Ein lichtstarkes 50er ist für viele das erste Objektiv nach dem Kit – und oft das, mit dem die Fotografie erst richtig Spaß macht. Bevor du dich für eine bestimmte Variante entscheidest, klären wir kurz, was eine Festbrennweite überhaupt ausmacht und wofür gerade 50 mm taugen. Die konkrete Kaufberatung kommt danach.
Was ist eine Festbrennweite – und warum 50 mm?
Eine Festbrennweite ist ein Objektiv mit nur einer einzigen Brennweite – im Gegensatz zum Zoom, das einen ganzen Bereich abdeckt. Den Ausschnitt änderst du also nicht am Objektiv, sondern mit deinen Füßen. Das klingt nach Einschränkung, bringt aber zwei große Vorteile: hohe Lichtstärke für vergleichsweise wenig Geld und meist die bessere Abbildungsqualität. 50 mm gelten als „normale“ Brennweite, weil ihr Bildwinkel dem natürlichen Seheindruck nahekommt – ideal also für alles vom Porträt über Street bis zu Available-Light-Aufnahmen.
50 mm an Vollformat vs. APS-C
Wichtig vor dem Kauf: Wie ein 50er wirkt, hängt vom Sensor ab. An einer Vollformat-Kamera ist es ein Normalobjektiv. An einer APS-C-Kamera wirkt dieselbe Brennweite enger – wie ein leichtes Porträttele –, was das 50er dort zur idealen Porträtlinse macht. Suchst du an Vollformat ein Porträttele, greifst du stattdessen zum 85er; das Normalobjektiv an APS-C ist das 35er. Für all diese Brennweiten gilt das Folgende sinngemäß.
35 mm oder 50 mm?
Eine häufige Frage. Kurz gesagt: Das 35er nimmt mehr Umgebung mit ins Bild – gut für Reportage, Street und enge Räume. Das 50er ist etwas enger, rückt das Motiv stärker in den Mittelpunkt und schmeichelt Gesichtern mehr – die bessere Wahl, wenn dein Schwerpunkt eher beim Porträt liegt. An APS-C verschiebt sich das: Dort übernimmt das 35er die „normale“ Rolle des 50ers an Vollformat. Hast du beide im Blick, entscheidet schlicht, ob du lieber mehr Drumherum oder mehr Motiv im Bild willst.
Was bringt dir die Lichtstärke?
Das Hauptunterscheidungsmerkmal der 50er ist die Lichtstärke – die größte Blende. Üblich sind f/1.8 und f/1.4, seltener f/1.2: Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht lässt das Objektiv herein. Das hilft dir überall dort, wo es dunkel ist – ohne Blitz und Stativ aus der Hand, abends auf Festen unauffällig, und mit niedriger ISO für rauschfreie Bilder. Statt langer, verwacklungsgefährdeter Belichtungszeiten gibst du der Kamera einfach mehr Licht.
Schärfentiefe und Freistellung

Die gestalterische Seite der Lichtstärke ist die geringe Schärfentiefe: Je kleiner die Blendenzahl, desto unschärfer wird der Hintergrund. Genau das brauchen Porträtfotografen, um ein Gesicht vor weichem Hintergrund freizustellen. Ein wichtiger Hinweis dazu: Kein Objektiv ist bei voll geöffneter Blende am besten. Erst um 2–3 Stufen abgeblendet kommen volle Schärfe, Kontrast und Auflösung. Und genau hier liegt der eigentliche Vorteil der Lichtstärke: Während ein f/2.8-Zoom erst ab f/5.6 optimal abbildet, ist ein f/1.4 schon ab f/2.8 auf seinem besten Niveau.
Warum eine Festbrennweite oft besser abbildet
Weil nur eine Brennweite optimiert werden muss, lassen sich Festbrennweiten hochwertiger bauen: bessere Gläser und Vergütung, robustere Mechanik und rundere Blendenöffnungen, die für ein schöneres Bokeh sorgen.

Die Unterschiede sind nicht riesig, aber für Fotografen, die darauf Wert legen, durchaus ihr Geld wert.
Welches 50er passt zu dir? Die Kaufberatung
Das f/1.8 – die Vernunft-Lösung
Das f/1.8 ist die günstigste Variante und der perfekte Einstieg. Ich empfehle es allen, die nicht viel ausgeben wollen oder das Objektiv nur gelegentlich nutzen. Schon damit erweiterst du die Möglichkeiten deiner Kamera deutlich und kannst bei wenig Licht ohne Stativ weiterfotografieren. Mechanische oder optische Höchstleistungen darfst du in dieser Preisklasse aber nicht erwarten. Canon, Nikon, Sony und andere bieten ein 50er (bzw. an MFT ein vergleichbares ~42er) jeweils in dieser Lichtstärke an.
