Autofokus: Ein Segen, der dich zum Fluchen bringt

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Autofokus
Foto: Unsplash/Pixabay

Der Autofokus ist eine echte Arbeitserleichterung – aber nur, wenn du ihn richtig einsetzt. Sonst stellt deine Kamera scharf, wo sie will, und du fragst dich, warum das wichtigste Detail im Bild unscharf ist. Kennst du dieses Geräusch?

Es entsteht, wenn deine Kamera scharfstellen möchte, es aber nicht schafft. Das kann daran liegen, dass du zu nah am Motiv bist – Kameras und Objektive brauchen einen gewissen Mindestabstand, eine wichtige Info für Makrofotografen. Manchmal findet die Kamera aber einfach keinen Punkt, an dem sie sich festhalten kann. Damit das seltener passiert, lohnt es sich, den Autofokus einmal richtig zu verstehen und einzustellen.

Was ist Autofokus – und warum liefert er dir trotzdem unscharfe Fotos?

Autofokus (kurz AF) bedeutet, dass die Kamera die Schärfe selbsttätig einstellt: Sie verschiebt die Linsen im Objektiv so lange, bis das Motiv an der gemessenen Stelle scharf abgebildet wird. Dafür wertet sie aus, was sie an einem oder mehreren Fokusfeldern „sieht“ – je nach Modell über Kontraste im Bild, über spezielle Sensoren oder beides.

Das funktioniert technisch hervorragend und blitzschnell. Der Haken: Die Kamera misst nur die Schärfe – sie weiß nicht, was dir wichtig ist. Genau hier entstehen die meisten unscharfen Fotos. Nicht, weil die Technik versagt, sondern weil sie auf etwas anderes scharfstellt als auf das, worauf es dir ankam.

Noch ausführlicher und mit allen Hintergründen gehe ich das Thema in einem eigenen Beitrag durch: Autofokus verstehen. In diesem Artikel hier bleibe ich bei der Praxis.

Die Kamera weiß nicht, was dir wichtig ist

Nach meiner Erfahrung ist der Autofokus eine der am längsten missachteten Einstellungen an der Kamera. Kaum jemand beschäftigt sich damit – und wundert sich dann über unscharfe Bilder. Dabei ist die Antwort einfach: Es ist dein Foto, dein Motiv, und nur du weißt, was darin am wichtigsten ist. Die Kamera ist das Werkzeug, das festhält, was du dir überlegt hast.

Deshalb das Leitmotiv für diesen ganzen Beitrag: Du legst fest, worauf scharfgestellt wird – nicht die Automatik. Genauso, wie dein Auto nur dorthin fährt, wohin du es lenkst. Alles Folgende dreht sich darum, der Kamera genau diese Entscheidung wieder aus der Hand zu nehmen.

Porträt mit gezielt auf die Augen gelegter Schärfe
Du hast die Wahl und entscheidest, worauf scharfgestellt wird.

Autofokus-Modi: Einzel-AF und kontinuierlicher AF

Bevor du den Fokuspunkt setzt, entscheidest du, wie die Kamera fokussieren soll. Dafür gibt es zwei grundlegende Autofokus-Modi. Wie sie genau heißen, hängt vom Hersteller ab, das Prinzip ist aber bei allen gleich.

Einzel-AF (oft AF-S oder One Shot) – für statische Motive

Im Einzel-AF stellt die Kamera einmal scharf, wenn du den Auslöser halb durchdrückst, und hält diese Schärfe dann fest, bis du auslöst. Das ist der richtige Modus für alles, was sich nicht oder kaum bewegt: Porträts, Landschaft, Architektur, Stillleben. Du fokussierst, der Punkt sitzt, du löst aus.

Kontinuierlicher AF (oft AF-C oder AI Servo) – für Bewegung

Im kontinuierlichen AF zieht die Kamera die Schärfe ständig nach, solange du den Auslöser halb gedrückt hältst. Bewegt sich dein Motiv auf dich zu oder von dir weg – ein Kind beim Spielen, ein Hund, ein Radfahrer –, bleibt es so scharf. Für bewegte Motive ist das der entscheidende Modus; für statische ist er unnötig und kann die Schärfe sogar unruhig machen.

Faustregel: Steht dein Motiv, nimm Einzel-AF. Bewegt es sich, nimm den kontinuierlichen AF. Manche Kameras bieten zusätzlich einen automatischen Modus, der selbst zwischen beiden umschaltet – verlässlich ist die bewusste Wahl.

