doch logisch! Hätte ich auch selbst drauf kommen können…“
Danke
Haha, Christoph, danke dafür! 🙂
Ja, nachher ist man immer klüger – kann das eigentlich nicht auch mal andersrum sein?! 🙂
Hallo Karsten,
deine Tipps waren mir teilweise schon bekannt und ich versuche immer, diese anzuwenden 🙂
Womit ich beim Fokus allerdings Probleme habe, sind sich bewegende Objekte, in der letzten Zeit vor allem Pferde und Katzen.
Gibt es dafür denn auch irgendwelche Tipps und Tricks?
Tracking-Fokus habe ich schon öfter versucht, der funktioniert aber meistens nicht richtig und schweift dann ab …
Habe eine Olympus OMD EM5 Mark II Systemkamera, mit der ich auf dem Screen gleichzeitig fokussieren und direkt auslösen kann, das ist aber auch oft ungenau, weil ich nicht mehr wirklich sehe, was ich fotografiere, wenn ich den Finger auf dem Screen habe.
Hoffe du kannst mir irgendwie weiterhelfen.
Viele Grüße,
Nicole
Generell sind nicht umsonst Spiegelreflex-Kameras immer noch DAS Werkzeug für den Sportfotografen. Der Blick durch einen optischen Sucher ist einfach direkter und schneller.
Damit du aber mit deiner Kamera auch erfolgreich schnelle Motive scharfstellen kannst:
Ich bin untröstlich, aber mit allen Kameras, die keinen optischen Sucher haben, wird es mit dem Verfolgen immer schwierig. Da hilft das Zuschneiden in der Bildbearbeitung ungemein. 🙂
Falls du das noch nicht machst, wie wäre es mit meinem Lightroom-Onlinekurs?
Danke für die schnelle Antwort! Ich habe auch einen Sucher, durch den ich auch viel lieber fotografiere, als über den Screen. Ich habe nur ab und zu den Screen genutzt, weils so schneller ging zu fokussieren 🙂
Dann versuch ich das mal so!
Das ist sicherlich nicht die schlechteste Idee! 🙂
Hallo Karsten, wieder ein paar super Tipps, die zum Nachmachen und Ausprobieren anregen. Ich werde mir nun mehr die Zeit nehmen und diese Tipps gerne auch ausprobieren und die Techniken ein wenig vertiefen. Im Rahmen der Familie findet sich bestimmt zunächst ein Model, dass auch mal etwas abwarten kann, bis die Kamera eingestellt ist.
Sonst bin ich ja mehr im Bereich Tierfotografie oder sogar Sportfotografie unterwegs, da hat man nicht immer die Zeit, um diese Einstellunngen vorzunehmen, auch wenn die Bilder am Ende sagen, dass man viel mehr Qualität auf diese Weise erzeugt hätte.
LG Mathias
Du hast recht, bei der Tier- und Sportfotografie musst du extrem schnell sein. Dazu habe ich gerade auch etwas zu dem Kommentar von Nicole geschrieben.
Und selbst für eine DSLR gilt, dass nachträgliche Ausschnittwahl durchaus auch bei ihrem Einsatz ein wichtiges Feintuning ist. 🙂
Hallo Karsten,
Vielen Dank für Deine Grafik. Eigentlich ist es ja logisch, aber im Fotoleben habe ich viele unscharfe Bilder durch Verschwenken der Kamera produziert und mich geärgert. Aber jetzt weiß ich, warum das passiert ist. Hatte nie richtig nachgedacht.
Vielen Dank und liebe Grüße
Jörg
Dann ist es doch gut, dass dir DAS nicht nochmals passiert, Jörg! 🙂
Danke Karsten,ich habe das bisher noch nicht gewusst. Ich werde es ausprobieren.LG
Gerne, Kerstin. Dann berichte mal! 🙂
Ja !
Danke!
Ich lerne hier eine .Menge und das auch noch auf so leichte Art.
Mit dem Fokus mach ich es mir einfach.