Das f/1.4 – der Preis-Leistungs-Sieger
Die f/1.4-Varianten bringen deutlich mehr optische Qualität und mechanische Robustheit mit: rundere Blendenbleche für schöneres Bokeh, besseres Glas für schönere Farben, mehr Metall für lange Haltbarkeit (dafür etwas mehr Gewicht). Das ist meine klare Empfehlung, wenn du dein 50er häufig einsetzt oder als Porträtfotograf mehr Spielraum willst. Manche dieser Objektive – etwa aus den hochwertigen Dritthersteller-Serien – sind so scharf, dass Porträtfotografen die Schärfe in der Bearbeitung sogar zurücknehmen. Ein guter Mittelweg aus Preis und Leistung.
Das f/1.2 – die Prestige-Linse
Das lichtstärkste 50er kostet deutlich mehr als alle anderen. Dafür bekommst du die größte Lichtstärke und die geringste Schärfentiefe – klingt nach der besten Wahl. Doch es hat Besonderheiten: Die extreme Lichtstärke fordert den Hersteller heraus (Randunschärfe, Vignettierung), und das Gewicht ist hoch. Vor allem aber ist der Unterschied zum f/1.4 in der Praxis so gering, dass er im Bild kaum auffällt. Lohnt sich das f/1.2 also? Wenn Geld keine Rolle spielt, du dich als Profi abheben willst oder dir die große Frontlinse einfach gefällt – warum nicht. Erwarte nur nicht, dass deine Fotos allein dadurch besser werden.
Das Wichtigste zum Schluss
So unterschiedlich die drei Varianten sind – am Ende gilt: Ob ein Foto gut wird, hängt mehr von deinen Fähigkeiten ab als von deinem Equipment. Ein lichtstarkes 50er eröffnet dir neue Möglichkeiten, aber es nimmt dir das Sehen und Entscheiden nicht ab. Wenn du deine Kamera erst einmal wirklich beherrschen willst, bevor du in teures Glas investierst, ist Kamera verstehen der bessere erste Schritt.

Hallo Karsten,
ich finde es ganz toll,daß Du dir so viel Arbeit machst,und so interessante Newsletter verschickst!
Vielen Dank !Ich bin im September bei Dir in dem Kursus über Hundefotografie gewesen ( mit
dem Riesenschnauzer )!Ich habe von DeinenTipps sehr viel profitiert und bin in meiner Hundeschule schon eine tolle Hundefotografien geworden…..mit vielen Aufträgen….!
Aber jetzt hat ein Welpenbesitzer. ….von dem Labradorwelpe habe ich tolle Fotos gemacht. ..
mich gefragt,ob ich von seinem Schmuck auch Fotos machen kann…? Er ist Goldschmiedemeister
und möchte eine Homepage Page errichten. ….mit Fotos von seinen schönsten Schmuckstücken….!
Gut…ne? Ich habe ihm zwar gesagt,daß wir so halb im Umzug stecken, ich mich aber auf jeden Fall
drumherum kümmern werde…!
Ich habe die Nikon 7200…..aber mit Blitz oder ohne….welches Objektiv IT wohl angebracht…welche Belichtungszeit? Kannst Du mir da etwas weiter helfen?
Und noch was….ich habe nicht gefunden , welche Workshops Du in jedem Jahr machst. ….?
Vielen Dank und liebe Grüße
Sigrid
,
Hi Sigrid,
toll, dass du mit meinen Tipps deine Fotografie weiter entwickeln konntest. 🙂
Meine Workshops findest du auf meiner Website: https://www.fotokurs.org/shop/produktkategorie/fotokurse/
Wegen der Schmuckfotografie: Lass uns das per Email machen – schreib mich an unter frage@fotokurs.org.
der Karsten
Die 50er Festbrennweite: Welche denn nun?!
Wieder ein super ausführlicher Bericht! Dankeschön!
Ich habe eine FE 1,8/55 von Zeiss verschraubt und kann dies für die a7Ii sehr empfehlen.
Karsten, schönes Wochenende!
Gruß
Markus
Danke für das Lob. 🙂
Ja, die Zeiss habe was!!! 🙂 Ich ergänze den Hinweis noch oben im Artikel.
der Karsten
Servus Karsten,
ein schöner Artikel, wie ich finde.
Das Sigma 50mm Art steht auch auf meiner Wunschliste… aber da bleibt es wohl noch stehen, weil ich mir das noch nicht so selbst von der Anschaffung her nur rein als Hobby rechtfertigen kann.