Messfeldmodus: warum Einzelfeld der Standard sein sollte

Der zweite Hebel ist die Frage, welches der vielen Fokusfelder die Kamera benutzt. Die meisten Kameras werden mit automatischer Messfeldwahl ausgeliefert – die Kamera darf also selbst entscheiden, worauf sie scharfstellt. Bei einem Motiv mit mehreren möglichen Punkten ist das genau das Problem.

Gruppe von Personen – die Kamera kann nicht wissen, wer scharf sein soll
Wie soll die Kamera bei einem solchen Motiv entscheiden, welche der jungen Damen scharfgestellt werden soll? (Foto: Skeeze/Pixabay)

Grob hast du drei Möglichkeiten, und sie unterscheiden sich darin, wie viel du selbst bestimmst:

  • Einzelfeld: genau ein Fokusfeld, das du selbst platzierst. Maximale Kontrolle – der empfohlene Standard.
  • Zone / Gruppe: ein kleiner Bereich aus mehreren Feldern. Sinnvoll für bewegte Motive, die schwer punktgenau zu halten sind.
  • Automatik (alle Felder): die Kamera wählt selbst. Bequem, aber sie trifft deine Bildentscheidung – und liegt oft daneben.

Stell deine Kamera also auf ein einzelnes Autofokusfeld. Wie das genau geht, löst jede Kamera anders – ein Blick in die Bedienungsanleitung lohnt sich hier. Danach hast du ein einziges Feld und kannst punktgenau dort scharfstellen, wo du willst.

Den Fokuspunkt verschieben – so geht’s

Mit den Tasten auf der Rückseite deiner Kamera – je nach Modell ein kleiner Joystick, das Steuerkreuz oder der Touchscreen, manchmal auch die Einstellräder – schiebst du den Fokuspunkt im Sucher genau dorthin, wo die Kamera scharfstellen soll. So bestimmst du vor jedem Foto bewusst die Stelle, auf die es ankommt.

Porträt mit präzise auf das Auge gesetztem Fokus
Jederzeit die Kontrolle über den Autofokuspunkt zu haben, macht viele Fotos erst gut.

Back-Button-Focus: Fokus von der Auslösung trennen

Standardmäßig macht der halb durchgedrückte Auslöser zwei Dinge auf einmal: scharfstellen und das Auslösen vorbereiten. Beim Back-Button-Focus legst du das Scharfstellen auf eine eigene Taste auf der Kamerarückseite (oft „AF-ON“). Der Auslöser löst dann nur noch aus.

Der Vorteil: Du fokussierst mit dem Daumen, wann du willst, und löst unabhängig davon aus. Hast du einmal scharfgestellt, bleibt die Schärfe, bis du die Taste erneut drückst – ideal, wenn du mehrere Bilder vom selben Abstand machst. Für bewegte Motive hältst du die Taste gedrückt und fokussierst kontinuierlich. Es ist Gewöhnungssache, aber viele Fotografen stellen danach nicht mehr zurück. Ob und wie sich die Funktion belegen lässt, hängt vom Kameramodell ab.

Früher manuell, heute schnell – der Arbeitsablauf

Als ich mit der Fotografie anfing, war ein bestimmter Ablauf völlig normal – und führte zu scharfen Fotos genau dort, wo sie scharf sein sollten:

Alte analoge Kamera mit manuellem Scharfstellring
Foto: Unsplash/Pixabay
  1. Kamera ans Auge nehmen und den Ausschnitt grob festlegen.
  2. Am Scharfstellring des Objektivs drehen, bis der wichtigste Teil des Motivs scharf ist.
  3. Bei Bedarf den Ausschnitt noch einmal nachjustieren.
  4. Die Schärfe kontrollieren und gegebenenfalls nachstellen.
  5. Auslösen – fertig.

Das war mühsam: jedes Mal von Hand scharfstellen. Du drehtest meist zu weit, dann etwas zurück, dann in die entgegengesetzte Richtung – bis es endlich saß. Aber: Damals haben Fotografen ganz bewusst den Ausschnitt gewählt und dabei reichlich Bildkomposition und Bildgestaltung betrieben – und klasse Fotos gemacht.