Ich hab die Sony Alpha 65 und 6000
Mit dem Fokuspeaking krieg ich im manuellen Modus alles genauso fix scharf,als wäre ich im Automodus. Nasenwurzel hin oder her ?
Lass.mich bitte in deinem Verteiler.
Ich kommentiere so ungern…
Schön, wenn dich meine Beiträge weiterbringen. 🙂
Aber das tat doch gar nicht weh, mal einen Kommentar abzusetzen, oder Barbara?! Der Künstlerbraucht gelegentlich Applaus! 😉
Fokuspeaking ist natürlich ne klasse Sache, da brauchst du das natürlich nicht. Aber drauf achten, worauf du scharfstellst, musst du trotzdem – das ist in der Fotografie eine eiserne Regel!
Kann es gar nicht abwarten die Info’s in die Praxis umzusetzen.
Danke dafür !
Gerne, Harry! Berichte mal, wie es geklappt hat.
Oder falls du noch Fragen hast…. 🙂
Bei meinen bescheidenen Versuchen würde mir bisher geraten, auf das am nächsten gelegene Auge zu fokussieren. Dabei habe ich festgestellt, dass man direkt gesehen hat, wo der Fokuspunkt liegt. Das andere Auge war merklich unscharfer.
Werde mal deinen Tipp beim nächsten Mal anwenden, dann ist das Ergebnis vielleicht ausgeglichener !?
Bei Aufnahmen von der Seite ist das auch richtig. Von vorne jedoch sind beide Augen gleich weit entfernt, aber zu weit hinten. Oft wird dann die Nasenspitze unscharf.
Ich mag das gar nicht! 🙂
Hallo,
bei der Vergrößerung des Modell-Kopfes erkennt man gut, dass nur die Haare hinter dem Ohr scharf sind.Jetzt weiß ich endlich warum das bei mir auch sehr oft der Fall ist. Danke für die Tipps.
Gerne, Jörg. Darum mache ich das ja! 😉
Hallo, viel zu lernen gibt es in diesem Artikel. Man muss sich viel merken und zusammensetzen. Vieles ist aus vorherigen Beiträgen. Ich muss das alles bei meinen nächsten Porträtfotos mal ausbrobieren, wenn es auch länger dauert. Michael
DAS mach mal, Michael. Und berichte! 🙂
Ich verfolge seit mehreren Wochen als Newsletter Deine Tipps und Learnings. Soeben habe ich die Portraitfotografie mit dem Fokuspunkt am Nasenrücken mit den Auswirkungen von Schwenken präzise kennengelert. Ich muss sagen, deine Inhalte sind nicht wie üblicherweise ständig dupliziert und pauschal gehalten. Sondern sie heben sich auf grandiose Weise von allem ab was ich bis jetzt gelernt haben. Thanks. Erich. Deine Seite gebe ich auch immer wieder an Fotofreunde weiter.
Danke, Erich. Ich investiere auch immer einen ganzen Arbeitstag in solch einen Artikel und höre hin, welche Themen interessant sein könnten. 🙂
Schön, wenn das zumindest mit einem Kommentar gewürdigt wird! 🙂
Die Vorgehensweise ist sicherlich genauer als nur mit dem mittleren Fokusfeld zu arbeiten.
Bei einem Motiv, was mir die Zeit dafür gibt, werde ich es das nächste Mal ausprobieren.
Wenn man aber seine eigenen Kinder fotografiert hat man in der Regel ca. 0,5 Sekuden dafür Zeit.
Meist sind die schon wieder weg, wenn ich die Kamera eingeschaltet habe.
Vielleicht geht es auch eine kleinere Blende zu verwenden oder einen größeren Ausschnitt u fotografieren und dann zurecht zu schneiden.
Schnappschüsse machst du ja nicht wie Porträts: Da kommt es ausschließlich auf Geschwindigkeit an. Daher würde ich das nie mit sehr offener Blende fotografieren, sondern eher mit einer mittleren. Das gibt dir den Spielraum, um nicht ganz so präzise arbeiten zu müssen.