Die 50mm Canon 1.8 und 1.4 besitze ich beide, fotografiere aber lieber mit dem 1.8er, denn insbesondere meine 70D zeigt extreme Schwächen bei der Verwendung des 1.4er wenn ich einen anderen als den mittleren Fokuspunkt verwende. Hier kann nicht einmal die tolle Focal-Software (darüber solltest Du mal schreiben) etwas ändern, weil die Nachjustierung des Fokus in der 70D nicht weit genug möglich ist um das auszugleichen. Canon wollte auf meine Anfrage zu diesem Objektiv-Problem auch nicht in meinem Sinne tätig werden.
Bei der Wahl zwischen einem im Alltag reichlich unscharfen 1.4er und einem knackig scharfen 1.8er ist die Entscheidung also klar. Wenigstens habe ich das 1.4er nie selbst bezahlt, sondern es als Gegenleistung für ein Projekt bekommen… dann tut es nicht so weh dass es nur bedingt einsetzbar ist. Im Internet finden sich übrigens sehr viele ähnliche Beiträge, die sich auch über das 1.4er mit stark schwankenden Schärfe-Qualitäten ausheulen.
Also daher würde ich persönlich sagen: wenn man bereit ist mehr als Euro 100 zu investieren, dann lieber gleich das Sigma Art kaufen und wenn man einfach mal experimentieren will (so wie ich auch damals in die Festbrennweiten eingestiegen bin), dann ruhig mal für das 1.8er Canon entscheiden. Das wird zwar oft (meist aber liebevoll) als „Plastikscherbe“ bezeichnet, aber dennoch habe ich kein anderes Objektiv das so ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis hat und das ich so gerne einsetze…. und richtige Fotos kann man damit auch machen 😉 …. Beispiel: http://i2.wp.com/allsvartur.de/wp-content/uploads/2015/12/IMG_8026-LR-FB.jpg
Es grüßt der Oliver
Danke, Oli.:-)
Ja, das mit dem Front- und Backfokus ist wirklich ein Problem. Ich mach demnächst mal einen Blogbeitrag dazu, danke für den Hinweis. 🙂
Such dir doch jemanden, der das Problem in die andere Richtung hat, dann könnt ihr evtl. tauschen. 😉
Tolle Fotos machst du!! Hast ja reichlich gelernt. Sehenswert! 🙂
Dies ist mein erster Newsletter von Karsten, denn ich fange diese Woche den ersten Kurs an. Die Kaufberatung liest sich sehr interressant. Ich werde mir wohl eine Newslwetter – Sammlung anlegen, um später darauf zurück greifen zu können.
DAS ist eine super Idee, Rüdiger. 🙂
Du könntest alternativ auch meinen Blog abonnieren, dann bist du auch immer auf dem Laufenden. Dafür kannst du hier ein Häkchen setzen: http://www.fotokurs.org/blog/feed
Zumindest, falls du ohnehin eine entsprechende Software (Feed Reader, RSS Reader) nutzt, die solch ein Abonnement verwalten kann. Das können viele Programme, sogar E-Mailprogramme wie Thunderbird.
Hej Karsten,
eben entdeckte ich Dein(en) Blog, nun ist er in meinem Feedreader. Das als Kompliment vorneweg.
Und vielleicht darf ich Dir hier (oder verschieb’s unter einen anderen Deiner Posts) eine Frage stellen – nämlich die nach dem Crop-Faktor.
Allerdings meine ich nun nicht den Crop-Faktor bezogen auf Brennweite und Sensor, sondern auf die Lichtstärke von Objektiven und die jeweilige Sensorgröße einer Kamera.
Und ich meine damit auch nicht die Fragen nach (Un-)Schärfe und Freistellungspotential.
Zur Hand habe ich ihn gerade nicht – einen längeren Artikel mit komplizierten Formeln aus dem Fotoingenieurswesen, den ich schlichtweg nicht verstand (der mir aber beim Herumguugeln auf den Monitor geriet) … die Frage beschäftigt mich, seit ich wiederholt Hinweise fand, daß es jenen (von der Fotoindustrie dann natürlich übergangenen) Zusammenhang geben solle: ein am Vollformat gemessenes 1.8er hätte so eine APSC-Wert von etwa 2.8, und es ginge gar gen 4.0 an MFT (was dort nicht unbedingt bemerkt werden würde, weil im MFT-Bereich schon die Offenblende besser genutzt werden könne).