Mit dem Einzelfeld arbeitest du heute im Prinzip genauso bewusst – nur schneller: Du legst fest, worauf scharfgestellt wird, bringst den Fokuspunkt dorthin, drückst ab, und die Kamera stellt in einem Bruchteil der Zeit scharf. Du nutzt also die Sorgfalt von damals mit der Geschwindigkeit von heute.

Dein nächster Schritt

Der Autofokus ist nur eine von mehreren Einstellungen, bei denen es sich auszahlt, die Kontrolle selbst zu übernehmen, statt sie der Automatik zu überlassen. Wenn du Blende, Belichtung und Fokus als Zusammenspiel verstehen und sicher bedienen willst, ist Kamera verstehen der passende nächste Schritt. Dort baust du genau das Fundament auf, auf dem alles Weitere steht.

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Karsten
Ich bin Karsten Kettermann, Fotograf und Fototrainer. Mir geht es selten um den nächsten Technik-Tipp, eher um die Fragen dahinter: Was macht ein Bild stark? Welche Entscheidung triffst du, bevor du auslöst? Ob du gerade in die Fotografie einsteigst oder seit Jahren fotografierst und immer wieder an die gleichen Grenzen stößt — ich helfe dir, bewusster zu sehen und klarer zu entscheiden. Ich bin Dipl.-Designer (FH), habe 9 Fachbücher über Fotografie und Bildbearbeitung geschrieben und lehre schon über 30 Jahre Fotografie.
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25 Kommentare
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Brigitte

JAAAA, das ist es! Danke für den Schubser…
Grüße

Hans Mager

Vielen Dank Dein Artikel zeigt das ich schon richtig liege weil, ich benutze meist auch ein Messfeld und drücke den Auslöser halb, wenn ich da bin wo ich will und schwenke dann auf den Bildausschnitt wo ich haben will. Klappt meist ganz gut.
Wenn’s schwierig wird kann ich bei meinen Olympus pro Objektiven den Ring ziehen und schnell manuell Scharfstellen.

Arno G.

Ich stelle zuerst scharf,soeichere diesen Punkt. Wähle dann des Bildausschnitt und erst dann wird die Belichtungsmessung aktiv!

Thomas Wilde

Hallo Karsten,
die meiste Zeit habe ich beim Fotogrfieren mit der alten analogen Technik von Hand scharf gestellt und das ging sehr gut. Zum Glück weiss ich wo man bei meiner digitalen den Auofokus abschaltet wenn ich merke das er es nicht gebacken kriegt oder ich hole mir die Entfernung wo anders und schwenke dann zurück.
Bei der D7100 von Hand scharf stellen ist schwierig mit der D750 klaptts gut.
Ich freue mich schon auf die Falknertour.

Gruss
Tom

Katja

Hallo Karsten!
Danke für einen weiteren hilfreichen Artikel von Dir!
Ich „kämpfe“ leider sehr häufig mit unscharfen Bildern bzw. „falschen“ scharf gestellten Bereichen. Insbesondere bei der Fotografie von Kindern oder vorbei laufenden Menschen (bspw. Festumzüge wie Schützenfest, Karneval, …) bleibt mir die Zeit nicht, genau den Punkt scharf zu stellen, den ich gerne hätte. ? Denn Kinder warten meist nicht – wie wir früher – bis der Fotograf fertig ist. ? Und laufende Gruppen bleiben auch eher selten für Fotografen stehen und halten einen kompletten Umzug auf.
Beim Fotografieren von Motorcross Rennen habe ich leider ebenfalls das Problem! Da sind die Momente zum Fokussieren und scharfstellen noch viel kürzer als bei Kindern oder Umzügen! ?
? Braucht es für solche Fotos noch Übung oder hast Du dafür vlt. einen Tipp für mich parat?!?
Viele Grüße, Katja

Michael Mogus

Vielen dank für diesen Artikel. Leider habe ich festgestellt, dass ich keinen zusätzlichen Autofokus-Punkt habe, schade. Mein Messpunkt ist in der Mitte und bleibt in der Mitte. Grüße Michael

Elke Schneider

Ey – ich werde überwacht? Wie bitte hast Du meine Fluche gehört? 😉

Den Hinweis mit dem Einzelfeld hab ich gestern schon mal bekommen und ich werd’s morgen gleich ausprobieren. Hatte ich auch schon mal – aber vielleicht nicht konsequent genug. DER Durchbruch war’s jedenfalls bei den ersten Versuchen nicht.

