Blitze zu fotografieren ist gar nicht so schwer – wenn du eines beherzigst: Der Zufall ist dein schlechtester Verbündeter. Wer einfach aus dem Fenster schaut und hofft, geht meist leer aus. Wer dagegen weiß, wo und wann ein Gewitter aufzieht, hat echte Chancen auf das spektakuläre Bild. Genau darum geht es hier: das Gewitter aufspüren und den richtigen Standpunkt finden. (Wie du die Kamera dann einstellst, kommt am Ende.)

Per Internet zum Gewitter: den richtigen Ort finden
Gewitter treten in verschiedenen Formen auf: große Zellen, die schnell über eine Region ziehen, und kleine, dafür heftige Superzellen, die sich langsamer bewegen. Wo genau sie auftauchen, bleibt immer etwas ungewiss – ein bisschen Glück bei der Vorhersage brauchst du also. Optimal ist es, wenn du frühzeitig vor der Gewitterzelle vor Ort bist: Blitze sind oft aus großer Entfernung sichtbar, lange bevor Regen und Wind einsetzen. Wichtig ist nur, dass du dich vor dem Gewitter befindest und nicht dahinter. Dabei helfen dir drei Schritte im Internet.
Schritt 1: Unwetterwarnung und Niederschlagsradar
Der Startpunkt ist die Unwetterwarnung – im Radio, im Fernsehen oder online. Beobachte zunächst das Niederschlagsradar deiner Region. Konkret hilft dir:
- Unwetterwarnungen (wetter.com) – zeigt die Warnungen für deine Gemeinde und angrenzende Regionen.
- die Unwetterzentrale – hier siehst du, wo genau Gewittergefahr besteht. Achte auf die Legende: Nur orange, rot oder pink eingefärbte Bereiche eignen sich, um dort Gewitter zu fotografieren.
Schritt 2: Blitze in Echtzeit (Blitzortung.org)
Auf Blitzortung.org findest du eine Karte mit Blitzen in Echtzeit. An den unterschiedlichen Farben erkennst du, vor wie vielen Minuten ein Blitz eingeschlagen ist – und damit, woher das Gewitter kommt und wohin es zieht. So findest du deinen optimalen Standpunkt.

Mit diesen Infos kannst du entscheiden, ob es sich lohnt loszuziehen. Garantien gibt es nie – aber der einzige Weg, es herauszufinden, ist rauszugehen und es zu versuchen. Du kennst meinen Standardsatz dazu:
Gute Fotos sind eine Überwindungsprämie.
Nur so entstehen Fotos, die die wenigsten Fotografen in ihrem Archiv haben.
Schritt 3: Unterwegs mit der App

Bist du erst einmal unterwegs, ist eine App wie BlitzAlarm (vom Nowcast) Gold wert: Sie zeigt dir keine Vorhersagen, sondern die in diesem Moment real existierenden Gewitterzellen und ihre voraussichtlichen Zugbahnen. Es gibt sogar einen Alarmton, wenn sich ein Gewitter nähert. Die App ist kostenpflichtig (den aktuellen Preis prüfst du im App-Store bzw. bei Google Play). Die roten Flächen markieren den aktuellen Standort des Gewitters, die Kreise den voraussichtlichen Ort in 10-Minuten-Schritten – so weißt du genau, wann es deinen Standpunkt erreicht.
Hast du die App nicht zur Hand, kannst du unterwegs auch einfach Blitzortung.org im Browser öffnen. Nicht so detailliert, aber besser als nichts.
Geht das auch mit dem Handy?
Kurz und ehrlich: Das Aufspüren des Gewitters läuft mit dem Smartphone genauso – die Tools und Apps von oben hast du ja sowieso auf dem Handy. Das Fotografieren selbst geht zur Not auch mit einem modernen Smartphone, wenn es einen manuellen oder Langzeitbelichtungs-Modus bietet und du es auf ein Stativ (oder eine feste Auflage) setzt. Für wirklich überzeugende Blitzfotos bist du mit einer Kamera, an der du Blende und Belichtungszeit frei steuerst, aber klar im Vorteil. Die Methode, das Gewitter zu finden, bleibt in jedem Fall dieselbe.
Erste Übung für Einsteiger: vom Küchenfenster aus
Bevor du dich nach draußen ins Unwetter wagst, übe es trocken: vom heimischen Küchenfenster aus. Reinige die Scheibe, stell Kamera und Stativ hinter dem geschlossenen Fenster auf und mach das Licht im Raum komplett aus. So lernst du wind- und regengeschützt, wie du Blitze einfängst. Klappt das mit Belichtung und Timing, gelingt dir der Schritt in die „freie Wildbahn“ anschließend viel leichter.

Sicher unterwegs – und wie es kameratechnisch weitergeht
Ein Wort zur Sicherheit: Gewitter sind nicht ungefährlich. Geh überlegt vor, halte sicheren Abstand und bleib im Zweifel im oder am Auto – du fotografierst auf eigene Verantwortung. Vertiefte, speziell auf Fotografen zugeschnittene Sicherheitstipps findest du in meinem eBook über Nachtfotografie.
Den Ort und den Zeitpunkt hast du jetzt im Griff. Fehlt noch die Kameraseite: Welche Einstellungen du für Blitz- und Gewitterfotos brauchst, zeige ich dir Schritt für Schritt im Artikel Nachtfotografie: die richtigen Einstellungen. Das ist dein nächster Schritt – dann kann die Gewittersaison kommen.
Mehr aus der Nachtfotografie-Reihe
- Nachtfotografie: Überblick & Motive
- Nachtfotografie: die richtigen Einstellungen
- Nachts scharfstellen
- Lichtspuren fotografieren
- Feuerwerk fotografieren
- Polarlichter: wann & wo
- Milchstraße fotografieren
- Zubehör für die Nachtfotografie
- Nachtfotografie: Leser-Ergebnisse

Hallo, ich glaube Gewitter und Blitze sind nicht so mein Fall. Aber wer weiß, wenn ich mal in ein Gewitter komme, oder wie Du oben beschrieben hast hinterm Fenster. Kann es ja mal ausprobieren. Gruß Michael
Du, alles kann, nichts muss. Aber wenn, dann weißt du, wie es geht. 🙂
Hallo Karsten, das würde mich schon reizen. Deine Tipps zu den vielen verschiedenen Themen finde ich klasse. Ich möchte viel mehr Zeit für das schöne Hobby haben um alles zu probieren.
Gruß Erna
Na dann: Ran, Erna! 🙂
Zeit hat man doch nie, die muss man sich nehmen – dann hat man sie auch. 😉