Sollte es tatsächlich so sein, fehlt mir allerdings eine (für mich formelfreie) Begründung. Und nun bin ich gespannt, ob Du Dich dazu äußern kannst & magst – ich danke Dir jedenfalls für Dein(en) Blog und die damit verbundene Mühe … und für eine eventuelle Antwort. Komm gut Richtung Frühjahr, ciao!
Hermann
Schön, dass dir mein Blog gefällt. 🙂
Zu deiner Frage:
Die Blendenzahl kommt zustande, indem du die Brennweite mit der Öffnung der Blende in’s Verhältnis setzt. Deshalb werden Blenden ja eigentlich auch z.B. „1:2“ bezeichnet.
Beispiel:
Bei einem 50 mm-Objektiv passt der Druchmesser der Blendenöffnung bei Blende 2 (25 mm) genau 2x in die Brennweite (50 mm). Deshalb heißt Blende 2 eben Blende 2, oder korrekt ausgedrückt 1:2.
Dieser Blendenwert hat also gar nichts zu tun mit dem Sensor, den du hinter diese Blendenöffnung schraubst.
Ein Vergleich:
– Für diese Abbildung habe ich mit einem 50mm/1,4 bei Blende 2 fotografiert (anklicken für die Ansicht der gesamten Abbildung!).
– Links die Vollformat-, rechts die APS-C-Kamera
– An den Hilfslinien siehst du, dass sich die Größe der Blendenöffnung nicht verändert hat.
Alles klar?! 🙂
Klare Antwort – danke, Karsten.
Deine verlinkte Abbildung führt’s vor Augen.
Ich vermute, daß jene Theorie, die ich wiederholt in Foren fand (die angegebene Objektivlichtstärke müsse per Crop auf den jeweiligen Kamerasensor bezogen werden, dann erst hätte man die tatsächliche) – daß dies als Verkürzung eines anderen Sachverhaltes kursiert: die Äquivalentblende wird wohl gemeint sein, doch die bezieht sich ja nicht auf den Lichtwert am Sensor, sondern auf die Frage gleichwertiger Tiefenschärfe mittels KB, pardon – Schärfentiefe. Und, schwupps, wird daraus gemacht: eine APSC- oder MFT-Kamera böte eine geringere Lichtausbeute, die Kamerahersteller würden die Kunden über den Tisch ziehen. (Naja, was sie schon n bissl tun, indem sie die KB-Äquivalent-Lichtstärke eben nicht herausarbeiten.)
Kurzum: ich fotografiere mehr und lieber, als Theorie durchzukauen – und möchte mich nicht in Diskussionsforen verlieren. Wohingegen mir der Dialog hier 😉 gut gefällt.
Praktiker wussten schon immer, dass die äquiv. Blende, was die Schärfentiefe betrifft, für das größere Sensorformat immer weiter zu schließen ist.
Beispiel: Vollformat Blende 8 = APS-C Blende 4
Daraus folgt: Kleinere Sensorformate sind „lichtstärker“.
Etwas vereinfacht, für Praktiker halt. 😉
Hallo Karsten,
danke für diesen sehr informativen Beitrag, jetzt kann ich das Thema viel besser verstehen und greifen! Danke dafür!
Ich habe eine Frage zu den unterschiedlichen Ausführungen, nämlich besitze ich ein Sigma 50mm f/2,8 EX DG Makro, weil ich ein 50 mm mit Festbrennweite haben wollte. Ich lese aber immer wieder nur 1,8 oder 1,4 oder 1,2. Bedeutet das, dass das 1,8 im Vergleich 2,8 lichtstärker ist? Ich also in dem Sinne das schwächste Modell gewählt habe?
Ich bin gerade dabei, an meiner Food Fotografie zu arbeiten, da hatte ich mir dieses Objektiv zugelegt. Vielleicht hast du ja einen guten Tipp für mich!
Danke für alle tollen Beitrage von dir! Einen schönen Tag,
Raffaella
Hallo Rafaella,
du hast ein Makroobjektiv gewählt, für Food sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Die gibt es meines Wissens nach nicht noch lichtstärker. Dafür haben Makroobjektive aber den großen Vorteil, dass sie besonders nahe an die Motive herankönnen.
Die lichtstärkeren 50er gibt es nur als Nicht-Makroobejktive und sind eher für Porträts gedacht. Mit denen kommst du aber nicht sehr nahe an deine Motive heran.
Du kannst also nur eins haben. 🙂
Da sich aber im Nahbereich extrem verminderte Schärfentiefe ergibt (unänderbar, da wir die optischen Gesetze nicht verändern können), musst du ohnehin oft sehr weit abblenden. Also „stört“ Blende 2,8 überhaupt nicht. Daraus folgt … du hast das richtige Objektiv für Food gewählt. 😉