Ich glaube aber, dass ich schlichtweg schneller werden muss. Ich fotografiere meist Hunde und da hat’s mit der Erziehung von mir auch noch nicht geklappt. Die bleiben nicht lange genug in Position. 😉 (Ist natürlich im vollen Lauf oder beim Springen auch unmöglich.)

Aber ich arbeite dran und allein schon die Überschrift des Artikels hat mich beruhigt: ich stelle mich nicht allein so dumm an.

Liebe Grüße, Elke.

Tanja

Guter und hilfreicher Artikel…allerdings ist es beim fotografieren einer Gruppe (egal ob Mensch oder Tier) nicht ausreichend den Autofokuspunkt auf ein Objekt zu setzen.. da sollte die Blende auch entsprechend geöffnet werden… wenn ich mich nicht irre.. ?

Nina

Hallo!
Ich hoffe die Kommentare hier werden auch nach 2 Jahren noch gelesen und beantwortet…. :/
Fotografierst du nur mit Stativ? Oder wendest du diese Methode tatsächlich auch an, wenn du aus der Hand Fotos schießt?
Das heißt, du hältst die Bildkomposition aus der Hand fest und bewegst den Autofokus mit den Tasten oder dem Rädchen z.B. in die rechte, obere Ecke?
Das erscheint mir persönlich doch relativ umständlich und langwierig…
Ist das wirklich die professionelle Arbeitsweise?
Und wenn du das so machst, machst du das dann tatsächlich bei allen Fotos? Egal ob Städtetrips, Familienfeiern (um mal bei Vaddern zu bleiben 😉 )oder Landschaften?
Danke für eine Antwort.
Viele Grüße,
Nina

Nina

Danke fürs schnelle Antworten! 🙂
Ok, ich werde das dann wohl nochmal ausprobieren. Wobei ich sagen muß, DASS ich es schon ein paar mal probiert habe und es relativ nervig fand, mit dem Rädchen „ewig“ zu klicken, bis ich den Punkt erreicht habe, den ich fokussieren wollte.
Was spricht denn gegen das Anfokussieren und Verschwenken?
Bzw., blöde Frage, sorry X(, geht das mit der Canon überhaupt?
Bisher hat das bei mir im ONE SHOT Modus nicht funktioniert. Oder geht das NUR im AI SERVO Modus?

Danke und viele Grüße,
Nina

Nina

Ich werde mir die Bedienungsanleitung heute definitiv nochmal zur Brust nehmen 😀
Vielen Dank! 🙂

Klaus

Vielen Dank für Deinen Artikel… muss ihn unbedingt meiner Frau zum lesen geben. Jedes mal wen sie unsere Kamera benutzt schimpft sie „jetzt hast du dir so ein teures Ding zugelegt und die Bilder werden unscharf“, ihre bevorzugte Einstellung „Autofokus“. Die Kamera die die Gedanken des Nutzers erkennt gibt es zum Glück nicht.
Danke!

Thoralf

Gut erklärt. Einzelnes Fokusfeld ist unbedingtes Muss!
Zusätzlich habe ich den Autofokus jedoch ständig deaktiviert bzw. habe ihn vom Auslöser getrennt auf eine andere Taste gelegt. Meine frühere Lumix FZ50 hatte dafür bereits einen Knopf neben dem Autofokus-Schalter (mit dem einmalig beim Drücken die Schärfe eingestellt wurde). Bei meine aktuellen Kikon D7000 ist das im Menü möglich. Die Funktion habe ich auf den AE/L-Knopf neben dem Sucher gelegt. Das ist eine große Hilfe beim Fotografieren – Ich halte den Fokuspunkt dorthin, wo ich mir „die Entfernung abhole“, also auf den Punkt im Bild, wo die Schärfeebene liegt, stelle einmalig auf Knopfdruck scharf, kann dann auch wieder seitlich wegschwenken und dann kann ich in aller Ruhe auf den richtigen Zeitpunkt warten. Brauche auch den Auslöser nicht halb gedrückt halten, sondern kann die Kamera auch vom Auge nehmen um abzuwarten, oder über Kopf halten um von oben zu fotografieren.
Ein Nachteil: ich kann die Kamera nicht einfach jemandem in die Hand drücken, der das nicht weiß und damit umgehen kann. 🙂